GOLD: HUI oder Pfui?

19. Februar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Wer in den vergangenen fünf Jahren Gold- und Silberminenaktien im Depot hatte, der hat eine harte Geduldsprobe hinter sich. Man könnte auch von einem Desaster sprechen…

Beispielhaft zeigt das der langfristige Verlauf des Minenindex HUI in der folgenden Abbildung: Seit Herbst 2011 ist der Index von rund 600 auf 100 Punkte abgestürzt, ein Verlust von rund 84 Prozent.

HUI sehr lang

Goldaktien schienen Verluste geradezu abonniert zu haben. Doch wie das immer so ist an der Börse: Wenn niemand mehr damit rechnet, dann dreht der Wind ganz plötzlich: Mitte Januar haben sich die Minenwerte vom breiten Markt gelöst und führen jetzt ein Eigenleben. Traditionell können sie das auch recht gut, wenn sie erst einmal in Fahrt sind: In der Spitze hat der Minenindex HUI in vier Wochen rund 63 Prozent zugelegt.

HUI Ausbruch2

Der direkte Vergleich des Dow Jones Industrial mit dem vergleichsweise „trägen“ Minenindex XAU in der folgenden Abbildung zeigt die Aufholjagd der Goldaktien. Ein Kursplus von rund 40 Prozent gegenüber dem Weltleitindex innerhalb weniger Wochen kann sich sehen lassen. Plötzlich können Goldanleger wieder aufatmen – während andernorts die Depots teilweise massiv unter Wasser stehen.

INDU und XAU kurz

Die Kehrtwende bei den Minenwerte hat gute Gründe: Seit dem (vermeintlichen) Tief vom Sommer 2013 sind mittlerweile rund zweieinhalb Jahre vergangen. Genug Zeit also, um die total zusammengefalteten Goldminenaktien in aller Ruhe einzusammeln. Genau das haben kapitalstarke Adressen in den zurückliegenden Monaten getan. Das Umsatzverhalten vieler Edelmetall-Aktien belegt das.

Doch die zeitliche Komponente dieser „Streckfolter“ ist nur ein Aspekt. Viel wichtiger ist der Zustand unseres Geldsystems. Hier zeigen sich immer tiefere Risse und Gräben, die auf einen breit angelegten Vertrauensverlust hindeuten, der uns in den kommenden Jahren ins Haus stehen wird. Betroffen sind das Vertrauen in die Staaten und in die ungedeckten Papiergeld-Währungen ganz allgemein. Negative Zinsen und die unverkennbar forcierte Abschaffung des Bargeldes dürften dabei eine Schlüsselrolle spielen.

Gut möglich, dass sich die Geschichte dann irgendwie doch wiederholt und wir schon bald eine Entwicklung sehen werden, wie sie sich während der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren abgespielt hat. Auch damals hatten sich die Goldaktien „urplötzlich“ vom breiten Markt abgekoppelt und führten fortan ein sehr dynamisches Eigenleben. In der folgenden Abbildung zeigt das beispielhaft der Kursverlauf von Homestake Mining, seinerzeit größter Goldproduzent der Welt (grüne Linie), im direkten vergleich mit dem Dow Jones (rot).

Dow Jones und Homestake 1924 - 35-Grafik-15

Ein wichtiger Meilenstein könnte ins Rollen kommen, sobald die US-Notenbank die Anleger mit „QE4“ oder ähnlich gelagerten Maßnahmen „beglückt“. Mancher wird sich dann nämlich die Frage stellen, was der Blödsinn eigentlich soll. Schließlich wurde in den vergangenen Jahren bereits eindrucksvoll bewiesen, dass derlei Kunststückchen mehr oder weniger im Sande verlaufen.

Ähnlich dürfte es mit negativen Zinsen und der Einschränkung von Bargeld werden. Im Zuge dessen sollte das Vertrauen in die Allmacht der Notenbanken wie auch in die „Werthaltigkeit“ von Papiergeld immer weiter erodieren.

Historische Fehler der Vergangenheit hätten uns dann sozusagen wieder eingeholt. Zu dem Thema ist auf der Internet-Seite des Ludwig von Mises Institut kürzlich eine interessante Analyse erschienen. Mit Blick auf die Depression der 1930er Jahre und die Versäumnisse, die seinerzeit aus einer Rezession eine Depression gemacht haben, heißt es dort:

„Als es 1929/30 zum Konjunktureinbruch kam, wurden zahlreiche Maßnahmen ergriffen, die die Depression verlängerten und vertieften:

Maßnahmen zur Verzögerung der Liquidation von Fehlinvestitionen
Niedrigzinspolitik und neue Geldschöpfung
Aufrechterhaltung von überhöhten Lohnsätzen
Stabilisierung des Preisniveaus
Maßnahmen der Deflationsbekämpfung
Erneute Inflationierung der Volkswirtschaft
Setzung von Konsumanreizen
Maßnahmen zur Verminderung des Sparens
Ausweitung der Arbeitslosenunterstützung“

Quelle: Mises.org 

Das kommt einem doch bekannt vor! Und könnte glatt dem Werkzeugkasten heutiger Zentralbankzauberer entsprungen sein…

© Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief

 

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