Gepflegt zur Schulden-Hölle fahren

11. Oktober 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Schulden sind schon eine lustige Sache, vor allem, wenn man keine hat. Doch sich heute zu verschulden, muss lange nicht freiwillig stattfinden. Manchmal spielen Not oder auch Dummheit eine große Rolle…

Selten war das Schuldenmachen so einfach wie heute. Und noch nie waren Kredite billiger. Bis auf weiteres wird das wohl so bleiben bei ausgerotteten Zinsen.

Und siehe da, der DAX steigt schon wieder, angeblich weil die US-Zentralbank die Zinsen weder jetzt noch später erhöhen kann. Sie hat den richtigen Moment verpasst, wenn es diesen jemals gab. Nun kommen ihr auch noch miese Wirtschaftsdaten entgegen.

Wahrscheinlich wird sie eher weitere Billionen US-Dollar drucken statt den Preis für Geld erhöhen. Auch die EZB bleibt ihrer Geld-Druck-Orgie treu. An entsprechenden Ankündigungen fehlt es ja nicht. Man muss die Leute auf ihr vermeintliches Glück langsam vorbereiten, auch wenn dieses Glück an nur wenigen Haustüren anklopft.

Angeblich richtet das alles ja keinen Schaden an, im Gegenteil! Wetten doch? Vielleicht sind wir schon mittendrin?

Ich habe mich neulich in Paris umgeschaut. Wohnen ist dort bei Mieten von 33 bis 40 Euro pro Quadratmeter inzwischen fast unbezahlbar geworden. Die gleiche Fläche kostet beim Kauf im Schnitt 8.300 Euro. Auf Friedhöfen ist es etwas preiswerter, doch bis dahin braucht man ja irgendwie ein Dach überm Kopf. Was halten Sie von folgender Idee? Wer sich Miete nicht mehr leisten kann, der finanziert seine Bleibe. Bei diesen Zinsen ist das billiger und der Ausweg in die Sackgasse nicht nur in Paris chic – voll finanziert, versteht sich, wenn das Eigenkapital fehlt. Die Nachfrage nach Wohnraum nährt die Preisblase und auch die Spekulationen des großen Geldes, bis diese Blase irgendwann platzt. Aber das dauert noch.

Der Wahnsinn hat Methode und stammt wohl aus den USA. Was man sich nicht kaufen kann, wird finanziert bzw. aus der Zukunft geborgt. Nicht weil man es will, sondern weil man es oft muss. In der Tat, auch hierzulande ist in teuren Städten eine Finanzierung inzwischen billiger als zu mieten.

Die jungen Leute werden es künftig schwer haben, trotz Mindestlohn einen Kapitalstock für später zu bilden, wenn das überhaupt noch möglich ist. Und wenn, löst er sich später durch Inflation oder Zugriff spurlos auf. In der schönen neuen Welt der Kreditmärchen drehen die Schulden-Sklaven dann ihre täglichen Runden im Hamsterrad, welches sich auch noch schneller bewegt, und hoffen auf einen Goldregen wie bei Frau Holle. Vielleicht ist es auch die Pechmarie, die gerade ihre Kissen aufschüttelt.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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7 Kommentare auf "Gepflegt zur Schulden-Hölle fahren"

  1. Sebastian sagt:

    Wieder mal ein super Artikel. Lustig wärs, wenns nicht so traurig wär.

    Aber hey, aufm Friedhof spart man sich wenigstens auch die Heizkosten. Strom und Wasser braucht man auch nicht. Ganz schön verlockend.

  2. Avantgarde sagt:

    Nicht weil man es will, sondern weil man es oft muss. In der Tat, auch hierzulande ist in teuren Städten eine Finanzierung inzwischen billiger als zu mieten.
    ——————–
    Und weil das noch nicht „reicht“ schafft man noch weiteren Wohnbedarf von ca. 1-2 Mio kulturfremder Zuwanderer. Mit Familiennachzug vielleicht sogar 5 Mio pro Jahr.

    Ich will ja nicht zynisch sein. Aber sobald es staatlich geförderte Wohnbauprogramme wegen der Zuwanderung gibt dürften sich Aktien von einschlägigen Baufirmen und Wohnungsbaugesellschaften lohnen.
    Vorschläge ?….

  3. Butzelmann sagt:

    Natürlich kann finanzieren IMMER günstiger als mieten sein, alles eine Frage der Tilgungsrate !

    Abgesehen davon das die meisten Kreditlemminge noch ihr blaues Wunder bei der Anschlussfinanzierung erleben werden (Volltilgungsdarlehen bis Laufzeitende machen wohl die wenigsten), aber vielleicht kommt ja bei den derzeitigen Preisen bald eine Tilgungsrate von 0% in Mode, das wäre dann so was wie mieten auf ewig, allerdings bei voller Haftung per Grundschuld ohne Brief…hehe !

    Es lebe der neue Feudalismus !

  4. FDominicus sagt:

    „Schulden sind schon eine lustige Sache, vor allem, wenn man keine hat.“

    Stimmt so nicht, wenn man weiß wie speziell die Schulden von Staaten bezahlt werden müssen/dürfen…..

    Das ist völlig unlustig, auch wenn man selber keine Schulden hat….

  5. MFK sagt:

    Ich halte eine eigengenutzte Immobilie unter gewissen Voraussetzungen immer für sinnvoll. Das Pariser Beispiel führt z.B. dazu dass ich grob gerechnet für eine 100qm Wohnung voll finanziert € 2.000 an Zinsen zahle (derzeit 2,5 % bei 15 jähriger Laufzeit), eine gewisse Bonität vorausgesetzt. Die Miete aber würde aber nach F.Meyers Beispiel zwischen € 3.300 und 4.000 kosten. Instandhaltungsmehrkosten als Eigentümer sind da locker wegzustecken. Tilgung darf man hier zunächst einmal nicht berücksichtigen, da diese lediglich einen Aktivtausch darstellen. Die Differenz zwischen Miete und Zinszahlung kann in die Tilgung gesteckt werden. Zudem ist die ersparte Miete als fiktive Rendite steuerfrei (wenn man nicht in der Schweiz wohnt). Die ersparte Miete kann ich anderswo ausgeben, wenn ich sie nicht in die Tilgung stecke und dadurch mein Vermögen mehre. Ein Problem entsteht, wenn man die Wohnung verkaufen muss und die Preise gefallen sind oder wenn man am Ende der 15-jährigen Zinsbindung neu finanzieren muss und die Zinsen gestiegen sind. Möglich sind auch Sonderbelastungen auf Immobilienvermögen durch den Staat (siehe Griechenland). Diese wirtschaftlich kuriose Situation wird durch die Zinsmanipulation der Zentralbanken herbeigeführt. Diese kann auf Dauer nicht anhalten. Besser ist also man plant so, dass die Immobilie nach 15 Jahren schuldenfrei ist.

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