Ging es wirklich um die Commerzbank?

10. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Freude Jubel, Heiterkeit. Die Commerzbank scheint gerettet. Wir alle werden jetzt Aktionäre bei der Commerzbank, die im Börsenjargon auch schon mal Kopfschmerzbank genannt wird. Doch jetzt gibt es Medizin, aus der Apotheke der Steuerzahler. Als Ausgleich bekommt jeder Deutsche vier Coba-Aktien. Besser als nichts….

Bundeswirtschaftsminister Glos sagte dem Handelsblatt, der Einstieg des Bundes müsse kein Verlustgeschäft sein. „Der Bund kann seine Beteiligung wieder verkaufen und damit Gewinn machen“, sagte Glos. Rechnen wir mal nach:

Der Bund hat der Commerzbank bislang 18 Milliarden Euro Eigenkapital eingeschossen. Das macht pro Bürger 227 EUR. Dafür erhält der Bund 290 Millionen neue Commerzbank-Aktien. Pro Bundesbürger entspricht das knapp vier Stück (3,6) zum Einstiegspreis von 6 Euro pro Aktie. Wenn der Bürger also mit 227 Euro zur Kasse gebeten wird, zahlt er pro Coba-Aktie 62,62 Euro. Herr Glos meint, dass man diese Papiere wieder mit Gewinn verkaufen kann. Bravo!

Natürlich ist es etwas einfach gerechnet, das mit den 62,62 Euro. Der Bund zahlt ja „nur“ 1,8 Milliarden für die 290 Millionen neuen Commerzbank-Aktien. Es zeigt aber die Größenordnung, welchen Preis er bezahlt, wenn die stillen Reserven nicht still bleiben. Aber notfalls kann man bestimmt noch ein Papiere „zumischen“ bzw. „verbilligen“.

Und dann gab der Bund ja noch 15 Milliarden an Garantien. Sollte noch mehr schief gehen, könnte das auch sehr schnell mehr werden. Man weiß nicht so richtig, wie es um die Eurohypo steht. In anderen Banken liegen noch ganz andere Leichen. Sie modern weiter im Keller vor sich hin. Fehlen noch ein paar Nebelkerzen, um den Bürger die Notwendigkeit zu verkaufen. SPD-Chef Franz Müntefering verteidigt den Einstieg des Staates:

Das, was jetzt bei der Commerzbank passiert, ist ja nicht etwa eine Teilverstaatlichung. Der Staat tritt auf Zeit ein, aber er wird sich auch in einem baldigen und vernünftigen Augenblick wieder lösen. Wir werden jedenfalls auf die Geschäfte keinen Einfluss nehmen.

Das Bundesfinanzministerium teilte mit, die Transaktion werde als Hilfe für eine künftig erfolgreiche Arbeit der zweitgrößten Bank Deutschlands verstanden.“Damit ist das Feld bereitet für eine erfolgreiche Zukunft der künftigen neuen und größeren Commerzbank“, erklärte Torsten Albig, Sprecher von Peer Steinbrück.

Der Bund verstehe seine Beteiligung nicht als „Teilverstaatlichung, sondern als Wahrnehmung unserer Verantwortung für einen der großen deutschen Akteure am Finanzmarkt.

Das ist natürlich ein großer Unterschied. Doch anders gerechnet, könnte es auch um die Rettung der Allianz gegangen sein, wo Millionen Leute Milliardenbeträge an Altersvorsorge geparkt haben. Die schlingernde Dresdner Bank wurde ja wie Sauerbier angeboten, bis sich die Commerzbank als Käufer fand. Hier wurden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, so sagen einige Börsianer. Die Commerzbank mit ihrem zugekauften Problemkind Europhypo kauft der Allianz ihre in Not geratene Dreba ab, um dann schnell unter den Rettungsschirm zu flüchten. Und man regt sich nur einmal medial auf. Abwegig?

Das Ziel war einmal, Deutschland in ein Land von Aktionären umzukrempeln. Ja, das hat jetzt erreicht, nur über einen kleinen Umweg.

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