Gold: Ein fulminanter Jahresstart

5. März 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Das Halten von Gold bietet eine Möglichkeit, um sich dem drohenden inneren und äußeren Kaufkraftverlust des Euro zu entziehen. Der Goldpreis hat seit Jahresbeginn um etwa 15 Prozent zugelegt – in US-Dollar als auch in Euro gerechnet. Das war deutlich besser als die Preisentwicklung der Aktienmärkte…

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Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung: Seit Anfang des 21. Jahrhunderts zeigt sich erstmals wieder eine deutliche „Outperformance“ des Goldpreises gegenüber den Aktienkursen.

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Was Gold ist

Angesichts einer solchen erfreulichen Entwicklung des Goldpreises ist es ratsam, sich einige grundlegende Erkenntnisse über das Gold in Erinnerung zu rufen. Das soll im Folgenden geschehen.

► Gold wird für eine Reihe von Verwendungen nachgefragt: Es dient als Geld, als Wertaufbewahrungsmittel, als Rohstoff in der produzierenden Industrie und als Rohmaterial in der Schmuckindustrie.

► In „angespannten Zeiten“ tritt die monetäre Funktion des Goldes meist offen zutage: Die Marktakteure fragen Gold verstärkt nach, um sich gegen die Widrigkeiten des ungedeckten Papiergeldes abzusichern – der Goldpreis steigt.

► In Phasen der Unsicherheit dient Gold als „sicherer Hafen“ und als Ersatz für Geld in Form des ungedeckten Papiergeldes, soweit die Wertaufbewahrungsmittelfunktion des Geldes betroffen ist.

► (Physisches) Gold trägt kein Kreditrisiko: Sein Wert hängt nicht (wie zum Beispiel Bankeinlagen) am Versprechen und den Öffnungszeiten irgendeines Emittenten (wie zum Beispiel einer Bank).

► Anders als den Wert des ungedeckten Papiergeldes (das ist seine Kaufkraft) kann der Staat den Wert des Goldes, seine Geldfunktion, nicht willkürlich herabsetzen oder gar zerstören.

Gold gegen Kaufkraftverlust

Dass nunmehr die Zinsen allerorten auf historisch niedrigen Niveaus angelangt sind, ist für die weitere Goldpreisentwicklung von großer Bedeutung. Denn sie verbilligen die Goldhaltung. Wer Gold hält, erleidet nunmehr keine nennenswerten Verluste, die er bislang aus dem Halten von zum Beispiel festverzinslichen Papieren erzielen konnte – beziehungsweise er entgeht Verlusten, die Negativzinsen mit sich bringen. So gesehen ist das Gold jetzt zum ernsten Konkurrenten zu herkömmlichen Termin- und Spareinlagen geworden. Ein weiterer Aspekt spricht jedoch derzeit für das Halten von Gold.

Die Probleme in der internationalen Kredit- und Geldarchitektur schwelen weiter. Insbesondere im Euroraum treten sie zusehends offensichtlich zutage, beispielsweise in Form geringen Wachstums und strauchelnden Banken. Um den Euro zusammenzuhalten – und das ist das unbedingte Ziel der europäischen Politik – wird die Europäische Zentralbank (EZB) immer mehr Euro in Umlauf bringen müssen.

Denn nur so wird es möglich sein, Staaten und Banken im Euroraum vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren, die ohne ein derartiges Geldmengenausweiten unweigerlich eintreten würde. Es ist zu befürchten, dass das Ausweiten der Euro-Geldmenge ein gewaltiges Volumen annehmen wird – insbesondere weil der Euro-Bankenapparat eine gewaltige Bilanzsumme hat. Das Euro-Geldmengenvermehren läuft Gefahr, den Euro nach innen und nach außen zu entwerten. Das Halten von Gold ist eine Möglichkeit dem drohenden Kaufkraftverlust des Euro zu entgehen.

Die Rendite für 10-jährige japanische Staatsanleihen ist erstmalig unter die Nulllinie gefallen.

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Die weiter wachsenden Bankkredite und die damit verbundene Geldmengenausweitung treibt die Aktienkurse an.

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Der Goldpreis steigt wieder, nicht nur in US-Dollar, sondern auch in allen anderen wichtigen Währungen.

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Der Deflations-Popanz

Unter dem Deckmäntelchen „Deflationsbekämpfung“ leiten Regierungen Politiken ein, die den Sparer teuer zu stehen kommen. Der Begriff „Deflation“ löst bei vielen Schrecken aus: Die Preise verfallen, Banken, Unternehmen und auch Staaten gehen Konkurs, die Wirtschaft versinkt in Rezession, es gibt Massenarbeitslosigkeit.

Eine „Deflationsgefahr“ lässt sich daher politisch instrumentalisieren: Politiker und Zentralbankangestellte erklären der Öffentlichkeit, man müsse zu „außergewöhnlichen“ Maßnahmen greifen, um Schlimmeres zu verhindern. Dazu gehört, die Zinsen auf Tiefstände abzusenken, neues Geld in Umlauf zu bringen, das Bargeld abzuschaffen und anderes mehr. Doch lassen sich derzeit Deflationsgefahren erkennen?

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Dazu muss man sich zunächst vor Augen führen, was eine Deflation eigentlich ist. Die Antwort lautet: Eine Deflation ist ein fortgesetztes Schrumpfen der Geldmenge, fallende Preise und Wirtschaftsschrumpfung sind ihre Folgen. Doch wohin man auch blickt: Nirgends schrumpfen die Geldmengen. In der OECD etwa wächst die Geldmenge durchaus kräftig – und zwar mit Raten, bei denen die Preise früher oder später wieder merklich steigen sollten.

Die aktuell recht gedämpfte Inflation der Konsumentenpreise erklärt sich insbesondere durch den scharfen Rückgang der Rohstoffpreise. Doch auf eine Deflation lässt das nicht schließen. Vielmehr kommt es in den Rohstoff importierenden Volkswirtschaften zu einer Erhöhung der Kaufkraft: Man kann nunmehr mit dem gleichen Geldbetrag mehr (Rohstoff-)Güter kaufen als bisher. Das wirkt wie ein Konjunkturanschub.

Negativzins

Dass man dessen ungeachtet fast überall eine „Deflationsfeindlichkeit“ antrifft, hat einen Grund. Im heutigen Schuldgeldsystem müssen die Verschuldeten in der Tat eine Deflation befürchten. Bei einer Deflation sinken ihre Einnahmen. Gleichzeitig bleibt der Nominalbetrag ihrer Schulden unverändert. Folglich schwindet ihre Schuldentragfähigkeit, beziehungsweise sie laufen Gefahr, Bankrott zu gehen. Zudem herrscht mittlerweile ein fast überall anzutreffender Konsens, dass die Preise im Zeitablauf steigen sollen. Denn, so ist zu hören, nur so könne die Wirtschaft dauerhaft wachsen.

Vor diesem Hintergrund kommt insbesondere auch die Negativzinspolitik zum Einsatz. Sie soll – so die offizielle Verlautbarung – die Banken zur Kreditvergabe „anstoßen“. Doch es geht vermutlich um etwas anderes. Der Negativzins soll helfen, die Schuldenlasten von Staaten (aber wohl auch von Banken) zu reduzieren. Wie das funktionieren kann, zeigt die nachstehende Box.

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Es zeigt sich, dass ein negativer Zins, zu dem die Schuldner sich neue Kredite beschaffen können, eine sehr starke Reduktion der Entwicklung der Schuldenquote bewirken würde.

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Nicht nur das: Ein Negativzins eröffnet sogar neuerliche Spielräume, um die laufenden Defizite auszuweiten. Es liegt daher auf der Hand, dass eine solche Politik von den Regierungen als besonders attraktiv angesehen wird. Dem Gewinn der Schuldner entspricht natürlich der Verlust, den Sparer und Anleger erleiden: Der Negativzins schmälert ihre Ersparnisse, sie werden entsprechend ärmer. Es stellt sich natürlich die Frage, ob die Sparer und Anleger sich das gefallen ließen – oder ob sie nicht doch früher oder später aus Anlagen mit einem Negativzins „fliehen“ würden.

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Das erklärt die Vehemenz, mit der Regierungen daran arbeiten, die Bargeldverwendung einzuschränken beziehungsweise das Bargeld zu verbieten, denn nur so kann mit der Negativzinspolitik wirklich „ernst“ gemacht werden.

Inflationsversuch

Ein anderer Ansatzpunkt, um die Schuldenlasten zu reduzieren (auf Kosten der Sparer und Anleger), ist das Erhöhen der Inflation. Dazu ist ein kräftiges Aus-weiten der Geldmenge erforderlich.

Die vermeintliche „Deflationsbekämpfung“ bietet dafür eine ausgezeichnete Steilvorlage: Die Zentralbank weitet die Geldmenge „vorsorglich“ aus, um einen Preisverfall zu verhindern. Die Geldmengenausweitung lässt dann aber nachfolgend – nach und nach – die Preise auf breiter Front anziehen und die Kaufkraft des Geldes und die in Geld fixierten Zahlungsansprüche schwinden.
Die Versuchung, eine solche „Überraschungsinflation“ zu verursachen, ist derzeit besonders groß. Denn das Vertrauen in die Zentralbanken, dass sie die Inflation niedrig halten, ist nach wie vor sehr ausgeprägt.

Und folglich lassen sich geldpolitische Maßnahmen auf den Weg bringen, die nicht unmittelbar Inflationssorgen und damit einen ungewünschten Zinsauftrieb auslösen werden. Wenngleich auch ein Inflationieren von vielen Marktbeobachtern derzeit nicht erwartet oder überhaupt als möglich erachtet wird – es wurde in der Vergangenheit von den Staaten immer wieder zur „Schuldenreduktion“ eingesetzt. Und im heutigen ungedeckten Papiergeldsystem ist das Schaffen von Inflation, wenn es denn gewollt ist, im Grunde jederzeit möglich. Das sollte für Sparer kein Trost, sondern Anlass zur Sorge sein. Dass es zu einer Deflation kommt, ist dagegen höchst unwahrscheinlich.

© Prof. Dr. Thorsten Polleit – Marktreport Degussa Goldhandel GmbH

 

Ein Kommentar auf "Gold: Ein fulminanter Jahresstart"

  1. FDominicus sagt:

    alles ganz üble Kriminelle die mit Gold rummachen:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/gold-ist-der-faire-handel-bloss-ein-mythos-a-1078918.html

    Erster Satz dort: „Gold ist das begehrteste Material der Welt – doch es finanziert auch Kriege und Kriminelle.“

    Ja mei, wer käme schon auf die Idee Kriege mit US-$ zu bestreiten….
    Auf der nach unten offenen Skala des Gutmenschentums ist das doch schon sehr weit unten.

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