Gigantisches Erpressungspotential durch Banken

4. April 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Mack & Weise) „Keine Bank darf so groß sein, dass sie wieder Staaten erpressen darf. Das ist für mich der wichtigste Punkt“, versprach Bundeskanzlerin Merkel 2009 der seinerzeit akut um ihre Ersparnisse fürchtenden deutschen Bevölkerung. Heute muss selbige nach drei Jahren und einer Regulierung nach Bankenvorstellungen (!) aber mehr denn je um ihr Gesamtvermögen fürchten…

…denn die Bundeskanzlerin hat offenkundig nicht die Macht, beispielsweise allein nur der von der japanischen Finanzaufsicht Ende 2010 zur „gefährlichsten Bank der Welt“ gekürten Deutsche Bank deren im Geschäftsbericht 2011 dokumentiertes Erpressungspotenzial zu nehmen.

Zwar übertrifft sogar die 2,164 Billionen Euro bilanzierende Bank mit ihren 36,3 Mrd. Euro an „hartem“ Kernkapital (!) die Anforderungen der europäischen Aufseher, doch was sagt eine Kernkapitalquote von 9,5 % mit Blick auf die mit sogar 10,4 % Ende 2011 in die Pleite gerutschten Dexia in heutigen Zeiten schon aus? Nichts!

Insofern wirft stellvertretend für die gesamte Branche der DB-Geschäftsbericht essenzielle Fragen auf, die zwingend einer Antwort bedürfen: Warum können stolze 1,78 Billionen Euro in der Bilanz gerade in Zeiten ausfallender Staatsschulden als völlig „risikolos“ gelten? Und warum kann eine Bank wie die Deutsche darüber hinaus auch noch allein knapp etwas mehr als ein Zehntel (siehe Grafik) des Ende Juni 2011 weltweit auf 707,57 Billionen USD bezifferten OTC-Derivatevolumens vermeintlich „risikolos“ auf sich ziehen?

Fakt ist, niemand kann die per finanzmathematischer Modelle rückwärtsgewandt „gesteuerten“ tatsächlichen Risiken des auf das Zehnfache (!) des 2011er Welt-BIP (70,012 Billionen USD) angeschwollenen OTC-Derivatemarktes auch nur ansatzweise einschätzen, was zugleich aber auch bedeutet, dass der nächste „Betriebsunfall“ bzw. „Schwarze Schwan“ dann wieder einmal „völlig überraschend“ Milliarden- oder sogar Billionenlöcher in den von den Risikomodellen „überfallenden“ Banken hinterlassen wird. Die Frage ist dann aber nur, ob Steuerzahler und Notenbanken, so wie z. B. nach der Pleite des Hedgefonds LTCM 1998 oder nach dem nur für Mathematiker und Volkswirte völlig überraschenden Platzen der amerikanischen Immobilienblase geschehen, die Hybris der Zauberlehrlinge in den Banktürmen noch einmal sozialisieren können.

Als verantwortungsbewusste Investoren (ohne Rettungsschirm) können wir uns jedoch keine Schönwetter-Risikowahrnehmung leisten. Vielmehr müssen wir uns damit auseinandersetzen, ob die Versuche der Politik und Notenbanken, überschuldete Banken und Staaten mit der Anhäufung von noch viel größeren Schulden und durch plumpes Gelddrucken „sanieren“ zu wollen, auch gelingen können, insbesondere wenn selbst Protagonisten wie Bundesbankpräsident Weidmann lautstark unsere Zweifel teilen: „Genauso wie der Turm von Babel wird auch die Mauer aus Geld niemals den Himmel erreichen. Wenn wir diese immer höher und höher machen, werden wir hingegen immer neue Probleme bekommen – finanzielle wie politische.“ (28.03.12)(—> Seite 2)

 

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4 Kommentare auf "Gigantisches Erpressungspotential durch Banken"

  1. Gigantisches Erpressungspotential durch Banken « antizensur sagt:

    […] weiterlesen bei: http://www.rottmeyer.de […]

  2. Soka sagt:

    Das ist ja alles grenzdebil: Wie sollen Schulden durch noch mehr Schulden in unvorstellbarer Höhe getilgt werden – Feuer löschen mit Benzin ! Das ist ein Ponzi Scheme und kleine Zocker gehen dafür ins Gefängnis. Mir kommt das dennoch gesteuert vor, denn so dumm können die Protagonisten nicht sein.
    Zielt alles auf die Vernichtung vom jetztigen Geldsystem und auf die komplette Kontrolle der Bürger ab. Der Mittelstand hat ausgedient. Man braucht ihn nicht mehr und hungert ihn aus. Ab nun wird Konsum von Konzernen einfach verordnet.

  3. Fnord23 sagt:

    Hallo Soka,

    was ist daran grenzdebil? Du solltest zwei Dinge trennen. Betriebswirtschaftl. Betrachtungen und volkswirtschaftliche.

    Privat und in der Wirtschaft sind Schulden natürlich zurück zu zahlen.

    Volkswirtschaftl. gesehen geht das aber nicht. Klassisch Deflation.
    So funktioniert das eben und ist auch gar so schlimm. Das Problem ist, dass die großen Vermögensschulden nicht im Wirtschaftskreislauf fließen.

    VG

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