Geldpolitischer Amoklauf

2. September 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Mack & Weise

Geldpolitik

Spät, möglicherweise sogar zu spät, übte nun auch der Vorstandschef der unter enormen Druck geratenen Deutschen Bank, Cryan, massive Kritik an der von den Notenbanken als „alternativlos“ angepriesenen Politik des Rettens mit der Druckerpresse.

Deutsche_Bank

Offenkundig reißt deren absurder geldpolitischer Amoklauf immer größere, zunehmend aber immer schwerer zu stopfende Löcher in die Bilanzen des seit 2009 auf der Intensivstation liegenden europäischen Bankensektors, so dass es spannend zu beobachten sein wird, wie der EZB-Chef Draghi die Pleitestaaten Europas mit immer tieferen Zinsen retten will, ohne gleichzeitig den Banken, Versicherungen oder Pensionskassen sprichwörtlich das „Lebenslicht auszublasen“.

Notenbank-Eliten-Treffen: Ratlos in Jackson Hole

Die Erwartung an die Fed-Chefin Yellen, sie würde auf dem Treffen der Notenbanker-Elite in Jackson Hole (USA) endlich Substanzielles zum Thema US-Zins verkünden, wurde durch deren übliches Schüren von (unerfüllbaren) Erwartungen und dem Aufsagen abgedroschener Floskeln einmal mehr enttäuscht. Wirklich bedeutsame Erkenntnisse ließen sich aus dem Symposium der Fed of Kansas City gewinnen, wurde doch unter dem Thema „Schaffung eines Rahmens für eine belastbare Geldpolitik der Zukunft“ offen ein Bargeldverbot gefordert.

Japan: Drei, Zwei, Eins … alles (bald) meins!

Obwohl die Bank of Japan bereits 42% der Staatsschulden monetarisiert hat, will es mit der (offiziellen) Inflation einfach nicht klappen. Aus diesem Grund wird nun der Aktienmarkt immer intensiver aufgekauft.

Bank_of_Japan

Ende Juni gehörten der BoJ bereits 60% aller heimischen Aktien-ETFs, so dass sie in 81 Unternehmen des Nikkei 225-Index bereits unter den Top-5-Aktionären ist!

Konjunktur

USA: Alles ist besser, jedenfalls statistisch!

Trotz des hinlänglich bekannten Erfindungsreichtums der US-Statistiker zur Erzwingung eines möglichst hohen Wirtschaftswachstums (auf dem Papier) mussten diese in einer zweiten Schätzung des diesjährigen US-Wachstums eine Abwärtsrevision vornehmen. Unterm Strich blieb nur ein mickriges Halbjahreswachstum von 0,5% übrig, welches auch dann nicht besser wird, wenn man es – wie in den USA üblich – auf 1,0% annualisiert.

US-Inflation

Bedenkt man aber, dass das bejubelte reale (statistische) US-BIP-Wachstum einer Inflationsrate geschuldet ist, die so gar nichts mehr mit der Realität zu tun hat (siehe ShadowStats-Berechnung oder Chapwood-Index), so wird bei Berücksichtigung der tatsächlichen Teuerung schnell deutlich, dass sich die USA seit 2008 trotz Nullzins, eines 275-Mrd.-USD-Steuergeschenks (2009), dreier „QEs“ und rund 10 Billionen USD „frischer“ Staatsverschuldung in einer Dauerrezession befinden.

Finanzmärkte

Up-and-away

Obwohl die US-Unternehmensgewinne erstmals in ihrer Geschichte über fünf Quartale in Folge schrumpften, das Verhältnis von Schulden zu Gewinnen vor Zinsen, Steuern und Abschreibung heute bereits deutlich höher als zu „besten Finanzkrisenzeiten“ (2008/2009) liegt, oder die Pensionsfonds der S&P500-Unternehmen per Ende 2015 mit nunmehr 377 Mrd. USD unterfinanziert sind (2007 stand noch ein Plus von 63 Mrd. USD), spiegelt sich all dieses (noch) nicht im Index wieder.

S&P500_im_Blasenmodus

Weiter operieren die Aktienmärkte fröhlich im Blasenmodus, doch wer nun glaubt, dass die 66-Billionen-USD-Blase nicht Platzen kann, nur weil es (vermeintlich) keine Anlagealternativen gibt, übersieht, dass die Entscheidung für einen Negativ-Strafzins im lediglich Null-Komma-Bereich eine verlockende Option darstellt, um angesichts der sich mehrenden Warnzeichen in „luftiger Höhe“ Kasse zu machen.

Fondsmanager-Kommentar

Mehrere massive „Fire-Sale“-Papiergoldverkäufe sorgten im August dafür, dass der Goldpreis rund 70 USD von der Spitze verlor. Gleich um 19 USD ging es am 05.08. runter, binnen nur 4 Sekunden … nach Börsenschluss in Europa!

Ebenso auffällig war auch der Eingriff am 24.08., der durch das Brechen einer wichtigen charttechnischen Unterstützung die (erhofften) Stopp-Loss-Verkäufe auslöste. Parallel geriet auch der Silberpreis unter Druck, was in Summe zu einer kräftigen Korrektur im Edelmetallminensektor führte.

Angesichts der immer größeren Schaden anrichtenden Geldpolitik ändern diese „Interventions-Spielchen“ jedoch nichts an den positiven Aussichten für den gesamten Edelmetallsektor; sie bieten Investoren mit Weitsicht vielmehr immer wieder gute Einstiegs- bzw. Nachkaufchancen.

© Mack & Weise – Homepage

 

Ein Kommentar auf "Geldpolitischer Amoklauf"

  1. FDominicus sagt:

    Es bleibt dabei. Zentralbanken sind das Problem. Fakt ist in Deutschland will keine Partei außer einer einzigen diese abschaffen. Es geht einfach darum so zu tun als sei mehr da, als wirklich der Fall. Im Endeffekt landen die Kosten sowieso bei den Bewohnern des jeweiligen Gewaltmonopols. Das ist ein Fakt und daran wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern.

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