Gewinn-Voodoo 2013

5. November 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Einige einfache Hausmittel versüßen derzeit den Börsianern die Berichtssaison. Das Allheilmittel für steigende Erträge lautet: Rechne Dich schön!

Nicht nur bei Banken werden munter vermeintlich einmalige Aufwendungen und Rückstellungen aus der medialen Berichterstattung verbannt. Wen interessieren schon die echten Zahlen …

Wer den Beginn der Berichtssaison mit der geradezu märchenhaften Aufbereitung der Zahlen des Aluminiumkonzerns Alcoa für spektakulär hielt wird täglich eines Besseren belehrt. Während einige sich über die Zahlen der Deutschen Bank freuten, die sich trotz eines Gewinnrückgangs von 95% noch in den schwarzen Zahlen hielt, erfreuten sich andere an einem Gewinnrückgang des selben Instituts von weniger als 40% – wenn man auf den adjustierten Gewinn schaut.

Dieser kleine Unterschied zwischen Realität und Fiktion macht rund eine Millarde Euro aus, eine Zahl, bei der vermutlich auch so manchem Altbänker die Erdnüsse im Halse stecken bleiben. Den Anlegern aber war es egal, in welche beindruckender Manier es das Unternehmen schaffte, die gleichen Analysten simultan zu enttäuschen und zu begeistern.

Königin Schizophrenia hat in der schönen neuen Welt viel Freude bei der Arbeit.

Diese Marktteilnehmer erfreuten einzig und allein an den so genannten „adjusted earnings“, einer Kennzahl, die sich wachsender Beliebtheit erfreut. Statt ders korrekten Gewinns gemäß Bilanzierungsstandard GAAP in Höhe von 4 Cents pro Aktie steht für die Freunde der „weichen Zahlen“ ein Gewinn von satten 1,06 Euro pro Aktie zu Buche.

Freilich kann man sich für diesen nichts kaufen, es gibt diesen Gewinn ja gar nicht, aber der Freude schadet dies ebensowenig wie die Tatsache, dass es sich um das drittschlechteste dritte Quartal der Bank nach 2010 und 2002 handelt. Selbst der eingeredete Aufschwung macht um diese und andere Banken einen großen Bogen.

Aber wer bei der Aktienauswahl keinen Wert auf Eigenkapital legt, der interessiert sich vermutlich auch nicht für andere Dinge. So kommt der Kurs der Bank zwar seit Jahren nicht von der Stelle, aber weiter in Richtung Null gefallen ist er bisher ebenfalls nicht. So oszilliert man auf dem Kursniveau von 1993 herum und freut sich des Daseins vor den möglichen Kapitalerhöhungen.

Die folgende Grafik zeigt die Ergebnisse der vergangen dritten Quartale und die Earnings per Share – einmal adjustiert und einmal gemäß GAAP.

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Mit 4 Cents Gewinn pro Aktie, immerhin 2 Cents pro halber Doppelspitze, wird es mit einer großartigen Expansion vorerst wohl nicht. Beim immer noch beachtlichen Umfang der angesammelten Assets und der derzeitigen Kapitalausstattung wäre diese allerdings auch kaum angeraten… (Seite 2)

 

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5 Kommentare auf "Gewinn-Voodoo 2013"

  1. FDominicus sagt:

    Adjusted earnings? Na wenn das nicht einfach „genial“ ist dann weiß ich es nicht. Was sollen da noch die Anforderungen an der Linie des „vorsichtigen Kaufmanns“? Risiken möglichst komplette erfassen und auch buchhalterisch zu berücksichtigen. Ich schlage vor wir stampfen das HGB ein und ersetzen es durch die „braune“ (entschuldigung rosarote Brille“) der adjusted earnings. Dabei gilt in der Regel alle Extra Aufwendungen sind gesondert auszuweisen und als Gewinn zu behandeln, danach berechnen sich dann auch bitte die Ausschüttungen und wenn dann etwas ausgeschüttet wird, was es nicht gibt, schlage ich einen Solidarzuschlag für notleidende Firmen, eingezogen über die Bankkonten der systemrelevanten Banken und deren Kontoinhaber vor. Den schließlich wissen wir ja alle, der Bürger profitiert ja am meisten….

    • Michael sagt:

      Wenn Schein und Sein zuweit auseinanderklaffen, werden die Aktienbörsen abgemeldet sein auf lange Zeit. Um die Bankenwerte bereinigt ist sogar der Kursindex DAX eher am letzten Hoch würde ich mal schließen. Beim ATX sind RBI und Erste Allgemeine die Treiber schlecht hin. Ich bin schon gespannt, wann endlich mal die Dumpfnüsse von Ökonomen schnallen, dass eine Zinsenerhöhung gepaart mit einer Erhöhung der Löhne das Vertrauen könnte zurückbringen – global. Man kann sich kein Umsatz herbeisparen. Dann kann man mal diskutieren, ob Gewinne wieder steigen. Dann müssen die DAX Unternehmen halt mal 10 Jahre rot dahinfahren. Bescheiden rot aber doch. Genauso ist es mit dem S&P.

  2. josefjupp sagt:

    „Schönrechnen“ ist erst gar nicht erforderlich.
    Es geht auch so:
    http://www.youtube.com/watch?v=M1owcncKCHg

  3. MFK sagt:

    Naja so ganz abwegig ist es nun auch nicht, Einmalbelastungen und -erträge aus dem EBIT herauszurechen. Bei einer Unternehmensbewertung auf CAPM Basis geschieht das jedenfalls. Wer aber kauft seine Aktien schon nach einer Bewertung des Unternehmens? Auch dürfte auf der Basis der derzeitigen Kapitalisierungszinssätze der Terminal Value (Ewige Rente) zwischen 60-70% des Unternehmenswertes ausmachen. Das bedeutete z.B. bei Apple, dass das Geschäftsmodell dieses Unternehmen auch noch im Jahr 3000 halbwegs funktioniert … und wer kann schon beurteilen. Also zocken wir fleißig weiter.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo MFK,
      natürlich kann es nicht schaden, zusätzlich einen Blick auf adjustierte Zahlen zu werfen um die Aussagekraft der Erträge zu bewerten. Zudem ermöglicht der Vergleich über einen längeren Zeitraum eine Einschätzung des Verhaltens der Manager, die sich recht gut aus der Zusammensetzung und Begründung der Ausnahmen ableiten lässt.
      Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Symmetrie der Behandlung einmaliger Eträge und Aufwendungen. Wenn Banken etwa negative Sondereffekte gerne unter den Teppich kehren und bei positiven mit großer Leichtigkeit über derartige Einstufungen hinwegsehen, darf man durchaus schmunzeln.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

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