Glaubensfragen!

18. Januar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Ronald Gehrt) Börse und Glauben haben nichts miteinander zu tun. Sie sind sogar das krasse Gegenteil. Materialismus hier, Spiritualität da. Meint man … aber das scheint nur so. Und nicht nur die Börse, sogar das gesamte Wirtschaftsleben ist vom Glauben abhängig. Nur geht es dort nicht um religiöse Aspekte – oder zumindest nur nachrangig – sondern um materielle…

Um den Glauben an steigende Kurse, den Glauben an wachsende Gewinne, an eine rosige, materiell abgesicherte Zukunft. Und/oder den Glauben daran, dass – wenn schon nicht die Politik – die Ersatz-Schutzengel EZB, Fed, IWF und Konsorten über uns wachen…

Die Realität lässt sich ausblenden. Aber der Glaube versetzt Berge. Und darauf bauen Politik und Notenbanken jetzt gleichermaßen. Wieder einmal. Aber andererseits hat die Münchhausen-Nummer ja schon einmal funktioniert. Nur für ungefähr ein Jahr, zugegeben. Aber das reichte, um die Masse der Anleger und Konsumenten ab Sommer 2009 eine Zeitlang auf einer Welle der Zuversicht surfen zu lassen, die den entscheidenden Nebeneffekt hatte, dass die Bürger der scheinbar wieder rosigen Zukunft wild konsumierend entgegen traten. Und genau das hätte man jetzt gerne noch einmal. Oder genauer: Man braucht es jetzt erneut. Sonst könnte nämlich ruckzuck all das passieren, was momentan mit zuversichtlichem Lächeln kategorisch ausgeschlossen wird. Erinnern wir uns (das mögen Politik und Banken zwar nicht, ist aber höchst angeraten):

Was wurde in den letzten fünf Jahren nicht alles ausgeschlossen. Sämtliche Rezessionen waren vorher ausgeschlossen, das Drama des US-Immobilienmarkts ebenso wie die Banken-Pleitewelle. Milliardenzahlungen bzw. –Garantien an EU-Mitglieder, Schuldenschnitte, stürzende Regierungen und Generalstreiks? Arbeitslosenraten um 20% in Griechenland oder Spanien? Alles, wenn nicht ausgeschlossen, so doch höchst unwahrscheinlich. Jaja. Heute ist gerade folgendes ausgeschlossen: Eine Rezession in den USA, Inflation und schrumpfendes Wachstum in China … und natürlich der Austritt einzelner Mitglieder aus der Eurozone, Staatspleiten oder gar das Ende des Euro an sich.

Und dieser Kelch könnte auch tatsächlich (für die kommenden Monate) an uns vorübergehen … was wiederum zu vorgenannter Münchhausen-Nummer zurückführt. Denn die Damen und Herren Entscheider dieser Erde bitten hierbei diskret (oder besser unbemerkt) um unsere Mithilfe. Auch, wenn wir als Wahlvolk nicht hinreichend mündig sind, damit die Politik uns ernst nimmt – als Konsumenten sind wir begehrt und umworben. Denn allerorten – und vor allem in Europa – ist jetzt unser Geld gefragt!

Da der Regen aus Sterntalern wieder einmal nur Regierungen und Banken zugute kam, während man, ob des zu erweckenden Anscheins steten Bemühens, den Bürgern in vielen Bereichen Europas zwangsweise die Gürtel enger schnallt, wackelt die entscheidende Säule der Konjunktur: der Konsum. Letzten Endes hängt an ihm ja alles. Die Industrie, die Staatseinnahmen, der Arbeitsmarkt. Ja, früher sogar das Wohl und wehe der Banken, bis die sich darauf verlegten, weniger zu verleihen und mehr zu zocken. Einfach, weil man in letzterem Fall trotz offiziellen Gezeters doch immer wieder mit frisch erschaffenem Geld aus dem staatlichen Erste-Hilfe-Schränkchen herausgepaukt wird. Aber ich schweife ab – zurück zu uns.

Da die eigentliche Problematik einerseits bei den Banken und andererseits bei den überschuldeten Staaten liegt (nehmen wir da die USA lieber nicht aus!), wursteln die Entscheider momentan wild auf diesen beiden Baustellen. Und zwar, indem man neues Geld dem alten, das immer wieder im Abfluss verschwindet, hinterher wirft. Gut, alte Schulden durch noch mehr neue Schulden zu bezahlen kann nicht heilen, sondern nur den Untergang bremsen. Das weiß jeder, der mal meinte, selbst allzu fröhlich auf Pump leben zu können. Nur kommt bei der EU nicht irgendwann der Gerichtsvollzieher. Niemand kann absehen, wie der endgültige K.O. aussehen wird. Aber dass er auf bei dieser Vorgehensweise kommen muss, weil die Probleme an sich nicht angegangen, sondern nur die Symptome versteckt werden, ist schwer zu negieren. Wenn man nicht gerade Politiker oder Banker ist. Dann gehört das offenbar zur Stellenbeschreibung.

Das Basisproblem sind die Schulden. Um die abzubauen, müsste man die Staatsausgaben senken und/oder die Einnahmen erhöhen. Ersteres trifft die Bürger. Zweites auch. Ergo: Es geht nicht. Denn: Wenn die Bürger weniger für ihre Steuern erhalten oder mehr Steuern zahlen müssen, können sie weniger konsumieren. Was wiederum zu fallenden Staatseinnahmen führt – und über eine steigende Arbeitslosen- und Armenrate zu erhöhten Staatsausgaben. Mist, gell? Also muss Münchhausen her. Der, der sich einst am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen hat. Und wie geht das hinsichtlich unserer Krisen?

Am einfachsten wäre es, den Bürgern mehr Geld in die Hand zu drücken. Hat man früher, ob auf Umwegen oder direkt, immer dann mit Erfolg getan, wenn man aus einer Rezession herauswollte. Aber das geht ja diesmal nicht, weil die Rezession jetzt die mögliche Konsequenz, nicht aber die aktuelle Problematik ist. Die heißt: Schulden runter. Und da vorgenanntes Geldverteilen die Schulden erhöht, fällt dieses staatliche „Anschieben“ der Wirtschaft als Lösung flach. Dass das Verteilen von Geld an Banken die Schulden auch erhöht, ist etwas anderes. Zum einen, weil es ja im Moment nur Kredite sind … ob die je zurückgezahlt werden, ist ein anderes Thema kommender Regierungen und Notenbanker. Und außerdem sind die Banken systemrelevant. Wir hingegen nicht. Na ja, eigentlich doch … aber eben nicht offiziell. Denn wie gesagt… (Seite 2)

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2 Kommentare auf "Glaubensfragen!"

  1. Avantgarde sagt:

    „Und wer gewieft ist, so raunt der selbstlose Flüsterer, der nimmt noch satte Kredite auf, weil die sich bei den niedrigen Zinsen und der ganz bestimmt jetzt losgehenden Inflation von selber abzahlen.“

    Wehe dem, der sich da verschätzt oder zu spät aussteigt.

    Geld welches man nicht hat in einem fallenden Markt zu verlieren beschleunigt die Achterbahnfahrt nach unten ganz ungemein.
    Amen.

  2. FDominicus sagt:

    Nun da bin ich aber froh das ich das nicht mache. Die Rechnung werde ich aber wohl „bezahlen“ müssen/dürfen.

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