Gold 800 und Bitcoin 60.000?

10. Dezember 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Eines sollte man jetzt nicht vergessen: Die Kurse der Kryptowährungen steigen unter anderem deshalb exponentiell, weil in unserem Geldsystem einiges aus dem Ruder läuft…

Endlich tut sich mal wieder was an den Börsen. Das Trauerspiel der vergangenen Monate mit einschlafender Vola und Aktienindizes, die in Trippelschritten nach oben schleichen, war ja kaum noch auszuhalten. Jetzt ist wieder Party-Time, wenn auch nur in zwei vergleichsweise kleinen Teilsegmenten:

Während beim Bitcoin ganz offensichtlich nur noch der Mond das Ziel ist („to da moon“), wundern sich einige Goldfreunde, dass bei ihrem bevorzugten Asset ganz plötzlich wieder der Bär tanzt. Und wie er tanzt: Am Donnerstag ist der Kurs unter die wichtige Haltezone bei 1.260 US-Dollar gerutscht. Auch die bedeutende 200-Tage-Linie wurde dabei deutlich unterschritten. Die folgende Abbildung zeigt das.

BU: Gold „hat fertig“ – jedenfalls bei oberflächlicher Betrachtung…

Damit ist der Fall für viele Kollegen aus der Kurvenleser-Fraktion klar: Das nächste Ziel liegt irgendwo im Bereich von 1.200 US-Dollar je Feinunze, womöglich weit darunter. Beliebt sind jetzt wieder Kursprognosen von 1.000 oder gar 800 Dollar…

Warum solche Kursziele Utopie bleiben werden, zeigt ein Blick auf die wichtigsten Goldminen-Aktien: Als der Goldpreis am Donnerstag um fast anderthalb Prozent in den Keller taumelte, da konnten die Aktien von Branchenschwergewichten wie Barrick Gold (ABX) oder Newmont Mining (NEM) fast ein Prozent zulegen. Im Kursverlauf von Barrick Gold zeigen Indikatoren wie RSI und MACD jetzt positive Divergenzen, die eine Wende nach oben ankündigen. Achten Sie auf die roten Linien in der folgenden Abbildung.

Bei der Aktie von Barrick Gold zeigen RSI und MACD positive Divergenzen…

Auch der marktbreite Minenindex XAU schaffte am Donnerstag bei tiefroten Goldpreisen ein kleines Plus von 0,05 Prozent. Das ist nicht viel, hat aber eine viel bedeutendere Signalfunktion als die Kursentwicklung beim Goldpreis selbst. Das hat folgenden Grund:

Wenn die vorauslaufenden Minenaktien den schwächsten Tag beim Gold seit Juli dieses Jahres mit Kursgewinnen kontern, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich beim jüngsten Einbruch der Edelmetalle um ein Fehlsignal handelt, mit dem nun auch noch die „letzten Mohikaner“ rausgekegelt werden sollen.

Immerhin haben wir es hier mittlerweile mit dem längsten Bärenmarkt der Geschichte zu tun. Das heißt, es gibt ohnehin kaum noch jemanden, der auch nur einen Pfifferling auf die Edelmetalle setzen würde. Und diese letzten Standhaften sollen jetzt auch noch abgeschüttelt werden. Warum? Weil die Baisse in Kürze vorüber ist.

Unsere Prognose lautet:

Mit der nächsten Zinsanhebung der US-Notenbank, die voraussichtlich am kommenden Mittwoch, 13. Dezember 2017, über die Bühne gehen wird, ist Schluss mit dem Abverkauf beim Gold. Auch wenn fast alle „Experten“ seit Jahren etwas anderes erzählen, hat der Goldpreis Ende 2015 exakt zu einem Zeitpunkt nach oben gedreht, als die US-Notenbank begonnen hat, die Zinsen anzuheben.

In bester Erinnerung sind die dynamischen Aufschwünge beim Gold und den Minenaktien nach den Zinsschritten der Fed Ende 2015 und Ende 2016. Der jüngste Kursverlauf bei Barrick und Co deutet darauf hin, dass dies auch diesmal so sein wird.

Mit der Zinswende der US-Notenbank Ende 2015 begann auch der jüngste Aufwärtstrend beim Gold. Der nächste Zinsschritt wird am kommenden Mittwoch erwartet…

Womit wir beim Bitcoin wären:

Was wäre besser geeignet, das „barbarische Relikt“ (vermeintlich) über die Klippen zu stürzen, als eine Mega-Rallye bei einer Anlageklasse, deren Potential zwar niemand seriös beurteilen kann, die wegen der astronomischen Kursgewinne derzeit aber „in aller Munde“ ist?

Letzteres scheint tatsächlich zuzutreffen, wie einige Leser berichten. Angeblich sollen bereits Aldi-Kassiererinnen, Taxifahrer und Friseure über die Kurskapriolen bei Bitcoin und Co bestens informiert sein. „Das neue Gold“, so schallt es bereits durch den Äther.

Nachprüfbar ist die Berichterstattung diverser Mainstream-Medien. BILD, ARD, ZDF und andere Dampfplauderer haben das Thema längst entdeckt und entsprechend breitgetreten.

Neueste Stilblüte sind übrigens „virtuelle Katzen“ die neuerdings einen Großteil des Ethereum-Netzwerkes lahmlegen. Der Trick geht so:

„Alle fünfzehn Minuten entsteht eine neue Katze, die für das 1,5-fache des Durchschnittspreises der letzten fünf Katzen angeboten wird. Der Preis fällt allerdings in den nächsten 24 Stunden, bis die Katze einen neuen Besitzer findet. Nach demselben Prinzip können Benutzer auch ihre Katzen zum Verkauf anbieten, allerdings mit einem Start- und Endpreis. Die Transaktionen im Spiel funktionieren mit der Kryptowährung Ether.

Das Spiel hat bereits jetzt einen erheblichen Einfluss auf die Auslastung im Ethereum-Netzwerk – und auf die Geldbörsen der Spieler. Beim Kauf der sogenannten Genesis-Katze wechselten umgerechnet circa 117.000 US-Dollar den Besitzer“.

117.000 Dollar für eine virtuelle Katze? Das macht selbst den Macher des Youtube-Kanals „Bitcoin for Beginners“ fassungslos. Und auch Besitzer eines ganz realen Jaguar E-Type, Baujahr 1969, dürften bei solchen Kapriolen nur noch den Kopf schütteln…

„Die Katze“: Der Jaguar E-Type gilt als einer DER Klassiker unter den Oldtimern. Preise von deutlich mehr als 100.000 US-Dollar sind keine Seltenheit. Ähnnliche Notierungen werden neuerdings für „virtuelle Katzen“ aufgerufen. (Quelle: Wikipedia)

Manche versuchen auch, den Krypto-Hype mit „ökonomischen Argumenten“ zu erklären. Das geht dann in etwa so: Unternehmen die in diesen Tagen die Bezeichnung „Blockchain“ in den Firmennamen integrieren, sehen ihren Aktienkurs explodieren. Einzig und allein wegen des neuen Namens wohlgemerkt. Man muss die Blockchain-Technologie nicht einmal begriffen haben, um zu erkennen, was da gerade passiert: Gier frisst Hirn, alles schonmal dagewesen…

Man kann sich solche Entwicklungen natürlich gerne schönreden, was viele Bitcoin-Fans derzeit auch bereitwillig tun, an der Tatsache, dass solche Stilblüten regelmäßig am Ende von „Fahnenstangen“ zu beobachten sind, ändert das jedoch nichts.

Womit wir bei der Kursentwicklung des Bitcoin wären:

Zuletzt hat die Kunstwährung innerhalb von drei Tagen in der Spitze rund 60 Prozent zugelegt. Ganz exakt lässt sich das nicht feststellen, weil an dem völlig unregulierten Markt ganz unterschiedliche Preise kursieren. Geht man jedoch davon aus, dass beim Bitcoin gerade die finale Übertreibung vor Einführung der Futures am Montag, 18. Dezember 2017 zu beobachten ist, dann kann man folgende Rechnung aufmachen:

Bis zum Start des Futures verbleiben inklusive der Wochenenden noch zehn Handelstage. Bleibt der Bitcoin bei seiner zuletzt gesehenen explosiven Kursbewegung, was im Endstadium einer exponentiellen Entwicklung keine Überraschung wäre, dann kann der „Wert“ noch dreimal 60 Prozent draufpacken.

Mit einem Startpunkt bei rund 15.000 US-Dollar käme man dann auf einen Kurs von sage und schreibe 61.440 US-Dollar. Bis zum 18. Dezember wohlgemerkt. Den möglichen Fahrplan zeigt die folgende Abbildung. Man achte insbesondere auf die exponentielle Steigung der Kurve:

Dass die jüngste Bewegung beim Bitcoin noch nicht „fertig“ ist, das zeigt auch der Blick auf den langfristigen Verlauf in der folgenden Abbildung: Bei der letzten, der gerade laufenden Welle, fehlt noch die finale Übertreibung, sozusagen der Weg in die Senkrechte. Interessanterweise würden auch die gleichzeitig explodierenden Umsätze so eine Entwicklung jetzt betätigen (blaue Markierung unten rechts).

Der Bitcoin vor dem großen Finale?

Es kann daher nicht schaden, sich jetzt eine Ausstiegsstrategie für Bitcoin und Co zurechtzulegen. Berichten zufolge scheint es nämlich selbst bei steigenden Kursen gar nicht so einfach zu sein, Bitcoins wieder loszuwerden.

Außerdem empfiehlt es sich, mit einem Ausstieg nicht so lange zu warten, bis alle anderen die gleiche Idee haben. Denn wenn es offenbar schon bei steigenden Kursen schwierig ist, die aufgelaufenen Gewinne einzutüten, dann möchte man sich gar nicht vorstellen, was erst passiert, wenn die Anleger scharenweise durch die gleiche Tür nach draußen wollen.

Eines sollte man bei all dem jetzt nicht vergessen: Die Kurse der Kryptowährungen steigen unter anderem deshalb exponentiell, weil in unserem ungedeckten Papiergeldsystem einiges aus dem Ruder läuft…

Da an Gewinnmitnahmen bekanntlich noch niemand verhungert ist, könnten Bitcoin-Jünger daher jetzt zumindest einen Teil ihrer Gewinne versilbern, und sich einmal dort umsehen, wo sich in Krisenzeiten eine Diversifikation anbieten würde.

Kleiner Tipp: Sinnvoll ist es immer dort, wo gerade niemand hinsieht. Gold, Silber und die Minenaktien wären ein Beispiel…

© Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief

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Ein Kommentar auf "Gold 800 und Bitcoin 60.000?"

  1. bluestar sagt:

    Unterhaltsam ist das schon, eine Tulpenzwiebel-Manie live zu erleben. Aber diesmal ist ja alles anders, so wie sich das Verhalten von Menschen natürlich grundlegend verändert hat in den letzten Jahrhunderten und vor allem seit dem Internetzeitalter, dem Euro und der EU….
    Alle sind wir natürlich viel klüger, gebildeter, weitsichtiger, vernünftiger, humanistischer.
    Gier frisst Hirn, war das nicht gestern oder vorgestern ? Und wenn die Bitcoin-Kurse Richtung Süden marschieren, werden alle geduldig am Ausgang warten. Das wird richtig lustig. Muss dann nicht auch der Staat eingreifen und alle geschädigten Kleinanleger in Zukunft gut schützen und behüten ??? Chaos schafft Regulierung, Verbote und Kontrolle, der Bürger dankt es dann mit zusätzlichem Vertrauen und seiner Wählerstimme.
    Nur ein paar unverbesserliche Verschwörungstheoretiker investieren noch geduldig in langweilige Edelmetalle oder Minen, freuen sich über aktuelle Kurse und glauben dass im Einkauf der Gewinn liegt…

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