Gold nach fünf Jahren Baisse zum Giftmüll erklärt

22. Juli 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Lange hat Gold kaum noch für Schlagzeilen gesorgt. Nun ist es zurück – nach einem nächtlichen Preisrutsch. „Die Welt“ weiß zu berichten, mit dem Flash-Crash vom Montag bricht ein neues Zeitalter an. Bloß wie entsorgt man das goldene und silberne Zeug?

Ein heftiges Klirren schreckte die Goldbugs am Montag aus ihrem Schlaf, als auf der anderen Seite des Globus ein goldenes Erdbeben stattfand mit Auswirkungen bis in die heimischen Wohnzimmer. Selbst der Kookaburra im Garten schrie auf. Das war der Beginn eines neuen Zeitalters, mutmaßte die „Welt“ im überheizten Redaktionsbüro. Überhaupt ist es derzeit zu warm.

Insider berichten von Insidern, die wiederum von Insidern mit Insiderwissen gehört haben sollen, dass angeblich ein Fonds oder die Chinesen oder auch der liebe Gott binnen zwei Minuten auf den Goldpreis eingeprügelt hat. So stand es in den Zeitungen, muss also stimmen, auch wenn es nur wenig Sinn macht. Schließlich sorgte der „Jemand“ dafür, dass er die schlechtesten Preise erwischt hat, für die er auch noch selbst gesorgt hat. Wie dem auch sei: Der Schaden ist angerichtet, der Chart eindeutig. Es wird böse enden.

Charttechniker meinen, jetzt sei alles kaputt und der Weg in Richtung 600-700 US-Dollar frei. Vielleicht auch -600 US-Dollar, wegen seinem Giftmüll-Charakter. Am besten ist es, das Zeug jetzt einfach wegzuwerfen oder beim Münzhändler zu verschrotten und es gegen echte, gute, schöne, wahre, ehrliche, bunte und vor allem fälschungssichere Euros zu tauschen. Man kann das Gold auch aus dem Fenster werfen. Vorsicht, dass niemand zu Schaden kommt. Sollte sich niemand danach bücken, sind wir im neuen Zeitalter angekommen, in dem Gold keine Rolle mehr spielt und ein Silberbarren nur noch als Türstopper taugt.

Wie sagte der alte Goethe? „Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles.“ So ein Quatsch! Nichts drängt sich… höchstens „hängt sich“, wie die vielen KO-Zertifikate. Amen.

Anleger flüchten in Scharen aus den Edelmetallen, wissen die Zeitungen zu schreiben. Also muss das wohl auch wieder stimmen, bis auf eine kleine Spezies, die aus der Gold-Krise der letzten fünf Jahre offenbar nichts hat lernen wollen. Unterdessen berichten Edelmetallhändler von einem sprunghaften Anstieg des Geschäfts. Nein, die Trottel bringen das Blech nicht etwa zurück… ganz im Gegenteil. Auch diese Unbelehrbaren werden ihre Lektionen noch lernen. Notfalls muss eben der „Fonds“, die Chinesen oder der liebe Gott noch mal ran – am besten mitten in der Nacht. Und der Goethe? Ach vergessen Sie`s! Das war einmal. Aber nicht mehr heute!

Dennoch ist es erstaunlich, dass sich die Gold – und Silberpreise jetzt in etwa dort befinden, wo sie waren, bevor die großen Finanzorgien losgetreten wurden – wahrscheinlich sind wir wirklich im neuen Zeitalter mitten drin. Hoch die Tassen! Alles bleibt besser dank der umsichtigen Zentralbankpolitik. Machen Sie sich keine Sorgen mehr und verkloppen Sie ihre „Krisenbestände“, denn die Krise ist vorbei, sollten Sie es immer noch nicht mitbekommen haben. Sie kommt auch nie wieder. Versprochen!

Wozu braucht man überhaupt Gold? Um in der Krise damit zu bezahlen? Man kann es ja über Vanilleeis raspeln und Currywurst damit garnieren. Aber sonst ist damit wirklich nichts Gescheites anzufangen, denn es scheint, als werde Papiergeld künftig noch werthaltiger und stabiler als früher. Politik und Notenbanken haben schließlich viel Mühe, Lügen und Voodoo-Nebel aufgewendet, um die Leute im Papier – und Digitalgeld zu halten. Wer immer noch nicht glaubt, dass Draghi, Yellen & Co. in Wirklichkeit Gottheiten sind, sollte das schleunigst überdenken.

Gegen die Verbohrtheit von Goldbugs ist ohnehin kein Kraut gewachsen. Und wenn ich mich richtig erinnere, haben die schwärzesten aller Schwarzseher damals Euros gegen Gold getauscht um ihre Kaufkraft außerhalb des Finanzsystems zu bunkern. Wie einfältig! Das war eine Zeit lang wie auf einem Kindergeburtstag mit viel Spannung, Spiel und steigenden Preisen, selbst wenn böse Manipulatoren zwischendurch ihr Unwesen getrieben haben sollen. Der mit den Preisanstiegen über zehn Jahre einsetzende nominale Reichtum ließ so manchen alten Goldbug auf die Idee kommen, schon bald einen ganzen Straßenzug für eine Unze kaufen zu können. Das könnte jetzt leider noch etwas dauern, da wir ja laut „Welt“ in einem neuen Zeitalter angekommen sind.

Nein, man sollte seine Rest-Bestände an Gold und Silber jetzt zurücktauschen in den Euro. Also weg mit den Goldmünzen und Barren – zurück an den Roulettetisch! Dann ist man live dabei, wenn EZB & Co. unsere Einheiz-Währung weiter so erfolgreich schreddern. Merksatz: Nur eine windelweiche Währung ist eine gute Währung. Gut, dass man die Goldpreise in US-Dollar betrachtet. Schließlich zahlt man hierzulande Brötchen, Benzin und Fassbrause auch in US-Dollar. Nein?

Schaut man auf die Entwicklung dieses vermaledeiten Blechzeugs, waren Hanuta-Sammelbildchen, Überraschungseier und vor allem die siebte Serie der Plastikschlümpfe wesentlich preisstabiler. Vielleicht sollte man doch…?

Ach ja, die Minen. Sie heißen nicht umsonst so, denn sie können hochgehen. Da sie das gerade nicht wollen, gehen sie eben runter. Zehn Prozent Minus beim HUI oder HAU am Montag riecht nach Panik. Minen stehen im Vergleich zu Gold jetzt so niedrig wie seit 15 Jahren nicht mehr. Nur lastet heute auf den Bergbauunternehmen ein weit größerer Schuldenberg als damals, unter dem manches Unternehmen zusammenbrechen könnte/sollten/müsste/wird. (Gewünschtes bitte streichen) Wer kauft die Reste dann auf? Das wird spannend. Kollege Rott und unsere Metallwoche halten Sie auf dem Laufenden.

Nein, ich habe nichts dagegen, wenn ich künftig viel weniger als 32 Euro pro Gramm Gold bezahle oder für eine Unze Silber zehn statt 16 Euro und bleibe bei meiner damals recht gewagten Prognose, dass der Silberpreis auf mindestens -10 Euro pro Unze fallen wird.

gold66

Charts haben bekanntlich immer Recht. Im neuen Zeitalter ist alles möglich, selbst das Unmögliche.

P.S. Erstaunlich auch, dass das Interesse an Silber derzeit kaum vorhanden ist, sagen Experten. Umso erstaunlicher aber ist, dass die US-Münzprägeanstalt wegen der Nachfrage nichts liefern kann.

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