Finanzgeschichten aus der Ökonomenschule von Simbabwe

6. September 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

(von Volker Schnabel) Nach den Worten des Not(en)bankenchefs Draghi, dass die „EZB im Rahmen ihres Mandats alles tun wird, um den Euro zu erhalten – „und glauben sie mir, es wird genug sein“ – stieg das deutsche Börsenbarometer DAX im Zuge der „Draghi-Rallye“ allein im August um weitere knapp 5% an, während die Renditen für spanische und italienische Anleihen wegen der Aussicht auf den Einstieg des „omnipotenten“ Käufers in die direkte Staatsfinanzierung teilweise deutlich nachgaben…

Unabhängig davon wie das Bundesverfassungsgericht am 12.09.2012 auch immer über die geplante Ausplünderung des deutschen Steuerzahlers via ESM entscheidet, so werden alle angedachten Gläubigerschutzschirme dennoch zu klein sein, um der sich unter den europäischen Staaten weiter ausbreitenden Solvenzkrise begegnen zu können. Von daher haben die aufgekommenen Marktgerüchte über geplante – unbegrenzte – Staatsanleihekäufe seitens der EZB (natürlich unter Auflagen, die dann später „völlig überraschend“ nicht eingehalten werden können) gute Chancen, schon bereits am 06.09.2012 auf der EZB-Ratssitzung zur beschlossenen Sache erklärt zu werden.

Anders jedoch als die amerikanische Zentralbank FED setzt die EZB dann aber eine gigantische und undemokratische Umverteilungsmaschine zwischen den 17 Euro-Nationalstaaten und deren schuldensüchtigen Regierungen in Gang, was heute kaum abzuschätzende politische und ökonomische Konsequenzen haben wird. Da aber beim Geld bekanntlich die Freundschaft aufhört, empfahl der finnische Außenminister Erkki Tuomioja bereits vorausschauend, dass man sich auf ein Auseinanderbrechen der Eurozone vorbereiten müsse, und der Ökonom Nouriel Roubini fragte zu Recht, „ob die Entscheidung, das Haus [Europa] aufs Spiel zu setzen, um die Garage [Euro] zu retten, richtig ist?“

Aber selbst wenn der EZB-Chef der Logik der „Simbabwe School of economics“ folgt, garantiert der Schwall an frischen „Euro-Blüten“ nicht unmittelbar weiter steigende Aktienkurse! Denn die sich weltweit verschlechternden Konjunkturdaten, die verhaltenen Unternehmensausblicke (sofern sie überhaupt gewagt werden) und die Drohungen, den Iran relativ zeitnah praktische Demokratie bringenden Bombardements aussetzen zu wollen, deuten auf ein Umfeld hin, dass Aktienanlagen auf den jetzigen Niveaus als extrem risikoreich erscheinen lässt. Für Gold hingegen, das, wie die Financial Times Deutschland am 17. August 2012 titelte, nach Jahren starker Nachfrage nun angeblich „wie Blei in den Regalen“ liegt, zeichnen sich mit der Entwicklung hin zu einer unbegrenzten Staatsfinanzierung via Druckerpresse nach unserer Einschätzung neue Höchstkursziele ab. Einen großen Beitrag dazu werden ausgerechnet die Notenbanken selbst beisteuern (aber nur jene, die nicht US-Dollars oder Euros drucken), die seit 2010 verzweifelt versuchen, sich zur Diversifikation ihrer Währungsreserven „Gold in die Regale“ zu legen (siehe Grafik).

Äußerst interessant erscheinen in diesem Zusammenhang auch die Aktien der Goldminenbetreiber, die nach einer kräftigen Preiskorrektur im ersten Halbjahr dabei sogar ihre historische Bewertungsprämie zum Gesamtmarkt verloren haben. Relativ zum Goldpreis befinden sich die Aktien inzwischen auf einem 28-Jahres-Tief (!), während der Sektor zudem fundamentale Bewertungen aufweist, die dem Niveau der Crash-Tiefststände von 2008 entspricht…

Als ein Grund für diese extreme Bewertungssituation wird häufig die Etablierung der Gold-ETFs als konkurrierenden Assetklasse genannt. Zwar konnten die Gold-ETFs zwischen 2004 und 2011 tatsächlich ca. 150 Mrd. USD an Anlagegeldern auf sich ziehen, doch genügt dieser Umstand keinesfalls, um von dem größten Problem der Goldminenindustrie abzulenken: einer enttäuschenden Profitabilität in den letzten 5 Jahren.

Ursächlich verantwortlich für den lang anhaltenden Negativtrend waren zum einem die Produktionskosten (Stahl, Treibstoff, Löhne), die im Sektor mit im Schnitt 12 % jährlich förmlich explodierten, und zum anderen das bei Goldpreisen von oberhalb 1.000 USD unter den Firmenlenkern ausgebrochene „Klondike-Fieber“.

Verbunden mit hohen Investitionskosten wurden in den letzten Jahren zahlreiche neue Minen-Projekte im wahrsten Sinne des Wortes aus „dem Dschungel“ gestampft bzw. Übernahmen zu fast jedem Preis getätigt, so dass nach dem Verfliegen der Euphorie heute bei der ein oder anderen Mine entsprechend hoher Abschreibungsbedarf zu registrieren ist.

Angesichts der enttäuschenden vergangenen Performance und des eingetretenen Vertrauensverlustes auf der Investorenseite sind nun aber erste Anzeichen eines strukturellen Wandels in der Branche zu erkennen, denn allein bei fünf der 20 größten kanadischen Goldminen „rollten Köpfe“.

Die neuen Vorstandsvorsitzenden machen sich nun intensiv daran, ihre Minen in Bezug auf Kosten und Kapitaleffizienz zu durchforsten, so dass bereits das ein oder andere kapitalintensive Projekt dem Rotstift zum Opfer fiel. Diese Einsicht, dass das Vertrauen der Investoren auch im Wettbewerb mit den Gold-ETFs nur über attraktive Dividendenzahlungen zurückgewonnen werden kann, scheint nun gerade in der Branche Einzug zu halten.

Mit Blick auf die kommenden 2-3 Quartale besteht nach einer langen Zeit der Enttäuschung nun wieder eine reelle Chance, dass aus dem wiederentdeckten Kostenbewusstsein und einem weiter steigenden Goldpreis sich die positiven Nachrichten aus dem Minensektor mehren werden und das zu einer Zeit, wo andere Branchen ihre historisch hohen Gewinnmargen nicht mehr halten werden können.

Darüber hinaus weisen viele Goldminenaktien trotz der enormen Investitionen der Vergangenheit einen insgesamt sehr niedrigen Verschuldungsgrad auf, was viele Minen gerade bei weiteren Turbulenzen an den Kreditmärkten als robuste Investments erscheinen lässt.

©Volker Schnabel (Mack & Weise)  Homepage von Mack & Weise


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Ein Kommentar auf "Finanzgeschichten aus der Ökonomenschule von Simbabwe"

  1. 4fairconomy sagt:

    “unbegrenzten Staatsfinanzierung via Druckerpresse”

    Also in erster Linie fliessen die frischen Gelder “aus der Druckerpresse” nicht den Staaten zu. Das frische Geld der Notenbank fliesst vor allem den Besitzern von Staaatsobligationen zu. Sie profitieren von einer Abnahmegarantie, wenn sich die Staaten refinanzieren müssen.

    Bei einem Staatskonkurs würden die Gläubiger leer ausgehen. Dies wird nun verhindert. Alle, welche in Pleitestaaten investiert haben, werden von der Notenbank “rausgehauen”.

    Ein Schuldenschnitt, die einzige marktwirtschaftliche Lösung der Schuldensituation, wird verhindert. Die Gläubiger bekommen “noch gutes”, frisches Geld von der Zentralbank. Dies letztlich auf Kosten aller anderer. Eine Riesenumverteilung, ein planwirtschaftlicher Streich zugunsten den Besitzern von Staatsanleihen.

    Die Inflationsgefahr wird gemindert in dem der Geldsegen an Sparprogrammen verknüpft wird. So wird die breite Masse gar nicht an die Gelder herankommen, welche eine Inflation auslösen könnten. Wenn diejenigen, welche das Geld der Notenbank erhalten, dieses nicht zu rasch nachfragewirksam ausgeben sondern es horten oder in neue Staatsobligationen anlegen, so steigt die Inflation nicht an. Und die Staaten werden ja trotz Sparbemühungen (oder gerade deswegen) sehr wohl noch lange hungrig bleiben nach dem Geld der Anleger zur Refinanzierung ihrer schon nur Zinseszins bedingt wachsenden Schulden.

    Ein Kreislauf wie ein perpetuum mobile für die Anleger, deren Auszahlung von der Notenbank garantiert wird. Der perfekte Markt für Anleger, in dem es nur Gewinne und keine Verluste gibt. Von der steigenden Macht gegenüber den verschuldeten Staaten ganz zu schweigen. Siehe wie sich schon heute die Politiker nach den Vorgaben der Finanzmärkte richten während sie ihre Wähler mit leeren Versprechen abspeisen.

    Warum noch in realwirtschaftliche Projekte, in neuen Unternehmen investieren, wenn es sich so leicht und sicher mit unproduktiven Anlagen in Staatsobligationen Geld verdienen lässt? Das ist ja das fatale Signal an die Anleger: wer sein Geld dem Staat ausleiht, erhält es inkl. Zinsen garantiert zurück. Wobei niemand geringeres als die Notenbank dafür bürgt! Wer hingegen sein Geld neuen Unternehmen zur Verfügung stellt, trägt das volle Risiko. Unternehmer werden es so weiterhin schwer haben, an Big Money zu kommen bzw. werden dafür weiterhin hohe Risikoprämien bezahlen müssen.

    Die marktwirtschaftliche Lektion, dass Staatsanleihen von auf Pump lebender Staaten mit einem Ausfallrisiko behaftet sind und es sich lohnt, in produktive Unternehmer zu investieren, bleibt damit bis auf weiteres auf die Strecke.

    Die marktwirtschaftliche Lektion müsste dazu führen, dass Anleger in Zukunft statt in Staatsobligationen ihre Ersparnisse ohne Verzögerung Unternehmer für Investitionen zur Verfügung stellen. Der eigentliche Sinn des Sparens. Allerdings kann dies nur sicher funktionieren mit einem umlaufgesicherten Geld. Nur so liesse sich die Realwirtschaft schützen vor dem deflationären Schock, welcher von den Kreditausfällen ausgehen würde. Nur so werden die Sparer in Unternehmen investieren, auch wenn konjunkturbedingt dies keine Zinsen bzw. Gewinne abwerfen wird. Ansonsten wird die Liquiditätshaltung bzw. die Liquiditätsfalle ein marktwirtschaftlich unüberwindbares Problem bleiben welches die Deflation immer weiter verstärken wird. Siehe Japan, welches um dies nach dem Crash zu verhindern, Staatsschulden und Geldmenge unaufhörlich wachsen liess.

    Ohne umlaufgesichertes Geld bleibt wohl nichts anderes übrig als das Schneeballsystem weiter zu betreiben und die Schulden- und Vermögensblase weiter aufzublähen.

    Ohne umlaufgesichertes Geld sind die Alternativen noch mehr zentralistische Planwirtschaft oder das Ende der Zivilisation mit auf Jahre hinaus katastrophale, chaotische Verhältnisse. Denn es droht dann alles zusammenbrechen bis hin zur Energie- und Wasserversorgung.

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