Gold-Experten! Experten? Perten mit Ex…

29. August 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Ha! Gold steht vor stärkster Kursrallye seit 2010, schreiben die für Statements in Zeitungen zugelassenen Experten. Wie wird man Experte? Ganz einfach. Durch Zufall und Beziehungen. Keiner weiß das genau. Kaum steigt Gold ein paar Dollar, na ja, es waren rund 100 davon, sagen die gleichen Leute das Gegenteil von dem, was sie vor wenigen Tagen noch gesagt haben. Und das geht schon seit Jahren so…

Wenn ich Spaß haben möchte, lese ich ein paar Analysen zum Gold in der Zeitung. Kaum etwas anderes ist heiterer, abgesehen von den Prognosen zum DAX am Jahresende  – zum Jahresanfang und die Rubrik „Panorama“ und „Vermischtes“ Hund schlägt Katze und so. Nun erwarten Experten 1.800 US-Dollar zum Jahresende für eine einzige und lächerliche Feinunze Gold. Bei 500 US-Dollar noch befand sich Gold in einer der größten Blasen der Welt. Da waren sich die Experten aber so was von sicher.

Gestern war es die Angst vor Deflation, die Gold von 1.900 auf 1.550 US-Dollar geschickt hat, heute ist es die Inflation, die Gold von 1.550 auf 1.670 US-Dollar hat steigen lassen. Die Zentralbanken kaufen Gold zu. Das ist auch den Experten aufgefallen und passt gut in die Abteilung „Reim Dich.. oder ich fress Dich!“

Dabei taugt Gold doch gar nicht als Inflationschutz, hatte ich neulich erst gelesen und meine Münzsammlung reumütig vor die Tür gekippt, wo sie übrigens heute noch liegt. Igitt. Schlechtes Fleisch hätten die Ratten dort wenigstens längst aufgefressen. So aber ist das Gold offenbar bösartiger Sondermüll.

In der kommenden Woche werden die Experten vermutlich irgend etwas Schlaues zum Silber schreiben und damit wieder meine Lachmuskeln quälen, während der Kookaburra in Nachbars Garten wegen seines Lachkrampfes dringend ärztliche Behandlung benötigen wird.
Bloomberg hat 15 Händler und Analysten befragt. Das ist an sich nicht schlimm oder gar böse. Man hätte es auch lassen können. So aber ist zu lesen, dass die Goldpreise in diesem Jahr um 15 Prozent steigen, so stark wie seit 2010 nicht mehr. Da fehlen genau noch 8,6 Prozent – in Dollar. Holla die Waldfee.

„Wer ist so blöd und kauft jetzt noch Gold?“ fragt ein Kommentator. Es bringt Null Prozent Zinsen. Spanische Anleihen dagegen mehr als sechs Prozent.“ Dann doch lieber Korn mit 40 Prozent. Oder? „Ich mache schon länger in Gold“, schreibt ein Kommentator. Pfui! Sie Ferkel!
Gold steigt auf 1.800 US-Dollar? Da muss man unbedingt dabei sein, wenn der Preis jetzt schon mal gestiegen ist, obwohl der Zug lange genug im Bahnhof gestanden hat. Schnell aufspringen! Dabei sein! Home Shopping für Dummle wishing… Natürlich wäre das der zwölfte Jahresgewinn in Folge. Computer sind in dieser Sache unbestechlich, aber wahrscheinlich einen Tick schlauer als die Experten. Und der Grund?
Bitte lassen Sie es nicht wahr sein! Die Schuldenkrise im Euro-Raum und  mögliche Einsätze der Notenbanken sollen dem Goldpreis Beine machen, so die Experten in ihrer Argumentation. Wie alt ist diese Eurokrise eigentlich?

In den Depots der internationalen Investoren haben Gold-Anlagen einen Rekordbestand erreicht, reichen die Experten nach, ohne zu ahnen, dass das meiste davon nur irgendwelche Wetten auf Goldpreise sind, aber weder schimmernd noch glänzend und schwer – sondern ein paar lächerliche Klickunzen – erlegbar mit einer Mouse am PC. Früher war der Goldanteil in den Depots wesentlich größer. Ach, das sind nur Kleinigkeiten aus der Geschichte. Woher soll ein 22-jähriger MBA-Absolvent das wissen? Seitdem kamen auch nur einige Billionen an neuen Licht – und Luftwährungen dazu bzw. elektronische Verrechnungseinheiten. Gibt’s eigentlich noch leckere Lehman-Zertifikate bei der örtlichen Bank?

Experten… Und auch morgen, wenn wir ausgeschlafen sind, gehen wir in den Keller und sammeln ein paar Puzzleteile auf, aus denen wir einen neuen Goldbericht schreiben. Je nach Lage, je nach Preis. Hauptsache schwarz auf weiß…

 „Es gibt ein offizielles Interesse an Gold, und die Zentralbanken kaufen – von Russland bis Korea“

sagt Jeremy East, Leiter Metallhandel bei Standard Chartered.

Gut, dass das so neu ist. Möchte Sie eine Prognose von mir? Besser nicht!

„Wenn die Anleger weiter kaufen, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Preis steigen wird.“

Zufrieden?

Wenn ich Lust auf Spaß habe, dann schaue ich noch beim Ölmarkt vorbei. Da die Förderung im Golf von Mexiko aufgrund des herannahenden Hurrikans um 24 Prozent gedrosselt wurde, gilt das als schlagendes Argument für einen steigenden Ölpreis.

„Der Markt preist eine wetterbedingte Prämie ein“, so Jonathan Barratt, der Chef von Barrat’s Bulletin.

Interessant. Das war zur Mittagszeit am Montag.

Am Abend war der Sturm offenbar vorbei oder von der FED aufgekauft und alle Analysen dazu ein Sturm im Wasserglas. Experte muss man sein und dann von den anderen ernst genommen werden. Was für ein schönes Leben. Was für ein Spaß!


 

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7 Kommentare auf "Gold-Experten! Experten? Perten mit Ex…"

  1. stephan sagt:

    Medien und Experten; Experten und Medien. Ein trügerisches System, das seine Daseinsberechtigung zum großen Teil aus einem Umstand zieht: (die große Masse) mag nunmal nicht selbstständig denken; dazu vielleicht auch noch kritisch… Nein, dass ist viel zu anstrengend (kennt man noch aus der Schule, war nicht allzu erfolgreich). Dazu müsste man ja selbst Erkenntnisse sammeln und sich ein eigenes Urteil bilden. Wozu aber die eigene Anstrengung, wenn es Leute gibt, die Ahnung vom Thema haben: Experten, die noch dazu im vertrauensvollen Rahmen präsentiert werden. Von denen lässt man sich die Denkarbeit doch gerne abnehmen. Leider bekommt Otto-Normal-Bürger – eingelullt vom permanent verfügbaren Expertengesäusel – gar nicht mit, wie er manipuliert und abkassiert wird sowie seiner Selbstständigkeit immer weiter verlustig geht.

  2. braindead sagt:

    Lieber Frank,

    mir fehlt weiter die Artikevotfunktion (-;

    deswegen auf diesem Weg 5 Sterne *****

  3. crunchy sagt:

    Man sieht viel und versteht wenig, wenn man auf offizielle Verlautbarungen hört. Da ereignete sich im Sommerloch doch einiges:
    Ein Herr Geithner, immerhin der Finanzminister der USA, bequemt sich, von Herrn Schäuble die Unbillen des luxoriös gepreisten Wetters auf Sylt erklärt zu bekommen. Anschliessend fliegt er zu Herrn Draghi in Frankfurt, der ihm erklärt, er arbeite hier so gerne, weil ihn das Wetter so sehr an seine italienische Heimat erinnert. Und Frau Merkel
    fliegt wiederholt nach Peking, weil sie meint, dort ein Rezept gegen das Donnerwetter, engl. Hurricane, zu finden, mit der sie einen Euro-Sturm bändigen kann.
    Ist es schon wieder soweit?
    Haben die USA diesmal die Waffen gestreckt, den Chinesen nachgegeben und eine neue Weltwährungsordnung musste nur noch gegengezeichnet werden?
    Gold bleibt Geld, Silber Kleingold.

  4. Futur sagt:

    Es ist halt so:

    Wer noch an die „Freien Märkte“ & „Marktorientierten Börsen“ glaubt,

    der glaubt auch an den Weihnachtsmann!

    Viele Grüße
    Futur

  5. walt sagt:

    @ Frank Meyer. Woher Sie Ihr Talent zum Schreiben haben, kann ich nicht wissen. Sie womöglich selbst nicht. Man kann Ihnen jedoch ganz einfach nur eines testieren: ein überragendes Talent zum Schreiben. Und sofort fragt man sich dann natürlich: Weshalb sind Sie nicht heute schon Chefredakteur bei einer der ganz großen Mainstreamblätter wie Handelsblatt, WiWo oder FTD? (Zu Recht stellen Sie sich womöglich seit langem selbst diese Frage?).

    Sollten Sie sich dort einmal bewerben wollen – fügen Sie bitte diesen meinen Kommentar Ihren Bewerbungsunterlagen hinzu.

    Mit dem Zusatz: Jede Toppredaktion könnte sich glücklich schätzen, sie als Kopf zu besitzen.

    Ich freue mich, wenn es klappt. Wie wäre es mit 2015?

    Walt

    • Frank Meyer sagt:

      Danke für dioe Blumen. Ich bin ganz rot. 2015? Nö. Wer weiß, wohin sich diese Welt bis dahin gedreht hat. Planbar ist nichts. 🙂 Unseren Blog gibt es dann auch noch. Ist ja auch öffentlich. Jeder entscheidet selbst, wo er liest. Viele Grüße!

  6. crunchy sagt:

    Früher, einmal hat man sich hier noch über Kursprognosen und Einstiegszeitpunkte für Gold und Silber unterhalten.
    Kurz: Eindeutigere Kaufsignale als heute, hat es auch auf Wochenbasis, für Gold schon lange nicht mehr gegeben. Das Sentiment ist nach wie vor auf dem Tiefpunkt und am Montag haben wir Labour Day, nachdem sich die Hedgefonds für die Jahresendrally positionieren. Ein paar Insider(Mitarbeiter) haben da wohl schon mal vorgekauft. Einzig die Umsätze unterlegen die Charts noch nicht ausreichend, was aber nach LD folgen wird. Auch Aktien werden rennen. Minenaktien oder Silber, eines von beiden wird der Top-Performer per 31.12.12 sein. Nun ich hatte mein Silber ja schon am 29.12.11 zurückgekauft und später etwas teurer aufgestockt. Tiefer ging´s kaum, später schon. Aber es waren ja Münzen, keine Optionen und auch nicht auf Kredit. Physische Käufe auf Kredit sind aktuell interessant, auch vor dem Hintergrund, dass, wie die Goldseiten berichteten, Silber ggf. im Neuen Jahr mit voller MWSt. verkauft werden sollte. Dann wird mein bisher profitables Rein/Raus/Rein kaum noch möglich sein.

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