Geld ist nicht alles

6. März 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Hoch und trocken Es hat mich einen ganzen Tag gekostet, um hier her zu kommen. Wo ist hier? „Hier“ ist in der Provinz Salta in Argentinien. Der Ort liegt hoch und das Klima ist sehr trocken. Salta liegt am Ende eines weitläufigen Gebirgstals, das in nördlicher Richtung vom Schnee bedeckten Nevado De Cachi, und zur anderen Seite von dem gigantischen Cerro Remate begrenzt wird.

Es ist nahezu unmöglich hier hin zu gelangen, wenn man sein Ziel nicht vorher schon genau kennt. Streckenweise sind die Straßen hier nur Feldwege, ohne irgendwelche Hinweisschilder, die einen leiten könnten. An anderen Stellen wiederrum ist es gut möglich im Sand zu versinken oder in einem Fluss das hängt hier vom Wetter ab. Als wir hier das Dörfchen Molinos erreichten, verließen wir die Hauptverkehrsstraße (ein unbefestigter Kiesweg), um eine noch holprigere Straße einzuschlagen.

Wir überquerten den Fluss (er war ausgetrocknet) und fuhren geradeaus auf den Cerro Remate zu. Solange man die Bergspitzen sehen kann, weiß man, dass man noch in die richtige Richtung fährt. Mein Ziel war eine Farm am Fuße des Berges, dessen Ranch sich um ihn herum erstreckt. Zu dieser Jahreszeit ist es hier einfach wunderschön. Die „Regenzeit“ ist hier ein großes Wunschdenken. Bis heute gab es dieses Jahr einen durchschnittlichen Niederschlag von insgesamt 15 cm. Doch die sind alle in den vergangenen paar Wochen gefallen.

So kommt es, dass die Berge immer noch von Blumen überzogen sind – Salbei, Kakteen, gelbe Blumen, rote Blumen, duftende Blumen und Sträucher. Was nicht gelb, rot oder blau ist, ist grün. Und die Rinder fressen so schnell, wie sie können. Bemüht so viele Kalorien, wie möglich aufzunehmen, bevor alles wieder vertrocknet.

Ein Tal im Wandel

Vor kurzem verbreitete der „Buenos Aires Herald“ die Neuigkeit, dass in Lateinamerika über 200 Millionen Menschen von vier bis zehn Dollar am Tag leben müssen. Jessica Faieta, in der UNDP zuständig für Latein Amerika und die Karibik, nannte diese Menschen „verwundbar“. Damit könnte sie die Hälfte der Einwohner dieses Dorfes gemeint haben. Das heißt, sie würde sie vielleicht gemeint haben, wenn sie auch nur die leiseste Ahnung davon hätte, worüber sie redet.

Bis die Regierung ihr letztes Wohlfahrtsprogramm begann, hatten die Menschen hier nahezu gar kein Geld. Sie lebten von dem, was sie mit ihren Hacken und Spaten produzieren konnten – Getreide, Zwiebeln, Kartoffeln, Quinoa und Bohnen- und von den Tieren, die sie aufzogen – Rinder, Lämmer, Lamas und Ziegen. Sie verflochten das Haar der Lamas zu Decken und Ponchos. Sie tauschten Kälber und Ziegen für Schuhe und Hüte. Soweit ich das sagen kann, lebten sie hier mit Anstandsogar mit einer rustikalen Eleganz. Und viele von ihnen erlebten ihren 90. Geburtstag, ohne jemals einen Arzt oder Psychiater gesehen zu haben.

Doch nun, mit dem Geld von den argentinischen Feds, ist das Leben in diesem Tal in einem schnellen Wandel. Die Jugendlichen der Gegend schauen Fernsehen (dank der Solarzellen, die von der Regierung zur Verfügung gestellt werden), oder ziehen in die Stadt, anstatt Decken zu flechten oder ihre antiken, vielfältigen Getreidesorten anzubauen. Wie sie einst vom Regen abhängig waren, sind sie es jetzt von der Regierung.

„Wir müssen in die Fähigkeiten und den Besitz der Armen investieren.“, schlug die UN-Offizielle vor. Inzwischen räumt sie ein:
„Wohlstand bedeutet mehr als nur das Einkommen.“



Geld ist wirklich nicht alles

von Bill Bonner

Ich habe einmal ein Jahr in einem Dorf in den französischen Alpen verbracht. Unter den Anwohnern gab es einen alten Mann namens Emile. Er wohnte in einer rustikalen Berghütte am Rande des Berges, wo er einen Garten und eine kleine Obstplantage pflegte.

Aus diesem Garten zog er großzügige Ernten von Runkelrüben, Salat, Möhren, Lauch und anderem Gemüse. Er benutzte Frühbeet-Kästen um seine Erntezeit auszudehnen. Zudem verpackte er seine Möhren und Kartoffeln in kalten Sand, so dass sie das ganze Jahr lag frisch blieben. Seine kleine Obstplantage bescherte ihm Äpfel und Birnen, aus denen er Cidre und Marmelade herstellte. Für Pfirsiche war es zu kalt. Er überproduzierte gezielt und tauschte einen Großteil seiner Ernte mit einem Milchbauern, von dem er im Gegenzug Milch und Käse erhielt.

Emiles Geschichte

Emile hat sein Dorf niemals verlassen. Wenn er nicht seinen Garten oder sein Obstplantage hegte, saß er vor seinem Haus, schnitzte Bären aus Holz, las, trank Kaffee oder saß einfach da und genoss die Wärme der Sonne. Bei kaltem Wetter blieb er in seiner Küche, die von einem großen Holzofen beheizt wurde. Er kaufte sein Brot in der lokalen Bäckerei. Auch Zucker und Mehl musste er kaufen. Aber ich habe niemals gesehen, dass er das gemacht hat. Emile war fröhlicher als die meisten meiner Millionärsfreunde. Und weitaus gesünder, als die meisten Menschen, die auch nur halb so alt sind, wie er, mit ihren Luxus-Spa Mitgliedskärtchen.

Wann immer ich ihm über den Weg lief, lud er mich in seine gemütliche Küche, auf ein Glas Cidre ein. Nichtsdestotrotz muss Emile von weniger als 4 Dollar am Tag gelebt haben, was ihn unter die Armutsgrenze bringt, selbst in Süd-Amerika.

„Verwundbar?“ Nicht im Geringsten. Vermutlich war er die am wenigsten verwundbare Person, die ich jemals getroffen habe. Wenn der Aktienmarkt in zwei Hälften geschnitten worden wäre, hätte er es nicht bemerkt. Wenn das Land in eine Rezession oder Depression fallen würde, würde es nicht das Geringste an seinem Leben oder Lebensstil verändern. Emile brauchte keinen Job. Er bezahlte keine Hypothek. Er wartete nicht auf die Ankunft eines Schecks. Weder von der Regierung noch von irgendwo anders. Es ist kein Mangel an Einkommen, der die Menschen verwundbar macht.

Auch ist es nicht das Fehlen von Gleichwertigkeit des Einkommens, das einen zu einem Deppen macht.


Quelle: Kapitalschutz Akte
Geld ist nicht alles (1) (von Bill Bonner)
Geld ist wirklich nicht alles (2) (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

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Ein Kommentar auf "Geld ist nicht alles"

  1. Argonautiker sagt:

    Bravo!!!
    Genügsamkeit ist eine aus der Mode gekommene Tugend.
    Und die Unersättlichen, zerstören gerade die Welt.
    Danke für den Artikel.

    Schönen Gruß

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