Gold hui, Öl pfui?

2. November 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Robert Rethfeld) Gold und Erdöl lassen sich als „Geschwister im Geiste“ definieren. Beide Rohstoffe haben sich in der Historie als wichtig für jede hoch entwickelte Zivilisation erwiesen. Öl wird das „schmutzige Gold“ genannt. Wobei man sich natürlich fragen kann, ob Gold sauber ist, nur weil es glänzt…

Charttechnisch ist die Verwandtschaft beider Rohstoffe gut erkennbar. Nachfolgend zeigen wir die Entwicklung seit 1968.

Der rasanten – und inflationsbehafteten – Aufwärtsphase der 1970er Jahre folgte für beide Rohstoffe das „Tal der Tränen“ der 1980er und 1990er Jahre. Ende 1998 erreichte der Ölpreis sein Tief bei gut 10 US-Dollar. Es folgte ein 10jähriger Anstieg, der im Jahr 2008 bei 147 US-Dollar sein bisheriges Ende fand.

Anders agierte der Goldpreis. Er markierte in den Jahren 1999 und 2001 ein Doppeltief. Der September 2011 wird als aktueller Hochpunkt auswiesen. Wenn man so will, haben beide Rohstoffe ihre starke 10-Jahres-Periode bereits hinter sich: Öl von 1998 bis 2008, Gold von 2001 bis 2011.

Im Rahmen der Entwicklung seit 1998 fällt auf, dass der Ölpreis zwischen 1998 und 2008 relative Stärke gegenüber dem Goldpreis zeigte. Seit 2008 hat sich dies umgekehrt (folgender Chart). 

Während sich der Ölpreis bis Januar/Februar in einer saisonal schwierigen Phase befindet, beginnt Ende Oktober für Gold üblicherweise eine positive Phase.

Der Gold-Minen-Index HUI spielt mit. Er konnte am letzten Handelstag im Oktober drei Prozent zulegen. Es sieht danach aus, als ob der Test des 1-Jahres-GDs (grüne Linie folgender Chart) erfolgreich verlaufen würde.

Der Öl-Service-Sektor zeigt hingegen seit Mitte September ein problematisches Muster mit fallenden Hoch- und Tiefpunkten (folgender Chart).

Der Goldminen-Sektor zeigt sich konstruktiv. Sollte es der Goldpreis in den kommenden Wochen schaffen, die Marke von 1.800 Dollar erneut zu erreichen, bestünde die Möglichkeit der Ausbildung einer Tasse/Henkel-Formation (folgender Chart).

Eine solche Formation würde eine Zielmarke von 2.075 US-Dollar ergeben. Sollte Gold wider Erwarten fallen, so böte der 1-Jahres-GD bei 1.667 US-Dollar eine wichtige Unterstützung (grüne Linie obiger Chart).

Markante Hochpunkte für Gold in der ersten Jahreshälfte der vergangenen Jahre:

2006: Mai
2007: Februar
2008: März
2009: Februar
2010: Mai/Juni
2011: Mai
2012: Februar

Eine Besonderheit stellten jeweils der Januar 2010 und 2011 dar. In diesen Monaten fiel der Goldpreis entgegen dem saisonalen Muster.

Und Erdöl? Derzeit läuft eine Entwicklung ab, die noch vor einigen Jahren undenkbar schien: Die USA sind auf dem besten Weg, Saudi Arabien bei der Öl-Produktion zu überholen. http://tinyurl.com/9mtbt27

Die Auswirkungen dürften wie folgt sein: Das Maximum der weltweiten Ölproduktion verschiebt sich deutlich nach hinten (2030 oder später). Das erhöhte Öl-Angebot auf dem Weltmarkt dürfte zu einer Verflachung des Ölpreisanstiegs führen. Da Öl üblicherweise einer der größten Inflationstreiber ist, dürfte die massive Ausweitung der Öl- (und Gas)-Produktion die Aussicht auf stark steigende Inflationsraten oder gar auf eine Hyper-inflation verringern.

Fazit: Die Phase der Outperformance von Gold gegenüber Öl sollte auch in den kommen-den Monaten anhalten. Gold hat die Möglichkeit der Ausbildung einer Tasse-/Henkel-For-mation. Ein Anstieg bis zum Frühjahr wäre der „normale“ Weg. Sollte der Goldpreis dann innerhalb weniger Tage blasenmäßig ansteigen, dann müsste man im Frühjahr 2013 einiges vom Tisch nehmen. Nach unten hin dürfte Gold durch die Marke von 1.667 Dollar unterstützt sein. Antizipieren Sie die Entwicklung der Finanzmärkte mit Hilfe unserer handelstäglichen Frühausgabe.

Robert Rethfeld
Wellenreiter-Invest

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