Gold in Euro – ein großer Gewinn

10. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thosten Polleit

Seit 1999 hat das Gold den Euro-Sparern einen großen Wertzuwachs beschert. Viel spricht dafür, dass das auch künftig so sein wird...

Wer bei Einführung des Euro zu Beginn des Jahres 1999 auf Gold gesetzt hat, kann einen großen Gewinn verbuchen: Aus 100 Euro sind 438 Euro geworden, in der Spitze (September 2012) waren es 547 Euro. Wer zum Beispiel 100 Euro in den DAX investierte, hat nur 231 Euro erzielt. Investoren, die auf den Euro Stoxx 50 setzten, haben nahezu keine Wertzunahme zu verzeichnen.

polleit-2015-04-10-1Dass das Gold (in Euro gerechnet) derart stark „performed“ hat, hat mehrere Gründe. Zum einen wurde der Goldpreis (in US-Dollar) in den letzten Jahren im Zuge eines markanten Rohstoffpreis-Booms in die Höhe getrieben. Zum anderen haben die internationalen Finanzkrisen (2000/2003, 2008/2009) die Nachfrage nach Gold anwachsen lassen – denn Gold ist das ultimative Zahlungsmittel, ist Versicherung gegen Zahlungsausfälle und Geldentwertung.

Jüngst hat das Gold die Euro-Bürger zudem auch gegen den Verfall des Euro-Außenwertes geschützt. Der Goldpreis ist in US-Dollar gerechnet zwar seit Jahresanfang nahezu unverändert geblieben. Aber der Euro-Außenwert hat seither um 12 Prozent gegenüber dem US-Dollar verloren, entsprechend ist der Goldpreis in Euro gerechnet gestiegen.

Die ungewisse Zukunft des Euro – wie übrigens auch die einiger anderer ungedeckter Papiergeldwährungen – empfiehlt, einen Teil des Vermögens in (physischem) Gold zu halten.

Die konjunkturelle Verbesserung, die sich derzeit zeigt, und die nachlassenden Krisensorgen sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Probleme in der internationalen Kredit- und Geldarchitektur weiter anwachsen. Der Versuch, sie mit Tiefzinsen und dem Anwerfen der elektronischen Notenpresse zu lösen, wird nicht die Lösung bringen. Er wird den Goldpreis weiter in die Höhe treiben, nicht nur in US-Dollar gerechnet, sondern vermutlich vor allem auch in Euro gerechnet.

»Ohne den Goldstandard gibt es keine Möglichkeit, die Ersparnisse vor der Enteignung durch Inflation zu schützen. Es gibt dann kein sicheres Wertaufbewahrungsmittel mehr. Wenn es eines gäbe, müsste die Regierung seinen Besitz für illegal erklären, wie es im Fall von Gold ja auch tatsächlich geschah. Wenn sich jedermann zum Beispiel entscheiden würde, all seine Bankguthaben in Silber, Kupfer oder irgendein anderes Gut zu tauschen, und sich danach weigerte, Schecks als Zahlung für Güter zu akzeptieren, würden Bankguthaben ihre Kaufkraft verlieren und durch Regierungsschulden gedeckte Bankkredite würden mangels Kaufkraft wertlos. Die Finanzpolitik des Wohlfahrtsstaates verlangt es, dass es für die Besitzer von Vermögen keine Möglichkeit gibt, sich zu schützen.

Dies ist das schäbige Geheimnis, das hinter der Verteufelung des Goldes durch die Verfechter des Wohlfahrtsstaates steckt. Kreditfinanzierte Staatsausgaben sind schlicht und ergreifend ein System zur »versteckten« Enteignung von Vermögen. Gold steht diesem hinterhältigen Prozess im Weg. Es steht für den Schutz des Eigentums. Wenn man das begriffen hat, versteht man auch die Feindschaft der Etatisten gegen den Goldstandard.

Diese Zeilen (eigene Übersetzung) stammen von Alan Greenspan, Vorsitzender der amerikanischen Zentralbank (Fed) von 1987 bis 2006. Sie sind ein Auszug eines Aufsatzes, den er im libertären Informationsbrief von Ayan Rand (1905 – 1982) unter dem Titel Gold and Economic Freedom im Jahre 1966 veröffentlicht hat.

Die Kosten des Euro-Verfalls

Die Geldpolitik der EZB befördert eine Euro-Abwertung, die die Euro-Bürger teuer zu stehen kommt. Seit Mitte 2014 hat der Euro allein gegenüber dem US-Dollar um etwa 24 Prozent abgewertet. Das scheint viele Marktbeobachter nicht zu sorgen. Im Gegenteil: Sie erhoffen sich dadurch eine Belebung der Euro-Volkswirtschaften.

Sinkt der Euro-Außenwert, so die Überlegung, werden Euro-Exportgüter auf den Weltmärkten wettbewerbsfähiger. Die Unternehmen verkaufen und produzieren mehr, schaffen dadurch neue Arbeitsplätze. Doch das ist eine einseitige, verkürzte Sicht der Dinge. Schließlich importieren Unternehmen Rohstoffe sowie Vor- und Zwischengüter, die durch eine Euroabwertung teurer werden.

Für Unternehmen steigt der Gewinn aus heimischer Produktion daher nicht notwendigerweise an, wenn der Euro-Außenwert nachgibt – und es werden auch nicht notwendigerweise neue Arbeitsplätze im Euroraum geschaffen. Unternehmen im Euroraum profitieren von einer Euro-Abwertung, wenn sie im Ausland produzieren und verkaufen. Für sie besteht der Anreiz, die Heimatproduktion ins Ausland zu verlagern – zu Lasten der heimischen Beschäftigung.

Ein abnehmender Euro-Außenwert kommt Konsumenten teuer zu stehen. Man denke etwa an steigende Energiekosten oder an die Verteuerung der Preise für quasi nicht ersetzbare Auslandsgüter (wie zum Beispiel Laptops, Software etc.). Und nicht zuletzt verteuert ein abwertender Euro den Erwerb von Vermögen – Aktien, Anleihen, Häuser und Grundstücken – im Ausland, und das trifft heimische Unternehmen und Sparer gleichermaßen.



Abwertung macht nicht reich(er)

Man könnte weitere Einzelbeobachtungen anführen, die ebenfalls zeigen, dass eine Volkswirtschaft nicht reicher wird, wenn der Außenwert ihrer eigenen Währung abwertet. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Würde eine Abwertung der Währung den Wohlstand einer Volkswirtschaft fördern, stünden Russland, Argentinien, Brasilien oder die Türkei, um nur einige zu nennen, wirtschaftlich blendend dar. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Eine Währungsabwertung kommt meist nicht aus heiterem Himmel, sie hat in der Regel „handfeste Gründe“. Beispielsweise wertet eine Währung ab, weil das Vertrauen in die politische und wirtschaftliche Stabilität einer Volkswirtschaft schwindet. Oder internationale Investoren haben die Sorge, die Zentralbank könnte durch eine Inflationspolitik die Kaufkraft der Währung herabsetzen. Kapitalabzug, beziehungsweise –flucht setzen ein. Sparer und Investoren bieten heimische Währung verstärkt am Devisenmarkt an und fragen Auslandswährung(en) nach. Die heimische Währung gerät unter Abwertungsdruck gegenüber den Auslandswährungen.

Japanische Falle

Ein besonders prägnantes Beispiel ist der japanische Yen. Seit die japanische Notenbank Ende 2012 verkündet hat, sie werde in großem Stile Staatsanleihen aufkaufen und mit neu geschaffenem Geld bezahlen, ist der Yen-Außenwert im Sinkflug (insbesondere gegenüber dem US-Dollar).

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Die Grafiken sollen keine Punktprognosen geben, sondern lediglich die grundsätzliche Beziehung zwischen Geldmengenausweitung und Wechselkursentwicklung illustrieren.

Die japanische Politik, Staatsschulden zu „monetisieren“, lässt das Vertrauen in den Yen zusehends schwinden. Seit Ende 2012 hat er allein gegenüber dem US-Dollar um 56 Prozent an Wert eingebüßt. Geholfen hat die Monetisierungspolitik der japanischen Volkswirtschaft nicht. Die strukturellen Probleme – vor allem das niedrige Wachstum – hat das Ausweiten der Basisgeldmenge durch die japanische Zentralbank nicht gelöst.

Die Europäische Zentralbank (EZB) folgt nun jedoch dem japanischen Beispiel. Auch sie kauft jetzt Anleihen und Kredite auf und bezahlt die Käufe mit der Ausgabe von neuem Euro-Basisgeld. Zunächst sollen dadurch allein bis Herbst 2016 etwa 1,14 Billionen Euro zusätzlich ausgegeben werden. Vermutlich wird das jedoch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Es ist vielmehr zu befürchten, dass die Geldmengenausweitung der EZB (das sogenannte „QE“) letztlich noch sehr viel umfangreicher ausfällt, als es derzeit in Aussicht gestellt wird.

Der Grund dafür ist, dass die EZB den Euro-Banken einen sehr großen Geldbetrag zur Verfügung stellen muss, um deren Zahlungsfähigkeit sicherzustellen. Dies kann nur im Zuge überaus großer Wertpapierkäufe erfolgen. Eine solche Geldpolitik wird zu einer wahren „Euroschwemme“ führen, die den Euro-Außenwert vermutlich stark abwerten lässt – und die sogar zu einem ernsten Vertrauensverlust in den Euro führen kann. Ein geschwächter Euro, nach innen und außen, würde den Euro-Bürgern große Wohlstandsverluste bescheren: Sie bekommen immer weniger für ihren Euro… (Seite 2, Island denkt über Vollgeld nach…)




 

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6 Kommentare auf "Gold in Euro – ein großer Gewinn"

  1. FDominicus sagt:

    Tja Gold ist nun mal Geld der Euro nur ein gesetzliches Zahlungsmittel, das dazu nur ein Schuldschein ist.

  2. Nordlicht sagt:

    Leider stimmt die Analyse nur in der Theorie. Die Mehrzahl der Menschen wird kein gutes Geld nachfragen, genauso wie Sachgüter auch nicht in guter Qualität nachgeragt werden. Egal ob Turnschuhe aus China, die unter menschunwürdigen Bedingungen produziert werden, den Großteil der Nachfrage ausmachen. Der Umsatz der guten Schuhmacher in Europa ist im Vergleich zur asiatischen Billigprodukten minimal.
    Genauso machen Tomaten, die nicht schmecken und das Land duch Peztiziede vergiften im Vergleich zu den leckeren von Bio-Bauern produzierten Tomaten, den Großteil der Nachfrage aus.
    Der marktwirtschaftliche Wettbewerb führt leider eben NICHT zu den besten Problemlösungen, sondern meist -nicht immer – zu einem Ungleichgewicht. Weder sind die privaten Krankenhäuser besser als die statlichen, noch fährt eine private Bahn pünktlicher als eine staatliche. Der einzige Unterschied ist, dass ein Unternehmer und/oder Investor mehr Geld verdient.

    Was alles nichts daran ändert, das ein Vollgeld-System bestimmt sinnvoller ist, als unser aktuelles Geldsystem.

  3. Michael sagt:

    Unsinniges Wirtschaftstreiben wird kaum ein Geld dieser Welt finanzieren. Volle Regale haben zu einer Änderungen der Sicht auf ‚Geld‘ und Vermögen geführt, weg vom Gut als Träger des ‚Wohlstands‘ und dem Geld als Mittel des Tausches.

    Die Frage in der heutigen Zeit stellt sich derform, was habe ich von Geld von dem ich mich selbst nicht bezahlten kann. Das ist eigentlich was die Menschen bewegt. Die Asymmetrie der Investition von Lebenszeit im Wirtschaftsraum vs. der Entlohnung mit Tauschmittel, dessen Weitergabe und damit Verbunden die Abwesenheit der Möglichkeit sich selbst entlang seines Wertempfindens zu entlohnen ist dann doch verwirrend, sieht man Geld und damit Vermögen als Reichtum/Wohlstand und nicht die Güter.

  4. Paul sagt:

    Gold kann man mehrwertsteuerfrei erwerben, den Gewinn braucht man nach einem Jahr Besitz nicht zu verteuern. Im Gegensatz dazu sind Gewinne aus Aktiengeschäften und Zinseinkünfte steuerpflichtig.

  5. normalo sagt:

    Kein Geld der Welt wird mehr funktionieren wo Börsenhandel der Mittelpunkt ist. Die Technik (Compurtrsysteme) sind bereits so ausgereift, das es nur Gewinner und Verlierer gäbe. Die Verlierer wären immer die Fleißigen.

    Das Beste was ich bisher gelesen habe, beschreibt Andreas Popp auf seiner Web Seite „Wissensmanufaktur“. Zumindest 80 Prozent wäre für mich bis jetzt nachvollziehbar was er schreibt.

  6. normalo sagt:

    Meiner Meinung nach sollte es weltweit einen Währungskorb geben wo jedes Land nach Wirtschaftskraft prozentual beteiligt ist. Die Wirtschaftskraft sollte mit Gold hineterlegt sein. Wer zu wenig Gold verfügt sollte den Währungskorb mit anderen wichtigen Rohstoffen füllen können (Öl Gasreserven oder andere wichtige Metalle). Verliert ein Land an Wirtschaftskraft muss nachgefüllt werden ist dies nicht möglich wird abgewertet und der Wohlstand sinkt. National wäre in dem Fall eine Papierwährung ausreichend wenn sie international im Währungskorb mit mit Gold gedeckt ist. Nationalbanken sollten staatlich sein. Zinseszinssystem dürfte es nicht mehr geben.

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