Gold: Ein Käfig voller Narren

25. Juli 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Frank Meyer

Ich habe noch mal über Gold nachgedacht. Es ist wirklich verrückt, dass die Leute diesem Zeug nachjagen. Die einen stopfen es sich in Zahnlöcher oder hängen es sich um. Andere sammeln es als Münzen und Barren. Vielleicht ist das mit dem Gold alles nur ein böser Streich der Götter…

Die Zeitungen sind derzeit voller Schlagzeilen über das gelbe Metall – meist auf der vorletzten Seite. Sogar Alan Greenspan findet darin Erwähnung. Gold wäre das Fieberthermometer der Finanzmärkte, sagte er. Mehr Wahrheiten von ihm sind bislang nicht bekannt. Es muss sehr heiß sein wie unter einem Azorenhoch. Und dabei hat Greenspan maßgeblich die Öfen angeheizt.

Ach, Sie sind auch vom Goldvirus befallen? Das tut mir leid, denn dann sind Sie wohl sehr einsam. Ich kenne kaum Leute, die wild auf Gold sind. Zu teuer, sagen sie. Und wenn man ihnen welches schenken würde, trügen sie es schon bald zum Goldaufkäufer.

Was gibt es Neues? Gold ist etwas zurück gefallen. Es waren „aufkeimenden Hoffnungen“ auf eine Lösung im europäischen und amerikanischen Schuldendrama, sagen Experten. Als Journalist muss man viel aushalten.

„Das hat eindeutig einige Anleger, die sich zuvor über den Goldpreis absichern wollten, zu Verkäufen angeregt.“

Diese Erkenntnis muss sich plötzlich und schockartig außerhalb der Haupthandelszeit an der COMEX durchgesetzt haben, wie der Einschlag eines Kometen am späten Abend.

Und was ist das? Am Morgen gab es neue Rekorde in US-Dollar. Und die Bild-Zeitung fragte in der letzten Woche, wo man in Deutschland noch Gold finden kann. In Omas Schatulle? Geologen schätzen die Vorkommen hierzulande auf 32.000 Tonnen. Holla! Würde man das Land hier umpflügen und auswaschen, hielte demnach jeder Bürger 400 Gramm Gold im Gegenwert von 14.000 Euro in der Hand. Diese Zahl scheint etwas übertrieben zu sein. Verschiedene Studien gehen von weltweit förderbaren 40.000 Tonnen aus. Doch wer weiß, auf welche Ideen die Leute kommen, wenn sie irgendwann vom richtigen Goldrausch erfasst werden. Finanziell ausgewaschen wird dieses Land schon in wenigen Jahren sein. (Quelle)

Ich hatte mich irgendwann früher im thüringischen Katzhütte im Goldwaschen versucht. Fragen Sie nicht! Ein paar Flitterchen konnte ich finden. Die meisten stellen sich das Buddeln nach Gold ganz einfach vor. Dabei ist Gold so selten zu finden wie die Wahrheit in der Politik, und wenn, nur in kleinsten Körnchen. Leben kann man vom Goldwaschen nicht, außer man vermietet Gummistiefel, Waschpfannen und Schaufeln an ahnungslose Goldgierige. Sie werden im kalten Bach dann schnell die Erfahrung machen, dass das Sammeln von Pfandflaschen lukrativer sei… (Seite 2)

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , ,

22 Kommentare auf "Gold: Ein Käfig voller Narren"

  1. Avantgarde sagt:

    „Ich werde es tauschen, wenn Goldpreis und Dow Jones sich begegnen. Was meinen Sie? Wird das bei 500 oder 50.000 sein?“

    Das ist vermutlich genau die richtige Frage!
    Inflation/Deflation mal wieder mit Witz beschrieben.

    Nun – ich persönlich würde eher auf die 500 tippen – wohl wissend, daß dies letztlich keinen Unterschied macht – der Weg dahin aber ein anderer ist.

    • Frank2 sagt:

      Ich halte eher dagegen. Der USD verliert an Wert, die im USD abgerechneten Werte steigen nominal. Ob es bis 50T geht? Ich hoffe nicht.

      „If gold goes to $5000, the likelihood it will go to 5 trillion is very high“ – Marc Faber
      5T USD für die Unze halte ich für möglich.

      Meine Frage ist eher, sind die 5000 USD dann 1000 EUR oder 10000 EUR. 😉

      • Avantgarde sagt:

        Nun das wird wohl darauf ankommen ob das Geldsystem seinen natürlichen Lauf nimmt oder die Kreativität der Zentralbanker das System überwinden kann.

        Eine versuchte massive Inflationierung mit den bisherigen Mitteln wird wohl in einem deflationären Inferno oder Währungsreform im globalen Maßstab enden.

        Aber gut möglich, daß Ben und Co auch mal Zentralbankgeld über den Köpfen der 80% Besitzlosen abwirft.

        EMs repräsentieren einen freilich recht kleinen Markt, der immer mal wieder für Überraschungen und gegenläufige Entwicklungen gut sein kann.

        Wir werden sehen was passiert – bis zum „Schluß“ werden die Phasen aber noch ein paar Mal wechseln.
        Und wie manche freuen sollten wir uns auf ein Extremszenario gleich welcher Art NICHT.

        Das auseinanderdriften der Vermögensverhätnisse in der Bevölkerung wird letztlich der Sargnagel sein welches unser Gesellschaftliches Modell zum Kippen bringt.
        Eine strukturelles Nachfragedefizit kann nicht durch Transferzahlungen an die oberen 10% ausgeglichen werden.

  2. Silberdax sagt:

    Ben Shalom Bernank meint, dass Gold kein Geld ist.
    Dann wird Gold eben zum Zeiger der Geldwaage, wieviel
    davon umhergeistert und täglich dazukommt – elektronisch
    und papiermässig.
    Ja, das wird dem Benny vielleicht einleuchten – eine Waage
    mit einem Zeiger aus Gold…. das könnte der Grund sein, warum
    die US-boys auf angeblichen 8000 Tonnen Gold sitzen…
    eine ganz nette Goldwaage hat er, der Benny – nur zum Ablesen
    braucht er bald keine Brille mehr, weil die Waage unter der Papierlast zusammenbrechen wird…

  3. tizian sagt:

    „Geld lügt – Gold ist ehrlich.“ Prof. H.Bocker
    „Der Zinseszins ist die stärkste Kraft im Universum.“ A.Einstein
    „Gold ist ein weiches Metall aber eine harte Währung.“ unbekannt

    Aber:
    „SILBER ist das bessere Gold.“ Thorsten Schulte

  4. EuroTanic sagt:

    Das meiste „vergrabene“ Gold in Deutschland gibt es auf den Flöhmärkten, in Form von „Central Processor Unit“s. Hinter vorgehaltener Hand werden schon 400 Euro (Stand März 2011 in NDS) für ein Kilo CPU’s gezahlt, weil er mehr Gold enhalte als Mutter Erde bei gleicher Menge Ausgangsmaterial. Da muss man dann nicht mal Graben oder sich die Finger schmutzig machen. 😀

  5. retracement sagt:

    Wird Zeit für den Erklär-Bär der Herr Walter mal den Zinses-Zins-Effekt erklärt:
    http://www.teleboerse.de/mediathek/mediathek_videos/walterswoche/USA-werden-Kompromiss-finden-article3895861.html

    Hey, fünfvorzwölf wird Wort des Jahres!
    Und nächstes Jahr dann fünfnachzwölf. Oder wir schaffen einfach die Uhren ab.

  6. Gerd-Lothar sagt:

    Kompliment, Herr Meyer – da haben Sie wirklich den richtigen Ton getroffen! Es ist der pure Genuß, das zu lesen, und es zeigt: manchmal ist mit lockerem, leichtem Sinn geschriebene Satire besser als jede sachlich-nüchterne Abhandlung, die etwas zu beweisen sucht.

  7. bukubuku sagt:

    Lieber Hr. Frank,

    die FTD hat natürlich recht damit, dass Gold nur für Vermögende mit über 100.000 € geeignet ist. Stellen sie sich vor, jeder Bundesbürger (vom Baby bis zum Greis)würde sich eine Unze Gold zulegen. Damit würde good old germany in etwa die gesamte weltweite Jahresproduktion (ca. 2500 t) aufsaugen. Stellen sie sich weiter vor, die deutschen Bundesbürger würden dies, einem Ansparplan entsprechend, Jahr für Jahr wiederholen! Wo kämen wir denn da hin?

    Für uns arme Österreicher würde nichts mehr übrig bleiben. Abgesehen davon, dass Gold dann so teuer wäre, dass ich mir kaum noch etwas leisten könnte. Als bitte unterlassen sie ihre Versuche Gold einer breiteren Masse schmackhaft zu machen.

    Ironie off

    • Frank Meyer sagt:

      Ich kann keinen Einwand finden 🙂 Diesen Beitrag verstehe ich als dringenden rat, Gold zu misstrauen. Habe ich etwas falsch gemacht? 🙂

      Und kann man in Köln beobachten? Um die Ecke des Hotels ist ein Metallhändler. Heute gab es da viele Leute, die anstanden, um ihren Schmuck verkaufen. (wie angeraten 🙂 Das ist lustig. 1.620 USD/oz – Weg damit! Alles richtig gemacht! Morgen geht es 10 USD runter. Siehste! Wir sind Helden. Unruhig würde ich erst werden, wenn die Leute Gold kaufen würden. Aber das dauert noch. Solange man es noch verkauft, gibt es auch etwas noch etwas für Österreicher. Dort steht man doch wie auch hier auf Bausparverträge und Immobilien.

      • bukubuku sagt:

        Es bleibt uns ja offenbar nichts anderes übrig als Immobilien und Bausparverträge. Mein Bekanntenkreis jammert seit 2007, dass Gold jetzt schon zu teuer sei. Ein Bausparvertrag ist da viel stabiler, der kostet jedes Jahr gleich viel.

  8. Ludwig von Mises sagt:

    Hallo Frank,

    ich kann Ihre Erfahrung hinsichtlich der Verbraucherzentrale leider nur bestätigen. Vor wenigen Tagen dachte der Radiosender SWR3 er täte etwas Gutes um den Leuten die Unsicherheit im Anlagenotstand zu nehmen und lud zur Radiosendung eine Repräsentantin der Verbraucherzentrale ein.

    So eine gequirrlte Mäusekacke bekommt man wirklich selten zu Ohren. Aber wie Sie schon schrieben, man sollte nur über Dinge ein Testat abgeben, von denen man was versteht. Die sollten wirklich bei Schuhcremes, Zahnpasta und Möbelpolitur bleiben.

    Da reichen schon die Schlagworte: keine Dividende/Zinsen, Lagerkosten, (hoch) spekulativ, und hoher/überhöhter Einstandspreis und schon schaltet der Verstand bei 99% der Bevölkerung auf „Notaus“.

    Erschreckend wie die Leute im Juli in den April geschickt werden.
    Oder sollte man den Verbraucherschützern dankbar sein für ihre Beschwichtigungen, weil man dadurch selbst mehr Zeit bekommt sich mit mehr EM-Material einzudecken?

    Da die Verbraucherschützer auch von Mitteln aus Steuergeldern leben ist auch nachvollziehbar, daß sie nicht in die Hand beißen, die sie füttert nach dem Motto: „Wess‘ Brot ich eß‘, dessen Lied ich sing!“

    • @ Ludwig von Mises: Na das ist doch mal ein schöner Nickname! 🙂 Your Master’s voice hab ich gerade erst mit seinem Pro-Gold-Statement auf meinem Blog zu Wort kommen lassen!

      @ Frank Meyer: Mal ganz allgemein ein dickes Lob für diese Seite im Namen des Lips Institutes! Wir werden in den nächsten Wochen einen Relaunch der Seite http://www.lips-institute.ch machen – und dann auch einen Link hier her legen!

      Mal noch eine güldene Frage: Michael Mross spekuliert in seinem neuesten Buch „Der Währungscrash kommt“, ob es möglicherweise momentan sogar durchaus im Sinne der pathologisch antideflatorischen Fed und ihrer Lakaien sein könnte, wenn der Goldpreis steigt, um so Inflationssignale auszusenden und „die Pferde zum Saufen zu bringen“. Wäre das denkbar, daß die Bande den Goldpreis entgegen der Usancen diesmal in die entgegengesetzte Richtung, also nach oben, manipuliert? Und wenn ja, haben Sie dafür Anhaltspunkte? Als Lipsianer kenne ich bis dato ja nur das umgekehrte Phänomen.

  9. Waldfee sagt:

    erst ab 100.000 euro Vermögen in Gold gehen? Ach was. Alles arme Schlucker. Mein Banker legte vor ein paar Tagen noch einen drauf. Das Vermögen sollte schon mind. 1-2 Mio betragen, bevor man in Gold geht.

  10. mfabian sagt:

    „Mehr Wahrheiten von ihm [Greenspan] sind bislang nicht bekannt.“

    Oh doch!!!

    Ich verweise auf seine berühmte Rede aus dem Jahr 1966:

    Englisch: http://www.321gold.com/fed/greenspan/1966.html
    Deutsch: http://www.gold-eagle.com/analysis/0003.html

    Absolut LESENSWERT!
    Und Greenspan hat nie auch nur ein einziges Wort zurückgenommen! Auch als FED-Chef nicht.

    Auszug:
    „Ohne Goldstandard gibt es keine Möglichkeit, Ersparnisse vor der Enteignung durch Inflation zu schützen. Es gibt dann kein sicheres Wertaufbewahrungsmittel mehr. Wenn es das gäbe, müßte die Regierung seinen Besitz für illegal erklären, wie es ja im Falle von Gold auch gemacht wurde“

  11. rolandus sagt:

    Herrlicher Text ….nur der Tennhagen fehlt mit seiner vom Staat auferlegten Fehlpropaganda fehlt noch.

    Ab 100.000 erst in Gold??? das ist doch etwa die Summe, die mit einigen Minen im Herbst 2008 gekauft mit ca 20.000 gemacht worden sind, vielleicht ist das ja der Hintergrund…Umschichten ?

    Schön Gruß ins Ried
    rolandus

  12. Zukunft sagt:

    Wo bleibt die mediale Auseinandersetzung in Deutschland über das destabilisierende und provokative Verhalten der US-Amerikaner bei der Klärung ihres Schuldenlimits.

    Die USA weicht ihre Reputation in der Welt durch eigene und arrogante Fehlsteuerung immer weiter auf.
    Der Grundsätze eines ethisch-zivilisierten Welt-Verhaltens werden immer offensichtlicher für eigene, kurzsichtige Machtinteressen gebrochen.

    Europa, wenn es souväran werden will, muß viel offensiver die Auseinanderstzung mit dieser US-Lernunfähigkeit suchen.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.