Gewitterwolken am Finanzhimmel?

2. August 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Die immer wieder von China, speziell von der Börse in Shanghai, ausgehenden globalen Schockwellen erinnern mich zum einen daran, dass von eben dieser Börse auch schon im Jahr 2007 erste Warnsignale kamen. Sie waren die Vorboten der mehr als ein Jahr später einsetzenden globalen Finanz- und Wirtschaftskrise…

Meine Erinnerungen schweifen jetzt allerdings auch knapp zwei Wochen zurück. Da veröffentlichte die Bundesbank die Zahlen für das erste Quartal 2015 zur Geldvermögensbildung in Deutschland. Was die beiden Ereignisse miteinander zu tun haben? Nicht weniger als das: Die Zahlen zur Geldvermögensbildung sind eine geballte Dokumentation des Sicherheitsstrebens deutscher Sparer, und dieses wird durch die Ereignisse in Shanghai zusätzlich fehlgeleitet, nämlich in Richtung Scheinsicherheit.

Zu den Fakten: Die Bundesbürger haben privat über 5,2 Billionen Euro auf die hohe Kante gelegt. Nicht inbegriffen ist das Immobilienvermögen, das eine ähnliche Größenordnung haben dürfte. Ebenfalls nicht inbegriffen ist das Betriebsvermögen, dessen Umfang nur schwer einzuschätzen ist. Zieht man von den 5,2 Billionen die Schulden ab, bleiben gut 3,6 Billionen  übrig. Den Schwerpunkt der privaten Ersparnisse bilden Konten aller Art und Ansprüche gegen Versicherungen und Pensionseinrichtungen. Die Bundesbank vermerkt dazu: „weiterhin hohe Risikoaversion“. Dazu passt, dass die Deutschen sich weiterhin von Aktien (aber nicht von Fonds) getrennt haben.

Gegen Geld auf dem Konto ist nichts einzuwenden, solange es als Sicherheitspuffer dient, zur Schnäppchenjagd an den Finanz- oder Immobilienmärkten eingesetzt werden soll. Doch zur langfristigen Vermögensbildung trägt es nur wenig bei. Übt Kontogeld also wenigstens zum Teil nützliche Funktionen aus, muss man das im Hinblick auf Versicherungs- und Pensionsansprüche immer mehr bezweifeln, je länger die Phase extrem niedriger Zinsen anhält. Denn wir haben es hier mit nur gering verzinsten und Jahre bis Jahrzehnte lang illiquiden Anlagen zu tun. Der Sparer-GAU droht einzutreten, sobald diese Illiquidität mit nur schwer liquidierbaren Immobilien zusammentrifft, die ein Klumpenrisiko bilden und womöglich auch noch mit einem hohen Fremdkapitalanteil finanziert sind.

Bemerkenswert ist, dass im ersten Quartal unter dem Strich erheblich mehr Investmentfonds gekauft wurden als in den Quartalen zuvor, während die Bundesbürger sich von Aktien trennten. Mit Rentenfonds war kein Staat zu machen, wohl dagegen mit Aktien- und Mischfonds. Letztere enthalten unter anderem auch Aktien und sind im Grunde nur eine Verlegenheitslösung. Doch der Vertrieb über den Bank- oder Sparkassentresen machte daraus eine Erfolgsgeschichte nach dem Motto: das Beste aus zwei Welten, das heißt Aktien zur Erzielung von Kursgewinnen und Anleihen zur Stabilisierung des Portfolios – so seltsame Blüten kann das Geldgeschäft mitunter treiben.

Kein Finanzprodukt – ich betone: kein einziges – kann Ihnen das bieten, wozu Sie selbst imstande sind, nämlich eine auf Ihre ganz persönlichen Belange abgestimmte Struktur des Vermögens. Das ist gerade jetzt in Anbetracht der an der Börse von Shanghai und anderswo ausgelösten Turbulenzen, die mit mehr oder weniger großer Intensität auf das übrige Asien, auf Europa, Amerika und andere Regionen der Welt überzugreifen droht.

Notenbanken wie die EZB, die Fed in den USA oder die Bank von Japan werden gegen die Turbulenzen höchstwahrscheinlich ebenso vorgehen wie bisher: mit noch mehr Geld. Die entscheidende Frage wird indes sein: Wann verpufft dessen Wirkung, und wie werden die Kollateralschäden aussehen, etwa mögliche massive Vermögensverluste oder Liquiditätsengpässe vieler Sparer? Verluste, so schmerzhaft sie auch sein mögen, lassen sich eher verkraften als Engpässe der Art, dass die Ausgaben plötzlich die Einnahmen übersteigen, was mannigfache Ursachen haben kann.

In nächster Zeit wird es darauf ankommen, das Börsengeschehen noch intensiver zu beobachten als bislang, auch wenn Sie einem Beruf nachgehen, der nichts damit zu tun hat. Machen Sie sich einen Reim auf alles, dann sind Sie bereits der Mehrheit der Sparer um einiges voraus. Und ignorieren Sie die von vielen Medien penetrant vorgebrachten nachträglichen Begründungen dafür, warum die Kurse gestiegen oder gefallen sind. Auch das gehört dazu, um auf Nummer sicher zu gehen.

© Manfred Gburek – Homepage

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4 Kommentare auf "Gewitterwolken am Finanzhimmel?"

  1. Josef sagt:

    5,2 Milliarden EUR – ich denke das sollten Billionen sein, oder ?

  2. waltomax sagt:

    Die ganze Kohle und all das Immobilienvermögen, ei, wo ist es denn? Mir begegnen immer wieder Leute, die beklagen, immer weniger Geld zur Verfügung haben und „deren“ Immobilien in den nächsten 25 – 30 Jahren immer noch der Bank gehören.

    Inflation oben, Deflation unten: Die Zentralbanken drucken immer mehr Geld, das weder in der Wirtschaft ankommt und dort wirkt, noch bei denen, die für ihr Geld arbeiten müssen. Warum?

    Wer Geld besitzt, hat meistens schon alles und kosumiert nichts. Wer keines hat, kann sich sowieso nichts leisten. Und wer ein Unternehmen hat, der nimmt keine Kredite auf, um Waren und Diensleistungen anzubieten, die keiner will oder die sich keiner leisten kann.

    Fazit: Es geht einfach nichts, obwohl das Geld angeblich billig und jede Mege davon da ist.

    Doch bleibt dies meist in einer Spekulation hängen, die sich schon längst verselbständigt hat und mit realwirtschaftlichen Fakten kaum mehr etwas zu tun.

    Was man tun könnte?

    Viel weniger auf Sicherheit und spekulative Profite bedacht sein und endlich sehr viel mehr Risikokapital in neue Ideen stecken. Dann erst entstehen neue Märkte.

    Dann geht wieder was…

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