Glücksspiel ETF

26. April 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Bankhaus Rott

Eine seltsame Neigung von Investoren ist es, sich bei einer Anlageentscheidung nur von steuerlichen Aspekten oder anfallenden Gebühren leiten zu lassen. Die verständliche Suche nach möglichst kostengünstigen Anlagevehikeln trieb vor allem Kleinanleger in die Arme einer wachsenden Schar zahlreicher ETF-Anbieter. Gute 50% der Sparer dürften allerdings nicht genau wissen, was da eigentlich in ihren Depots schlummert….

 

Der Gedanke eines börsengehandelten Produktes, das leicht investierbar ist und mindestens die gleiche „Leistung“ bietet wie die oft absurd teuren klassischen Investmentfonds, ist reizvoll. Warum sollte man 2,5% Gebühren zahlen, damit ein Großaugure in seinem „Deutschland aktiv plus“ Mandat um drei Siemensaktien von der Zusammenstellung des DAX abweicht? Auch die generelle Idee der Umsetzung als rein physische Produkte ist durchaus in Ordnung. So weit die Theorie. Leider ist es bei ETF nicht anders als bei anderen Produkten, denn wie heißt es so schön: In der Theorie gibt es keinen Unterschied zwischen Theorie und Praxis. In der Realität aber, da gibt es einige grundsätzliche und schwerwiegende Probleme.

Viele ETF enthalten nicht das, was der Name vermuten lässt.

 So wird vor allem bei Indexprodukten in der Regel nicht der gesamte Aktienkorb zur Nachbildung gekauft. Die Abbildung über einen kleineren Korb, der die „Charakteristika des Index“ gut verkörpern soll, ist der gängige Weg. Unnötig zu erwähnen, dass diese Vorgehensweise eine Schönwettermethode ist, die in Extremsituationen scheitern kann. Und nein, auch die schönste mathematische Modellierung wird das Gegenteil nicht beweisen, so elegant auch viele derartige Kalküle sein mögen. Wer den ETF kauft, hat also in der Regel nicht den Index erworben.

Auch ein ETF macht aus illiquiden Anlagen keine liquiden Anlagen

Für Investoren sind liquide Anlagen generell vorteilhaft. Viele ETF gaukeln potentiellen Anlegern jedoch eine Liquidität vor, die nicht existiert. Hier folgt die Branche erneut dem Konstruktionsfehler, der schon bei offenen Immobilienfonds zur aktuellen Misere geführt hat. Eine Immobilie ist ein illiquides und unteilbares Investment. Ein Immobilienfonds kann die tägliche Liquidierbarkeit von Anlagen in Immobilien vorgaukeln, kann sie aber in schwierigen Phasen naturgemäß nicht bieten.

Nun, ein Investment in den vietnamesischen Aktienmarkt ist ebenfalls keine sonderlich liquide Anlageform. Ein ETF mit diesem Underlying kann in schwierigen Phasen ebenfalls nicht liquider sein als der zu Grunde liegende Index, respektive die den Index repräsentierenden Aktien. Im Zweifelsfalle wird der ETF vollkommen illiquide.

Derivatives Exposure besteht nicht nur zu Absicherungszwecken

Vor allem in Europa (UCITS III Regularien) sind Derivate nicht nur für die Absicherung erlaubt. Diese synthetischen Produkte sind in gewissen Grenzen auch zur Nachbildung realer Assets zugelassen.Hier wird es dann richtig interessant, denn die letzte Möglichkeit kann soweit getrieben werden, dass das ganze Produkt synthetisch ist. Mit dem Basiswert, den der Kunde wünscht, hat das dann rein gar nichts mehr zu tun.

Dieser Fall ist im Gegensatz zu den anderen für viele sicher schwer nachvollziehbar und noch schwerer zu glauben. Aber es lohnt sich, einmal einen Blick auf die Möglichkeiten dieser Vehikel zu werfen. Auch das Financial Stability Board hat eine Studie zu diesem eigentlich nicht ganz neuen Thema veröffentlicht. Das Ergebnis war trotz aller gewohnt höflichen Formulierungen niederschmetternd. Das ist wohl ein Grund warum die Branche sich verständig und in Teilen reumütig zeigte und gar Dank ob der warnenden Worte aussprach. Es ist halt manchmal wie in einem richtig schlechten Film…. (Seite 2)

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