Gold ist Geld + Kommentar Schweizer Gold-Initiative

22. November 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Gold ist Geld. Es steht im direkten Wettbewerb mit den ungedeckten Papierwährungen, nicht aber mit Anleihen, Aktien oder Häusern. Am 29. Oktober 2014 gab der ehemalige Vorsitzende der US-Zentralbank, Alan Greenspan, ein Interview, in dem er sich unter anderem auch zum Gold äußerte…

Er sagte: “Gold is a currency. It is still, by all evidence, a premier currency. No fiat currency, including the dollar, can match it.“ Übersetzt heißt das: “Gold ist eine Währung. Es ist immer noch, nachweislich, eine erstklassige Währung. Keine Fiat-Währung, einschließlich des Dollar, kann es mit ihr aufnehmen.“

Alan Greenspan zu zitieren ist eine Pikanterie: Als Leiter der US-Notenbank hatte er wie kein anderer vor ihm das ungedeckte Papiergeld zelebriert, für Spekulationsblasen, Verschuldungs-Exzesse und „Boom-und-Bust“-Zyklen gesorgt. Jedoch trifft Greenspans Aussage den Kern: Gold ist Geld.

Es ist sicherlich nicht übertrieben zu sagen, dass Gold das ultimative Zahlungsmittel ist. Es wird überall akzeptiert, ohne dass dafür die Garantie eines Dritten erforderlich ist. Die Grafik zeigt, wie viele Konsumgüter man mit einem US-Dollar und einer Feinunze Gold kaufen kann.

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Der US-Dollar hat – gemessen an den Konsumentenpreisen – seit Anfang 1970 bis heute etwa 84 Prozent seiner Kaufkraft verloren, der des Goldes ist um etwa 480 Prozent gestiegen. Die Kaufkraft des Goldes kann zwar mitunter sehr stark schwanken. Aber sie wird, anders als bei ungedecktem Papiergeld, nicht auf null fallen, weil Gold stets einen nicht monetären Wert hat – und wohl auch immer haben wird.

Gold verliert, im Gegensatz zu den ungedeckten Papierwährungen, seine Kaufkraft nicht unwiderruflich, weder durch Inflation noch durch Zahlungsausfälle von Schuldnern. Gold ist Geld, und als solches steht es im direkten Wettbewerb mit den ungedeckten Papierwährungen, nicht aber mit Anleihen, Aktien oder Häusern, deren Wertentwicklung häufig dem Gold gegenübergestellt wird.

Alle heutigen Papiergeldwährungen wären ohne die ehemalige Goldanbindung nicht denkbar. Das haben die Ökonomen Carl Menger (1840 – 1921) und Ludwig von Mises (1881 – 1973) überzeugend aufgezeigt. Ihre Erkenntnis ist viel bedeutsamer, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Bekanntlich hat es in der Währungsgeschichte schon viele Experimente mit ungedecktem Papiergeld gegeben. Sie sind stets für diejenigen schlecht ausgegangen, die sich auf das Versprechen verlassen haben, das ungedeckte Papiergeld sei wertstabil, würde also seine Kaufkraft bewahren.

Die Erfahrung hat unmissverständlich gezeigt: Ungedeckte Papiergeldwährungen kommen und gehen. Gold hat hingegen immer seinen Status als ultimatives Zahlungsmittel bewahrt. Dass seit Jahren die Zentralbanken etwa in China und Russland ihre Goldbestände aufstocken, ist aus dieser Perspektive betrachtet daher alles andere als verwunderlich, vielmehr plausibel.

Übrigens sieht selbst EZB-Präsident Mario Draghi das Zentralbankgold als „Sicherheit“ an, das nicht verkauft werden sollte. So zumindest seine Wortäußerung am 9. Oktober 2013.

Auch nachdem die Vereinigten Staaten von Amerika die Goldeinlösepflicht des US-Dollar am 15. August 1971 aufhoben und die Welt auf ungedecktes Papiergeld wechselte, war Gold weiterhin Geld.

Zwar schien es ab Beginn der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zunächst so, dass das ungedeckte Papiergeld das Gold tatsächlich dauerhaft verdrängen könnte. Jedoch bereits mit dem Zusammenbruch des „New Economy“-Booms 2000/2001 und dem Beginn des markanten Goldpreisanstiegs sollte sich das als Täuschung herausgestellt haben. Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2008 ist daher auch kein isoliertes Ereignis, sondern vielmehr eine Fortsetzung der immer größeren Probleme, für die das ungedeckte Papiergeld weltweit sorgt.

Die „Rettungspolitiken“ der Regierungen und Zentralbank mögen das Problembewusstsein vieler Sparer und Anleger erfolgreich eingeschläfert haben. Doch der Schlummer wird nicht anhalten. Beim Erwachen wird deutlich werden, dass Alan Greenspans Worte den Kern der Sache treffen: Mit Gold kann keine ungedeckte Papierwährung mithalten… (Seite 2)




 

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2 Kommentare auf "Gold ist Geld + Kommentar Schweizer Gold-Initiative"

  1. Anton Paulin sagt:

    Dieser Artikel trifft den Nagel auf dem Kopf. Als Schweizer Bürger, Wähler und Steuerzahler unterstütze ich die Goldinitiative und als Abonnent des Degussa-Marktreports schätze ich die Beiträge von Dr. Thorsten Polleit seit längerem. Vielen Dank!

  2. Hartmut S. sagt:

    Seit Jahren wandert Gold über die Schweiz in den Fernen Osten nach China und Indien (allein im vergangenen Monat gingen hunderte von Tonnen in Richtung China, Hongkong und Indien http://www.goldpreis.de/News/Schweizer+Goldimporte+und+-exporte+im+Oktober+2014 ). Und man kann mir nicht erzählen, dass diese Menschen primitiv wären, nur weil Sie sich dem intrinsischen Wert des Goldes verschrieben hätten. Wer kein Bankkonto und keine Versicherungspolicen hat, für den ist Gold eine Währung und Absicherung – sogar eine sehr gut funktionierende. Von daher ist es vielleicht wirklich mal an der Zeit, dass Europa und die USA versuchen, aus ihrem Spielgeld (Monopoly-Geld kann ich auch ohne Probleme nachkaufen, so wie sich Dollarscheine beliebig vermehren lassen) eine Währung zu machen, die diesen Namen auch verdient!

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