Gold & Silber: Ausgedient!

28. November 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Eine Einheit Silber kostet heute weniger als eine Einheit Luft. Herrliche Zeiten, in denen die „Kryptos“ als neue Währungen Furore machen. Zumindest heute. Vielleicht auch noch morgen früh noch. Und die Edelmetalle liegen da wie schlecht gewordenes Essen…

Es ist schon erstaunlich, welche Preisentwicklung der Bitcoin und die anderen Cyberwährungen genommen haben. Ein Bitcoin kostet fast so viel wie eine ganze Unze Gold, ein einziger Litecoin fast zwei Unzen Silber. Beide bestehen aus Nichts. Willkommen im neuen Zeitalter! Zumindest heute. Vielleicht kosten sie morgen doppelt so viel? Oder nur die Hälfte?

Fiele der Preis für einen Bitcoin um 90 Prozent, dann wäre der Bitcoin doppelt so stark gestiegen wie der DAX in diesem Jahr. Ist es verrückt? Ja und nein.

Eine silberne Blecheinheit liegt jetzt abgeschlagen bei inzwischen 17 Euro und sein Pedant in Gold bei 930 Euro. Als jeder ins Metall rannte, haben sich viele mit dem Blick von oben nach unten, das Zeug würde nochmal so billig werden wie heute. Heute aber schaut man von unten nach oben und wünscht sich, damals verkauft zu haben. Vielleicht fallen Preise der Edelmetalle noch einmal um 50 Prozent? Das wäre nett, sagt der Käufer. Schluss mit der chinesischen Tropfenfolter, ruft der Verkäufer. Was kümmert`s mich?

Ich gestehe, ich tu mich bei dem Thema der neuen Krypoto-Währungen schwer. Sie sind so gut wie das, was in sie hinein interpretiert wird. Und das ist womöglich mehr als in Papiergeld.

Vielleicht bin ich altmodisch, jedoch meine für 73 Euro gekauften Bitcoins behalte ich. Hol sie der Teufel! Als Journalist muss ich wissen, worüber ich schreibe. Manchmal kostet das etwas – im Gegensatz zu diesem Beitrag. Beobachten kostet auch noch Zeit.

Die „neuen Währungen“ vereinigen alle möglichen Komponenten: Geld und Antigeld, Spekulation und Investition, ihre Begrenztheit und neue Technologie, Idioten und Dummköpfe – und Leute  mit Köpfchen und Visionen. Altkanzler Schmidt würde zu einem Arztbesuch raten. Deshalb ist es so spannend. Schreibe ich gerade von Edelmetallen oder Kryptos? Merken Sie die Ähnlichkeiten?

Ich schaue gerne dorthin, wo niemand hinschaut. Stiege eine IAMGold von 3 auf 30 Euro, wäre das so, als ob ein Bitcoins von 10 auf 100 oder von 100 auf 1.000 Dollar steigen würde – oder eine Sabina Gold von 40 Cents auf 4 Euro stiege. Ich habe die Namen aufgeschnappt und ihre Geschäftsmodelle angeschaut. Bei Bitcoins finde ich keines. Aber Leute mögen steigende Preise und langen dort zu, wo ihnen die smarte Typen ihre Sachen andrehen.

Wer hat damals eigentlich die meisten Bitcoins aus dem Nichts erschaffen?

Das Schöne an Börse ist, vermeintlich Smarte liegen weniger lang richtig als die richtig Smarten, denen Geschrei ein Fremdwort ist. Sie geben ihre Investition denen, die am lautesten danach schreien. Vielleicht verkaufen die Smarten zu früh, aber immer an die Richtigen. Bei der Telekom war das nicht anders, als eine Aktie bei 100 Euro notierte.

Es gibt viele Fragezeichen, ob die neuen elektronischen Währungen überhaupt eine Zukunft haben, ob sie verboten werden, oder ob man sie überhaupt verbieten kann. Wie steht es um ihre künftige Handelbarkeit und Akzeptanz jenseits der virtuellen Welt?

Fahnenstangen

Schaut man auf die Charts der Kryptos, läuft es wie damals bei Telekom und KlickDichreich.com. Manches erinnert mich an Tulpenzwiebeln. Wir wissen, wie das endete. Ist der Bitcoin eine Tulpenzwiebel? Weniger als das. Die Esel würden vielleicht faule Tulpenzwiebeln fressen, jedoch beißen sie beim Bitcoin ins Leere. Und dennoch können aus 1.000 Dollar schnell 10.000 werden bevor sie auf 10 fallen? Wenn die Zahl der Käufer zunimmt, stehen 10.000 Dollar für ein Stück gar nichts im Wege? Ich beobachte die Sache weiter, habe aber noch etwas anderes entdeckt…

Mein Beruf des Börsenreporters bringt es mit sich, dass ich viele Investoren treffe. Über den Begriff des Investors kann man sich in Bezug auf die Krypto-Währungen lange streiten. Unter den vermeintlichen Investoren sind viele aufgebläht wie balzende Kröten im Teich. Die meisten Investoren agieren still, dafür sind andere Zeitgenossen lauter als ein Presslufthammer – üblicherweise die mit einem speziellen Hang für Prognosen, die ihren Wünschen entsprechen… (Seite 2)

 

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16 Kommentare auf "Gold & Silber: Ausgedient!"

  1. FDominicus sagt:

    Ich begrüsse den „Wettkampf“, schaue Ihn mir aber lieber von der Aussenlinie an. Wird schwierig mit BitCoins zu bezahlen wo kein Strom in der Nähe ist und keine Telefonleitungen. Und genau dann werde ich mit meinen Unzen spazieren gehen und mir etwas „leisten“ ……

    Mein Vorschlag wäre, spekulieren Sie nur. Nur jammern Sie nicht, wenn Sie sich verbrennen. Wie auch immer, meine Unzen setze ich nicht in 1 und 0 en um. Das machen bitte Andere.

    • Kintao sagt:

      Zitat:“Wird schwierig mit BitCoins zu bezahlen wo kein Strom in der Nähe ist und keine Telefonleitungen“

      Übertragung von Smartphone zu Smartphone bzw. Wallet zu Wallet! Schon mal daran gedacht? Da braucht man keinen Strom in der Nähe und keine Telefonleitung. Gibt nämlich schon Bluetooth z.B.!

      • stephan sagt:

        „Übertragung von Smartphone zu Smartphone bzw. Wallet zu Wallet! Schon mal daran gedacht?“

        Ohne Strom! Nee, ist klar. Ihr Smartphone wird sicher schon mit BTC angetrieben – oder doch nicht? Eine kleine BTC-Abkühlung in Form des Versuchs, die Sache mit etwas Abstand zu betrachten (Achtung: Hype!), täte wohl gut.

        Aber wie schreibt Herr Meyer mit einiger Lebenserfahrung richtig: „Das habe ich auch schon in Frankfurt vor der Börse schon erlebt, in der damals so guten, aber kurzen Zeit der High-Tech-Blase.“

        Frei nach dem Motto: Und täglich grüßt das Murmeltier. Die Macher bzw. Veranstalter sind die Cleveren. Sie treiben jeden Tag eine neue, geschickt verpackte Sau durchs Dorf. Und die Konsumenten – an der Börse nennen sie sich Investoren – gehen ihnen immer wieder auf den Leim. Die Halbwertzeiten von schlechten Erfahrungen sind eben sehr gering. Das wissen die Macher und nutzen das Vergessen.

        • Kintao sagt:

          Ich kann ein Smartphone im Akkubetrieb betreiben oder nicht? Oder reden sie jetzt davon, dass der Strom für mehrere Jahre konstant ausfällt?

          • stephan sagt:

            Vielleicht kann der Akku gerade dann nicht aufgeladen werden, wenn Sie ihre BTC tauschen bzw. verkaufen wollen. Möglicherweise spielt das dann aber auch schon keine Rolle mehr, weil Ihnen Ihre BTC inzwischen schon geklaut wurden. Immerhin haben Sie dann schon Leidensgenossen.

            Danish Bitcoin exchange BIPS hacked and 1,295 Bitcoins worth $1 Million Stolen
            http://thehackernews.com/2013/11/danish-bitcoin-exchange-bips-hacked-and_25.html

          • Skyjumper sagt:

            Mal abgesehen davon dass wir in Deutschland zumindest noch eine der sichersten Stromversorgungen der Welt haben, sollten Sie sich lieber nicht auf Ihr Handy verlassen.

            Käme es nämlich tatsächlich zu einem Stromausfall würden die meisten Sendemasten der Mobilfunkbetreiber lediglich 12 bis 24 Stunden durchhalten. Einige fallen bereits nach 4-5 Stunden aus, einige halten bis zu 72 Stunden.
            Selbiges gilt im übrigen auch für die Backbonetechnologie des Internets, womit auch der Laptop trotz vollen Akkus Schwierigkeiten bekommt.

            Und sicher, ja, auch dafür gibt es Wallets bzw. Technologien, aber ich bin schon manchmal sehr überrascht, wie un-smart so ein Smartphone ohne Netzanschluss plötzlich ist.

          • Kintao sagt:

            Dann zahlt man halt nicht mit einer Kryptowährung, wenn es zum Stromausfall kommen sollte. Wer sagt denn, dass man 100% seines Vermögens darin haben muss? Reicht doch schon 1% z.B. das bringt keinen um.
            Und fälschen und klauen, soll man auch alle anderen Formen von Währungen und Geld können oder etwa nicht? Ich sag mal Wolfram, etc.
            Alles hat immer Vor und Nachteile. Ich habe nie behauptet, das es NUR Bitcoins als Bezahlmittel gibt.

          • Skyjumper sagt:

            „Kintao sagt:
            28. November 2013 um 18:12“

            Dieser Ausführung kann ich nun allerdings absolut gar nicht widersprechen, sondern sie nur nochmal unterstreichen 🙂

  2. abcmic sagt:

    Im best case für Bitcoins entscheiden sich alle Regierungen weltweit für Bitcoins als neues Zahlungsmittel. Also maximal 21 Millionen Bitcoins für die Welt, also milli- und micro- und nano- Bitcoins für jedermann. 21 Millionen Bitcoins konstant für alle Ewigkeit, und da sich Reichtümer ja immer bei einigen wenigen ansammeln wäre das dann die gewaltigste Deflation in der Menschheitsgeschichte. Zinsen auf Guthaben (und Schulden) sind aber auch nicht mehr möglich.
    Aber so wirds nicht kommen, dafür aber unzählige andere virtuelle Währungen, als Modeerscheinung für jedes Jahrzehnt eine eigene.

  3. samy sagt:

    N’Abend,

    Bonner verglich gestern die Erfindung des Telefons mit der Erfindung des Bitcoins. Auch das Telefon setzte sich als Innovation durch, obwohl nur eine Hand voll Amerikaner eines besassen. Die Nichtverbreitung sei kein Argument für die zukünftige Unbrauchbarkeit.

    Nun lese ich hier, es gebe bereits 50 Krypto-Währungen. Bleiben wir bei Bonner’s Vergleich, so stellt sich nicht nur die Frage , ob sich das „Telefon“ asl solches wirklich durchsetzt, sondern welcher der 50 Telefonstandards? Also, 49 werden untergehen, selbst wenn das „Währungstelefon“ grundsätzlich noch in 100 Jahren klingeln sollte.

    50:1? Die reine Spekulation also, selbst wenn die Idee nicht floppt.

    Setzt sich nun wenigstens der sicherste Standard durch? Nein. Es setzt sich der Standard mit der besten „Usability“ durch.

    Microsoft dominiert Linux nicht wegen seiner Sicherheit, sondern wegen seiner Anwenderfreundlichkeit. Und seine Anwenderfreundlichkeit biete Einfallstore für Viren. Na fällt der Bitcoin schon.

    Ein Wort noch zum Stromverbrauch.

    Ein Blick in die WIKI zum Bitcoin lehrt: „…Schätzungen für den Stromverbrauch des Bitcoin-Netzwerks bewegen sich Anfang August 2011 zwischen 24 Megawatt und 200 Megawatt, was dem Stromverbrauch einer Kleinstadt beziehungsweise Großstadt entspräche.[99] Schätzungen im Dezember 2012 gehen bei einer Hashrate von 25 Terahashes pro Sekunde und 650 Watt benötigter Leistung pro Gigahash/Sekunde von einem Stromverbrauch von ca. 15 Megawatt aus. „

    Und das bereits bei der derzeitigen Unbrauchbarkeit im alltäglichen Handel? Na, dann lasst mal auf diversen Sylversterparty’s die Leute weltweit ihre Drinks um Mitternacht mit Bitcoins löhnen. … und ob die Software das mitmacht.

    Nix für mich, der Unfug.

    VG

  4. bluestar sagt:

    Ich finde das Thema Bitcoin und Co. richtig unterhaltsam. Die Preisentwicklung belegen eine intakte Story und gewisse Euphorie. Genüsslich sind die Parallelen zu der Zeit des Neuen Marktes. Wie immer geht es um die Chance, schnell ohne Anstrengung reich zu werden, oder besser als die anderen zu sein. Spieltrieb und der gewisse Kick vergrößern noch den Reiz dabei zu sein.
    Mal sehen wie lange dieses Spiel noch geht. Am Ende gibt es wahrscheinlich wie immer wenige Gewinner und viele Verlierer.
    Für mich ist das wie Spielcasino, wobei ich das echte interessanter finde. Dort kann man viel schneller verlieren oder auch manchmal gewinnen und sein eigenes Verhalten und das der Mitspieler kennenlernen.
    In früheren Jahren hat mal ein Coach gesagt: „Wenn Du über das Verhalten der Menschen etwas lernen willst, dann gehe in den Zoo, nimm Dir etwas Zeit und beobachte das Verhalten von Affen.“ Ich meine: Wenn Du ins Spielcasino gehst,
    dann lernst Du Dich selbst sehr schnell am besten kennen.

  5. schlussstrich sagt:

    Kann es nicht auch sein, das der bitcoin ganz einfach der nächste Goldpreisdrücker sein soll? Wird überall hoffähig gemacht, ebay, Deutschland, USA etc. Genau zu einer Zeit wo Goldpreismanipulationen geprüft werden und den Drückern die Luft ausgeht.
    „Leute geht raus aus Gold, rein in Crypto“ scheint die Botschaft zu sein.

    • bluestar sagt:

      „Leute geht raus aus Gold , rein in Crypto“
      Ich bitte höflichst darum dass die Leute das tun, umso lustiger wird’s.
      Alles Gold an die EM-Idioten verkaufen und rein mit der Kohle in die Währung der
      schönen Internet-Zukunft. Nur so kann man schnell reich werden, besser noch heute als morgen.

  6. TomByron sagt:

    Wow, sie lagen nur ein paar Tage daneben.
    Die Crypto-Börsen machen gerade einen Bilderbuchcrash.
    Börsen sind teilweise nicht erreichbar, was die Panik noch verstärkt.
    Weiter solche Artikel, bitte 😀

    • Frank Meyer sagt:

      Echt? Es gibt keinen Bilderbuch-Crash. Nur einen, den sich der Beobachter als diesen vorstellt 🙂 Aus dem Bilderbuch gib tes auch keine Crashs. Nur Crashs, wenn es crasht.Es ist die Frage nach der Definition eines Crashs. Oder der eigenen Positionierung 🙂

  7. samy sagt:

    Moin,

    gutes Geld muss im Allgemeinen akzeptiert und geschätzt sein.

    Und nun wendet sich der erste Staat ab. Auch noch China. Natürlich werden die das Währungsmonopol verteidigen. Das dürfte bei Bitcoins einfacher sein, als beim kuturell seit zig-tausend Jahren etablierten Gold und Silber.

    „http://www.finanzen.net/nachricht/devisen/Bitcoin-kein-Zahlungsmittel-Chinas-Notenbank-verbietet-Finanzinstituten-Bitcoin-Transaktionen-2871493“

    VG

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