Geld für Bildung? Wo führt das hin?

16. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Nun saßen die Experten zusammen und berieten, wohin die vielen Milliarden des zweiten Konjunkturpakets fließen sollen. Im Vorfeld wurde über ein paar Milliarden für die Infrastruktur und etliche Milliarden für die Bildung geredet. Welche Bildung eigentlich? Laut GEW wurden zwischen 2003 und 2007 rund 17.500 Lehrkräfte zu wenig eingestellt. Nicht ohne Grund…

Der Begriff „Bildung“ ist ja irgendwie recht weit gewählt. Manche verstehen unter Bildung nur „Einbildung“, was das Leben auch nicht besser macht. Doch was bedeutet eigentlich Bildung? Bringt man jetzt tausende neuer Lehrer in Lohn und Brot, die den Schülern das beibringen, was eigentlich Aufgabe der Eltern gewesen wäre? Nein. Wo sollen sie so überraschend auch auf einmal herkommen? Um die Bildung zu verbessern, reicht es offenbar aus, den Schulen einen neuen Anstrich zu verpassen, die Toilette durch den ortsansässigen Klempner zu erneuern, und eventuell ein Solardach zu installieren. In einem Wahljahr klingt es jedenfalls toll, wenn sich alle Parteien für Bildung aussprechen. Dieses Argument taucht vor den Wahlen so pünktlich auf wie der Nikolaus am 6.Dezember. Einige sollen ja auch noch daran glauben.

Mit mehr Bildung würde sogar dieses Phänomen schnell verschwinden, samt der Weihnachtsmänner, Osterhasen, Klapperstörche und ausgeglichener Staatshaushalte. 170.000 „Risikoschüler“ gibt es. Welch komisches Wort und ich weiß nicht mal, was ein „Risikoschüler“ ist. Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind mit dem zweiten Konjunkturpaket nicht besser geworden, auch wenn die jungen Leute in wärmegedämmten Klassenzimmern sitzen.

Wozu brauchen wir eigentlich kluge Bürger? Ich weiß es nicht. Sie kommen vielleicht auf ganz dumme Gedanken. Sie würden beginnen, Dinge zu hinterfragen, die sie ohne Bildung gar nicht interessiert.

Was sollen die armen Politiker zukünftig auf die Wahlplakate schreiben? Wer schaut dann noch Leute an, die penis-gemixte Cocktails schlürfen und viel Geld dafür bekommen? Vielleicht fassen sich gebildete Bürger sogar an den Kopf, wenn sie hören, dass man mit noch mehr Schulden die Welt noch besser machen kann? Fangen sie dann etwa an Bilanzen zu lesen? Und wozu brauchen wir dann noch Experten, wenn künftig alle selbst einen zertifizierten Hauch von Ahnung haben? Oder sie beginnen sogar noch zu sparen und kaufen keine Autos, wenn die alten noch fahren. Wer soll dann diese vielen komische Geldanlagen kaufen und das ganze Gammelfleisch essen?

Die Gesetze der Wirtschaft erfordern heute nicht nur neue Schulden, sondern auch Leute, die diese aufnehmen. Und wenn es schon nicht der Bürger ist, dann ist es eben der Staat, der sich verschuldet. Kommt unter dem Strich auf das Gleiche heraus. Wahre Kaufmaschinen wären jetzt ein Segen in dieser lichtarmen Zeit, in der die Konsumschecks weiter auf sich warten lassen und die Daten auf Eiszeit deuten. Doch woher soll das Geld für den Konsum kommen?

Doch auch die Absenkung des steuerlichen Grundfreibetrages und die diskutierte Absenkung von Steuersätzen bringt dem Bürger gerade mal ein zusätzliches Schnitzelbrötchen pro Woche. In einigen Tagen werden viele erstmals das Ergebnis des viel gelobten Gesundheitsfonds auf dem Lohnzettel in Euro und Cents ausweisen. Viele drehen dann vielleicht die Heizung um ein weiteres Grad nach unten. Wären sie von einem längst überfälligen „Bildungspaket“ befallen, sähe die Welt etwas anders aus. Der Berg rotierte und gebar ein Bildungsmäuschen. Man muss sich da keine Sorgen machen.

Print Friendly, PDF & Email

 

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.