Geld, Gold und „Konsolidierungs-Talibane“

4. Mai 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Volker Schnabel (Mack &Weise) „Bei öffentlichen Finanzen heißt Sparen ja schon, dass ich Geld, das ich nicht habe, nicht ausgebe.“ Ungewohnt klar übersetzte Rainer Brüderle jüngst den Begriff des Sparens aus dem Neusprech der Politik ins Deutsche, und belegt damit einmal mehr, das Sparen im politischen und Sparen im ursprünglichen Sinne (Bilden von Rücklagen aus Konsumverzicht) nichts außer derselben Schreibweise gemein haben…

Dennoch werden die Hunderte von Milliarden, die Deutschland zur „Rettung“ des Euros „alternativlos“ auf den Tisch legt, mit der Illusion gerechtfertigt, dass sich die potenziellen Pleiteländer erfolgreich aus der Krise heraus sparen könnten!

„Völlig unerwartet“ flammte aber bereits Anfang April zur Überraschung aller europäischen „Konsolidierungs-Talibane“ (Finanzstaatssekretär Steffen, 26.04.2012) und „Dicke Bertha“-Jünger die schon vergessen geglaubte Staatsschuldenkrise im rezessionsgeschüttelten Spanien erneut auf, und das sicher nicht nur, weil der spanische Wirtschaftsprofessor Rubio-Ramirez die „größte Anstrengung zur Haushaltskonsolidierung unserer Demokratie“ (Regierungschef Rajoy) angesichts weiter steigender Ausgabenplanungen (+2 %, im Vergleich zu 2011) als eine „Fata Morgana“ bezeichnete.

Keine „Fata Morgana“, sondern äußerst real dagegen ist der wirtschaftliche Niedergang des Landes, wo die nackten Zahlen (z. B. +91,8 Mrd. Euro Aufschuldung in 2011, -0,3 % reale BIP-Schrumpfung zum Vorquartal, 24,4 % Arbeitslosenquote, 143,8 Mrd. Euro Kreditvolumen im Zahlungsrückstand) alle Aussagen der Politik als die mittlerweile üblichen Durchhalteparolen entlarven.
Ungeachtet dessen glaubt nun auch noch ein bisher weder als Ökonomie- noch als Rechts-Experte aufgefallener Bundespräsident Gauck in Sachen Schulden-Union via ESM sowohl für das Oberste Gericht (!) als auch für alle Deutschen aus … seinem Herzen sprechen zu müssen:

„Ich sehe nicht, dass unsere Bereitschaft, Rettungsschirme aufzuspannen, durch das Bundesverfassungsgericht konterkariert wird. … Die Euro-Rettungsschirme werden von der Bevölkerung akzeptiert.“

Wirklich???

Denn tatsächlich soll ohne Legitimierung durch die deutsche Bevölkerung in einem unumkehrbaren Prozess ein dann auch noch über dem Gesetz stehender (!) ESM-Gouverneursrat unwiderruflich ermächtigt werden, an derzeitigen und nachfolgenden Parlamenten vorbei, jederzeit in die deutsche Haushaltskasse greifen zu dürfen – um nicht vorhandene Milliarden- oder Billionenbeträge mit sozialistischem Gruß in die so gleich mitgegründete Union der (Schulden-)Staaten Europas umverteilen zu können! Durch diesen staatsstreichgleichen Akt wähnt sich dann nicht nur Finanzminister Schäuble am Ziel der EUrokraten-Träume, denn „die Souveränität der europäischen Nationalstaaten ist ohnehin nur ein Relikt der Vergangenheit“ (20.11.2011)!

Selbst wenn es gelingt, den antidemokratischen ESM in Europa durchzusetzen, ist aber klar, dass Deutschland nicht annähernd finanzkräftig genug ist, um Länder wie Spanien, Italien und Frankreich gleichzeitig und vor allem auf Dauer alimentieren zu können. Und angesichts der Tatsache, dass sich die aus der ökonomischen Fehlkonstruktion des Euro resultierenden wirtschaftlichen Spannungen nicht nur stetig weiter verschärfen, sondern auch noch zunehmend die politischen, wird ein Finale Furioso in der Eurozone, welches erstmals auch der IWF für möglich hält, immer wahrscheinlicher!

Da aber eine Flucht aus dem Euro in irgendeine andere Kreditgeldwährung auch nur einem Sprung von der „Titanic“ auf die „Lusitania“ gleicht, wird Gold weiterhin eine nicht nur von den Notenbanken gesuchte (Nettogoldkäufe 2011: 440 t, nach -77 t in 2010) echte „safe haven“- Anlagealternative bleiben… (Seite 2)

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