Gold: Die Bären sitzen in der Falle…

17. Mai 2015 | Kategorie: RottMeyer

Andreas Hoose

Ziemlich still war es in den vergangenen Monaten bei den Edelmetallen. Kein Wunder, schließlich hatte sich bei Gold und Silber seit Sommer 2013 so gut wie nichts mehr getan. In den langfristigen Kursverläufen ist bestenfalls ein zäher Seitwärtstrend erkennbar…

Viele Anleger werden da vermutet haben, dass nur ein Test der 1.000-Dollar-Marke wieder Bewegung in den Goldpreis bringen würde.

Und jetzt das: Mit einer veritablen „Bärenfalle“ hat das Gold in dieser Woche all jene auf dem falschen Fuß erwischt, die auf weiter fallende Notierungen gesetzt hatten: Der Goldpreis ist nach oben ausgebrochen – einfach so, und ohne das zuvor groß anzukündigen. Auf dem Point & Figure Chart liegt ein erstes Kursziel jetzt bei 1.320 US-Dollar je Feinunze. Die folgende Abbildung zeigt das:

Gold Bärenfalle

Bemerkenswert ist das jüngste Lebenszeichen beim Gold insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Edelmetalle während der Sommermonate traditionell in den „Winterschlaf“ fallen. Die folgende Grafik zeigt den Verlauf des Goldpreises im Jahresverlauf. Wie man sieht, tritt der Goldpreis seit 30 Jahren von Mai bis Juli auf der Stelle.

Gold saisonal

Was ist diesmal also anders?

Die Vermutung liegt nahe, dass die völlig abnormalen Entwicklungen, die sich in unserem Finanzsystem an immer mehr Stellen zeigen, allmählich auch die Edelmetall-Märkte erreichen. Und da wichtige Entwicklungen an der Börse mit Vorliebe genau dann geschehen, wenn niemand damit rechnet, wäre es nur konsequent, wenn auch beim Gold die Dinge ausgerechnet dann in Bewegung kommen, wenn alle davon ausgehen, dass sich erstmal sowieso nichts tut. Also beispielsweise während der Sommerpause…

Vollbremsung...

Weil wir gerade von Dingen gesprochen haben, die erkennbar aus dem Ruder laufen: Sehen Sie sich in diesem Zusammenhang einmal die folgende Grafik an. Abgebildet ist die Geldumlaufgeschwindigkeit in den USA. Wie man sieht, hat dieser Indikator für wirtschaftliche Aktivität in den vergangenen Monaten eine veritable Vollbremsung hingelegt. Achten Sie auf die rote Linie. Die blaue Linie zeigt die Entwicklung der Geldmenge.

Geldumlaufgeschwindigkeit

Die Grafik lässt wenig Raum für Interpretationen: Obwohl die US-Notenbank die Geldschleusen weit aufgerissen hat, nimmt die Geldumlaufgeschwindigkeit immer weiter ab. Es gibt nur wenige Kursverläufe, die den völlig verrückten Zustand unseres Wirtschafts- und Finanzsystems auf einen einzigen Blick zutreffender charakterisieren.

Ein weiteres Problemfeld, das bezeichnenderweise derzeit kaum jemand auf der Rechnung hat, zeigt sich gerade bei den Staatsanleihen. Wir hatten in der vergangenen Woche darüber berichtet.

Der jüngste Absturz beim Bund Future wurde in dieser Woche in der Nähe der langfristig außerordentlich bedeutenden 200-Tage-Linie gestoppt. Das heißt, die Renditen zehnjähriger bundesdeutscher Staatsanleihen sind vorerst nicht weiter gestiegen. Die Bundesregierung kann weiterhin zu vergleichsweise niedrigen Zinsen Schulden machen. Jedenfalls vorerst.

Dass das dicke Ende nicht nur bei den Staatsanleihen erst noch kommt, das hat Egon von Greyerz im folgenden Interview mit King World News deutlich gemacht.

Der Schweizer Vermögensverwalter von Matterhorn Asset Management sagt:

„Meiner Ansicht nach wird ein sich beschleunigender Absturz der Bonds im Herbst beginnen. Das Problem ist, dass es jetzt keinerlei Liquidität gibt und die Zinsen steigen. Dies wird einen enormen Engpass schaffen, während Investoren in ETFs und anderen Fonds anfangen reinen Tisch zu machen. Im weiteren Verlauf dieses Jahres dürfen wir also Zeuge des unglaublichsten Liquiditätsengpasses überhaupt werden. Wenn das passiert, werden die Zentralbanken weltweit den Geldhahn aufdrehen. Die brutale Abwärtsspirale der Bonds und Aktien wird, begleitet von endlosem Gelddrucken, zu zusammenbrechenden Währungen und Hyperinflation führen“.

Sollte die Prognose zutreffen, dann wäre man gut beraten, die Edelmetalle einzusammeln, solange sie sich noch in der Nähe ihrer Zweijahrestiefs befinden. Gar nicht zu reden von den Minenaktien. Die kommen nämlich auch gerade in Schwung und wer den Sektor kennt, der weiß, dass dort nicht lange gefackelt wird:

Wenn es zur Sache geht, dann richtig…

Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief


 

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2 Kommentare auf "Gold: Die Bären sitzen in der Falle…"

  1. MFK sagt:

    Zur Goldnachfrage in Deutschland (Quelle WGC):
    Goldkäufe stiegen von 19,5 to in Q2/14 auf 23,9 to in 3/14 auf 31,4 to in 4/14 auf 32,2 to in 1/15. Immerhin +Q1/15 gegenüber Q2/14 +65%.
    Hierüber wurde wenig berichtet.
    In Asien schwächt sich die Nachfrage dagegen ab. Da geht wohl derzeit alles in Aktien.

  2. Die Aktien lassen etwas nach somit wird sich der Goldkurs nach oben hin korrigieren.

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