Gold: Ein Crash ist ein Crash. Bleibt ein Crash. Bis es crasht…

10. Mai 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Jetzt, wo die Stimmung unter den Goldinvestoren laut Mark Hulbert so schlecht ist wie im Jahr 2009 und die Zeitungen zahlreiche Abgesänge auf Gold drucken, wird es Zeit, seine kläglichen Reste von Optimismus zu begraben. Gold-Bashing ist gerade beliebt. Gold in Euro ist fürchterlich gecrasht – um elf Prozent. Das ist erst der Anfang. Mindestens…

In der Tat… Gold hat verloren. Die Kaufkraft des Euro ist gegenüber Gold um elf Prozent gestiegen. Seit es den Euro gibt, hat sie 75 gelitten, aber das war lediglich ein Ausrutscher. Alle „Rettungsaktionen“ für den Euro waren zumindest gegenüber Gold erfolgreich. Es wird Zeit, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Gold ist etwas für Weicheier, Pessimisten, Gierige oder Verschwörungspraktiker… oder so.

Ich muss mich beeilen und bin spät dran. Noch weiß ich nicht, wohin mit den paar Kröten, aber ich werde etwas Passendes finden. Noch schlimmer sieht es mit den Silberunzen aus. Vor einem Jahr hat mich der Chor der Silberengel übertölpelt, als ich bei 50 US-Dollar alles in dieses Metall gesteckt habe, natürlich breit „diversifiziert“. Optionsscheine zur Absicherung, Turbos mit einem Hebel von konservativen acht, ein paar Zertifikate, deren Name ich nicht aussprechen konnte, aber, so sagte man mir, Alleskönner sind, und noch ein paar Unzen zu 37 Euro das Stück. Das hat damals jeder gemacht – wie richtige Investoren eben. Und dann?

Irgendwie ging einiges schief. Ein Investor kennt keine Angst. Er macht andere dafür verantwortlich. War es Angst? War es Gier? Oder beides? Ich weiß es nicht mehr. Die Put-Option brachte richtig Asche. Leider liefen sie zu früh aus. Der Call hat`s dann turbomäßig wieder genommen. Schwamm drüber! Zum ersten Mal habe ich auch HIT-Optionsscheine verstanden. Sie waren zwar nicht der Hit, aber HIT heißt ja so was wie schlagen. Sie wurden schlagend. Autsch! Am Dienstag gingen zusätzliche 47 Scheine K.O. (Quelle: Onvista)

Die restlichen Papiere haben dann irgend etwas gemacht. Ich weiß das nicht mehr so genau, denn die Stopp-Loss Grenzen griffen recht wahllos und ganz automatisch ins Geschehen ein. Aber der Put-Optionsschein! Holla! Strike! Der brachte hundert Prozent – an einem Tag! So geht das heute. Wohin habe ich eigentlich diese komischen Münzen versteckt?

Wie dem auch sei… Das mit dem Gold ist doof. Tagelang zuzusehen wie die Kurse fallen, nervt gewaltig. Man fühlt sich auf einmal arm und depressiv. Da zukünftig Gold auch im Weltraum abgebaut wird und es aus dem Meer gefiltert werden kann, sollte man sich nicht wundern, wenn das gelbe Blech jetzt schon gnadenlos fällt. Zudem zeigt sich ja, dass es gut, immer mehr Liquidität ins Finanzsystem zu schleusen. Das ist die Schmiere, auf der alles rutscht. Fragt sich bloß – wohin? Und seien wir mal ehrlich. Wer von Inflation redet, verkennt doch die wahre Welt. Aus diesem Grund überhaupt an Gold zu denken, bedeutet automatische und künftig gigantische Verluste, selbst wenn man kein Gold hat. Die Bild-Zeitung schrieb neulich auch so etwas – nur Bares ist Wahres. Nicht wahr?

Indikatoren: Es muss abwärts gehen!

Es gibt weitere Indizien für fallende Kurse: Zentralbanken kaufen Gold. Auch das ist kein gutes Zeichen, seit den Institutionen ihr Heiligenschein abhanden gekommen ist. Es ist schon erstaunlich, dass sie dieses gefährliche Investment massiv kaufen und damit gegen sich selbst wetten.

China importierte im ersten Quartal 136 Tonnen aus Hongkong und schickt sich nun an, Indien als Importweltmeister zu überholen. Warum nur tun das die Chinesen? Vielleicht aus Spaß, aus einer Mode heraus oder nur zur Unterhaltung. China ist eben ein Entwicklungsland. Nicht umsonst leistet Deutschland hier noch Entwicklungshilfe. Um es mit Charles Munger zu beantworten: Zivilisierte Menschen kaufen kein Gold. China ist ein Entwicklungsland und die chinesische Strategie ähnlich dem konfuzianischen Denken etwas aus den letzten Jahrtausenden. Überhaupt kaufen viele Zentralbanken vor allem aus den Entwicklungsländern Gold, was den Unterschied zu den etablierten Industriestaaten unterstreichen dürfte. Sie müssen noch viel lernen. Und Indien nimmt die Steuer für Goldhändler wieder zurück – um die Käufe anzufachen, sicherlich um China zu ärgern. Ach, es ist so einfach zuzuschauen, wenn große Länder offenbar das Falsche tun.

Im Aktienbereich wird jetzt die Hochsaison der Dividendenauskehrungen gefeiert. 28 Milliarden Euro werden ausgekippt. Viele Unternehmen schütten das aus ihrer Substanz. Man muss sich fragen, warum man dort nicht dabei ist. In den letzten Stunden ist Gold weiter gefallen. Was muss eigentlich noch passieren, dass der Goldpreis steigt? Sehen Sie? Nichts kann Gold zum Steigen bringen. Deshalb fällt es auch. Raus! Vevor die Algo-Trader die Unzen noch weiter runter handeln und sie zerstören. Kawumm! Peng! Krach! Puff!

Noch einige Worte zu den Charttechnikern und Kaffeesatz-Lesern. Sie sind ständig in einer Art von Bodenbildungspanik, zählen Wellen, malen Linien und hängen im Segel im Mast von Captain Cook, der gerade sein Schiff aufs Riff steuert.Der RSI-Indikator ist so eine Sache, die den Weg von Herrn Cook deutlich zeigt. Er korrespondiert am besten mit meinem Nervenkonstüm. Zum Vergrößern einfach anlicken. STOPP! Lassen Sie das! (Quelle: Stockcharts)

Blöde Charttechnik. Unterstützungslinien sind dazu da, dass sie gebrochen werden. Der Goldpreis hält sich eisern an diese Regel, vor allem in den letzten Wochen. Jetzt, da die Welt sicherer geworden ist, zahlt sich Daueroptimismus aus. Nur wer Angst hatte, kaufte damals Gold und bezahlte irrationale Höchstpreise von 1.375 Euro pro Unze (Spot) Dieses Investment ist nun um 11 Prozent eingebrochen. Ein Crash. Man war gewarnt. Endlich bekommen die Verbraucherschützer recht. Doch das ist noch nicht alles!

DAX oder/und Gold?

Ich habe mir mal die Verläufe von Gold in Euro und dem DAX angeschaut. Pfui! Den Vergleich seit dem Jahr 2000 unterschlage ich jetzt.  Er stört mich in meiner Analyse und in der Konzeption dieses Buchstabensalates. Auf Sicht von einem Jahr hatte Gold (noch) die Nase vorn. Nicht mehr lange. Wetten? Nein, besser nicht…

Chart DAX-Gold 1 Jahr

Wo finde ich einen Chart, der beweist, dass der DAX besser als Gold gewesen ist? Probieren wir es mal im 3-Monats-Chart. Die Aktienmärkte standen doch fast bei gefühlten 10.000 Punkten…

Chart DAX-Gold 3Monate

Mist! Vielleicht ist der DAX wenigstens gegenüber dem Gold in den letzten zehn Tagen gestiegen, als der GoldCrash in den Zeitungen stand. DAX, Oh DAX, Du hast es drauf…

Chart DAX- Gold 10 Tage

Ich finde das jetzt ganz schön doof. Dem DAX hatte ich mehr zugetraut. Doch ich schaue noch einmal auf die Charts. Die setzen Trends. Zumindest sollten sie das. Apple ist eine ausgemachte Sache. Da kann man nicht viel falsch machen, schaut man auf die letzten zehn Jahre zurück.

Chart – Apple

Ich warte jetzt erst einmal ab, bis beim Gold neue und eindeutige Kaufsignale zu sehen sind, diese bestätigt werden und die Stimmung so gut ist, dass ich zum Handeln gezwungen werde. Ja, so mache ich das. Sollte das jemals passieren, wovon mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht auszugehen ist, werde ich mir sicher sein können, dass ich richtig liege. Ein Crash ist ein Crash bleibt ein Crash bis es crasht…

Wenn ich dann doch falsch liege, mache ich die anderen für diese Entscheidung verantwortlich. Ja, so ist es richtig. Jetzt kaufe ich erst mal eine Apple-Aktie. 430 Euro müsste ich doch noch irgendwo liegen haben. Mitreden kann ich dann auch. Und reicher fühle ich mich sofort. Yes! I can!


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