EFSF: Geschenke wie zu Weihnachten

2. Oktober 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Finanzmärkte sind gnadenlos und besonders trickreich. Am liebsten treiben sie die Politiker vor sich her. Sie schreien wie Heroinabhängige nach neuen Geldern und drohen mit Kollaps. Wer kann da schon nein sagen?

Der jetzt als Rettungsschirm getarnte und gelieferte Stoff ist besonders ergiebig. Nur, wie verkauft man als Politiker den Leuten eine Bankenrettung als etwas Alternativloses? Ganz einfach: Man redet viel und zündet große Nebelkerzen. Angstkarten sind besonders hilfreich. Hurra! Jetzt dürfen weitere Milliarden für Konkursverschleppungen verwendet werden. Vom Geld aus dem „Rettungsmonster“ kommt bei den Griechen nicht viel an. Dafür war es ja auch nicht gedacht.

Dieser Rettungsschirm macht den Märkten richtig Spaß, vor allem, wenn Kosten nicht von den Verursachern getragen werden müssen. Glückwunsch! Der DAX und vor allem Finanzaktien machten Freudensprünge. Sie haben den Braten längst gerochen, kennen sie doch den Duft von frischem Geld  zu genau. Ob auch in den Banken gefeiert wurde? Ich weiß es nicht, nur, dass die kleinen Leute das im Notfall auch noch bezahlen.

Und noch etwas… Sollte der Rettungsschirm eine Banklizenz erhalten, könnte er aus 440 Milliarden Euro auch Billionen machen. Mit einem Hebel könnte der EFSF wie eine Investmentbank viel größere Summen bewegen, was die Haftungssumme für den Steuerzahler entsprechend erhöht. Seltsam. Im Parlament wird jetzt öfter das Gegenteil von dem beschlossen, was vorher völlig ausgeschlossen war. Kein Wunder bei der Angst vor randalierenden Drogenabhängigen und deren Unberechenbarkeit. Und das Beste ist: Alle wissen es.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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