Glaube als Börsen-Ratgeber

11. April 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Es heißt, man muss optimistisch sein – in jeder Lebenslage, vor allem an der Börse. Dann wird alles gut und alles bleibt besser. Den Rest erledigt das Leben schnell genug. Viel wird heute dafür getan, die Anleger bei Laune zu halten und optimistische Bilder zu produzieren. Mehr Farbe bitte! Mehr schöne Worte. Dann glaubt man es auch. Noch…

Für Leute mit Geld war die Börse immer schon ein Hort des Glaubens. Nicht gesellschaftsfähig für die Masse, jedoch eine besondere Welt, in der man oft unter sich bleibt, angeblich reich oder reicher werden kann. Ich kenne keinen, der an der Börse richtig reich geworden ist. Börse ist heute ein öffentliches Spektakel. Der DAX ein Barometer für Wohlstand und Zufriedenheit. Niemand weiß, ob die Aktienpreise steigen oder fallen – ein Spiel von Wahrscheinlichkeiten mit viel Aufmerksamkeit, jedoch kein reines Glücksspiel. Viele geben vor, sich damit auszukennen.

Während die einen den Wahrscheinlichkeiten nachsteigen, spielt es für die  Produktverkäufer keinerlei Rolle, ob Märkte steigen oder nicht. Hauptsache, die Dummköpfe wollen sich von ihrem Geld trennen. Man muss ihnen nur einen Bedarf nachweisen bzw. Bedürfnisse und Träume wecken. Vielleicht gibt es deshalb so viel Werbung, weil es zu viele Produkte gibt, die ein zu Hause suchen. Der Glaube daran, dass Verkäufer genug Ahnung hätten und die Sache verstünden, hat immer schon Geldberge versetzt. Wie oft erlebt man irrwitzige Menschen mit noch irrwitzigeren Ideen, die von Börse nichts verstehen, aber Anlagen verschieben unter Ausnutzung von Modeerscheinungen und Vorspielen falscher Tatsachen. Heute Sicherheit, morgen Solaranlagen und zwischendrin hunderttausende Produkte für eine angeblich solide Altersvorsorge.

Muss muss muss

Dennoch, Börse ist hierzulande so beliebt wie Sonntagsreden von Politikern. Und man hört überall… Deutschlands Aktienkultur müsse verbessert werden, die Leute müssen wieder Vertrauen finden. Man muss den Leuten klar machen, dass sie um die Börse nicht herumkommen. Das sagen Lobbyisten und andere Experten, die sich ein Stückchen vom Anlagegeld einbehalten, wenn jemand ihnen folgt. Wer muss überhaupt etwas? Es gibt fünf wichtige Anlageklassen, die ausreichen: Anleihen, Aktien, Immobilien, Bares und Gold. Und Kredite. Wer braucht den Rest? Treffen Sie wohl überlegt ihre Wahl…

Es ist schon erstaunlich, wieviel Aufmerksamkeit heute Aktien gewidmet wird, obwohl sie in der letzten Dekade nichts brachten als Ärger, außer Apple. Apple ist fast so groß wie der DAX. Fast. Anleihen haben gegenüber dem DAX magere 50 Prozent abgeworfen. Inzwischen scheinen sie bis auf den letzten Cent ausgequetscht. Aber das sagt man schon lange. Minizinsen und die Aussicht auf nie mehr steigende Zinsen bringen Märkte durcheinander. In Deutschland wachsen jetzt aber die Preise für Grund, Boden und Immobilien immer schneller an. Gleichzeitig machen mitten im schönen Immobilienboom die Immobilienfonds dicht, während die Heuschrecken wieder durchs Land ziehen.

In einer aktuellen Commerzbank-Umfrage heißt es, rund 60 Prozent der Bundesbürger wohnen im Eigenheim. Das ist erstaunlich, da laut Statistischem Bundesamt die Eigentümerquote bei rund 42 Prozent liegt. Nun, wer sagt der Commerzbank in ihren Umfragen schon gerne die Wahrheit. Sie tut das ja auch nicht. In Spanien und Italien liegt der Anteil der vom Eigentümer genutzten Wohnimmobilien am Gesamtbestand bei rund 80 Prozent und bei 60 Prozent im EU-Durchschnitt. Das nur nebenbei.
Wie oft die Bank der eigentliche Eigentümer dabei ist, konnte ich nicht heraus bekommen. Immobilien sind in. Mit 2000 Euro brutto bekommt man schon etwas Hübsches finanziert. Ob der Job die nächsten Jahre die monatliche Rate tragen kann, wissen die Götter. Im Freundes- und Kollegenkreis erregt es zunehmend Aufmerksamkeit, Eigentümer einer Immobilie zu sein. Oft nimmt der stolze Eigentümer zu viele Kredite auf und belächelt die Mieter wie ich einer bin. Sei es so…

Ruhig schlafen mit Anleihen?

Inzwischen toben erste Wellen im einst sicheren Hafen der Anleihen, einem Markt von nahezu 100 Billionen US-Dollar weltweit. Bislang haben Kupons und Kursgewinne die alte Börsenregel bestätigt, man könne mit Anleihen ruhig schlafen. Es schont Nerven, Anleihen statt Aktien zu haben. Daran hat sich bis zum Moment größtenteils nichts geändert. Und morgen? Es gibt Zeiten, in denen man Anleihen haben muss, und Zeiten, in denen man keine haben darf. Seit dreißig Jahren konnte man mit Anleihen nichts falsch machen, außer man hatte die falschen Papiere.

Das Geschrei um Aktien hört wahrscheinlich nie auf. Sie seien immer billig, selbst wenn sie teuer sind. Der DAX als Maßstab für Wohlstand hat dabei zwei Gesichter. Der an der DAX-Tafel dahin laufende Strich ist ein Performance-Index. In ihm werden die ausgeschütteten Dividenden mit verbucht, weil man davon ausgeht, die ausgezahlten Beträge werden wieder re-investiert. Vielleicht mag das für einen Teil der Beträge gelten, aber nicht generell. Aber es sieht besser aus. Im Kursindex sieht man dagegen ein „organisches Wachstum“. Und dieses war in den letzten Jahren schwächer als der Performance-Index weis machen will. Ein Blick auf den „Kursindex“ bringt dabei erhellende Neuigkeiten.(Quelle: Consors)

Der Vergleich vom DAX mit dem Stoxx ist heute ein gerne genutztes Verkaufsargument für deutsche Aktien.

In letzter Zeit geht das Gerücht um, Aktien seien Sachwerte und man muss sie aus Gründen der Inflation haben, während die gleichen Leute behaupten, es gäbe keine Inflation und als Beweis übel riechende Hirnwinde von hoch bezahlten Experten ohne Trefferquote und Notenbankchefs anführen – eine Mischung aus Hoffnung und Heuchelei. In Mode ist gekommen, aus Inflationsgründen jetzt auf  „solide“ Unternehmen wie Versorger zu setzen. Man braucht sie doch so sehr wie damals Karstadt. Ich bin mir nicht so sicher, ob Unternehmen mit einem Börsenwert von der Hälfte der Schulden im Extremfall wie bei E.ON einen Sachwert darstellen bzw. eine gute Anlage. Geht ein solcher Koloss unter, werden aus den Resten die Anleiheinhaber ausgezahlt, nicht aber die Aktionäre. Der Blick richtet sich stets auf den Gewinn pro Aktie, nie aber auf die angehäuften Schulden pro Aktie. Und welche Substanz  Banken aus irgend einem Index besitzen, habe ich noch nie verstanden – außer Verflechtungen, gigantische Derivatebücher und aufgeblähte Bilanzen. Ihre Substanz ist ihre Macht, größer als die von Regierungen – ergänzt vom  Monopol der Geldzauberei.

Aus Gründen der Einfachheit werden Unbedarften gerne Indexzertifikate oder ETF`s angeboten und auch umfangreich beworben. Man soll breit streuen, damit man nicht ausrutscht, heißt es. Wie heiter, ist man auf diese Art und Weise über eine Inhaberschuldverschreibung dabei, deren Existenz von einem Geldzauberer bzw. Bank abhängt, ganz abgesehen vom Glauben an die künftige Entwicklung der Kurse. Kaufen und glücklich werden. Wenn es so einfach wäre… Oder man kauft ein ETF, einen börsengehandelten Fonds. Was der Verkäufer oft verschweigt, ist die Tatsache, dass in einem DAX-ETF alles Mögliche versteckt sein darf, auch japanische Aktien. Der ETF bildet nur den Preis des DAX ab. Mehr nicht.

Würfelbudenzauber

Oh, die Konjunkturaussichten diesseits und jenseits der großen Teiche sind ebenso ein gut gepflegter Hort vielerlei Glaubens und lauter Trompeten. Ich liebe dieses Spektakel. Wächst Chinas Wirtschaft weiter? Keine Ahnung. Man fährt so selten dorthin. Niemand kann einschätzten, ob die US-Wirtschaft nicht doch in der Rezession stecken geblieben ist. Man ist als Europäer zu selten vor Ort. Anhand von Berichten und Statistiken werden Entscheidungen getroffen, im Glauben an die Wahrheit der konsumierten Botschaften. Klebt man am Glauben von statistischen Erhebungen, sieht es derzeit in den USA besonders gut aus.

Mir will es nicht so recht eingehen, dass ein Land, in dem 46 von 305 Millionen Menschen von Lebensmittelkarten abhängig geworden sind und 87 Millionen Leute aus dem Arbeitsmarkt heraus gerechnet worden sind. Die Bilanz der USA ist in Schieflage geraten und der offizielle Schuldenberg der Regierung auf 15,6 Billionen US-Dollar oder 100% des BIP angewachsen. Ein Sechstel der US-Bürger lebt inzwischen in Armut. Kauft US-Aktien! Kauft Dollar! Vielleicht wird es bald keine mehr geben, wenn Ben Bernanke keine weiteren davon mehr herstellen möchte – der letzte Schrei in der Diskussion in den letzten Tagen.

Wie dem auch sei, der Glaube wandelt sich. Die Bibeln der früheren Jahrhunderte sind größtenteils durch Zeitungen, das Fernsehen und umgeschriebene Lehrbücher ersetzt worden. Schon in den Schulen bereitet man die Kleinen auf eine Welt vor, indem ihnen allerhand Unsinn in die Köpfe gesteckt wird. Europa ist toll, sagen Neunjährige, weil es die Lehrerin gesagt hat. Als Kinder trugen wir in der DDR rote oder blaue Halstücher und glaubten an eine „gute Sache“ die durch das beständige Wiederholen der Thesen eingängiger, aber nicht wahrer wurden. Aus Glauben wird irgendwann Wahrheit, wenn deren Thesen oft genug wiederholt werden. Notfall gilt es, diesen Glauben zu verteidigen. Vielleicht werden deshalb auch immer neue Begriffe erfunden, um Altes und Abgewirtschaftetes durch Neues zu ersetzen – frisch angestrichen. Und diese Thesen tauchen nach und nach bei Nachbarn und bei Bekannten auf. Sie reden von Eurorettern, Bandmauern und anderem wirren Zeug, was die Frage aufwirft, woher sie diese Begriffe haben und diese so überzeugt nachplappern.

Glaube ist ein verführerischer Ratgeber. Da kann man wenig machen. Vielleicht interessieren sich deshalb so viele Leute für „weiche Komponenten“ wie Stimmungen, die kostenlos als Beilage aufs tägliche Butterbrot geschmiert werden. Hauptsache mitreden können.

Ob Waren oder politische Überzeugungen, man steht mittendrin. Eigentlich hat sich daran in den letzten Jahrhunderten nichts geändert, nur hat sich der von der Kanzel gepredigte Glaube gewandelt und hat die Angewohnheit zur Mutation. Kann man nichts machen – nur vorsichtig sein, auf welchem Parkett man gerade die Welt zer-tanzt.


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22 Kommentare auf "Glaube als Börsen-Ratgeber"

  1. dantak sagt:

    Sehr gut!

    100 Billionen und Brandmauern…

  2. Avantgarde sagt:

    Jetzt muß ich aber doch lachen 🙂
    Ist der Blogstream nicht, daß durch die bald nahende Hyperinflation jedes Boot gehoben wird und Aktien als Sachwerte steigen werden?

    Leute ich sag es euch – es wird kommen wie 2008 – und selbst wenn es stagniert…
    Falls Oma Meyer ein „Sparbuch“ hat wird das wieder mal zum ungekrönten Anlagestar werden.
    Dummerweise fallen dort keine Verkaufsprovisionen und Managementgebühren an – und so wird es diese Anlageform auch nicht in die Hochglanzbroschüren schaffen.

    Über Aktien könnte ich viel schreiben.
    Es ist und bleibt Spekulation und die Hoffnung, daß man im Brandfall als erster aus dem Stadion kommt.

    • Frank Meyer sagt:

      Welcher Blogstream? Soweit ich weiß, gibt es keinen – nur unterschiedliche Meinungen.
      Ist die Inflation nicht neulich im Zahnradgetriebe einer Druckerpresse überraschend umgekommen?

      • Avantgarde sagt:

        OK – ich rudere die Hälfte zurück 🙂
        Ihr seit schon deutlich besser als andere bekannte EM-Seiten…

        Rein technische ist es für eine Notenbank eine Leichtigkeit Inflation einzufangen – nicht aber eine Deflation zu verhindern.
        Ich darf nur mal an Japan und in diesem Zusammenhang dem Nikkei erinnern.

        Das teuflische an Deflationen ist, daß sie zäh und langwierig sind.
        Gut möglich, daß sich alle Autoren hier noch gut bis 2016 daran verkünsteln gerade jetzt den richtigen Einstiegszeitpunkt für dies und jenes zu findnen weil wir gerade mal wieder auf einen relativen Tiefpunkt gefallen sind.

        Für den Normalbürger sind aber ganz andere Dinge als Trading und Flucht des Vermögens entscheidend.
        Und da hab ich leider eine nicht sehr gute Prognose.
        Noch immer läuft die Vermögensumverteilung auf Hochtouren – und das wird der Schlüssel zu diesem oder jenem Extrem-Ereignis werden.

        • pat sagt:

          Wie soll es zu einer Deflation kommen wenn Banknoten mit dem Hubschrauber abgeworfen werden?

          Wie eine Zentralbank, „rein technisch“, eine Inflation wieder einfangen kann würde mich mal interessieren. Werden Guthaben einfach ausgebucht? Geld aus dem Umlauf zu nehmen wird immer schwierig sein, wie die Zahnpasta zurück in die Tube zu bekommen, denn es wird sich immer derjenige beschweren, dem das Geld genommen wird.

          Dass eine Umverteilung stattfindet und in noch größerem Ausmaß stattfinden wird, da sind wir einer Meinung. EMs werden dabei vermutlich eine große Rolle spielen.

          • Avantgarde sagt:

            Laß dich doch nicht von solch flotten Sprüchen beeindrucken!

            Wurde bei Dir persönlich, deinem Nachbarn… schon mal Geld abgeworfen?
            Na siehste. 🙂

            Inflation einzufangen ist wirklich die Leichteste aller Übungen für eine ZB.
            Ob das politisch gewollt ist sei mal eine andere Frage.

            Schon ein lautes Nachdenken darüber ob man die Zinsen unten lässt kann schon für Verwirrung sorgen.
            Eine Leitzinserhöhung würde momentan schon mit 25 Basispunkten deutliche Bremsspuren hinterlassen.
            Von einem erhöhten Mindestreservesatz möchte ich erst gar nicht reden…. 🙂

          • Frank Meyer sagt:

            Oh ja… Geld wurde zu folgenden Gelegenheiten abgeworfen…

            – Alimentierungen
            – Abwrackprämien
            – Rentenzahlungen (die Umlage reicht nicht)
            – Rettung der Kopfschmerzbank und HRE
            – Subventionierung europäischer Agrarprodukte

            Aber sie haben es auch wieder abgesaugt.. irgendwie…

  3. stephan sagt:

    „Schon in den Schulen bereitet man die Kleinen auf eine Welt vor, indem ihnen allerhand Unsinn in die Köpfe gesteckt wird. Europa ist toll, sagen Neunjährige, weil es die Lehrerin gesagt hat.“

    Letztens habe ich – ich meine es war auf Kika (meine Tochter ist 10 Jahre) mit angesehen, wie ein Teenie sinngemäß sagte: „Der Euro sei so wichtig, weil man gar nicht mehr umrechnen müsse, wenn man ins Ausland fahre.“

    Ich habe geflucht vor diesem scheiß öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Der Mechanismus funktioniert genau, wie im Artikel beschrieben. Und gerade die jungen Leute denken kein bisschen darüber nach! Sie lernen es ja auch nirgends, das Denken. Insbesondere die Jungen werden – genau wie in der DDR – regelrecht von diesem EU-Euro-Schwachsinn indoktriniert.

    Dabei bekommen sie – wohl absichtlich – nicht beigebracht, über den Tellerrand hinaus zu denken: Was machen die eigentlich, wenn Sie mal in ein Nicht-Euro-Land fahren? Können die das vielleicht gar nicht, weil sie das Umrechnen nicht mehr beherrschen?

    Manchmal denke ich über diesen Idioten-Laden hier: Schlimmer, als in der Zone (= DDR)! Um allen Missverständnissen vorzubeugen: Nicht das ich die DDR wieder haben wollte, aber was hier in einem eigentlich freiheitlichem System abgeht, ist schlicht unfassbar.

    • Dreamer sagt:

      “Freiheitlich” und “frei” sind eben nicht dasselbe. Ersteres heißt soviel wie “sowas Ähnliches wie frei”, ist also nur eine Simulation von “frei”.

      Dumm, wie die Masse nunmal ist, wird sich erst dann etwas bewegen, nachdem die Sparguthaben vernichtet wurden. Dummheit muß bestraft werden!

  4. JayJay sagt:

    Das mit dem Immo-Boom kann ich auch bestätigen, in meinem kleinen Heimatdorf (ca. 1000 Einwohner) hat ein Freund von mir jetzt ein altes Haus für 57000 Papiereuros gekauft. In dem Dorf gibts nur einen Fleischerladen sonst nichts, ohne PKW biste verloren, und es ist jeden Tag Sonntag, so ruhig ist es dort.

  5. crunchy sagt:

    Meyer´s Welt, wie er sie sieht! Leider ist daran rein gar nichts zu deuteln. Gesunde Skepsis nimmt uns an der Hand, wenn wir etwas riskieren wollen oder wir begeistern uns an Visionen. Hirn oder Herz, Geld oder Schmerz. Damit das Spiel der Umverteilung, wie Avantgarde es erkannt hat, noch eine Weile weitergeht, brauchen wir Visionäre. Damit nach dem Endspiel noch Vermögen für das Wiederandrehen des Rades vorhanden ist, brauchen wir Skeptiker.
    Nur, wer skeptisch ist, der erhält auch die Informationen, die ihn der Realität näher bringen. Der Visionär will sich damit nicht auseinandersetzen. Der Nachdenkliche findet im Leben so manches Schlagloch, das er umschifft, der Visionär fährt durch und freut sich am Hüpfer. Es gibt jede Menge Statistiken. Die Frage, welchen man vertrauen kann, lässt sich relativ einfach beantworten, wenn man sich zuerst überlegt, wem die getroffene Aussage nutzt und wer Auftraggeber der Statistik ist.
    Ich für meinen Teil freue mich auf die Runde der neuen Quartalsergebnisse. Mit Alcoa, hat es ja sehr gut begonnen, findet der Visionär. Der Skeptiker, erinnert an die vorangegangene Gewinnwarnung, die vor der Obama-Wahl nötige, gute Stimmung und schaut, wenn nötig mal auf NTV die Erklärung an: Die Produktivitätsfortschritte haben die Produktionskosten erhöht, weshalb bei sinkendem Absatz der Gewinn stieg. Alles Klar?

  6. Alternativlos sagt:

    @ Frank Meyer:

    Mit den vielen Nullen blickt zwischenzeitlich keiner mehr durch. Millionen, Billionen, Trillionen…

    Aber der Anleihemarkt ist sicherlich größer…

    „Inzwischen toben erste Wellen im einst sicheren Hafen der Anleihen, einem Markt von nahezu 100 Millionen US-Dollar weltweit.“

    Gruß

  7. Alternativlos sagt:

    @ Frank Meyer:

    Übrigens Frank, sehr guter, klarer Text mit einer wohl definierten Aussage sowohl in als auch zwischen den Zeilen. Kann es sein, dass ich in Deinem Schaffen in letzter Zeit eine gewisse, wohl dosierte zynische Note entdecke?

    Gruß

  8. Reiner Vogels sagt:

    Sehr geehrter Herr Meyer, Sie schreiben: „Ich kenne keinen, der an der Börse richtig reich geworden ist.“

    Ich denke, darum geht es gar nicht. Wer nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, weiß, dass es kein sicheres und einfaches Rezept gibt, „richtig reich“ zu werden.

    Viel wichtiger für den Kauf von Aktien ist aus der Sicht des Durchschnittsverdienes und Normalverbrauchers die Flucht aus den Geldtiteln.

    Seit der famose US-Präsident Nixon zu Beginn der 70er Jahre die Golddeckung des Dollars mit einem Federstrich aufgehoben hat, weiß jeder, dass Geld keine verlässliche Wertsubstanz mehr hat. Es kann beliebig durch die Notenbanken vermehrt und damit entwertet werden.

    Wann wäre das deutlicher als heute. Daraus folgt: Bei Inflationsraten von offiziell zugegebenen mehr als 2% – jeder, der einkauft, weiß, dass es mehr sind – sind die mit Geldanlagen erzielbaren Zinsen so gering, dass ein ständiger Vermögensverlust unvermeidbar ist. Das gilt nicht nur für das klassische Sparbuch, sondern natürlich auf für Rentenverträge, Lebensversicherungen und dergleichen. Hinzu kommt, dass der räuberische Staat, in dem wir leben, dann auch noch so dreist und unverschämt ist, die Zinserträge, die ja noch nicht einmal einen Ausgleich für den Wertverlust bedeuten, auch noch zu besteuern.

    In einer solchen Zeit gibt es nicht viele Möglichkeiten, seine Ersparnisse für das Alter oder für die eigenen Kinder wertmäßig zu erhalten. Gute Substanzaktien, möglichst nicht nur aus der Pleiteregion Euroland, sind eine Alternative. Langsfristig gesehen. Dass auch dabei Verluste möglich sind, ist klar. Aber wer weiß Besseres?

  9. Fnord23 sagt:

    Hallo Frank,

    „In einer aktuellen Commerzbank-Umfrage heißt es, rund 60 Prozent der Bundesbürger wohnen im Eigenheim. Das ist erstaunlich, da laut Statistischem Bundesamt die Eigentümerquote bei rund 42 Prozent liegt.“

    Bei mir wohnen 4 Bundesbürger im „Eigenheim“. Aber nur zwei sind „Eigentümer“.

    Was soll an obiger Aussage falsch sein?

    Ich bemerke auch hier noch mal: Ich kenne keinen Immobesitzer, mit klassisch 500qm Gründstück und 150qm Wohnfläche, der das Objekt als Anlage betrachtet und Gewinn gegen Verlust aufrechnet. So Träumerle gibt es bestimmt auch…

    Alles hat Risiken, besonders das Leben.

    Schön, dass hier auch mal „Kredit“ als Anlageklasse genannt wird. Geschickt gemacht, warum nicht? Aber Bares als Anlageklasse?
    Oder war das ein Scherz? Sicherlich sollte man mind. 3 Monatgehälter als Reserve haben.

    Fakt ist doch aber:
    Wer seine Arbeitskraft und Lebenszeit in das gesetzliche Zwangszahlungsmittel tauscht und damit dann auf die Spielwiese der Big Boys rennt, der sollte sich auf blaue Augen und Schürfwunden einstellen. Wenn er gefoult wird, hat ohne murren das Feld zu verlassen..

    Da stelle ich mich doch lieber an den Spielfeldrand und kauf mir am Kiosk einen Flutschfinger.
    Das ganze Theater ist doch nur dazu da, um Reiter auf den falschen Bullen zu locken. Wie der Düsseldorfer so schön sprach. Ach nee, er sprach vom Abwerfen vom EM-Bullen.

    VG ins Land und genießt die wärmende Sonne

    VG ins Land

  10. Avantgarde sagt:

    @Frank

    Kein Antwortbutton mehr da…

    Dafür gibt es doch auch immer eine Gegenposition bzw. sind das Garantien bei denen im Zweifelsfall die Forderung wohl ausfallen wird!
    Fällt eine Forderung aus dann wird es im Kreditgeldsystem erst recht deflationär – die ZB kann allenfalls dann diese deflationäre Wirkung versuchen aufzuheben.

    Es wird eben genau nichts gedruckt.
    Jeglicher Inflationierungsversuch erhöht sogar die Gefahr einer Deflation.

    Sogar der Smart-Investor spricht ja seit einiger Zeit nicht mehr von Hyperinflation – oder hab ich mich da verlesen? 🙂

    Die technischen Möglichkeiten der ZBs bezweifelst Du aber nicht – oder?

    • Frank Meyer sagt:

      Fällt eine Forderung aus dann wird es im Kreditgeldsystem erst recht deflationär – die ZB kann allenfalls dann diese deflationäre Wirkung versuchen aufzuheben.

      Ob es ihr gelingt? Bislang sind sie ganz gut dabei.
      Ja ja, HyperHyper Hyperdeflationäre SuperDisInflaRezession. Die vertragen sich beide ganz gut nebenbeinander.
      Ich verlasse mich auf die ZB`s. Oh ja! Alles Goldbugs. Und sollten sie scheitern, dann habe ich Gold.
      Wenn sie nicht scheitern, habe ich Gold. Und wenn sie so weiter machen wie bisher, mache ich mir keine Sorgen.
      Meines Erachtens geht es gerade um Macht. Um nix anderes. Viele Grüße!

      • Avantgarde sagt:

        „Meines Erachtens geht es gerade um Macht. Um nix anderes.“

        Klar – aber den Bogen zu spannen ginge hier zu weit.

        Was wer von den Entscheidern wann will ist halt nicht immer das was man für gemeinhin als sinnvoll erachten würde.
        Und dabei meine ich jetzt noch nicht mal die Maßnahmen im Sinne der verschiedene Lehren der VWL.

        Ich würde ganz sicher niemand raten sein physisches Gold oder Silber zu verkaufen.
        Aber alles auf eine Hyperinflation zu setzen halte ich für fahrlässig.
        Ich mag Silber übrigens sehr gerne – aber nicht weil ich es als Währung sehe sondern aus anderen Gründen.

        Liebes Grüssle 🙂

  11. dork sagt:

    zur Eigenheimstatistik: im Wort Glaube steckt das Wort „Laube“ 🙂

    Vor dem Aufregen über die Massenmedien fällt mir immer ein Zitat ein von Peter Lustig, der in einem Interview mal gefragt wurde, ob Fernsehen dumm macht.
    Er antwortete ungefähr so: Die Klugen machts klüger, die Dummen machts dümmer. Ist mit jedem Medium so, vor allem auch mit dem Web.
    Leider googeln die meisten nach DSDS anstatt nach ESM … die Möglichkeiten wären da….

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