Gelddrucken: Ungebremst und ohne Limit

30. Oktober 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Die Sorge vor dem Ende des Euro war unberechtigt. Als politisches Projekt stand er nie zur Disposition, eher schon die Banken als Financiers von Staaten. Europa wächst zusammen – in Abhängigkeit und Zwang. Die EZB hat Risiken vom Rand der Eurozone in deren Kern getragen. Eigentlich macht Mario Draghi die Drecksarbeit für die Politik, nur besser. Er hat geliefert – wie damals bei Goldman Sachs. Dennoch hat die These des Glücks durch den Euro Risse bekommen…

Warum geht der Segen der Gemeinschaftswährung an so vielen vorbei? Warum steigen die Preise schneller als die Löhne? Warum macht der Teufel immer auf den größten Haufen? Und warum bleibt bei der Masse nichts kleben als gute Worte?

2008 ist das Blasengebilde aus Billionen durch noch mehr Billionen gerettet worden. Ohne Rechtsbrüche wäre das Finanzsystem kollabiert. Jetzt macht man den Fehler größer und schlimmer. Wenn dann die Preise für Energie und Nahrung wegen der Geldschwemme steigen, sind es böse Spekulanten. Die Gefährlichsten davon sitzen in den Notenbanken. Es sind verrückte Zeiten, in denen Wirtschaftsminister stabiles Geld und ewige Aufschwünge erwarten, Finanzminister Schulden abbauen wollen und neue machen, die Justiz im Namen des Volkes urteilt, das nie befragt wurde, und kritische Stimmen Quertreiber sind. Das Projekt Europa wird durchgedrückt?

Wir erleben eine weitere Bankenrettung durch die EZB. ESM und Notenbank sind die neuen Nachschuldner, die Schuldtitel aufkaufen. Notenbanken drucken Geld ohne Limit und nennen es Rettung. Sie wollen Märkte stützen und schalten sie aus. Die Börse feiert diese Drogenlieferung und selbst Schrottpapiere leben wieder auf. Intervention und Manipulation sind Routine. Wenn Propaganda an der Börse notiert wäre, ihr Kurs stünde höher als der von Apple. Ich investiere in rosa Farbe, mit der die Probleme angestrichen werden. Rosa Farbe könnte knapp werden.

Es ist zynisch, wenn der Wirtschaftsminister sagt, der Euro werde zur stabilsten Währung der Welt, wenn sich die Länder nur an die Rettungsregeln halten. Vielleicht war es ein Scherz wie Schuldenbremse und Fiskalpakt? Gut auf dem Papier, mies in der Umsetzung bzw. unmöglich, sich daran zu halten wie an die alten Verabredungen. Gesetze werden an Erfordernisse der Zeit angepasst. Dass dabei Recht gebrochen wird, geben selbst Politiker zu. In einem Punkt hat der junge Mediziner Rösler Recht: Die Existenz des Euros ist sicher, auch wenn Länder aus dem Verbund aussteigen könnten, was aber gar nicht nötig ist, wenn sich die EZB der Konkursverschleppung annimmt. Nicht sicher ist, was man später für den Euro noch kaufen kann. Hier entlädt sich dann der Kollateralschaden der ganzen Retterei. Wahrscheinlich wird es Inflation sein. Im offiziellen Sprachgebrauch ist Inflation keine Bedrohung, selbst wenn sie grassieren sollte. Man wird den Leuten Sand in die Augen streuen, damit sie nicht das tun, was sie tun müssten: Verantwortung für ihr Erspartes übernehmen und es in Sicherheit zu bringen. Doch wohin? Sie würden sonst Sparbücher kündigen, Bankkonten leeren und das unter der Matratze gehortete Geld tauschen in: Ja in was?

In etwas, was die Inflation nichts anhaben kann, was Werte bewahrt, unabhängig davon wie sich die Preise dafür entwickeln. Edelmetalle spielen dann ihre Stärke aus: Binnen zehn Jahren hat sich der Goldpreis vervierfacht, der von Silber verfünffacht. Das ist kein Zufall. Im Vergleich zu Aktien und auch den künstlich gestützten Anleihen haben sich die Preise weit prächtiger entwickelt.

Die Preise für diese Art von monetärer Versicherung sind gestiegen, während die Zeit der risikolosen Anlagen abgelaufen ist. Heute gibt es nur noch zinsloses Risiko. Selbst das Sparbuch ist gefährlich geworden. Die Zinsen auf dem Konto werfen weniger ab, als die Inflation auffrisst. Selbst Aktien bringen mehr – weil Unternehmen im Vergleich zum Staat wirtschaften und nicht nur herumreden.

Angesichts der Probleme ist die allgegenwärtige Ruhe erstaunlich. Aus der Angstebene in die Handlungsebene zu kommen, ist herausfordernd. Dabei genügt es, sich ein eigenes Bild zu machen statt auf Experten in Hauptnachrichtensendungen herein zu fallen. Es reicht, Verantwortung für sich zu übernehmen, statt diese an andere abzugeben. Es geht um jetzt fällig gewordene Hausaufgaben. Nach so vielen Debatten, sinnlosen Talkshows und so vielen Artikeln und Rettungsgipfeln ist es verständlich, sich auf Kates Busen oder das Supertalent zu konzentrieren, als sich den eigentlichen Herausforderungen dem eigenen Geld gegenüber zu stellen und sich aufgrund der wahrscheinlichen Folgeschäden dieser „Eurorettung“ krisenfest zu machen – der Inflation. Sie ist der tägliche Einbruch in der Bank, ohne dass jemand die Polizei ruft – staatlich gewollt und offiziell verniedlicht oder verschwiegen.

Statt überschüssige Euronen in Gold und Silber zu tauschen, nehmen viele Kredite auf und kaufen Immobilien, um der Inflation zu entkommen. Es ist eine Spekulation, dass die Inflation die Schulden auffrisst und die Bedienung der Schulden auch künftig reibungslos verläuft. Viel Glück, immobil zu sein mit einem Berg an Verpflichtungen. Der Tausch aus Papiergeld in echte Edelmetalle ist ja auch so beschwerlich. Selbst Verbraucherschützer warnen. Aber wer warnt vor Verbraucherschützern? Lieber werden Klickunzen gekauft, Papiergold als Zertifikate oder börsennotierte Fonds, die vorgeben, echte Edelmetalle zu lagern. Damit liegen die nächsten Leimspuren und Umleitungen aus, und sie funktionieren perfekt.

Wer heute Edelmetalle als Versicherung kauft, um mehr geht es dabei nicht, wird von der Masse belächelt. So sterben keine Bullenmärkte bzw. Bärenmärkte für Papiergeld. Im Gegenteil. Die Bedingungen für noch schwächere Währungen verstärken sich und werden für höhere Edelmetallnotierungen sorgen. Für eine Einheit Metall brauchte es immer mehr entwerteter Währung – weltweit. Diese Bedingungen sind mit der „Eurokrise“ verstärkt worden und werden mit der Krise der Finanzen in den USA im nächsten Jahr beschleunigt. Bankrettungen sind teurer geworden – abzulesen an Gold – und Silberpreisen. Wenn Kaufkraftverluste später dann spürbarer werden, wird die heutige Familie Ahnungslos wirklich fassungslos sein – und kauft schnell noch einen Kühlschrank, der leer bleibt.


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8 Kommentare auf "Gelddrucken: Ungebremst und ohne Limit"

  1. Lotus sagt:

    Ich glaube nicht mal, dass die Inflation das größte Problem der Deutschen ist. Nein, es betrifft ja jeden, trotz Besitzes von Gold.

    Ein viel größeres Problem erscheint mir die verheimlichten Blasen in Banken und Schattenbanken selbst. Auch Sparkassen und Volksbanken sind davon betroffen. Sie lagerten auch faule Anleihen in ihre Schattenbanken ein. Davon spricht nur niemand. Und wenn Merkel und Steinbrück einst sagten, ihre Sparguthaben sind sicher, entspricht das nicht im Geringsten der Wahrheit. Der Einlagesicherheitsfonds ist bei weitem nicht gedeckt, als dass Guthaben der Bürger ausgezahlt werden könnten. Die Blase/Verheimlichung wird spätestens dann aufgedeckt, wenn eine Bank Pleite anmeldet. Und der Tag wird kommen.

    Deshalb mein Rat an diejenigen, die wenig verdienen, sämtliche Anlageformen meiden und nur ein Girokonten lassen. Regelmäßig Geld abheben und verstecken.

    Selbst wenn die Inflation noch höher wird, ist dies nicht so schlimm, wie Sparguthaben zu verlieren, die keine Merkel ersetzen könnte. Die Gefahr ist viel größer und ärgerlicher.

    • Bummbumm sagt:

      #Selbst wenn die Inflation noch höher wird, ist dies nicht so schlimm, wie Sparguthaben zu verlieren, die keine Merkel ersetzen könnte. Die Gefahr ist viel größer und ärgerlicher.#

      So lange die Notenbank den Banken die faulen Papiere abkauft – wie sollten die Sparguthaben verloren gehen?

      • Lotus sagt:

        Niemand weiß, wie es wirklich in Banken aussieht. Es wird geschönt was das Zeug hält. Genauso wie Zahlen nicht die Realität widerspiegeln und Ablenkungsmanöver stattfinden. Die verkorksten Banken können in so kurzer Zeit nicht aus dem Schlammassel herauskommen, wie sie es uns weismachen wollen. Das ist unmöglich. Außerdem, wieviel faule Papiere lagern in Schattenbanken? Wissen Sie´s? Ich glaube nicht, daß Draghi ewig aufkaufen kann.

        • gilga sagt:

          Gegenfrage: Sie glauben die zur Seite geschafften Papierschnipsel eines Währungsraumes haben noch einen Wert, wenn die dieses “Geld” herausgebende Institution (Notenbank) aufgrund der Pleite des angebundenen Bankensystems (die angesprochenen Banken) Pleite geht (wobei Notenbanken ja nicht pleite gehen können; Geld schaffen können sie immer)?

          Ich denke das Papier ist am Ende in etwa genauso sicher oder unsicher wie Sichteinlagen…

          • Lotus sagt:

            Nun, es geht erst mal um Schadensbegrenzung (bei Bankpleite oder Staatsenteignung) und nicht um den Wert des Euros. Daran kann dann sowieso niemand was ändern, genauso wenig wie an Inflation.

            Nein, Vorsicht ist besser als Nachsicht. Geht eine Bank unter, ist mein Erspartes weg. Wogegen ich bei heimlicher Aufbewahrung immer noch überleben kann (Miete, Lebensmittel, Benzin usw.). Gold gibt man dann aus, wenn die Scheine alle sind.

  2. bubu sagt:

    Dass die Banken auch in Deutschland Schlagseite haben, weil ihre Anlagen nicht mehr 100 % werthaltig sind , ist völlig klar. Für die Sparer ist es aber kaum möglich die Bonität einer Bank richtig einzuschätzen. Weniger riskant schienen mir aber bisher die Volksbanken und Sparkassen zu sein, obwohl schon auffällig war, dass die eine oder andere Bank übermäßig an der Gebührenschraube bei Wertpapieren drehte.
    Allerdings sind den deutschen Banken aus dem Ausland eine Menge Gelder zugeflossen, sodass sie mit Liquidität sehr gut versorgt sein müssten. Bisher wurden alle kritischen Banken rechtzeitig gerettet, wobei mMn keine Spargelder verloren gegangen sind. Die BZB passt schon auf, dass da nichts passiert.
    Meine Meinung: Lotus , Sie haben völlig recht, nur glaube ich, dass die Situation aktuell noch nicht so kritisch ist, aber da kann ich mich auch täuschen, denn ich bin kein Insider.
    Nun zum 2. Punkt. Ich glaube auch, dass Draghi nicht ewig kaufen kann, aber noch sehr lange. Ich denke, dass am Ende die Abschreibung nicht mehr werthaltiger Forderungen in der EZB Bilanz relativ lautlos und ohne großen Widerstand per Buchungseintrag vonstatten geht ohne die EZB zu rekapitalisieren, selbst wenn Billionen verschwinden werden.Was meinen Sie ?

    • Lotus sagt:

      Nun, ich glaube der Finanzindustrie, den Versicherungen und Banken gar nichts mehr. Sie machten in der Vergangenheit Geschäfte, wovon wir gar keine Ahnung haben. Ich erinnere z. B. nur an die vielen Anklagen gegen die Deutsche Bank in den USA. Sie war einst die gefährlichste Bank der Welt.

      Die Schattenbanken erhielten dann die Verluste, wovon Anleihen sicherlich nur die Spitze eines Eisberges ist. Ich habe mal gelesen, dass es ca. 60 Billionen Dollar sein sollen. Rechnet man dann die Verluste aus misslungenen Geschäften mit ein, ist die Gelddruckmaschine eines Goldman Sachs Denkers schnell am Limit.

      Zum 2. Punkt. Die Sparkassen und Volksbanken haben das Glück, in einem Verbund zu sein. Da verteilen sich dann sehr leicht Verluste und Erlöse. Daher können sie auch viel besser jonglieren und verheimlichen. Jedoch sieht man auch dort, dass sie Schattenbanken aufgebaut haben. Denn ansonsten wären sie schon längst weg vom Fenster. Die Millionen Verluste ihrer best bezahltesten Investment-Bänker sind schließlich nur durch Druck von gierieren Vorgesetzten (Boni-Anwärter) entstanden. Daher machten auch sie Fehler und verspekulierten sich. Das Problem war ja, dass keine Bank Gegenwerte, wie früher Gold, bereit hielten.

      Das Problem besteht heute immer noch. Daher glaube ich, dass Fehlspekulationen heutzutage viel schneller aufgedeckt und eine Bank ruinieren kann. Das geht schneller wie man denkt. Siehe SNB Schweiz. Die Sicherheiten von 9 % sind bis heute nicht zurückgehalten bzw. nachgewiesen, jedoch wird weiter fleißig mit Hedgefonds, Immobilien, gefährlichen Papieren gehandelt. Ich wage auch die Behauptung, dass in Schattenbanken selbst auch Leerverkäufe getätigt werden. Mit PC geht das unbeobachtet, im Auftrag der Mutterbank und ohne Lizenz.

      Ein Herr Draghi ist zum Gelddrucken nur soviel Wert, wie er Aufkäufe verantworten kann, um nicht ganze Völker zu vernichten. Wenn er ewig weiter macht, ist Europa auf 3.Welt-Niveau. Das kann er nicht riskieren. Nein, Sie haben Unrecht. Draghi muß aufhören, denn die billigen Geldflüsse bringen Armut und führen nicht zum Wirtschaftsaufbau. Sie füllen nur die Kassen der Banken, um das Spiel von vorne zu beginnen oder weiter zu betreiben.

      Was die Bankbilanz der EZB angeht, hat Prof. Sinn schon mal gesagt, dass dies abgeschrieben wird. Kein Bürger wird dafür haften. Problem jedoch, Herr Weidmann kann die Zinsen auch nicht steigen lassen. Daher wird Inflation das Endergebnis für alle sein.

      Noch eine Anmerkung: Dadurch, dass gut bezahlte Arbeitsplätze rar sind, verleitet das junge Investment-Bänker zu riskanteren Geschäften als früher. Verantwortung für das Allgemeinwohl war schon vor der Krise ein Fremdwort und heute erst recht. Es werden die Absurditäten steigen und Banken fallen. Jede Wette. Eine IKB kann/will heutzutage keine Regierung mehr retten. Und wirkliche Regeln gibt es immer noch nicht.

  3. katzbuckel sagt:

    Dunkle Gedanken brauen sich in meinem Bürgerhirn zusammen. Sollte man nicht dazu beitragen, den Dollar in die Tonne treten?

    Hätte ich genug Dollaronen, dann würde ich den Silbermarkt leerfegen.
    Und zwar den des echten, physischen Silbers. Wie?

    Mit dem selben Pyramidenspiel, das uns die Hochfinanz gegenwärtig aufdrückt.

    Man beginne mit einer stattlichen Menge Silber und zahle in Dollar.
    Man werbe Anleger und kaufe weiteres Silber, allerdings unter Verdopplung der freiwillig gezahlten Menge an Dollaronen.

    Der Preis für echtes Silber löste sich dann schnell von der Manipulation durch die COMEX ab.

    Der MArkt für Zertifikate bräche zusammen, Silber ginge in ungeahnte Höhen und der Dollar nur schneller unter, als ohnehin.

    Der feine Unterschied:

    Das Silber wäre in den Händen der Anlege und der ohnhin wertlose Dollar würde seinen Erzeugern zurück in den Rachen gestopft.

    Wie gesagt, finstere Gedanken von Notwehr und Rache.

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