Gold kostet keine Zinsen. Guthaben bald schon.

6. Februar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Eigentlich sollten die Aktienkurse weiter steigen und das Gold noch billiger werden. Dann kam es völlig überraschend ganz anders. Das Börsendebakel wird von steigenden Goldpreisen begleitet – in allen Währungen…

Gold kostet keine Zinsen… Manche Dinge sind wirklich ganz einfach. Man muss nur darauf kommen. Die Experten in finanziellen Fragen werden auch weiterhin nicht müde darauf hinzuweisen, dass Gold keine Zinsen bringt. Sie kommen auch nicht auf die Idee, dass es auch keine Zinsen kostet. Und das in Zeiten, in denen „Geld“ ohnehin keine Zinsen abwirft, es vielleicht sogar Zinsen auf Guthaben anfallen. So verrückt ist es schon. 

Die Vorbereitungen werden offenbar getroffen. Der Negativ-Zins ist auch schon Realität. Bares Matratzengeld ist bekanntlich auch nix Wahres, sondern nur ein Schein aus Scheinen.

Ist es dennoch nicht gut, dass sich das nicht so schnell herumspricht? Wenn das in der Zeitung steht, ist es ohnehin zu spät. Solange es aber einen „Markt“ für Nachrichten gibt, nach denen man sich richtet, ist alles in Ordnung. Meinungen holt man sich ja auch von der Stange im News-Supermarkt wie Putengeschnetzeltes aus der Kühltruhe.

Ach ja, Gold ist teurer geworden. In manchen Währungen steht es sogar auf Allzeithoch bzw. die entsprechenden Währung gegenüber Gold auf Allzeittief. Wozu sich Sorgen machen? Wir im Euro sind nur später dran.

Gold ist ja wirklich eine der lustigsten Sachen in der Finanzwelt. Vor allem, wenn man „Experten“ wie einer Rentnerin ein paar komische Fragen stellt und man sich dann an der sprudelnden Blechlawine aus Tönen und Buchstaben ergötzt. Keine Ahnung zu haben aber mit unumstößlichen Meinungen zu protzen war schon immer hipp und in Bezug auf Gold immer erheiternd. Was Gold betrifft, haben die jahrzehntelangen Kampagnen aus Verdummung wirklich ganze Arbeit geleistet. Anders herum würde ich unruhig werden.

Da klagte neulich eine Bekannte, Geld bringe keine Zinsen mehr. Sie hat ziemlich viel davon – dazu aber weniger Ahnung, damit umzugehen. Darum kümmert sich ihr Bankberater. Ich wollte wissen, welche Anlagen sie denn so aufgeschwatzt bekam. Sie wusste es nicht. Irgendwas mit…. Dabei unterschreibt man doch ein Anlageprotokoll. Ob denn der Berater wegen der Börsenturbulenzen angerufen habe, zu empfehlen… vielleicht, um die Aktienquote etwas zu reduzieren, so bei 12.000 Punkten im DAX, fragte ich. Natürlich nicht. Kommt vielleicht ein paar tausend Punkte tiefer, dachte ich. Aktien muss man langfristig sehen, sagte die Rentnerin. 

Sie wusste aber genau, so war es der Plan, dass sie von den Zinsen leben möchte, naja, wollte. Manchmal kommt eben was dazwischen. Manchmal ist es sogar die normative Kraft des Faktischen, nur gut verkauft. Da gibt es doch eine Bank in Schottland, die zahlt vier Prozent, jedenfalls ihrer Freundin. Bislang. Ja, wenn Geld auf Prozente über dem Marktzins trifft… Viele Grüße von den Mittelstandsanleihen mit den garantierten sechs Prozent im Jahr. 

Jetzt war ich so frank und frei und warf das Thema Gold in die Diskussion. Danach konnte ich in Ruhe essen und wurde gut unterhalten. „Gold ist totes Kapital!“ „Geld muss arbeiten!“ „Gold ist doch so gefallen!“. Am Tisch hieß es, man könne doch nicht mit einer Goldmünze im Ernstfall einkaufen gehen… „Nein, natürlich mit dem Euro – wenn er nichts mehr wert ist“. In solchen Momenten fragt man sich dann doch, ob das Besteck auf dem Frühstückstisch nur zum Essen gedacht sei.

Ja, die Sache mit dem Geld… Anfangs hat man das Geld und die Bank die Erfahrung. Später ist es dann genau anders herum. Es dauert trotzdem, bis ein großer Berg langsam abgeschmolzen wurde. Berater sind ja genau genommen Verkäufer. Je nach Börsenstand oder gängiger Meinung schicken sie die Kunden mal hierhin, mal dorthin, um ein paar Gebühren einzusacken, von denen sie ja auch leben. Meiner Bekannte war trotzdem stolz, nur 2,5 Prozent Ausgabeaufschlag auf Fonds zu bezahlen. Aber wer sagt ihr schon, dass das nicht nötig sei? Und wenn, weiß sie es sicher besser.

Dann bekam ich noch die Börse erklärt und das 1×1 der Geldanlage. Mein Einwand, ich würde an der Börse arbeiten, wurde mit einem „ja aber…“ erwidert. Wenn sie mich aber gefragt hätte, was sie den tun solle, hätte ich auf die selbstgemachte Marmelade auf dem Tisch verwiesen. Was soll`s?

 

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14 Kommentare auf "Gold kostet keine Zinsen. Guthaben bald schon."

  1. Heinz Olm sagt:

    Schön geschrieben. Trotzdem haben derzeit viele Leute die ich kenne einen regelrechten Anlagenotstand. Ob mit oder ohne Bank…

    Alle Eier in ein Nest zu legen halte ich für gefährlich, auch wenn es ein goldenes Nest sein sollte. Ich denke, die Mischung aus Ag, Au, Aktien, Bargeld, Immobilien und einer Investition in die Ausbildung der eigenen Kinder macht es.

    Dafür, dass die Blase am platzen ist, geht es leider schon zu lange gut…

    Am schlimmsten finde ich persönlich, dass mein Bekanntenkreis lieber in Gold investiert, als in seine Firmen. Man fährt alles auf Verschleiß… Eine selbsterfüllende Prophezeiung sozusagen. Irgendwie fühlt sich das Alles wie beim Ende der DDR an.

  2. Avantgarde sagt:

    Vielleicht legt der freundliche Bankverkäufer das Geld der Rentnerin geraden ganz sicher in Deutschen oder Schweizer Staatsanleihen an.
    Die haben inzwischen bei 7 bzw. 15 Jahren Laufzeit eine negative Rendite.
    Ob die Kurse der Anleihen in 15 Jahren auch noch steigen werden wir ja sehen 🙂
    Ich möchte fast vermuten, daß das Bargeld(sofern es dann noch welches gibt) in der Matratze in 15 Jahren die Nase vorne hat.

    Gold bringt keine Zinsen und der Preis kann fallen.
    Relativ sichere Anleihen habe negative Zinsen und können ebenfalls fallen, hochverzinsliche Anleihen können gleich ganz ausfallen.

    Gold hat bereits stark korrigiert und ist auch wegen dem immer wieder kommenden Thema Bargeldabschaffung attraktiver geworden.
    Aber die 10-20% Goldanteil im Portfolio scheinen halt heutzutage nicht mehr „in“ zu sein.

  3. Stoecker sagt:

    Verkaufen Sie Ihr Gold ! ( Handelsblatt) Gold kann man nicht essen! Anja Kohl)
    Die fremdenfeindliche PEGIDA demonstrierte europaweit gegen die Aufnahme von
    Flüchtlingen ( ARD heute)
    Der eine frisst sein Essbesteck – der andere wird gewalttätig- der dritte lässt sich einweisen!
    Schönen Sonntag !

  4. EuroTanic sagt:

    „Ich wollte wissen, welche Anlagen sie denn so aufgeschwatzt bekam. Sie wusste es nicht. Irgendwas mit….“
    Dieses Veralten trifft heute flächenmässig zu.
    Die Menschen kaufen unnachgefragt Dinge in Supermärketen von Männern und geben an den Regalen ihr Hirn ab, indem sie der Werbung der Verkäufer glauben anstatt ihrem eigenen Verstand (Augen, Nase, Geschmack, Hirnlogik)
    Die Menschen schlucken unnachgefragt Tabletten vom Männern in bunten Kitteln und geben an dem Apothekenthresen ihr Hirn ab, indem sie der Werbung der Pharmazie glauben anstatt ihrem eigenen Körper und Wohlbefinden.
    Die Menschen glauben unnachgefragt Nachrichten vom Männern in gediegenen Anzügen und geben am Fernsehen ihr Hirn ab, indem sie der Versprechen der Politik glauben anstatt ihrem eigenen Wünschen und Bedürfnissen.
    Ich habe so viele Bekannte die Verträge abschliessen, auch und grade in finanziellen Angelegenheiten, ohne dass auch nur einer die AGBs dazu gelesen hätte, geschweige denn das Thema dazu verinnerlichen kann. Sie „vertrauen“ auf die „Authorität“ ihres gegenüber und schalten dabei allzugerne damit ihr Hirn ab. Und beschäftigen sich stattdessen mit Ablenkungen, die auf ihr eigentliches Leben eigentlich keinen Wesentlichen Einfluss haben.
    Vielleicht ist dass das Problem? Dass die Menschen nur allzugerne ihr Hirn abgeben/abschalten.

  5. astroman sagt:

    Ein Phänomen ist vermutlich auch, dass viele Leute gerne die eine abschließende Erkenntnis hätten. Gold ist gut oder Gold is schlecht. Aktien sind gut oder Aktien sind schlecht. Mit der Dynamik kommen viele nicht klar. Da muss man ja laufend seine eigene Meinung bilden und auch noch ändern. Ein Blick auf die Konstanz der Wahlergebnisse zeigt: Das ist per se schwer 🙂

    Aber recht so: weniger Konkurrenz = mehr für uns zum günstigeren Preis jetzt und später Käufer, die noch nix haben, aber unbedingt was wollen, weil’s die Jahre zuvor immer nach oben ging und sie damals gezögert hatten.

  6. Hinterfrager sagt:

    Wie wahr, wie wahr… Ach, und diese „Expert(-innen)“, deren offenkundig massenhaftes Auftreten in den Tiefkühltruhen der News-Märkte sämtliche Hirnwindungen verstopfen kann, haben in der Tat ganze Arbeit geleistet…

    http://www.handelsblatt.com/video/handelsblatt-in-99-sekunden/handelsblatt-in-99-sekunden-gold-statt-bargeld-so-ein-unsinn/12920822.html

  7. Filer sagt:

    Dann wollen Sie (der Autor und alle anderen hier) mit Ihren Goldbarren durch die Lande ziehen und tauschen? Gold macht doch nur Sinn, wenn man es irgendwo sicher LAGERN kann und im E-fall gibt es keine Banken und Eigenheime mehr. Vielleicht noch echte Gold- Schmuckstücke oder Diamanten- ist alles schön klein und handlich. Meine Überlegungen gehen mehr in die Richtung, in diese kleinen Pflanzsamentütchen zu „investieren“, die fallen nicht auf, nehmen kaum Platz weg und man kann irgendwo seinen Kohlrabi schnurpseln. Oder ein Stückchen Land, wo man Kartoffeln anpflanzen könnte, aber ich schweife ab…

    • Insasse sagt:

      @Filer: Wenn Sie mit dieser Art der Vorsorge rechtzeitig anfangen, haben Sie nichts falsch gemacht. Allerdings stellt sich dann noch die Frage, ob Sie noch zum Ernten kommen, wenn hungrige Mitmenschen keine Rücksicht mehr auf Eigentumsverhältnisse nehmen (= der E-Fall). Ein bisschen Diversifizierung in Form von Edelmetall zum Tauschen – oder auch zur Konservierung Ihrer Arbeitsleistung – kann also nicht schaden. Und wenn Sie einmal in den Edelmetallshop um die Ecke gehen, werden Sie sehen, wie wenig Lagerplatz das gelbe Zeug benötigt. Was die bessere Strategie ist, wird sich im Rahmen der zu erwartenden Ereignisse zeigen. Wie so oft könnte das Motto „Die Mischung machts“ die richtige Handlungsempfehlung sein.

      • tm sagt:

        @Insasse
        Aber wenn die Menschen im „E-Fall“ keine Rücksicht auf Eigentumsverhältnisse nehmen, wieso dann beim Gold? Also weshalb sollte das jemand mit mir tauschen und es sich nicht einfach nehmen, wie Sie es offenbar für Lebensmittel oder anderes Eigentum auch unterstellen?

        „der zu erwartenden Ereignisse “

        Welche Ereignisse erwarten Sie denn?

        • Insasse sagt:

          @tm: Da haben Sie nicht ganz Unrecht. Deshalb sollte man die Vorsorge auch nicht nur auf Gold, Silber (und etwas Bargeld) beschränken, sondern auch „ein paar“ Konserven im Keller deponieren. Wie gesagt: die Mischung machts. Wenn alles drunter und drüber geht, werden Sie im Zweifel auch für Gold und Silber nichts bekommen. Ohnehin wird es in dieser Phase viel zu gefährlich und auch viel zu teuer sein, damit „einzukaufen“. Eben wegen der zu befürchtenden Missachtung der Eigentumsverhältnisse.

          Zu den „zu erwartenden Ereignissen“: Das Bankensystem steht nun innerhalb weniger Jahre zum zweiten Mal vor dem Bankrott. Ewig wird die Retterei nicht funktionieren, da den „Rettern“ (Staaten und Zentralbanken) langsam die Mittel ausgehen. Ohne Banken siehts aber in diesem System rabenschwarz aus. Alles funktioniert just in time und immer in Verbindung mit Bankzahlungen. Nun hoffen wir, dass es nicht so schlimm kommt. Man sollte es aber auch nicht ausschließen. Eine halbwegs durchdachte Vorsorge kann also nicht schaden.

  8. MFK sagt:

    Natürlich kostet Gold Zinsen, so wie fast alles, das produziert wird. Die Minen arbeiten nämlich auch mit Fremdkapital.

  9. FDominicus sagt:

    Mensch Meyer, warum hören die Leute nicht auf Sie;-) Gold ist maximal altmodisch im Grunde aber völlig überflüssig. Das haben Sie doch so oft schon hier dargelegt. Also warum steigt der Preise für etwas so Wertloses?

    • Frank Meyer sagt:

      Klar ist Gold überflüssig. Im Ernstfall ist man dennoch flüssig. Und wenn es mal vorbei sein sollte mit der Kreditpyramide, dann kann man später wengstens die Klumpen wieder in Fiat verflüssigen. Irgendwie ein monetäres Eis, abhängig von der Temperatur im Kreditmarkt. 🙂

      Ich hoffe nicht, dass Frau Merkel dem Gold ihr Vertrauen ausspricht…

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