Gold gab ich für Bitcoin?

19. Dezember 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Der Laie staunt mal wieder und der Fachmann wundert sich, denn offenbar hat der Bitcoin jetzt endgültig das Gold abgelöst. Schließlich bestimmt er gerade Schlagzeilen in den Finanzmedien…

Selbst die Zeitung mit den vier großen Buchstaben berichtet darüber. Und wieder zeigt sich mal, dass die Kurse die Nachrichten machen und nicht umgekehrt.

Für einen Bitcoin bekäme man heute fast ein halbes Kilogramm Gold bzw. 30 Kilogramm Silber. Oder auch: Man müsste ein ganzes Pfund Gold mehr als einen Zentner Silber für einen Bitcoin über den Tresen schieben. Vielleicht ist das alles verrückt, aber es kann auch noch viel verrückter oder auch extremer werden. Wer immer noch nicht sein Edelmetall für Bitcoins verhökern, sein Konto plündern oder einen Kredit wie damals beim neuen Markt aufnehmen möchte, der kann ja zumindest seinen Kleinwagen in einen Bitcoin umtauschen. Mit so einer Strom-Unze auf dem Stick kommt richtig Stimmung auf. Schließlich ist man mittendrin statt nur dabei, auf einer richtigen Party bei der richtigen Musik. Wer weiß, wie lange?

Wer dagegen an Gold und Silber als „Ersatzgeld“ festhält, der handelt momentan mit Zitronen. Was für ein mieses Gefühl, wenn andere jeden Tag 20 Prozent machen? Marktpsychologie ist spannend. Erinnern Sie sich, als Gold im Jahr 2011 bei 1.400 Euro stand und Silber bei 35 Euro? Da wollten es die Leute unbedingt haben. Heute kostet Gold 22 Prozent weniger und Silber nicht mal mehr die Hälfte von damals – und niemand will es haben.

Bis vor einem Jahr wurden die Kryptowährungen noch belächelt wie die Edelmetalle damals um die Jahrtausendwende. Dann drehte sich das Blatt. Damals gab es ebenso viele Experten mit viel Meinung aber wenig Ahnung wie heute beim Bitcoin. Mal schauen wie die Welt in zwei Jahren aussieht.

Was macht man jetzt mit den Restbeständen an Edelmetall? Vor die Tür legen, wobei wohl niemand diesen Sondermüll aufhebt. Im Ernst, ich finde es ziemlich lustig, wenn man für sein Bares immer mehr von diesem Blech bekommt und immer weniger an Bitcoins.

Der Einzug der Kryptowährungen in die Öffentlichkeit bringt einen spannenden Nebeneffekt mit sich: Die Leute hinterfragen das herkömmliche Geld. Die meisten werden es natürlich behalten bzw. zu 100 Prozent im Papiergeld sitzen bleiben. Andere tauschen einen Teil davon in etwas zum Anfassen wie Edelmetalle oder auch in „digitales Gold“, wie mancher Experte den Bitcoin und seine Freunde jetzt plötzlich nennt. Letztlich wird sich entscheiden, was am Ende noch da ist, wenn man es braucht – und was man dafür bekommt.

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