General Problems

16. November 2017 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Wie dramatisch sich die Wirtschaftswelt in den letzten Jahren verändert hat, lässt sich unter anderem am Kursverlauf der alt-ehrwürdigen General Electric beobachten. Einst das wertvollste Unternehmen der Welt ist GE nur noch ein Schatten seiner selbst…

Bereits seit Jahren wirkte der Konzern wie ein Dinosaurier, ein Überbleibsel der Siebzigerjahre, der Zeit der großen Konglomerate. Auch die Jahre des großen Jack Welch, der GE mit seinen harten Managementmethoden („Reparieren, schließen oder verkaufen“) in neue Sphären brachte, sind lang vorbei. Während er in seiner Amtszeit zwischen 1981 und 2001 als unerschütterlicher Verfechter des Shareholder Values galt, scheint diese Einstellung in den darauf folgenden Jahren verloren gegangen zu sein. Mit einer zu komplexen Struktur und einer Konzentration auf die exakt falschen Segmente verspielte GE in den letzten 17 Jahren große Teile der zuvor geschaffenen Werte. Die Aktie notiert heute bei rund der Hälfte des Höchstkurses von 2016, im Vergleich zum All-Time-High im Jahr 2000 hat sich der Kurs sogar gedrittelt. Für den neuen CEO John Flannery ist daher nun der Moment zum radikalen Umlenken gekommen.

„Fix, close or sell“

GE soll künftig nur noch im Kraftwerksgeschäft, der Luftfahrt und der Medizintechnik tätig sein. Randsparten, wie die einstige Keimzelle des Unternehmens – das Geschäft mit der Beleuchtung –, oder das erst jüngst zugekaufte Ölservice-Unternehmen Baker Hughes stehen dagegen auf der Verkaufsliste. Schockiert dürfte die Börse in den letzten Tagen vor allem über die fast halbierte Gewinnprognose für 2018 (1,00 bis 1,07 USD statt zuvor 2 USD je Aktie) und die radikal auf die Hälfte zusammengestrichene Dividende gewesen sein. Allein in den zwei vergangenen Tagen gab die Aktie rund 14% ab. So recht mag es noch niemand glauben, dass Flannery den schweren Tanker GE wieder auf Kurs bekommt. Konventionelle Kraftwerksturbinen werden auch in den nächsten Jahren kein Verkaufsschlager werden, nach fast zehn Jahren des Booms ist zudem fraglich, wie lange die gute Konjunktur in der Luftfahrt noch anhalten wird. In der Medizintechnik scheint GE dagegen die Digitalisierung verschlafen zu haben. Bei der „neuen GE“ soll nun der Shareholder Value wieder groß geschrieben werden. Wie lange der Prozess der Wandlung dauern wird, ist heute jedoch schwer zu prognostizieren. Für einen Einstieg in die Aktie ist es möglicherweise noch etwas zu früh. Im Auge behalten sollten Anleger GE 2018 dennoch.

Neuorientierung nach Allzeithoch

„Der Teufel ist ein Eichhörnchen“, heißt es im Volksmund. Und ja, der DAX ist das auch. Kaum markierte er am Dienstag vergangener Woche sein Allzeithoch, schon ging es bergab. Bereits die Sitzung selbst war ein kleines Desaster. Eröffnet wurde hoch, geschlossen dagegen ganz unten. Vor einer Woche berichteten wir an dieser Stelle über das „Bearish Engulfing Pattern“, das sich an diesem Tag herausbildete, und das ein charttechnisches Warnsignal ist. Allerdings war das Signal damals noch frisch und der Aufwärtstrend vollkommen ungefährdet. In der Zwischenzeit hat sich das Chartbild jedoch weiter eingetrübt. Dafür ist zum einen der vergangene Donnerstag verantwortlich, als der deutsche Leitindex unter deutlich anziehenden Umsätzen weiter absackte. Zum anderen ist der heutige Handelstag zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe ebenfalls negativ zu interpretieren. Der Markt eröffnete mit einem Abwärts-Gap, wobei dieses Luftloch nicht irgendwo lag, sondern ausgerechnet den Bereich der viel beachteten Marke von 13.000 Punkten überstrich (vgl. Abb., gelbe Markierung).

Dieses Niveau müsste nun schnell und überzeugend zurückerobert werden, um den entstandenen charttechnischen Schaden zu begrenzen. Dann bliebe im Kursverlauf nur ein sogenannter Dip stehen, an dem die besonders Schreckhaften zum ungünstigsten Zeitpunkt aus dem Markt geschüttelt worden wären. Schließlich lockt am Horizont die Jahresendrally und einige dürften sich bereits entsprechend positioniert haben, nachdem die historisch schwierigen Börsenmonate September und Oktober vorüber waren. Aber auch saisonal scheint dieses Börsenjahr nicht der Standarderwartung zu folgen, denn gerade diese beiden Monate verliefen außergewöhnlich positiv. Möglicherweise wurde hier also schon ein bisschen „vorgefeiert“? Abgerechnet wird zum Schluss

„Goldene“ und andere Gabeln

Etwas Verwirrung gab es in den letzten Tagen um den Bitcoin (BTC) und dessen Abspaltung, den Bitcoin Cash (BCH). Am 13.11. wurde die für den Bitcoin Cash angekündigte Hard Fork – also eine neue Version des Protokolls – umgesetzt. Diese verlief, soweit das bisher sichtbar ist, reibungslos. Im Vorfeld gab es Befürchtungen, dass auch diese Hard Fork dazu führen könnte, dass sich auch die Blockchain des Bitcon Cash aufspaltet. Schließlich war dieser auf die gleiche Weise aus dem alten Bitcoin entstanden. Solche Befürchtungen erwiesen sich jedoch als unbegründet. Abgesagt wurde dagegen eine weitere Hard Fork, die „SegWit2x“, die den Bitcoin selbst betroffen hätte. Hier gab es im Vorfeld erhebliche Unruhe, da eine erneute Aufspaltung der Blockchain aufgrund der unüberwindbaren Gegensätze zwischen Befürwortern und Gegnern als sicher galt.

Eine weitere Hard Fork hat dagegen am vergangenen Wochenende begonnen, die ebenfalls zu einer Abspaltung führte. Das Ergebnis war der Bitcoin Gold (BTG). Die Gefolgschaft ist bislang allerdings gering, die Handelbarkeit eingeschränkt. Das mag auch damit zu tun haben, dass das ganze Projekt und die dahinter stehenden Personen nicht sonderlich transparent sind bzw. agieren. Eines muss an dieser Stelle zudem klar gesagt werden, mit Gold oder einer Golddeckung hat der Bitcoin Gold absolut NICHTS zu tun. Von Interesse ist für uns allerdings immer wieder einmal die Relativentwicklung des Bitcoin zu Gold, also des originalen Bitcoin zu echtem Gold. Der Chart (vgl. Abb.) kann Hinweise darauf geben, wann die Bitcoin-Spekulation endgültig so heiß läuft, dass eine Umschichtung in Reales ratsam wird.

Wie die Abb. jedoch zeigt, ist der Aufwärtstrend des Bitcoin gegenüber Gold trotz der jüngsten Irritationen noch immer in Takt. Der in manchen Medien berichtete „Bitcoin-Crash“ ist bislang nicht mehr als ein kleiner Abwärtszacken. Bei dieser Darstellung ist zudem zu berücksichtigen, dass die Abspaltungen des Bitcoin wie der oben erwähnte Bitcoin Cash in dieser Kurve nicht einmal enthalten sind. Die Bilanz des Bitcoin würde also noch positiver ausfallen, als dargestellt. Wer sich in das Thema „Kryptogeld“ einlesen möchte, dem sei die Beilage „Gold vs. Bitcoin“ des aktuellen Smart Investor 11/2017 empfohlen.

Fazit

Die „bubble in everything“ ist an General Electric bislang vollkommen vorbeigegangen. Um angesichts dieser desolaten Situation den Turnaround zu schaffen, wird es mehr als nur einen kulturellen Wandel benötigen. Noch ist die Börse skeptisch, ob CEO John Flannery dieses Kunststück gelingt.
© Christoph Karl, Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

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