Geld, Gold, Bitcoin

23. November 2013 | Kategorie: Gäste

von Prof. Thorsten Polleit

Geld ist das allgemeine, universell anerkannte Tauschmittel. Geld ist ein Gut wie jedes andere, mit der Besonderheit, dass es das „liquideste“ Gut von allen ist: Es lässt sich am besten gegen andere Güter eintauschen…

Damit ein Gut als Geld funktionieren kann, muss es bestimmte physische Eigenschaften haben: Es muss knapp, homogen, teilbar, prägbar, haltbar, transportabel und allgemein wertgeschätzt sein.

Die Geldgeschichte zeigt unmissverständlich: Edelmetalle erfüllten die Geldfunktion am besten. Wann und wo es Menschen möglich war, wählten sie Edelmetalle, vor allem Gold und Silber, zuweilen auch Kupfer, als Geld.

Ob US-Dollar, Britisches Pfund, Französischer Franc, die Deutsche Reichsmark oder die D-Mark: Sie waren alle ursprünglich, gewissermaßen in ihrem Entstehungszeitpunkt, durch Gold gedeckt.

Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde ihnen jedoch die Golddeckung entzogen. Dadurch wurden sie zu nicht einlösbarem, beliebig vermehrbarem Papier- oder Fiat-Geld.

Bitcoin

Mittlerweile euphorisiert ein neues, Internet-basiertes Tauschmittel: der Bitcoin. Er ist gewissermaßen eine „virtuelle Münze“, die zu Kauf- und Anlagezwecken verwendet werden kann.

Bislang ist der Bitcoin (noch) kein Geld, aber er wird schon als ernstzunehmender Kandidat gesehen, der zu Geld aufsteigen könnte – als Konkurrent zum Beispiel zum US-Dollar, Euro oder chinesischem Renminbi.

Was macht Bitcoin besonders? Der Bitcoin wird im freien Markt produziert, durch das freie Angebot von und der freien Nachfrage nach Bitcoin. Der Staat kann die Menge der Krypto-Einheit nicht beeinflussen.

Das Angebot von Bitcoins, so sieht die Blaupause des Erschaffers es vor, ist begrenzt: Maximal wird es 21 Millionen Bitcoins geben. Der Bitcoin ist teilbar, er lässt sich in kleine Stückelungen unterteilen.

Wenn die Bitcoin-Menge nicht beliebig – aufgrund von politischen Motiven – vermehrbar ist, so spricht das für eine relativ stabile Kaufkraft des Bitcoin im Vergleich zu den beliebig, von Zentralbanken vermehrbaren Papierwährungen.

Der Bitcoin lässt sich auf dem Internet abspeichern. Der Zugang zu diesem Tauschmittel ist damit jederzeit sichergestellt, egal, wo auf der Welt der Besitzer des Bitcoin sich gerade aufhält, egal ob Banken geöffnet sind oder nicht.

Was man über Bitcoin wissen sollte

Bitcoin ist ein Computer- beziehungsweise Internet-basiertes Tauschmittel, er ist gewissermaßen eine „virtuelle Münze“. Ein Bitcoin wird mittels Com-puterleistung „errechnet“. Der Aufwand (Zeit) dafür ist allerdings sehr hoch, und die maximale Zahl der errechenbaren Bitcoins wird auf 21 Millionen Einheiten beziffert.

Jeder Bitcoin hat eine eigene Kodierung, ist also „einmalig“. Der Bitcoin wird frei am Markt gehandelt. Es gibt fortlaufend Wechselkurse zwischen Bitcoin und den offiziellen Währungen (wie US-Dollar, Euro, japanischer Yen etc.). Man kann den Bitcoin erwerben, indem man ein Konto („Wallet“) im Peer-to-Peer-Netzwerk einrichtet, auf dem der Bitcoin dann gespeichert wird. Der Bitcoin kann dann – wie die offiziellen Währungen auch – zu Tauschzwecken eingesetzt werden.

Der Bitcoin hat eine Reihe von attraktiven Eigenschaften, die ihn zu einem Kandidaten für „gutes Geld“ machen. Er wird dezentral produziert, die Bitcoin-Menge kann also nicht von zentraler Stelle beeinflusst werden, und somit ist sein Tauschwert nicht nach politischen Erwägungen veränderbar, wie es beim heutigen Papiergeld der Fall ist. Der Bitcoin ist fälschungssicher, er trägt eine einmalige Kodierung. Mit ihm lassen sich Zahlungen auch und gerade grenzüberschreitend mit geringsten Kosten durchführen. Unbedingte Anonymität gibt der Bitcoin seinem Verwender jedoch nicht – wie häufig zu hören ist. So lässt sich beispielsweise der Erwerb des Bitcoin, wenn er per Banküberweisung bezahlt wird, „nachvollziehen“. … (Seite 2)

 

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7 Kommentare auf "Geld, Gold, Bitcoin"

  1. samy sagt:

    Moin,
    im Gegensatz zu Gold, Immobilien, Anleihen oder Aktien haben wir bei den Bitcoins keine bis zu 5000 Jahre zurück liegende Geschichte, wie etwa beim Gold. Wir verfügen über keine Zeitreihen, keine empirischen Daten, kennen keine Zyklen. Wir wissen also nicht wo beim Bitcoin „oben“ und wo hier „unten“ sei. Wir ahnen nur, dass der Wert des Bitcoins mit den Geldmengen in Korrelation steht- theoretisch zumindest. Seine „Geschichtsfreiheit“ macht den Bitcoin aber für viele kommende Jahre nur zu einem Spekulationsobjekt- mehr nicht, aber auch nicht weniger.

    Ich bin aber skeptisch. Widerlege mir bitte einer den letzten 4. Punkt.

    1. Jedermann der sagt, ein Bitcoin sei nicht fälschbar und sein Internethandel technisch immer möglich, der trifft eine Aussage, die genauso valide ist, wie die Aussage desjenigen BND-Techniker, der für das Telefon der Kanzlerin verantwortlich war. Auch dieser Techniker, wahrscheinlich einer der besten Deutschlands, war sich sicher, dass es abhörsicher sei. Auch die Befürworter des Bitcoins haben keine totale Übersicht über das technisch Denkbare. Und sollte das Internet jemals Ziel einer Attacke in einem Cyberwar sein, so geht auch der Bitcoin -zumindest zeitweise- unter.

    2. Womit wir gleich zur Verfügbarkeit kommen. Man kann sich mit Gold, Dollar und Euro auch in einem Dschungelkiosk eine Pepsi kaufen. Was nutz mir hier die Verfügbarkeit des Bitcoins, wenn der Hänler nicht hierüber verfügen kann?

    3. Die Möglichkeit, dass dem Handel staatlich untersagt wird den Coin anzunehmen, ist gegeben. Polleit weisst auf den Staat als Gegenspielter bereits hin.

    4. Der Bitcoin sei nicht vermehrbar ist ein lächerlicher Denkfehler (!). Mag zwar sein, dass diese eine „Bitwährung“ bei 21 Mio. Währungseinheiten stehen bleibt. Aber wer sagt, dass den Erfindern dieses Coins nicht langweilig wird, und sie den Bitcoin II, III, IV, V ….. heraus geben, jeweils mit 21 Mio Einheiten? Wer sagt, dass es morgen nicht schick wird für seine Angebetete Bitwährungen zu erwerben, die von Louis Vuitton geschaffen sind? Wer sagt, dass morgen nicht die Rockgruppe U2 oder der FC Bayern Bitwährungen schaffen und quasi als Marketinggag an seine Fans heraus geben? So könnte der Erwerber einer Jahreskarte beim FC-Bayern oder eines U2-VIP-Tickets eine limitierte Menge des 1FC-Schillig oder des U2-Dollar erhalten. Echte Fans wollen so eine Bitwährungseinheit, sie steigen im Wert und sind plötzlich auch für alle Nicht-Fans eine Währung. Behielten U2 oder der 1.FC ein Kontigent zurück, so könnten sie hieran zu einem späteren Zeitpunkt partizipieren.
    Fazit: Die denkbare „Bit-Währungsvielfalt“ geht ins unendliche. Somit ist es unerheblich, ob der „Bitcoin“ bei 21 Mio. stehen bleibt. Eine begrenzte Menge an von Staaten heraus gegebenen Geld trifft auf eine zumindest theoretisch unbegrenzte Vielfalt an Bit-Währungen.

    Ich komme noch einmal zurück auf den Anfang. Wir haben keine Erfahrungen mit solchen Währungen. Wir können aber über Gold mit Sicherheit eines sagen. Es gibt keine Goldvielfalt, sondern nur Gold. Gold wird im Dschungelkiosk akzeptiert. Und Gold kann ich vergraben, wenn es sein muss. Einen Bitcoin nicht 🙂

    VG

    Samy

  2. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo Samy,

    die Anzahl der zu erzeugenden Bitcoins ist durch das zugrundeliegende Protokoll in der Tat begrenzt. Wie Sie wahrscheinlich vermuten, ist das ist allerdings nicht der entscheidende Punkt, denn meistens wird die Teilbarkeit der Bitcoins nicht beachtet. Die elementare Einheit eines Bitcoins ist nicht über die zweite Nachkommastelle begrenzt, es gibt deren acht. Das verändert die Rechnung natürlich dramatisch.

    Wenn man Bitcoins einmal in die Welt der zwei Nachkommastellen überträgt, also auf die bekannte Ebene der Pfennige, sieht die Rechnung folgendermaßen aus.
    1 Bitcoin repräsentiert 1.000.000 „Splitcoins“ mit jeweils 100 Splitcoin-Pfennigen (die Erfinder und Fans mögen uns die Formulierung nachsehen), besteht also aus 100.000.000 Einheiten.

    Somit ergeben sich aus der Anzahl von 21.000.000 Bitcoins eine entsprechend hohe Zahl. Ohne auf die technischen Eigenheiten an dieser Stelle einzugehen, ist die maximale Zahl elementarer Einheiten, quasi der Bitcoin-Pfennige, auf die Anzahl von exakt 2.099.999.997.690.000 begrenzt. Ob dies schon zwingend Knappheitspreise bedingt, mag jeder für sich beurteilen. Der Markt ist ohnehin dort, wo er gerade ist.

    Wir hoffen, die Antwort konnte die bekannten Zahlen ins rechte Licht rücken.

    Wir planen, bald einen Artikel zu den leider weniger verbreiteten technischen Eigenschaften der Bitcoins zu schreiben.

    Beste Grüße an die Leserschaft
    Bankhaus Rott

  3. samy sagt:

    Hallo Bankhaus Rott,
    danke für die Antwort.
    Die Teilbarkeit der Währung ist beeindruckend und natürlich ein gewichtiges Argument, was die Verfügbarkeit einer solchen Währung für die Markttransaktionen angeht. Es trifft aber nicht den Punkt der Vielfalt der sog. Kryptowährungen, den ich eigentlich meine.

    Ein Blick in die Wiki zeigt mir heute Abend, dass es schon mindestens drei weitere Währung gibt. Es gibt den Litecoin, Primecoin und den Peercoin. Alle sind technisch ausgereifter, sollen Schwachstellen in der Sicherheit und Nutzung beim Bitcoin ausmerzen. Schwachstellen in der Sicherheit?

    So, was nun? Wandern die ersten Bitcoinianer in den Litecoin? Dann crasht der Bitcoin und der Litecoin ist das neue Objekt der Begierde? Bis der Primecoin der Standard ist? Setzt die Wanderung wieder ein?

    Polleit erinnert aber an Punkte wie „Haltbarkeit“ und „Wertschätzung“ für gutes Geld. Wo bliebe die da?

    Einige Kryptocoin-Pioniere werden bei solchen Wanderungen übrigens Verluste einstreichen, weil sie nicht als erste die Währung verlassen. Einige bleiben wenigstens der Idee der Kryptowährung aber noch treu. Andere werden abspringen und den Kryptowährung den Rücken kehren. Damit wird der Währung Nachfragee entzogen. Wenn die nächsten technisch höherwertigen Generationen Krypto-Währungen anstehen und einige wieder Verluste einstreichen, dann wird jedem klar, dass Kryptowährungen ein Verfallsdatum haben und keine Wertspeicher. Die Halbwertzeit des Wissens lässt auch bei den technischen Standards der Krypto-Währungen grüßen. Wer will dann das Spiel weiter spielen?

    Allein das reicht mir um auf Kryptowährungen zu verzichten, sogar als Spekulationsobjekt. Den gilt eine Kryptowährung erst einmal im Sicherheitsstandard und der Nutzerfreundlichkeit als veraltet, dann ist sie tod. Und nichts wird sie wieder beleben. Schon einmal eine tote Unze Gold gesehen 🙂 ?

    Die letzte soll vor 5000 Jahren gesichtet worden sein.

    Aber ich bin gespannt auf euren Artikel, der die technische Seite beleuchtet, obwohl ich hier Laie bin.

    Übrigens bieten lt. Wiki auch schon Amazon, Facebook und Microsoft virtuelle Währungen an. Ob die dann noch den Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren? Haben die nicht ganz andere Fähigkeiten ihre Währungen durch die jeweiligen Marketingabteilungen zu pushen? Auch hier die Frage nach der allg. „Wertschätzung“.

    Nun hätte ich noch viele weitere Zweifel, auch was die Wertschätzung der Währung bei den wichtigsten Märkten angeht, je länger ich darüber nachdenke.
    Das Finanzamt treibt nämlich Euronen ein. Immobilienbesitzer und Energielieferanten usw. ebenfalls. Und das hat einen ganz banalen Hintergrund. Irgendwo haben die alle Kredit aufgenommen oder vergeben bzw. Anleihen heraus gegeben, die auf Landeswährungen lauten. Am Ende der Kette lauten die Verträge immer auf Landeswährung. Und der Staat? Er wird niemals auf sein Währungsmonopol verzichten. Wo bitte ist da die ewige bzw. schuldengetriebene Nachfrage nach Cyber-Währungen?

    VG

    • samy sagt:

      Nachtrag: Mit „Der Bitcoin sei nicht vermehrbar ist ein lächerlicher Denkfehler …“ aus dem ersten Posting ziele ich also nicht auf die Teilbarkeit des Bitcoins ab, sonder der Vermehrbarkeit der Kryptowährungsspielarten. Im Endeffekt das selbe.

      VG

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo samy,

      wie Sie sicherlich bereits vermuten, war unser Einwurf rein technischer Natur und ist nicht als Argument für oder gegen Bitcoins zu verstehen. Er bezog sich allein auf die Teilbarkeit von Bitcoins. Wir finden die Entwicklung bisher lediglich interessant aber teils durchaus unterhaltsam.

      Die Zunahme verschiedener „Krypto-Währungen“ist in der Tat ein wichtiges Thema.

      Beste Grüße, einen schönen Sonntag noch
      Bankhaus Rott

  4. MARKT sagt:

    und wenn auch negative Zinsen nur einen kurzfristigen Anstieg der Inflation auslösen werden und dann ganz schnell wieder verpuffen werden (wovon ich ausgehe)?

    Alle Maßnahmen haben nur einen m.E. nur einen Sinn: verknappung von Liquidität zur Aneignung der Sachwerte. Und die Falle schnappt immer weiter zu.
    Verführer gibt es ja genug, die uns vor der Bewahrung von Liquidität abraten.
    Sachwerte werden unzweifelhaft die einzigen Wertaufbewahrungsmittel sein. Ohne Liquidität kann man Sie uns aber jederzeit abnehmen und zwar auf rechtsgültige Art und Weise (Lastenausgleich Goldverbot, etc.)
    Damit dient der Staat nur als Handlager weniger privater Clans und ihrer MArionetten.
    Sind neben unseren Politikern auch viele Ökonomen und Professoren solche Marionetten und Verführer?

  5. samy sagt:

    Hallo Bankhaus,

    wollte ich auch nicht andeuten, dass hier „Pro-Bitcoin“ geredet wird. Ich beschäftige mich das erste mal mit diesen Krypto-Währungen. Ich stelle sie nur unter Probe und nutze dabei die von Polleit erwähnten Merkmale „Guten Geldes“.

    Ich meine fatale grundsätzliche Schwächen dieser Idee zu erkennen und freue mich auf weitere Beiträge.

    VG und ebenso schönen Sonntag.

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