Genießen Sie das Leben in vollen Zügen – wenn denn einer fährt

6. Mai 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Was haben Sie denn? Deutschland geht es gut, trotz dieses Bahnstreiks. So gut wie noch nie, hat das Allensbach-Institut ermittelt. Vor Jubel haben sich die Macher dieses Blogs ein Loch in ihre Kniescheibe gebohrt und heiße Milch hinein geschüttet…

Unser Jubel war grenzenlos wie unsere statistischen Möglichkeiten. Unsere selbst ermittelte Umfrage kommt nämlich auf noch weit bessere Umfragewerte…

„Man kann es auch übertreiben“, rief Kollege Rott über den Schreibtisch. „Ja ja“, rief ich zurück. Dabei bin ich ganz anderer Meinung. Man untertreibt nämlich heute ständig und überall. Zudem bin ich ein Verfechter der These, mit Umfragen erst aufhören, wenn die gewünschten Ergebnisse erreicht wurden. Oder anders ausgedrückt: Wenn die von Menschenrechtlern anerkannte Foltermethode dazu führt, dass die Zustimmungsquote unter ahnungslosen Bürgern 120 Prozent erreicht hat – inklusive eines 20%igen Puffers für saisonal schwankungsfreudige Daten.

Es kann doch nicht schaden, so lange und oft zu fragen bis 12 von 10 Befragten mit ihrer Lage zufrieden sind. So haben die Beliebtheitswerte unseres Bundespräsidenten noch reichlich Platz nach oben. Derzeit sind nur 51 Prozent dafür, dass der Präsident der Herzen eine zweite Amtszeit antreten sollte. (Als ob das jemanden interessiert). Ist ja schließlich auch Halbzeit, um am Ende auf 102 Prozent zu kommen. 78 Prozent der Befragten bewerten derweil seine Arbeit als gut und nur 13 Prozent als eher kritisch. Dies war auch die Meinung einer Umfrage auf T-Online, nur umgekehrt. Der Fehler dabei: Man hat die Antwortmöglichkeiten zu großzügig bemessen.

Hohe_Zustimmung_für_Bundespräsident_Gauck_-_2015-05-05_19.09.01

Wir würden das natürlich anders machen, und auch viel erfolgreicher. Was halten Sie davon?

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Sehen Sie? Geht doch!

So aber müssen wir leider schon wieder feststellen, dass T-Online nicht nur die Tochter der Deutschen Telekom ist, sondern vor allem der Geheimtipp für alle Verschwörungstheoretiker und Mies-Klicker. Und natürlich würden wir wie T-Online auch die Kommentarfunktion geschlossen lassen, nicht dass ein Terrorist das schein – und heilige Bild beschmutzt. Ordnung muss sein!



Apropos Terroristen…

Was halten Sie eigentlich vom Bahn-Streik? Toll? Wo sitzen Sie gerade fest?

Eine Million Experten berechnen gerade, was uns dieser Streik kostet, außer Nerven, Schweiß und überteuerte Taxigebühren. Die Bandbreite liegt irgendwo zwischen einigen Millionen und etlichen Milliarden pro Tag, also irgendwo in der Größenordnung von Griechenland. Die Zahlen stammen meistens von Spezies, die DAX oder die Temperaturen steigen oder fallen sehen – und diese sich dann umgekehrt proportional reziprok verhalten, also machen, was sie wollen. Soweit ich weiß, will diese Leute sonst niemand beschäftigen. Auch nicht auf dem Spargeldfeld. „Deshalb gibt es so viele Umfragen, Statistiken und die entsprechenden Ableitungen davon“, so Genosse Rott.

Glücklicherweise fährt bis Sonntag keine Bahn. Vielleicht auch noch länger. Bis dahin fahren die Züge pünktlich nicht los und kommen entsprechend auch pünktlich nicht an. Das erspart eine Menge Ärger. So holt man sich keine Erkältung vom Sitznachbarn oder eine andere Seuche in der Toilette oder dem Bordrestaurant.

bahnAußerdem ist so eine morgendliche Radtour von Köln nach Frankfurt und abends zurück der Gesundheit sehr dienlich. Große Staus auf Radweg R 657 bei Montabaur sind schon heute legendär. Unsere Empfehlung: Wenn Sie das Gebiet kennen, umfahren Sie es großspurig. Und das mit einem heiteren Lied auf den Lippen von Helene Fischer. #Atemlos.

Unterdessen fordert die Kirche, auch den Ersatzverkehr zu unterbinden. Sollte dennoch mal eine Bahn fahren, kann man dann das Leben in vollen Zügen genießen.

Was glauben Sie denn, wie ruhig es für die Bewohner in der Nähe der Bahngleise derzeit ist und wie friedlich auf dem blanken Stahl? Statistisch gesehen lassen sich täglich drei Menschen vom Zug erfolgreich überfahren. Von daher ist diese momentane Fahrpause eine friedliche Zeit, sofern sich niemand auf die Schienen legt und wegen des Streiks bis Sonntag dort verhungert. Notfalls weicht man auf eine Modellbahn aus.

Und natürlich gibt es derzeit überall Umfragen auch zu diesem reizvollen Thema. Eine in neulich Auftrag gegebene Studie der Deutschen Bahn bescheinigte ihr, dass 100 Prozent der Befragten den Bahnstreik ablehnen. Eine zeitgleich von der Gewerkschaft der Lockführer (GDL) in Auftrag gegebene Umfrage beweist zugleich 100 Prozent Verständnis für den fünftägigen Ausstand.
Wir wissen nicht wie die Umfragen zustande gekommen sind, könnten uns aber entsprechende Örtlichkeiten zu entsprechenden Uhrzeiten unter Einnahme legaler Rauschmittel vorstellen – aber nicht beweisen.



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