Gold macht verrückt. Experten auch.

17. Januar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

(von Frank Meyer) Vater Rhein schleppt hunderte Tonnen Gold mit sich, habe ich neulich gelesen. Zufälligerweise wohne ich auch noch direkt an Europas größtem Strom. Bei den jetzt steigenden Goldpreisen überkommen den Autor dieser Zeilen ganz neue Ideen. Kein Wunder wenige paar hundert Meter entfernt flittern die Millionen den Rhein abwärts gen Nordsee….

Ein Gramm Gold kostet derzeit 42 Euro. Das verdient man sich am Rhein beim Goldwaschen doch locker in ein paar Minuten (Stunden? Tage? Wochen?) Die Presse liebt dieses Thema. Wenn Verrückte Verrücktes tun, ist das immer eine Schlagzeile wert. Doch man sieht derzeit niemanden am Rhein, der Gold wäscht. Zu kalt? Lohnt sich vielleicht nicht? Noch nicht. Doch mit vielleicht steigenden Preisen wird sich das ändern.

Hier in der Gegend halten sich zudem hartnäckige Gerüchte, der Schatz der Nibelungen wäre direkt im Rheinknick zu Gernsheim verkippt worden, und schlummert dort irgendwo in zehn Metern Tiefe. Ich hoffe, ich löse jetzt keine oder eine richtige Massenpanik aus. Rhein aufwärts siebt ein Kiesunternehmen den Sand durch und hat neulich 300 Gramm des gelben Metalls gefunden, war zu lesen. Von daher dürfte an der Sache etwas dran sein. 500 Tonnen sollen schätzungsweise zwischen dem Ursprung und Worms auf dem Grund liegen.

Da die Experten seit elf Jahren vor Gold warnen, muss man sich vielleicht noch keine Sorgen machen, dass die Leute ihr Geld in Gold umtauschen und damit Banken schwere Schläge versetzen, gleichzeitig aber die Landschaft am Ufer umwühlen und Uferschwalben erschrecken. Sie kommen in einem Artikel der Welt, den ich mir die das Frühstück wahrscheinlich noch mal durch den Kopf gehen lassen muss zu folgendem Schluss…

All diese Gründe sollten niemanden dazu verleiten, jetzt sein ganzes Vermögen in Gold umzuschichten. Denn die genannten Argumente für das Edelmetall sind in der Rallye der vergangenen Jahre Zug um Zug in die Notierung eingepreist worden.

Die Experten haben bislang gute Arbeit geleistet, um die Leute vom Gold abzuhalten, übersehen sie die Wucht der Argumente, über die sie dann später schreiben. Ihre Analysen sind einfach und gleichen einem Spiel aus einer indischen Würfelbude – Analystenbingo sozusagen.

Sie kippen ihre Argumente in einen Becher, würzen den Inhalt mit Metaphern, schütteln ihn und kippen den Inhalt über ein weißes Blatt Papier. Dazu garnieren sie den Text mit einem Bild. Ich würde den Totenkopf wählen…

Gold macht verrückt

Apropos Totenkopf… Ich werde mir demnächst vielleicht einen Scherz erlauben, vielleicht Ende Februar. Dann stelle ich nachts heimlich ein paar Warnhinweise am Ufer des Rheins da auf der Sandbank auf „Vorsicht! Goldflitter! Bitte nicht berühren! und verschlage mich in die Büsche mit meinem Fotoapparat. Zwei Schilder dürften genügen. Mal schauen, was passiert.

Wenn der Goldpreis weiter steigen würde, kämen die Leute auf die Idee, ihm auch hinterher zu laufen. Wahrscheinlich werden sie dann mit Schaufeln und Salatschüsseln auftauchen, auf der Suche nach dem Metall. Das wird sogar ein Massenauflauf wie beim Media Markt und das trotz aller Warnungen von Verbraucherzentralen, Analyseabteilungen, Zeitungen und der EU-Kommission. Ich werde Ihnen berichten. Oder wir treffen uns im Fährhaus auf einen Tee? Zumindest gibt es am Rhein genügend Sand, der durchgewaschend werden könnte….

Was ist es, was Gold in den Köpfen der Leute so wertvoll macht? Vielleicht ist es nur ein Defekt eines Gens oder ein anderer Fehler der Natur. Es scheinen die Märchen zu sein, mit denen Kinder aufwachsen, als Gold noch Geld war. Kein Metall ähnelt dem Schein der Sonne. Reichtum und Glück waren von jeher mit Gold verbunden und weniger mit Reichsmark, Ost-Mark oder dem Euro. Manche erfahren im Geschichtsunterricht, welche Rolle Gold in den Jahrhunderten spielte. Oder ist es ein Bauchgefühl und doch kein Fehler der Natur? Wer weiß?

Es wäre für mich nicht erstaunlich, wenn ich mir im Sommer einen weiteren Streich ausdenke. Dann verstecke ich einige 5-Gramm-Barren auf einem Feld in Gernsheim. Zumindest gebe ich vor, das zu tun. Der Bauer spart sich das Umgraben seines Feldes, das ich im Vorfeld mit ihm auswähle.

Und wenn ich Ihnen jetzt noch sage, dass sich dieser Schatz der Nibelungen an der von mir offiziell vermuteten Stelle befindet, erlebt dieser kleine Ort einen Touristenboom und ich werde zwangsweise Ehrenbürger dieser Stadt und einem Orden aus Blech. Vielleicht sitze ich eines Tages neben dem Bürgermeister beim Abendessen, der auf den Wahlplakaten den Siegerdaumen (Gegenteil von Stinkefinger) zeigt. Dann spätestens werde ich meinen Streich bereuen – und das Gold verfluchen. Aber das dauert noch.


 

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3 Kommentare auf "Gold macht verrückt. Experten auch."

  1. rolandus sagt:

    Vorsicht mit dem Schild, es könnten Nichtschwimmer dabei sei, welche das in der Gier vergessen! §~) ….
    Und …Sonne – Licht – Lux (us) Gold.

    Ein luxuriösen Gruss an den Rhein
    Rolandus

  2. crunchy sagt:

    Goldflitter aufschäumen! Ich hab´s auch mitgekriegt. Nun, wer Kies hat, weiss noch lange nicht, wie man richtig Kohle macht: Mit Silber! Leute, die Situation entspricht 2008/9. Nicht, das ich mir das wünschte und darauf auch rechtzeitig handelte, schaut einfach hin. Der aktuelle Zyklus wird uns sicher USD 75,- bescheren. Persönlich kann ich mir noch mehr vorstellen. Dann wieder auszusteigen, scheint heute allerdings sehr gefährlich.
    Im Sommer trefft ihr mich vielleicht auf´m Kühkopf (wo das Gold entflittert wird): Auf 17 KM (einmal rund) durchatmen.

    Gold Luck!

  3. vegaman sagt:

    Hallo,

    ich denke, es gibt eine einfache Erklärung für den Mythos Gold:
    Die Mädels mögen es, weil es so schön glitzert – den Rest erledigen Angebot und Nachfrage (auf den unterschiedlichsten „Märkten“ ;-))

    Grüße

    vegaman

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