Gold, nicht ungedecktes Papiergeld, verdient Vertrauen

3. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Das Halten von Gold war und ist immer noch die „beste Impfung“ gegen die Tücken des ungedeckten Papiergeldes. Die Tagesflut von Informationen und Kommentaren erschwert es nicht selten, das Unwichtige vom Wichtigen zu scheiden, den Blick auf das Wesentliche zu lenken. Das gilt vor allem auch, wenn es um das Gold geht…

Rheingold! Rheingold! Reines Gold!
Wie lauter und hell leuchtest hold du uns!
Um dich, du klares, wir nun klagen!
Gebt uns das Gold!
O gebt uns das reine zurück!

Richard Wagner, Ring des Nibelungen, Das Rheingold.

Gold wird von Zentralbanken, Politikern, „Mainstream“-Ökonomen und den ihnen ergebenen Medienvertretern nicht selten in ein schlechtes Licht gerückt – sei es aus Unwissenheit, Überzeugung oder politischem Kalkül.

Gold sei ein „überkommenes Relikt“, dem in Zeiten des ungedeckten Papiergeldes keinerlei monetäre Funktion mehr zukäme, so ist vielfach zu hören. Zudem bringe es keine Zinsen und sei daher ungeeignet für die Sparanlage. Nun zeigt sich aber, dass der Preis des gelben Metalls seit Anfang des 21. Jahrhunderts in allen ungedeckten Papierwährungen sehr stark in die Höhe gestiegen ist.

welt-goldpreis

Im März 2001 kostete eine Feinunze Gold 257,95 US-Dollar, Ende Juli 2014 bereits 1.300 US-Dollar. Die Kaufkraft des US-Dollar gegenüber Gold ist folglich um etwa 80 Prozent (!) gefallen.

Dieser Befund lässt sich auch anders ausdrücken: Ein steigender Goldpreis bedeutet nichts anderes, als dass die Kaufkraft des ungedeckten Papiergeldes gegenüber Gold stark abgenommen hat.

Was verbirgt sich hinter diesem Preisauftrieb des Goldes? Viele Kommentatoren sehen darin eine „Übertreibung“, eine „Goldpreisblase“, die sich nachfolgend korrigieren muss.

Doch es gibt eine andere Leseart: Das Ansteigen des Goldpreises seit Anfang des 21. Jahrhunderts spiegelt das um sich greifende Aushöhlen der Kaufkraft des ungedeckten Papiergeldes wieder. Mit dem Platzen des „New Economy“-Booms 2000/2001 ist weltweit ein in Friedenszeiten bislang nicht beobachtbarer Schuldenzuwachs – vor allem der Staaten und Banken – in Gang gekommen.

gold-vorlauf

Doch ein solcher Schuldenboom ist endlich. Er kann allerdings eine ganze Weile andauern, wenn die Zinsen immer weiter absinken und die Kredit- und Geldmengen immer weiter anschwellen.

Und genau das scheint den Zentralbanken zu gelingen: Sie haben die Zinsen auf Rekordtiefstände gedrückt und stellen Mittel bereit, damit Staaten und Banken liquide bleiben.

Die Folgen einer solchen Politik sind absehbar, wenn auch nicht in ihrem zeitlichen Eintreten exakt prognostizierbar: Die aufgelaufenen Schulden können nicht mehr „ehrlich“ beglichen werden.

Die Rechnung wird früher oder später – je nach politischer Interessenlage – in Form von Schuldenentwertung, steigender Besteuerung, Inflation oder einer Kombination aus allem den Bürgern präsentiert werden… (Seite 2)



 

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2 Kommentare auf "Gold, nicht ungedecktes Papiergeld, verdient Vertrauen"

  1. FDominicus sagt:

    Auf lange Sicht ohne Gold ist eine Spekulation die schief gehen muss. Alles was der Staat nicht beliebig manipulieren kann, muß man haben. Ansonsten kann man auch gleich die Bankverbindung hinterlegen und schreiben – bedienen Sie sich, wenn Sie es brauchen….

  2. von.reichel sagt:

    Das Gold gänzlich seine monetäre Funktion verloren hat, wage ich ebenfalls zu bezweifeln. In vielen Schwellenländern dient Gold sozusagen als Sparbuchersatz und Rentenversicherung – Kredite bekommt man dort auch am einfachsten, wenn man den familieneigenen Goldschmuck hinterlegt. Im erweiterten Sinne würde ich das noch eine monetäre Funktion nennen. Zumal der Privatbesitz von Gold in Indien und wahrscheinlich auch in Teilen Chinas solche Ausmaße angenommen hat, dass man dort sicherlich durchaus als Parallel- bzw. Tauschwährung im Alltag einsetzt.

    Man beachte zudem, dass noch immer größere Mengen Gold nach Indien und China fließen, auch wenn es derzeit etwas weniger sind ( http://www.goldpreis.de/News/Schweiz%3A+Gold-Im-+und+Exporte+im+ersten+Halbjahr )

    Irgendeinen Vorteil muss Gold für die Bürger und Bürgerinnen in Schwellenländern gegenüber anderen Werten also doch haben.

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