Wenn Zinsen aus den Fugen geraten

4. Februar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Soweit in den Büchern steht, ist der Zins der Preis für Geld. Wenn aber Geld keinen Preis mehr hat? Was ist dann das in unseren Geldbörsen? Geld? Wohl eher nicht…

Was ist das? Bunte Zettel, an die man glaubt. Eine Fata Banknotiana? Eine Note ist sowas auch nicht, dann würde sie ja singen – beispielweise Lieder aus einer Zeit, wie sie sich die Eurokraten nicht schöner hätten ausdenken können. Kann ja noch kommen.

Wie wäre es mit „Geld für Umme“? Das versteht jeder. Ist zwar Schwachsinn. Aber was ist kein Schwachsinn heute? Dabei war es doch nur ein kleiner Spaß meinerseits, als ich neulich den Vorschlag unterbreitete, Geld zu bekommen, wenn man einen Kredit aufnimmt. Ich hätte nicht gedacht, dass das jetzt in Dänemark möglich ist, und sich derzeit nur auf Immobilienkredite bezieht. Chapeau! Das ist genial!

Die wenigsten wissen, Dänemark hieß ursprünglich Däne-Markt – bis die Zentralplanung der Geldpriester in Däne-Markt den Zinsmarkt ausgeschaltet hatten. Früher wäre das als ziemlich dämlich eingeordnet worden, heute nur noch dänisch. Womit die Herkunst des Names des Landes hinreichend erklärt ist. Wäre Dänemark in der Eurozone, würde diese Innovation erst später die Leute dort glücklich machen. So aber wurde Dänemark über Nacht das leuchtende Vorbild der EZB. Wetten?

Noch eine Druckerpresse

Die dänische Nordea-Bank vergibt inzwischen Hypotheken-Kredite mit einem Negativ-Zinssatz von 0,03 Prozent. Das bedeutet, man bekommt bei Kreditaufnahme Zinsen zugeschrieben. Noch handelt es sich nur um sogenannte „F1-Darlehen“. Diese laufen über ein Jahr und werden dann um den aktuellen Zinssatz um ein weiteres Jahr verlängert. Komisch, wenn ich auf meinem Rechner F1 drücke, taucht plötzlich „Hilfe“ auf. Zudem wäre zu beachten, dass die Nordea-Bank in Schweden ihren Hauptsitz hat. „Elch-Kredite“ wäre ein passender Begriff für Plus-Zinsen auf Kredite.

Seien Sie jetzt schon vorbereitet, wenn das dänische Modell später auch hierzulande Einzug hält. Sie werden rufen „Das gibbts doch gar nich!“ Vielleicht doch! Deshalb gebe ich Ihnen heute schon einen Rat: Berechnen Sie doch einfach mal in einer ruhigen Stunde, wie viel Geld Sie monatlich zum Leben benötigen. 2500 Euro? Kein Problem! Dann gehen Sie zur Bank und nehmen einen Kredit in Höhe von umgerechnet 100 Millionen Euro auf. In Dänemark bekommt man dafür umgerechnet 30.000 Euro jährlich an Zinsen, also 2.500 Euro im Monat. Besser wäre es natürlich, Sie gehen gleich in die Vollen!

Natürlich wird die dänische Nordea nach Sicherheiten fragen und auch nach dem Verwendungszweck der vielen Millionen. Sie sollten dann Nordea bitten, dieses Geld auf ein Sperrkonto zu legen, so dass der Kredit jungfräulich unberührt bleibt. Schließlich sind Sie doch auf die 0,03 Prozent aus oder 2.500 Euro im Monat.

Ein Beispiel, was Schule machen könnte

Ob der neue griechische Finanzminister schon auf diese Idee gekommen ist? Ein paar Billiarden an frischen Krediten zahlen die alten Schulden ganz problemlos ab. Im Gespräch ist ja, dass Griechenland seine Kredite ohnehin nicht tilgen wird, sondern diese so lange streckt, bis sie die Draghis Inflation in Luft aufgelöst hat. Wahrscheinlich kostet dann eine Tasse Kaffee eine Milliarde Euro. Mit 315 Tassen Bohnenkaffee wäre die Sache dann bereinigt. Umso unverständlicher ist es, dass der neue Finanzminister am heutigen Mittwoch in Frankfurt weilt und nicht in Kopenhagen.

Was passiert eigentlich, wenn man seinen 100 Millionen Euro schweren Kredit bei Nordea vorzeitig zurückzahlen möchte? Zahlt einem die Bank dann eine Vorfälligkeitsentschädigung? Eine Elch-Prämie? Das wäre doch sehr nett!

Oder sollte man warten, bis der Zinssatz für Kredite auf -10 Prozent gesunken ist? Dann ginge alles etwas schneller mit dem Wohlstand durch Kredit. Unabhängig davon gehen wir goldenen Zeiten entgegen, denn früher musste man für sein Geld arbeiten. Dann arbeitete das Geld meist für die Banken und bald arbeitet es für jeden Kreditnehmer. Ist das nicht herrlich? Und Hartz-4 dürfte bei erfolgreicher Implementierung dieses monetären Perpetuum mobile schnell erledigt haben.

Wie Sie diesem Text entnehmen, ist das Verwechseln von Plus – und Minuszeichen bei Guthaben und Schulden mit verkehrtem Vorzeichen und auf den Kopf gestellten Zinssätzen eine große Herausforderung. Ständig verwechselt man das eine mit dem anderen, was aber ganz gut ist. Selbst in der Politik spart man heute, indem man mehr Schulden macht. Ich plädiere deshalb dringend dafür, die ohnehin sinnlosen und hinderlichen Zeichen abzuschaffen und durch Doppelplusgut zu ersetzen. Jenseits von Gut und Böse spielen Plus und Minus ohnehin keine Rolle mehr.

Eine weitere Frage schließt sich an: Muss man erst nach Dänemark auswandern, um in den Genuss der doppelplusgutartigen Negativzinsen auf Kredite zu kommen? Warten Sie besser noch ein paar Monate, bis dieses dänische Zinsvirus auch in der Eurozone implementiert wurde…


Sie meinen, das wäre alles verrückt? Das scheint nur so. Wenn die Mehrheit der Leute verrückt genug geworden ist, dann wird Verrücktes zur neuen Normalität. Freuen Sie sich darauf! Verrückt ist es inzwischen auch, dass Gläubiger dafür bezahlen, wenn sie Geld leihen, nicht nur in Deutschland. (Quelle: Finanzen.net)

draghinismus

Und noch verrückter ist es, dass Schuldner Geld bekommen, wenn sie Schulden machen. So bekommt ein Finanzminister zusätzliches Geld in die Kasse, wenn er neue Schulden aufnimmt. So zahlen Banken Strafzinsen für das Deponieren von Guthaben bei der Zentralbank. Und bald betrifft es auch den kleinen Mann, dass er nicht nur Strafgebühren für Guthaben zahlt und dann Geld bekommt, wenn er Schulden macht. Und ich höre sie, die Finanzprofis, die vor Gold warnen, weil es keine Zinsen abwirft. Klar, es gibt bei Gold kein Ausfallrisiko. Aber ist es gerechtfertigt, dass Staatsschulden auch noch Geld kosten, wenn man Gläubiger ist?

Vielleicht stehen wir wirklich an einer Grenze zu einer Welt, in der das Verrückte bei ausgehebelten Gesetzen normal wird. Die Leimspuren sind verlegt und genügend Leute bereit, auf denen Platz zu nehmen. „Geld für Umme“ ist das Feromon, das bereitwillig dann durch die Luft weht, ein unwiderstehlicher Duft für Insekten und sich dann wundern, warum dann der Leim an ihrem Hintern klebt.

Soweit ich früher gelernt habe, hatten Kredite einst mit Versprechen in der Zukunft zu tun. Bald könnten es Lügen aus der Zukunft sein, aber süß. Doch sehen wir es mit der rosafarbenen Brille: Die Jahrtausende wirkende Knechtschaft des Zinses scheint endlich gebrochen zu sein. Geldwechsler müssen nie mehr aus ihrem Tempel geworfen werden, sie werden manchmal sogar Zentralbanker.

Was macht man jetzt mit vielen, offenbar sinnlos gewordenen Leer-Büchern der Ökonomie und Geld-Wirtschaft? Die EZB sollte diese einsammeln und Klopapier daraus produzieren. Oder frische Euros.




 

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7 Kommentare auf "Wenn Zinsen aus den Fugen geraten"

  1. Toter Esel sagt:

    So unlogisch ist das Ganze gar nicht. Stellen Sie sich mal vor, auf die zig Billionen, die seit Ausbruch der sog. Finanzkrise in die sog. Märkte gekippt wurden, müssten auch noch Zinsen gezahlt werden!
    Der „Witz“ an der ganzen Sache ist, dass das viele, frische, billige bis kostenlose Geld irgendwann die gleiche Wirkung hat wie Alkohol und andere Drogen: keine ausser der letalen.
    Bevor es soweit ist, werden die Euroscheinchen noch schnell abgeschafft. Bis auf die schönen neuen 5er und 10er. Aber bezahlen Sie damit mal einen Wagen der (ab)gehobenen Mittelklasse. Wenn Sie beispielsweise 100k€ auf Ihrem Konto haben, kaufen Sie doch schnell einen Mercedes, denn selbst wenn dieser billiger werden sollte, hätten Sie im nächsten Jahr nur noch 98k oder 97k Guthaben. Oder ist selbst der Betrag eine Verbindlichkeit, die Sie im Falle einer Bankeninsolvenz ebenso wie deren Aktionäre Ihrer Bank schulden? Wird dann noch Ihr Dispo mit heran gezogen, wird es allerdings echt pathologisch.
    Das Gute ist, dass kaum einer den Krankheitsverlauf bemerkt. Man freut sich über Schäubles schwarze Null und mit ihr ein Stück weit.

  2. ben sagt:

    Haben wir uns dann entschuldet drehen wir den Spieß wieder um.
    Das unser gegenwärtiges System eh ein lächerliches zerstörerisches Disaster ist liegt auf der Hand wenn man sich überlegt wie Geld geschaffen wird und das die Banken faktisch nichts dafür hinterlegen müssen aber die Masse der Menschen in der Welt durch dieses System aufs Widerlichste geknechtet -versklavt wird. Wollten wir von den USA die Schulden zurück, würden sie kurzerhand abwerten und wir sähen nur noch einen geringen Teil bis gar nichts.
    Genauso erpressen wir seit Jahren andere Völker indem wir ihre Regime korrumpieren um uns unseren Fummel dann selbst kreditiert loszuwerden und diese Völker mit Zinszahlungen versklaven. Ein hoch auf den griechischen Finanzminister und viel Glück!

  3. Sandra sagt:

    Lieber Frank,

    wenn Neugierde durch Begierde ersetzt wird, was kommt dabei heraus? Ich würde mal sagen, ein Klumpen oder Ballungsgebiet der unentwegten Begehrlichkeiten.

    Ich fühle mich dir stets aufrichtig in neugieriger Liebe, die du stets auf deine Art erweiterst und daher erwiderst, verbunden

    Sandra

  4. stonefights sagt:

    Wo ist das „große Bild“ ?
    Vielleicht vergleichbar mit dem Monsanto – Vorgehen und den afrikanischen Bauern.
    Die Bauern waren zeit ihres Lebens gewöhnt, etwas von der Ernte zurückzulegen, z.B. als Saatgut fürs nächste Jahr…
    Bis der Wolf im Schafspelz kam, der den Bauern besseres Saatgut SCHENKTE.
    Der Aufwand der Bauern wurde minimiert, der Output erhöht.
    Mit der Zeit gaben die Bauern ihre Gewohnheiten auf, z.B. etwas zurückzulegen.
    Über viele Jahrzehnte gewöhnten sich die Bauern an Saatgut ohne Preis.
    Mit der Zeit veränderte der Wolf das Saatgut. Durch Manipulation wurde das Saatgut
    so verändert, dass aus der Ernte kein neues Saatgut mehr entstehen konnte.
    Nun war der ROI in Sicht. Die Schafe waren gefangen. Selbst wenn sie noch ihre vertrauten Gewohnheiten von früher kennten, so hatten sie nun keinerlei Chance mehr, eigenes Saatgut zu erzeugen bzw. zurückzulegen.
    Ab hier wurde wieder ein „Preis“ 😉 eingeführt. Und zwar so hoch, wie der Wolf wollte.
    Die Bauern mussten jeden Preis akzeptieren, um zu überleben.

    Was wäre mit der Welt, wenn es keine privaten Guthaben mehr gäbe, sondern nur noch privaten Kredit.
    Wäre das eigene Saatgut auch hier weg ? Wäre der Wohlhabendere der mit weniger Kredit ?
    Wer legte dann den „Preis“ fest und vor allem wann ?

    LG, stonefights

  5. 4fairconomy sagt:

    Angebot und Nachfrage: wenn mehr Geld angeboten wird, als Schuldner bereit sind aufzunehmen, sinkt der Preis bis ein Gleichgewicht erreicht ist. Negative Zinsen bedeutet nicht, dass Geld kein Preis hat, sondern, dass Geld „zu verkaufen“ kein Gewinn mehr ermöglicht, weil das Angebot zu gross. Dass die Notenbanken negative Zinsen verlangen für bei ihnen gehortetes Geld ist marktwirtschaftlich folgerichtig. Dass Geld soll sich nicht zu mindestens 0% bei den Nobenbanken vom Markt zurückziehen können. Ersparnisse sind dafür da, dass sie im Geldkreislauf bleiben und deshalb auch auf dem Anleihenmarkt angeboten werden. Und wer innovativ genug ist und nicht so bequem, nur in Staatsanleihen zu investieren, der investiert in kleine und mittlere Unternehmen. Der Aufwand ist etwas grösser, die Risiken auch, aber dafür auch die Gewinnmöglichkeiten und v.a. positiven volkswirtschaftlichen Auswirkungen. Sparen ohne dass mit dem Geld zukünftige reale (!) Werte geschaffen werden ist eh eine Illusion und letztlich eine Geldentwertung. Besonders eindrücklich bei Immobilien bzw. Boden. Ersparnisse, welche in Boden bzw. Immobilien gesteckt werden und zu Preissteigerungen führen, verringern die Kaufkraft in der Zukunft.

    • Avantgarde sagt:

      Wenn der Weg der Negativverzinsung tatsächlich konsequent weiter gegangen werden sollte wird man z.B. eine Bodenwertbesteuerung einführen müssen.
      Und das sind alles so derart grundsätzliche Sachen, daß ich nicht glaube daß die EZB diesen Weg wird weiter gehen wollen.
      So etwas kann man nicht so mal eben ohne Mithilfe der Politik und einer größeren Gesellschaftlichen Diskussion durchführen.

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