Gibt es so etwas wie zu viel Energie?

30. November 2012 | Kategorie: RottMeyer

(von Bill Bonner) Energie ist eine gute Sache. Aber sie muss sich genauso nach dem Gesetz des abnehmenden Grenznutzens richten wie alles andere. Dieser Punkt ist offensichtlich, aber ich werde ihn dennoch beweisen.

Die wirkliche Frage auf dem Tisch in diesem Beitrag ist diese: Gehorcht der Faktor Energie auch der „Regel des Abwärts“? Erreicht man jemals den Punkt, wo der weitere Input von Energie einen negativen Effekt hat…oder sogar einen desaströsen? Gibt es so etwas wie „zu viel Energie“? 

In Antizipation der Diskussion sind hier vier Beobachtungen:

1. Energie kann nicht davon getrennt werden, wie sie genutzt wird.

2. Je mehr Energie-Ressourcen unter die Kontrolle der Regierung kommen, desto unproduktiver wird das System.

3. Auch die Regierung muss sich der „Regel des Abwärts“ beugen.

4. Die mit Schulden überladenen Volkswirtschaften der heutigen entwickelten Staaten befinden sich bereits im „Abwärts“.

Aber was ist mit der Energie selbst? Normalerweise wird der Mangel an Energie – und nicht der Überschuss an Energie – für Desaster verantwortlich gemacht. Einige Militärhistoriker z.B. sagen, dass es ein Mangel an Energie war, welcher die deutschen Kriegsanstrengungen von Beginn an lahm gelegt und deformiert hatte. Statt alle seine Kräfte für den Angriff auf Moskau zu konzentrieren, wurde Hitler gezwungen, einen großen Teil seiner Armee südwärts zu lenken, wo seine Armeen die Öl-Vorkommen der Ukraine eroberten und sicherten.

Japanische Militärhistoriker tendieren auch dazu, das „zu wenig“ als Erklärung für das japanische Scheitern zu nehmen. Zum Beispiel ging ihren Schiffen nach der Schlacht von Midway buchstäblich das Öl aus. Nach dieser Schlacht waren die Japaner militärisch dem Untergang geweiht. Deren Energie kam aus dem heutigen Indonesien. Ohne die Kontrolle über den Pazifik konnten sie ihre Nachschublinien nicht schützen.

Es ist auch typisch für Archäologen und Historiker, den Kollaps antiker Zivilisationen dem „zu wenig“ zuzuschreiben, anstelle dem „zu viel“. So soll z.B. die Zivilisation der Osterinseln verschwunden sein, da den Eingeborenen die Bäume ausgingen. Sie nutzten das Holz zur Energiegewinnung. Als die Bäume weg waren, hatten sie kein Glück mehr. Die Bäume halfen auch mit, die Umwelt in funktionierendem Zustand zu halten. Diese Analyse wurde auch für die antike griechische Zivilisation gemacht. Die Griechen nutzten das Holz und brachten Ziegen, welche die jungen neuen Bäume fraßen. Nach ein paar Hundert Jahren waren die griechischen Inseln kahl.

Sollten wir das eine ökologische Katastrophe nennen, oder einen Mangel an Energie? Kann die Energie getrennt werden von der Zivilisation, welche sie nutzt? Wenn eine Gemeinschaft knapp an Wasser ist, muss sie mehr Energie einsetzen, damit der Durst beseitigt werden kann. Wenn sie wenig landwirtschaftliche Fläche hat, dann muss sie härter arbeiten (mehr Energie einsetzen), um die Erträge je Hektar zu erhöhen. Wenn sie knapp an Öl ist, dann muss sie mehr ihrer Energie einsetzen, um es zu bekommen, wie Japan und Deutschland es im Zweiten Weltkrieg taten.

Ein Überfluss oder ein Mangel an Energie selber ist bedeutungslos. Die reichen Vorkommen an Uran unter ihren Füßen brachten den alten Stämmen der Indianer in Kanada nicht mehr Glück als die großen Vorkommen an Erdöl unter den Füßen der arabischen Beduinen. Es ist nicht so sehr die Verfügbarkeit von Energie, welche zählt, sondern das, was man damit tun kann…. (Seite 2)

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