Geld kann man drucken. Wohlstand nicht. Auch nicht in Japan

23. Januar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Erstaunliches passiert gerade in Japan. Regierung und Notenbank haben Einladungskarten für ein Spektakel der Extraklasse verschickt – der Zerstörung des Yen. Ein Versuch in Echtzeit – ein Lehrstück und Warnung zugleich…

Nehmen Sie Platz! Die Vorstellung beginnt. Das Ergebnis steht schon fest. Japan wird erst seine Währung erfolgreich schwächen und sie dann endgültig zerstören. Die Notenbank wird auf staatlichen Befehl der Regierung jede Summe zur Verfügung stellen, die nötig ist, und damit der vorhandenen Menge an Yen ein Vielfaches davon hinzufügen. So ist der Plan.

Der Akt ist anfangs nicht einfach, aber er funktioniert. Die Geschichtsbücher prall gefüllt mit diesen Märchen, dass Gelddruckerei Reichtum schaffen soll. Nur Stroh zu Gold spinnen war etwas schwieriger. Nehmen Sie Platz! LIVE ist LIVE.

Hinter dem japanischen Experiment steckt weniger Neugierde als Alternativlosigkeit. Jetzt, da die japanischen Handels – und Leistungsbilanz ins Defizit gerutscht ist, ist das Land auf Kapitalimporte angewiesen. Doch wer sollte das tun?

Japan als Land der aufgehenden Sonne geht in Sachen Währung vielleicht als erstes der großen Länder unter. Die Sterne dafür standen selten so günstig. Unmissverständlich war die Ankündigung von Japans neuem Ministerpräsidenten Shinzo Abe. Er ließ am Dienstag keinen Zweifel daran, dass er sich der Sache verschrieben hat, klüger als der Markt zu sein. Zugleich setzte er der japanischen Notenbank die Pistole auf die Brust und drohte ihr mit einer Art von Verstaatlichung, sollte sie sich ihm widersetzen. Spätestens an dem Punkt sollten die Sirenen aufheulen wie bei einem Tsunami.

Allein die Ankündigung, den Yen zu schwächen, schicke die Währung gegenüber allen anderen Währungen auf Talfahrt. Abe jubelte sicherlich. Die Japaner selbst werden das im normalen Leben nicht so schnell merken. Sie sind in Yen verschuldet, sparen in Yen und bezahlen ihre täglichen Dinge in dieser Währung. Sie haben Abe gewählt, weil er ihnen sagte, er werde ihre Währung zerstören. Nur so direkt sagte er es ihnen nicht.

Offiziell geht es darum, die jahrelange Deflation zu bekämpfen. Das neue Inflationsziel heißt: Zwei Prozent auf alles – und kein Zehntel weniger. Bis dahin und wohl auch darüber hinaus wird die BoJ alle Schuldscheine der Regierung aufkaufen. Die Regierung wird versuchen, mit neuen Schulden die Wirtschaft in Gang zu setzen, auch wenn jetzt schon Japans Betondichte 28 Mal höher ist als die in Europa. In keinem anderen Land überspannen mehr sinnlose Brücken die Flüsse und führen mehr Straßen ins Nichts. Wenn jedem Japaner eine Zweitbrücke gebaut wurde, sollte das Spektakel mit dem Wirtschaftsaufschwung enden.

Wie überall auf der Welt glaubt man auch in Japan, dass sich Werte und Reichtum aus dem Nichts durch Herstellung neuer Kredite erzeugen ließen. Wenn dem so wäre, warum sollte man arbeiten gehen? Doch das ist nicht alles…

Japan eröffnet damit ein weiteres Kapitel im Buch der Währungskriege. Die USA werden dagegen drucken müssen. Und die EZB schaut dumm aus der Wäsche, schaute sie dem nur zu. Vielleicht müssen die Zinsen auch hierzulande auf null runter? In den letzten Wochen stieg der Euro aufgrund der japanischen Politik. Hierzulande wurde das als Eurorettung gefeiert. Sachen gibt`s!

Im letzten Jahr sind Nippons Schulden auf über eine Billiarde Yen gestiegen und betragen damit brutto 245 Prozent der Wirtschaftsleistung. Netto liegt der Wert bei 144 Prozent und damit auf dem Niveau von Griechenland. Nur konnten die Hellenen nicht so ohne weiteres an ihrer Währung fummeln wie die Japaner. Erlebt Japan sein griechisches Armageddon? Möglich. Später. Erst einmal feiert man eine schwächere Währung und steigende Aktienkurse und später eine Scheinblüte auf Pump.

An Japans Börse zündete ein Feuerwerk. Sturzbäche von Freudentränen ergossen sich über die Märkte. Japans Ministerpräsident gibt den Japanern die Möglichkeit, nominal reich zu werden. Sie müssen nur ihre Sparguthaben, geparkt in japanischen Staatstiteln, in Aktien oder Gold wechseln. Den Trick hat er ihnen nicht detailliert erzählt, aber versprochen, Arbeitsplätze zu schaffen und noch mehr Flüsse umzuleiten und diese mit Brücken zu überspannen. Irgendwann aber werden die Japaner merken, dass der Plan nicht funktioniert und ihre Währung auf dem Sparbuch oder selbst in den Uridashis nichts taugen und diese in etwas Handfestes tauschen. Dann werden sie versuchen, ihr Geld ins Ausland bringen, dorthin, wo der Zerfallsprozess noch nicht so weit fortgeschritten ist. Sie werden gleichzeitig die Börse anfeuern und Gold in Yen zum Mond schicken. Diejenigen, die Herrn Abe in seiner grenzenlosen Güte verstanden haben, tun das jetzt schon. Ihnen bleibt keine Wahl….(Seite 2)

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12 Kommentare auf "Geld kann man drucken. Wohlstand nicht. Auch nicht in Japan"

  1. Thomas sagt:

    Nochmal ein großes Kompliment an diese tolle Seite, sowie die absolut informativen und lesenswerten Artikel.

    Eine Frage hätte ich aber.

    KANN MIR IRGENDJEMAND DIE GRÖßENORDNUNG NENNEN, IN WELCHEM VOLUMEN DIE EZB STAATSANLEIHEN VON ESZB-MITGLIEDSLÄNDERN HÄLT?

    Lassen wir mal den ESM außen vor, so haben wir doch rein theoretisch die Möglichkeiten, dass die EZB einen gigantisch großen Spielraum für weitere Staatsanleihenkäufe hätte (vgl. Fed, BoE, BoY). Also rein monetär brauchen wir uns deshalb keine Sorgen zu machen, so lange die Realwirtschaft und das Vertrauen mitspielt.

  2. wolfswurt sagt:

    Zu dieser sehr guten Darstellung über die Situation in Japan fällt mir eine Aussage eines ehemaligen Kommentators bei N-TV ein:

    Busch sagte sinngemäß: Der globale Crash wird im Osten mit der Morgensonne beginnen und sich im Sonnenlauf innerhalb eines Tages nach Westen bewegen.

    Sieht aus als behielte er Recht.

    Die Vorauszetzungen für solch einen Verlauf sind auf jeden Fall weltweit gegeben.

    Trotz aller berechtigten Kritik am Verhalten von Regierungen und Notenbanken: sie haben keine andere Wahl um aus dieser verfahrenen Situation heraus zu kommen ohne einen Aufstand der Massen herauf zu beschwören.

    Denn: das Verständnis vom Wohlstand durch harte Arbeit ist bei 90% der westlichen Bevölkerungen schlicht nicht mehr vorhanden.
    Dieses nicht mehr Vorhandensein spiegelt sich in genau jener Einstellung wieder, welche das schnelle und leistungslose Papierdrucken dem mühevollen Goldschürfen vorzieht.

    Es gibt keinen anderen Ausweg diese lebensfernen Einstellungen durch die sich abzeichnende Not zu bereinigen.

    • Skyjumper sagt:

      „Trotz aller berechtigten Kritik am Verhalten von Regierungen und Notenbanken: sie haben keine andere Wahl um aus dieser verfahrenen Situation heraus zu kommen ohne einen Aufstand der Massen herauf zu beschwören.“

      Ahh, ich fürchte sie werkeln schon kräftig an der einzigen geschichtlich als erfolgversprechend belegten Alternative. Das geheime Aufschwungsprojekt nennt sich „Senkaku/Diaoyu“ und wird sowohl erhebliche Nachfrage generieren, die Währung drastisch schwächen und langfristig sogar ein nachhaltiges Wachstum ohne die Hypothek von alten und schwachen Gesellschaftsmitliedern ermöglichen. An der Umsetzung dieses erfolgversprechenden Projektes arbeiten Japan und China in gutnachbarlicher Übereinstimmung. Dem Vernehmen nach könnte auch Deutschland über den Umweg der Protektoratsmacht USA seinen Beitrag zu diesem schnell weltumspannenden Friedensprojekt leisten.

  3. Gandalf sagt:

    „….jedem Japaner seine Zweitbruecke..“

    Klasse!!!

    So einfach kann Wirtschaft sein!

    Warum machen wir es nicht nach?

    Jedem Deutschen sein Flughafen incl. Abriss vor Fertigstellung (verhindert CO2 aus steuerfreiem Flugbenzin)

    • Damokles sagt:

      Zweitbrücke ist gut. 😉

      Bei mir in der Gegend gibt es seit einigen Monaten Verkehrsschilder, die LKWs die Erstbrückenüberquerung untersagen, wenn der Gegenverkehr ebenfalls aus einem LKW besteht. Mehr als 20 Tonnen halten die nicht aus. Zur Sanierung fehlt der Kommune leider das Geld. Für die Schilder hat es noch gerade gereicht.

      Unsere Zweibrücke heißt: Exportfinanzierung über Rettungsschirme. Damit wir alle so schön vom Euro profitieren. Wir arbeiten für euch und ihr (PIIGS) verbraucht für uns mit. Feine Verteilung.

  4. Lickneeson sagt:

    Danke, wieder mal ein spottversprühendes Stück „Literatur“.

    Besonders gefällt mir:

    „Er ließ am Dienstag keinen Zweifel daran, dass er sich der Sache verschrieben hat, klüger als der Markt zu sein.“

    Da gibts nur eins:Nikkei-Calls!

    Ich warte auf den Tag, an dem ein Politiker mit den Schultern zuckt und zugibt keine Ahnung zu haben ,wie man die ganze Scheisse zu einem erträglichen Ende bringen soll.Nach der Wahl ist vor der Wahl.

    MfG

  5. crunchy sagt:

    Alles hängt mit Allem zusammen: Die Chinesen machen den Amis den Pazifik streitig, während die Amis die Währungsreserven der Chinesen verfuttern. Dazwischen steckt das heruntergewirtschaftete Japan, dass sich, wen wundert´s, noch eine Hintertürchen offengelassen hat: Krieg mit China um eine Gruppe Inselchen.
    Vergessen sollte man dabei auch nicht den europäischen Stellvertreterkrieg, der jetzt in Afrika begonnen hat, nachdem dort zuvor die Chinesen ihren Einfluss ausgebaut hatten.
    Könnten wir Deutschen es uns erlauben, würden wir uns nach Osten orientieren. Eines schätzen die Chinesen an uns: Unsere Sichtweise auf
    wirtschaftliche Stabilität sowie den Sinn für Nachhaltigkeit.

  6. michaelthuma sagt:

    Dem Geld ist es vollkommen egal wieviel es wert ist respektive wie hoch die Kaufkraft ist – sorgen sie sich nicht:) Das war einmal. Aber das wissen sie ja wohl besser.

    Am Ende singens alle bei der Mutti –
    Ned amoi ohne mein Ferrari wari pari.
    https://www.youtube.com/watch?v=7ohq0BIBtMY

    Also Wachstum die Herrschaften, Wachstum! Die Flucht nach vorne ist die Alternative die bleibt. Die ist alternativlos.

    Meine Meinung wäre, der Boom wird gigantisch, die ultimative Blase. So auf aushungern hat die Welt keine Lust mehr. Eines haben die Leut kapiert, dass arbeiten ein lustlose Freizeitbeschäftigung ist, betrachtet man die Ergänzung zur Spekulation. Beides ist letztendlich Arbeit aber zweitere ist wesentlich besser entlohnt. Seit 2 Dekaden ist es besser sein Geld zu investieren als versuchen mit Einsatz bei der Arbeit zu punkten als unselbstständig Erwerbstätiger. Vergebene Liebesmüh. Ich denke solch ein System ist nicht klug.

  7. purity sagt:

    Das ist doch auch wieder eine tolle Nachricht:
    „Der Erfolg hat auch eine Kehrseite: Deutschland steigerte seinen Exportüberschuss 2012 über die von der EU-Kommission vorgegebene Warnschwelle. Bei einer längeren Fehlentwicklung droht sie deshalb Deutschland mit einem Strafverfahren.“
    http://www.news.ch/Deutscher+Exportueberschuss+2012+ueberschreitet+EU+Warnschwelle/572500/detail.htm
    Schade, dass nur England bald über einen Austritt aus der EU abstimmen wird.

  8. 4fairconomy sagt:

    Warum Geld drucken, wenn’s auch anders geht…

    http://www.youtube.com/watch?v=tjOmgOuhu-s

    (siehe erster Trick in diesem Video)

  9. Dagobert sagt:

    …Mario erklärt das mit dem Geld nochmal in 55 Sekunden…

    http://www.youtube.com/watch?v=LdQyQLs2THM

  10. John Doe sagt:

    Sinngemäß zitiert:

    Japan prügelt den Yen in den Keller!

    Was ist schlimm daran? Japan wird über die Währung mit einem Male wieder „wettbewerbsfähig“ für den Export. Der Euro hat um 21 % nach gegeben. Deutschland hat davon profitiert.

    Da kommt doch so richtig Stimmung auf. Endlich wird Ernst damit gemacht, die Währungen gegeneinander in den Konkurrenzkampf zu schicken. Interessant dürfte es werden, wenn die Konkurrenz die Währungen gegen Null schickt. Es gibt aber eine Lösung es nicht soweit kommen zu lassen. ifo-Institut und Herr Sinn haben die Lösung, aus dem Laborversuch Südeuropa gewonnen, schon parat:

    Die differenzielle Entwicklung zwischen Nord- und Südeuropa ist erforderlich, um die außenwirtschaftlichen Gleichgewichte wiederherzustellen und den Süden relativ zum Norden zu verbilligen, so wie es bei separaten Währungen durch Abwertungen möglich wäre.

    Cameron und Merkel haben die Erklärung schon gegeben: Die EU muß nach innen wettbewerbsfähiger werden, damit der Export so röchtig flutscht!

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