Geldreform oder Zinsknechtschaft?

20. August 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Wer die Abschaffung des Kredit- und Bankwesens auf der Basis von Zins und Zinseszins fordert, der muss das Volk für diese Idee begeistern. Und weil nichts so stark ist wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist, könnte das sogar klappen…

Wer hätte das noch vor einem Jahr gedacht: Immer mehr deutet darauf hin, dass das umstrittene „Freihandelsabkommen“ TTIP begraben werden muss. Damit rechnen inzwischen selbst hochrangige Berater der Bundesregierung. Längst ist von „grundsätzlichen Auffassungsunterschieden“ zwischen den USA und Europa die Rede – und das nach 14 Verhandlungsrunden.

Das Beispiel lässt hoffen, weil es zeigt, dass sich auch ohne den „ganz großen Knall“ einiges bewegen kann. Denn natürlich ist der parteiübergreifende Widerstand der Menschen gegen diesen „Freihandel“, gestrickt nach den Vorstellungen Washingtons, ein wesentlicher Grund für das eindrucksvolle „Bremsmanöver“, das sich in der TTIP-Frage gerade abzeichnet.

Wenn uns eine ähnliche Überraschung nun auch noch beim Geldsystem gelingt, dann hätten wir alle viel gewonnen: Weil die Probleme, die unser aktuelles Schuldgeldsystem hervorgebracht hat, mit jedem Tag monströser werden, erkennen inzwischen selbst unbedarfte Zeitgenossen: So wie bisher kann es nicht weitergehen.

Maßnahmen zur „Rettung“ unseres völlig fehlkonstruierten Geldsystems sollen daher nicht Gegenstand unserer heutigen Betrachtungen sein. Denn jeder dürfte inzwischen begriffen haben, dass etwa „Helikoptergeld“, Bargeldverbote oder auch negative Zinsen im ganz großen Stil nur weitere Bankrotterklärungen der aktuellen Strukturen sind. Mit deren Hilfe lässt sich zwar Zeit erkaufen. Einer tragfähigen Lösung der Probleme kommen wir damit jedoch keinen Schritt näher. Im Gegenteil: Je mehr Winkelzüge jetzt gemacht werden, um noch irgendetwas zu „retten“, desto größer wird die unvermeidliche Bereinigungskrise ausfallen.

Wohin die Reise ganz kurzfristig führen wird, das hat Robert Halver im folgenden Beitrag herausgearbeitet. Der Leiter der Kapitalmarktanalyse der Münchner Baader Bank geht davon aus, dass die Notenbanken in Kürze damit beginnen werden, unkonventionelle Maßnahmen einzuleiten. Natürlich werden sie das, denn alles andere hilft nicht mehr weiter: Die Zentralbankbürokraten auf der ganzen Welt haben sich in eine Sackgasse ohne Wendemöglichkeit manövriert.

Neues Geld für eine bessere Zukunft…

Mit Helikoptergeld und anderem Irrsinn, der den Finanztechnokraten in ihrer Not noch einfallen könnte, haben sich der frühere Lufthansa-Pilot Peter Haisenko und Hubert von Brunn gar nicht erst aufgehalten. Stattdessen haben sie sich Gedanken gemacht, was wir in Zukunft besser machen könnten. Herausgekommen ist ein, man könnte sagen, revolutionäres Konzept für ein Geldsystem, das ähnlich wie das Naturgeldsystem Gradio des Mathematikers Bernd Hückstädt ganz neue Wege geht.

In ihrem zum Jahreswechsel vorgestellten Buchtitel „Die Humane Marktwirtschaft“ haben die beiden Autoren wichtige Eckpfeiler ihres Geldsystemkonzepts eingeschlagen: Im folgenden Video erläutern die Autoren Ihre Thesen.

Eine der wichtigsten lautet: „Gedeckt“ ist das Geld in der „Humanen Marktwirtschaft“ nach Brunn und Haisenko nicht durch irgendeinen Sachwert, wie Gold oder Silber, oder gar durch ominöse Begriffe wie das „Vertrauen“ in eine Papierwährung, sondern durch die Tätigkeiten und die Produktivität der Menschen in einer Volkswirtschaft.

Die Idee ist so einfach wie genial: Die Produktionsmenge ist die Richtschnur, an der sich die Geldmenge zu orientieren hat. Zinsfreies Geld, das von einer unabhängigen staatlichen Institution zur Sicherstellung des Warenaustauschs an die Marktteilnehmer ausgegeben wird, ist im Übrigen eine Grundidee der amerikanischen Verfassung von 1776. Sie steht im diametralen Gegensatz zur erlebten Praxis, bei der sich Staaten bei den Banken verschulden – und über immer weiter ausufernde Zinszahlungen letztlich in die Knie gezwungen werden.

Das Konzept der „Humanen Marktwirtschaft“ würde „Geldmengensteuerungen“, wie sie heute von den Zentralbanken vorgenommen werden, ebenso überflüssig machen, wie die Zentralbanken selbst: Die umlaufende Geldmenge entspricht immer der Summe aller Arbeitseinkommen in einer Volkswirtschaft – zuzüglich eines Sicherheitspuffers. Niemand müsste hier manipulierend eingreifen, was zu einer nie gekannten Stabilität führen würde.

Erste lesenswerte Stimmen zu dem Buch, die man derzeit bei Amazon finden kann.

Die Humane Marktwirtschaft: Das Wirtschafts- und Finanzsystem zum Wohle aller Menschen

Bevor man sich an die Lektüre macht, empfiehlt es sich jedoch, einige weit verbreitete Irrtümer über Bord zu werfen.

Erstens: Geld ist keine „Ware“, wie fälschlicherweise immer wieder kolportiert wird, sondern vor allem und in allererster Linie ein Tauschmittel. Wer das verstanden hat, der ist im Hinblick auf die in den kommenden Jahren anstehenden Geldsystemdiskussionen schon einen großen Schritt vorangekommen.

Zweitens muss sichergestellt sein, dass Geld im Umlauf bleibt. Wird es dagegen gehortet, führt dies unmittelbar zu Problemen, weil es dem Kreislauf „Ware gegen Geld“ entzogen wird. Die Folge: Die Geldumlaufgeschwindigkeit nimmt ab, die Volkswirtschaft kommt ins Stocken.

Vollkommen ungeeignet ist das Geld aktueller Prägung hingegen als „Wertspeicher“, schon allein wegen der permanenten Inflation. Ganz besonders gilt dies in einem Umfeld negativer Zinsen.

Vorbild Rentensystem…

Hier haben Peter Haisenko und Hubert von Brunn einen überraschend einfachen Lösungsvorschlag entwickelt: Analog zum umlagefinanzierten deutschen Rentensystem schlagen sie eine Art gemeinschaftlichen „Wertspeicher“ vor, der von allen Bürgern eines Landes gespeist wird.

In diesem Pool landet jenes Geld, das von den Arbeitnehmern und den Selbständigen nicht zur unmittelbaren Konsumbefriedigung ausgegeben wird. Wer also deutlich mehr verdient, als er unmittelbar ausgeben kann, der zahlt einen größeren Betrag in den Wertspeicher ein, Geringverdiener eine kleinere Summe.

Damit sichergestellt ist, dass erworbenes Geld tatsächlich in den Wertspeicher eingezahlt wird, erhält es eine Art „Verfallsdatum“. Entnommen wird das Geld von denjenigen, die nicht am Arbeitsprozess beteiligt sind, also etwa von Kindern, Kranken oder Rentnern.

Dahinter steht die Überlegung, dass in einer Volkswirtschaft nur so viel konsumiert werden kann, wie vorher produziert wurde. Und solange eine Volkswirtschaft insgesamt mehr erwirtschaftet, als von allen Bürgern für den täglichen Lebens- und Luxusbedarf verbraucht wird, sollte nicht angeforderte Arbeitsleistung, also Geld, im Wertspeicher übrigbleiben.

Das umlagefinanzierte deutsche Rentensystem funktioniert seit über 100 Jahren sehr zuverlässig nach diesem Prinzip und hat sogar zwei Kriege und zwei Staatspleiten überstanden. Es ist daher anzunehmen, dass dies auch mit einem umlagefinanzierten Wertspeicher gelingen würde.

Weitere Eckpfeiler des Konzepts sind ein gesichertes Grundeinkommen für alle Bürger, die Abschaffung von Zins und Zinseszins, sowie ein Lohnsteuerverbot in Anlehnung an den Urtext der amerikanischen Verfassung von 1776.

„Alles was denkbar ist, lässt sich auch in die Tat umsetzen. Man muss es nur wollen und die richtigen Maßnahmen ergreifen.“

An dieser Stelle drängt sich ein Gedanke zur Zinsproblematik auf:

In jeder Bratwurst, die Sie heute kaufen, in jedem Joghurt oder Autoreifen steckt ein Zinsanteil von mindestens 30 Prozent. Sollten Sie jeden Monat die Miete für Ihre Wohnung überweisen, ist der Zinsanteil dort noch wesentlich höher, weil zur Errichtung einer Immobilien in aller Regel wesentlich mehr Schulden aufgenommen werden, als zur Herstellung einer Bratwurst. Das hat zur Folge, dass ausnahmslos jeder von uns selbst dann als „Zinssklave“ sein Dasein fristet, wenn er selbst gar keine Schulden hat.

Nicht auszudenken, wie unser Planet aufblühen würde, wenn die Menschen nahezu die Hälfte ihrer Arbeitskraft nicht mehr dem Zinsdienst widmen, sondern wirklich produktiv tätig werden könnten. Es liegt daher auf der Hand, dass jede Diskussion um eine Abschaffung des Zins seit jeher am stärksten von jenen bekämpft wird, die am meisten davon profitieren. Doch das einfache Beispiel macht auch deutlich, dass eine Geldsystemreform nur dann Aussicht auf Erfolg hat, wenn sie sich der Zinsproblematik annimmt. Im Konzept der „Humanen Marktwirtschaft“ bildet sie einen zentralen Eckpfeiler.

Revolutionär sind auch die Gedanken zur Neuordnung des Bankenwesens, die Haisenko und von Brunn in ihrem Buch vortragen. Zinsen für vergebene Kredite sollten der Allgemeinheit zugutekommen, also an diejenigen ausbezahlt werden, die eine Leistung erbringen, etwa an eine Baufirma für die Errichtung einer Immobilie – und NICHT an die Banken.

Diese erhalten als „Zinsersatz“ eine Vergütung für die Bereitstellung des Kredits. Mit anderen Worten: Die Vergütung der Banken erfolgt so, wie es ihrer Tätigkeit angemessen ist, nämlich in Form einer Entlohnung wie bei jeder anderen Dienstleistung. Die Ausbeuterei ganzer Volkswirtschaften aufgrund von Zins- und Zinseszinsforderungen durch das Finanzkartell wäre damit abgeschafft.

Damit sind auch schon diejenigen genannt, die von den Vorschlägen der beiden Autoren gar nicht begeistert sein werden: Weil das Konzept der „Humanen Marktwirtschaft“ das staatlich sanktionierte Raubrittertum der Banken beendet, ist von dieser Seite mit starkem Gegenwind zu rechnen.

Dazu ein Zitat aus dem Buch, das uns zu denken geben kann. Auf Seite 94 halten die Autoren fest:

„Das größte Hindernis für den Weltfrieden ist und bleibt die Möglichkeit einiger weniger, mithilfe des Geldsystems ein Luxusleben auf Kosten anderer zu führen – vieler anderer. Wollen wir also Weltfrieden und eine echte Solidargemeinschaft, dann muss das System derart verändert und von Grund auf neu geordnet werden, dass es nicht mehr möglich ist, seinen persönlichen Luxus um ein Vielfaches größer zu gestalten, als die eigene Leistung es gestatten würde. Das wird nur erreichbar sein, wenn die wundersame Geldvermehrung aus sich selbst heraus unmöglich ist.“

Einen Aspekt haben die Autoren völlig zutreffend erkannt: Wer die Abschaffung des heute praktizierten Kredit- und Bankwesens auf der Basis von Zins und Zinseszins fordert, der kann dies nur erreichen, wenn er das Volk für diese Idee gewinnt. Sollte dies gelingen, dann könnte eines Tages die politische Vision Wirklichkeit werden, die Haisenko und Brunner in ihrem Epilog formulieren:

„Es ist an uns allen, den verbleibenden Rest an Demokratie zu nutzen, und gemeinsam für das neue Projekt einzutreten, bis eine der etablierten Parteien erkennt, dass Wahlen nur noch zu gewinnen sein werden, wenn die Humane Marktwirtschaft als primäres Ziel in ihrem Wahlprogramm steht.

Jede Partei, egal welche, die das Konzept der Humanen Marktwirtschaft offen kommuniziert und ihren Wählern zusichert, dieses System in die Praxis umzusetzen, sobald ein Mehrheitsvotum der Bürger sie dazu legitimiert, wird die nächsten Wahlen haushoch gewinnen.“

Fazit:

Bevor unser sterbendes Schuldgeldsystem Millionen Leichen, noch viel größere Flüchtlingsströme und weltweites Chaos verursachen kann, sollten wir uns zügig auf die Suche nach neuen Lösungen machen. Das Buch von Peter Haisenko und Hubert von Brunn leistet dazu einen wichtigen Beitrag, weil es Denkanstöße gibt und ganz neue und nur scheinbar „revolutionäre“ Wege aufzeigt – denn im Grunde sind die Vorschläge ganz einfach und für jeden leicht nachvollziehbar.

Getreu dem Motto: Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist, ist dem Buch eine möglichst weite Verbreitung zu wünschen. Und wer in den anstehenden Geldsystemdiskussionen der kommenden Jahre mitreden möchte, der sollte das Buch möglichst zeitnah gelesen haben.

© Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief

 

4 Kommentare auf "Geldreform oder Zinsknechtschaft?"

  1. Argonautiker sagt:

    Helikoptergeld könnte man sich einfallen lassen, aaaber, mit ganz langem „a“ am Anfang, ich glaube nicht, daß man das so ganz ohne Bedingungen raus geben würde. Eher nach dem Motto, wenn Sie das, und das tun, (zum Beispiel ihre Seele verkaufen), dann bekommen Sie von uns soundsoviel Helikoptergeld.

    Einige würden dann sicherlich ins Straucheln geraten und sich fragen, Seele, was ist das noch mal,…, oder, Seele, Mist, habe ich grad nicht,…

    Oder, eine wahrscheinlichere Bedingung für Helikoptergeld. „Extrablatt, heute großes Sonderangebot, wenn Sie sich jetzt dazu entschließen nur noch Bargeldlos zu zahlen, dann bekommen Sie zwei Monatslöhne geschenkt“. Denn uns vom Bargeldlosen zu überzeugen, wäre für Die schon der Jackpot, denn die zwei Monatslöhne holt man damit schnell wieder über eine Negativverzinsung rein, und auf die langfristige Zukunft gesehen, sogar noch viel, viel mehr.

    Nicht, daß ich jetzt auf Gedanken bringe. 🙂

    ____

    Zum Thema sterbendes Finanzsystem ist leider zu vermelden, daß es äußerst geschickt eingefädelt wurde, denn wir sind eben alle daran beteiligt. Wie und wer wollte also den Schnitt für den Wechsel zu einem anderen System im Laufenden Betrieb des Systems machen?

    Wenn man das jetzt versuchen würde, dann kämen von überall her die Meldungen, ja aber,…, dann verliere ich doch,…, nein das will ich dann nicht,… Dann können sie anfangen zu zwingen, dann gibt es Aufruhr,…

    Ich fürchte also um den aufziehenden Krieg kommen wir aus vielen Gründen nicht herum, denn der ermöglicht eben einen Neuanfang, weil er sich weder um Zinsen noch um Gespartes, Eigentum, Gesetze oder sonstwas kümmert. Er zerstört einfach alles rigoros und dann ist Platz für Neues.

    Zum Thema Zins und Zinses Zins, stimme ich voll zu, das gehört einfach weg. Geldmachen muß ein Handwerk werden, und dafür bezahlt man die Geldmacher mit einem überschaubaren Preis, und nicht mit prozentualen Anteilen an jeglichen Werten, die sich sogar noch mittels einer exponential Funktion, stetig erweitern.

    ¬¬¬

    Sonst halte ich das, was da angerissen wird, zwar für keine schlechte Idee, um etwas in kleinen Gruppen zu regeln, jedoch hat es einen entscheidenden Nachteil. Es ist wieder ein System, und Systeme haben ihre Grenze. Wann immer die dann auch erscheinen würde, irgendwann würde sie erscheinen, die Grenze. Solange es sich um kleine Gruppen handelt, die so geregelt wären, kein Problem, das ändert man dann fix und passt es neu an. In größeren Gruppen, oder gar einem Europa, würde auch dieses Systemende zu einer immensen Krise führen.

    Ein System funktioniert nur bis es zu Ende ist. Entweder, weil Maschien kaputt, oder, wenn sich das Leben vom System hinweg entwickelt hat, und es nicht mehr paßt. Das Leben, lebt und stirbt zu jeder Zeit, sodaß das Sterben, so seltsam es sich auch erst mal anhört, den Tod überwindet, den jedoch jedes System irgendwann ereilt.

    Wenn sie also ein Wirtschaftsmodel für Lebewesen entwerfen wollen, kommen Sie nicht umhin, das den Lebendigen zu überlassen, weil sie dem Lebendigen mit einem System sonst lediglich einen Käfig bauen, der vielleicht erst mal recht hübsch ist, wenn man ihn nett präsentiert, aber es sich eben doch um einen Käfig handelt.

    Das Beste System, wäre also das System, was kein System ist. Jeder darf frei tun was er will und damit handeln wie er will, so er nicht die Freiheit eines Anderen verletzt. Das ist eigentlich die Wirklichkeit. Das dabei dann kein Sozialsystem rum kommt, mag vielleicht erst mal ungewohnt erscheinen, aber wozu auch? Haben wir damit wirklich so gute Erfahrung gemacht?

    Viel einfacher wäre da die Nächstenliebe. Klingt etwas pathetisch, aber die wäre vollkommen ausreichend für jegliche Absicherung. Sie bietet alles was notwendig ist. Sie ist freiwillig, und wächst mit dem Leben mit. Es gibt sie auch nicht nur in Gutmenschen, selbst Gangster haben sie, nur anders gelagert. Sie ist in üppigen Zeiten üppig und in mageren Zeiten mager. Mehr geht nicht und mehr braucht es auch gar nicht.

    Eigentlich hat der Mensch genug Nächstenliebe, nur nicht jeder zu jedem, sondern die ist individuell, und wenn er die ganzen Sozialsysteme, wie Wertespeicher und dergleichen, eben nicht bedienen muß, hat er durch die Arbeitsteilung meist jede Menge über, und kann jede Menge geben, wenn er will. Freiwillig ist das ein besonders gutes Gefühl. Und weil es ein gutes Gefühl gibt, ist man auch gar nicht so abgeneigt das zu tun, wie man uns das so oft weis machen will um für soziale Systeme zu werben. Und wenn man nicht will, ist das auch ok, denn man ist nicht verantwortlicher für ein anderes Leben, als der eigentliche Inhaber des Lebens.

    Nur Beides ist für den Menschen meist zu viel. Soziale Abgaben leisten, und dann noch Nächstenliebe ausüben, damit ist er meist überfordert. Mir geht es jedenfalls so. Mir ist die Nächstenliebe dann jedoch lieber, als jegliches soziale System. Sowohl als Empfänger, wie auch als Geber.

    Wir können das Leid nicht aus der Welt verbannen, es ist Teil unseres Daseins, an dem wir vor allen Dingen innerlich wachsen, dafür ist die Wirtschaft aber nicht zuständig, denn die ist für das äußere Wachstum zuständig. In einer freien Welt ist es jedoch viel leichter aus einem Leid herauszukommen, und wahrscheinlich auch viel schwerer überhaupt in Leid zu verfallen.

    Das heißt, einige wertvolle Information für den angerissenen Wertespeicher fehlen. Ist er freiwillig, oder ein Muß? Wenn freiwillig, dürfen dann nur die entnehmen, die eingezahlt haben, oder Alle? Dürfen die, die viel eingezahlt haben, mehr entnehmen, als die, die wenig eingezahlt haben? Wenn ja, wer regelt die Entnahme? Woran wird sie geknüpft?

    Wenn das Einzahlen ein Muß ist, wer regelt, ab wann man genug hat, und ab wann man Überschuß abzugeben hat? Gibt es dann keinen privaten Speicher mehr, oder darf man auch selbst sparen, wenn ja wieviel,…?

    Wie das System auch ist, es wird, je mehr daran beteiligt sind, auch recht komplex werden, also schon mal einiges für sich selbst abzwacken müssen, um es zu bedienen. Hört sich so ein bißchen nach Wohngemeinschaftskasse an. Hat da übrigens auch meist weniger gut funktioniert, als in der Idee. Haben die Leute zusammen gepaßt, hat es geklappt, weil da Nächstenliebe herrscht, haben sie nicht gepaßt, weniger.

    Nächstenliebe ist sehr direkt, da geht nichts in irgendwelchen Systemen verloren. Und in Wertespeichern nisten sich sicherlich auch wieder gerne die Parasiten ein. Sowohl auf der Nehmer wie auch Verteiler Seite.

    Nächstenliebe gibt, oder sie gibt nicht. Und wenn sie geben, dann geben sie auch gern, das tut ihnen und dem Empfänger gut. Geben sie nicht, hat das schon seinen Grund, und niemand hat Anspruch darauf, daß sie sich mehr um ihn kümmern, als er sich selbst um sich kümmert.

    Man muß eine Welt nicht sozial fügen, ich glaube nicht daß das für den Menschen die geeignete Form ist. Frei und Eigenständig ist viel geeigneter. Es gibt gar nicht so viele Vollpfosten, die gar nichts vermögen. Und auch wenn es sich jetzt sehr asozial anhört, weil es das nämlich auch ist, um die Vollpfosten, zu denen keiner mehr der Nächstenliebe fähig ist, ist es, wenn man ehrlich ist, meist eben auch nicht schade.

    Schöne Grüße

  2. Frank Frei sagt:

    Es gibt so viele gute Ideen. Wie das BSG. Hört sich schön an. Aber was machen sie mit denen, die nicht in „das System BSG“ einzahlen wollen? Weil sie auch nicht daran teilhaben wollen. Oder was machen sie mit den Menschen, die nicht an einem „Umlagefinanzsystem“ etc. teilhaben wollen? Wollen sie denen „ihr Glück“ dann mit Gewalt aufzwingen? Und was wäre dann der Unterschied zum jetzigen System?

  3. Midas sagt:

    An Argonautiker
    Nächstenliebe ist besser als Sozialstaat, das ist auch meine Meinung. Lange Zeit wunderte ich mich, warum die BRD, hierzulande oft als „Täterland“ bezeichnet, überhaupt einen Sozialstaat hat. Ich fragte mich, ob die Täter und ihre Nachkommen staatliche Fürsorge verdient haben, wo sie doch zwei Weltkriege vom Zaun gebrochen und sechs Millionen Juden ermordet haben sollen, einfach nur weil sie Juden waren. Heute wundere ich mich nicht mehr. Der Sozialstaat ist ein vorzügliches Instrument der Zerstörung, wirksamer als jeder Krieg. Zuerst zerstört der Sozialstaat die Nächstenliebe, dann die Familie und endlich, das ist sein Ziel, das Volk. Der Sozialstaat wird spätestens abgeschafft, wenn in der BRD jeder Mensch ein Ausländer ist.

    • Argonautiker sagt:

      „Zuerst zerstört der Sozialstaat die Nächstenliebe, dann die Familie und endlich, das ist sein Ziel, das Volk.“

      Kürzer und bündiger kann man es kaum fassen. Für Menschen ist ein Sozialstaat eine Katastrophe, Als Individuum angelegt, wird er dadurch zu einer undefinierbaren Pampe.

      Beste Grüße

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