Geschwätz von gestern, heiße Luft von heute, Durcheinander von morgen

14. Oktober 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Manfred Gburek

Große Worte, nichts dahinter: Erst plädiert Bundeskanzlerin Angela Merkel für „ein Gesamtpaket“ zur Regulierung der Staatsschulden im Euro-Raum, leider mit noch unbekanntem Inhalt. Dann kündigt EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, dasselbe Ziel im Visier, „eine umfassende Antwort“ an, über deren Inhalt ebenso gerätselt werden darf. Und schließlich schießt der scheidende EZB-Chef Jean-Claude Trichet aus vollem Rohr, indem er der Schuldenkrise „systemische Dimensionen“ beimisst…

Schon einen Tag später ist das Ganze fast vergessen, weil auf einmal wieder die Rekapitalisierung der Banken in den Vordergrund rückt und damit die Frage, ob sie rechtens ist, wenn der Staat sie erzwingt.

Ja sind denn alle verrückt geworden? Es sieht so aus. Begriffe wie EFSF, Troika, Basel III und Stresstest schwirren durch die Gegend, als wüsste jeder, der sie verwendet, was sie überhaupt bedeuten. Die Begriffe werden zu angeblichen Problemlösungen zusammengefasst, die sich kurz darauf als heiße Luft erweisen. Derweil lösen amerikanische Ratingagenturen vorsichtshalber schon mal die nächste Herabstufungswelle gegen europäische Banken aus, woraufhin deren Kurse zum x-ten Mal in den Keller rauschen, sodass die viel diskutierte Rekapitalisierung der Banken ein frommer Wunsch bleibt.

Lassen wir noch einen der Häme unverdächtigen Zeugen zu Wort kommen, Claus Döring, Chefredakteur der nicht nur in Bankkreisen hoch angesehenen Börsen-Zeitung. Er wandelte schon am 30. September ein altes Bonmot von Konrad Adenauer wie folgt in Bezug auf Angela Merkel ab: „Es wäre ja nicht das erste Mal, dass auch die amtierende Bundeskanzlerin ihr Geschwätz von gestern nicht mehr interessiert. Angela Merkel mag viel von Stabilitätskultur reden, ihr Wackelkurs in Sachen Rettungsfondserweiterung seit Jahresbeginn und ihr Handeln schüren Zweifel.“

Zwischenfazit: Das Hickhack um die Bewältigung der Schuldenkrise erinnert eher an die Völkerschlacht bei Leipzig aus dem Jahr 1813 als an eine abgestimmte Strategie zur Entschuldung anno 2011. Machen Sie sich deshalb auf noch mehr Durcheinander an den Finanzmärkten gefasst und betrachten Sie die jetzt auch in Europa zunehmenden Straßenproteste gegen das Bankenwesen als Vorboten einer neuen Eskalation dieses Durcheinanders.

Wie kann man sich das konkret vorstellen? Zunächst bildlich als ein starkes Hin und Her der Aktien- und Anleihenkurse, Edelmetall- und Rohstoffpreise, Währungen und Derivate. Dieses Hin und Her lässt sich kaum begründen, denn es entsteht oft aus einer Tageslaune heraus: Verspricht die Rettung der Banken in greifbarer Nähe zu sein, steigen die Bankaktienkurse. Stänkert daraufhin die Ratingagentur Fitch gegen die Deutsche Bank, fällt deren Kurs und reißt die Kurse anderer Banken mit nach unten… (Seite 2)

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