Geld, Geld und nochmals Geld

7. April 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Manfred Gburek) Am vergangenen Dienstag und Mittwoch spielte sich an den Edelmetall-, Devisen- und Wertpapiermärkten etwas Seltsames ab, das einer näheren Analyse bedarf: Die Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls der US-Notenbank Fed vom 13. März, also gut und gern drei Wochen alt, ließ die Edelmetallpreise, den Euro, die Aktien- und Anleihenkurse wie vom Blitz getroffen für zwei Tage sinken. Der Heraeus-Konzern kommentierte daraufhin unter Anspielung auf den Fed-Chef: „Gänseblümchen zupfen mit Ben Bernanke“…

Die mit dieser Metapher zum Ausdruck gebrachte Ironie ist berechtigt. Aber warum haben die Märkte derart heftig auf Gänseblümchen-Ben reagiert? Die Begründung dafür ist so treffend wie trivial: Im veröffentlichten Protokoll hieß es, die Fed werde erst dann mehr Geld in die Märkte pumpen, wenn das US-Wirtschaftswachstum nachlässt und die Inflationsrate nachhaltig unter 2 Prozent bleibt. Also scheinbar ein Plädoyer gegen eine weitere Geldschwemme, auf das die Anleger sauer reagierten.

Dass sie besonders heftig reagierten, lässt sich indes erst damit erklären, dass Bernanke noch eine Woche zuvor mit dem Kaputtreden der US-Konjunktur Hoffnungen auf mehr Geld geweckt hatte. Ganz nach dem Motto des Gänseblümchen-Zupfens: Die Konjunktur liebt mich, sie liebt mich nicht usw. Ein taktisches Manöver? Ein Trick? Eine willkommene Gelegenheit, um den Goldpreis und den Euro gleichzeitig zu drücken und noch mehr Dollars zu drucken, ohne die US-Währung zu beschädigen? Oder einfach nur ein Signal an die Märkte: Seht her, die Fed ist so einflussreich, dass sie euch jederzeit auf dem falschen Fuß erwischen kann? Klare Antwort: von allem etwas.

Damit soll jedoch nicht gesagt sein, dass der Dollar quasi auf Knopfdruck aufgewertet werden kann. Vielmehr geht es den Amerikanern und speziell der Fed darum, den Dollar als Weltwährung Nummer eins um jeden Preis zu verteidigen, und da können Sticheleien gegen Gold und Euro, sozusagen die natürlichen Feinde der US-Währung, von Zeit zu Zeit ganz nützlich sein.

Warum den Amerikanern dazu fast jedes Mittel recht sein muss, belegen viele Daten. Um nur einen besonders markanten Zahlenvergleich zu nennen: Im vergangenen Jahr übertrafen die Staatsausgaben die Staatseinnahmen in Großbritannien um 23 Prozent, in Japan um 27 Prozent und in den USA um 31 Prozent. Wobei noch erwähnenswert ist, dass Griechenland mit 22 Prozent besser dastand als die drei großen Volkswirtschaften, also das Land, dessen Misere so manche Angelsachsen immer wieder zum Vorwand nehmen, um den Euro zu attackieren.

Am vergangenen Mittwoch präsentierte Feri EuroRating, die renommierte deutsche Ratingagentur, ihre neueste Studie zu Griechenland. Hier einige Auszüge: „Auch mit dem zweiten Hilfspaket ist das Land weit entfernt von einer tragfähigen Entwicklung seiner Staatsfinanzen. Grundlage des Ratings ist deshalb die Erwartung, dass Griechenland aus der Eurozone ausscheidet.“ Im Übrigen sei „das Risiko eines erneuten Zahlungsausfalls extrem hoch“. An der „verheerenden wirtschaftlichen Lage des Landes“ könne auch die Verringerung der Schulden um fast 100 Milliarden Euro nichts ändern.

Das würde bedeuten, dass weitere Attacken gegen den Euro, ausgelöst durch den offenbar immer sicherer werdenden Austritt der Griechen aus der Eurozone, so gut wie programmiert wären. Doch was kommt danach? Der berüchtigte Domino-Effekt, das heißt, der Austritt Portugals, Spaniens, Italiens und weiterer Euroländer aus der Gemeinschaftswährung? Wohl eher nicht, auch wenn die jüngste Versteigerung spanischer Staatsanleihen enttäuschend verlief. Warum eher nicht, ergibt sich aus den keine Zweifel zulassenden Entscheidungen der Europäischen Zentralbank unter ihrem neuen Präsidenten Mario Draghi. Sie weisen klar in eine Richtung: Geld, Geld und nochmals Geld… (Seite 2)

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8 Kommentare auf "Geld, Geld und nochmals Geld"

  1. mfabian sagt:

    die Fed werde erst dann mehr Geld in die Märkte pumpen, wenn das US-Wirtschaftswachstum nachlässt und die Inflationsrate nachhaltig unter 2 Prozent bleibt.

    Uns was macht Bernanke, wenn das US-Wirtschaftswachstum nachlässt, die Inflation aber über 2% bleibt?
    (Offiziell per 16. März: +2.9%)

    • Dagobert sagt:

      @mfabian

      …was macht Bernanke? voilà: „Bernanke’s Drehbuch“

      FuW-Chefredaktor Mark Dittli hat hier einen bemerkenswerten Artikel verfasst:

      http://blog.bazonline.ch/nevermindthemarkets/index.php/6783/wenn-die-inflation-nicht-will/

      http://www.federalreserve.gov/boarddocs/speeches/2002/20021121/default.htm

      „Bernanke’s wichtigste Rede seiner Karriere…ALLE seine Entscheide folgen haargenau SEINEM Drehbuch von 2002!“ Mark Dittli

      Gruss
      Dagobert

      P.S.:…mein Gott – macht da jetzt einer seit 10 Jahren auf Nixon:
      „Ich weiß, daß Sie glauben, Sie verstünden, was Sie denken, was ich gesagt habe; aber ich bin mir nicht sicher, ob Sie begreifen, daß das, was Sie gehört haben, nicht das ist, was ich meine.“….

      • mfabian sagt:

        Vielleicht bin ich ja ungerecht aber solche Artikel hinterlassen bei mir den faden Nachgeschmack, dass uns der Autor dahingehend beruhigen will, dass die USA und Europa gefahrlos beliebige Mengen an Geld drucken dürfen, weil das in Japan ja schliesslich auch nicht zu Inflation geführt hat.

        Nun, die Verhältnisse in Japan sind und waren anders:
        * Zwischen 1999 und 2010 hat sich der Yen gegenüber dem Dollar an Wert fast verdoppelt. Die Deflation ist also nur in Yen gerechnet eine. In Dollar gerechnet sind die Preise in Japan durchaus auch gestiegen.
        * Japan konnte in den 1990ern locker seine Produkte in den boomenden Westen absetzen. Derzeit aber fehlen weltweit die Käufer.
        * In Japan konnte das Zentralbankgeld nicht inflationär wirken, weil (Stichwort: Carry-Trade) die japanischen Banken lieber höher verzinsliche US/EU Staatsanleihen kauften. Heute gibt es keine guten Staatsanleihen mehr, die 4% oder mehr rentieren.

        Ob also die Verhältnisse im Westen und heute mit jenen Japans zu vergleichen sind, wage ich zu bezweifeln.

  2. mfabian sagt:

    Da hat sich übrigens ein böser Übersetzungsfehler eingeschlichen:

    „Im veröffentlichten Protokoll hieß es, die Fed werde erst dann mehr Geld in die Märkte pumpen, wenn das US-Wirtschaftswachstum nachlässt und die Inflationsrate nachhaltig unter 2 Prozent bleibt. “

    Statt „und“ müsste es „oder“ heissen, denn:

    „A couple of members indicated that the initiation of additional stimulus could become necessary if the economy lost momentum or if
    inflation seemed likely to remain below its mandateconsistent rate of 2 percent over the medium run.“

    Also reicht eines von beiden: Inflation über 2% (die liegt jetzt schon offiziell bei 2.9%) oder Rezession.

    • samy sagt:

      Moin,

      jup, trotzdem sprichst du mit deinem ersten Kommentar das Problem der Stagflation an. Was dann? Noch mehr Schulden für den Erhalt wirtschaftlichen Stillstands?

      Richtig interessant wird es für mich, wenn die USA so um 2015 ca. 20 Billionen Schulden vor sich her schieben.(Bei einem Irankonflikt geht es schneller, aber dann haben wir andere Probleme). Dann sind 2016 die Wahlen. Die werden dreckig. Und um 2020, die nächsten Wahlen stehen an, da werden die unfunded liabilities unübersehbare Herausforderungen darstellen.
      Und irgendwann werden die Zinsen auf die Anleihen steigen, weil das in die Märkte flutenden Geld in andere Anlageklassen fliesst (Katastrophenhausse) und diese lukrativer macht.

      Die USA zahlen derzeit ungefähr soviel für die Zinsen wie um 2008 herum, nagel mich nicht fest. Ihre Schulden haben sie im gleichen Zeitraum aber ungefähr von so 9-10 Billionen auf über 15 Billionen angehoben. Will heißen, es funktioniert nur noch über die niedrigen Zinsen…

      Bis 2015 (+-3 Jahre), länger kann dieses Spiel gar nicht mehr laufen ohne das die gewaltigen sozialen Verwerfungen in den US-Wahlen und auf den Märkten unsichtbar blieben. Der letzte große militärische Hegemon wird sich dann entscheiden müssen. Sparen und das Militär abbauen, somit China das Jahrhundert überlassen, oder aber …

      Eigentlich witzig oder? Eine Volkswirtschaft, die auf die Entwicklung erstklassiker militärischer Rüstungsgüter spezialisiert ist aber kein vernünftiges Auto bauen kann. Die taumelt nun vielleicht bald in den nächsten großen Krieg. Das alles auf Schuldenbasis.
      Genaus so ging doch das Sowjetreich unter. Sinnlose Kriege (Afghanistan) und eine VW die kaum noch attraktive Konsumgüter auf die Märkte werfen konnte und eine Bevölkerung die sich über das korrupte Benehmen der oberen 10 000 die Augen rieb. Der Sieger hat vom Besiegten nichts gelernt.

      VG

      • mfabian sagt:

        Sehe ich genau wie Du, samy.
        Eigentlich müsste man als vernunftbegabter Mensch, der die Gefahren der Gelddruckerei sieht auf die Schiene von Ron Paul und Peter Schiff einschwenken, die Amerika auf den Weg der Austerität zurückführen und die Pumpenkohle wieder vom Markt nehmen wollen. Aber dafür ist es meiner Meinung nach jetzt zu spät. Der Point-of-no-Return ist bereits überschritten. Der Karren kann vor der Wand nicht mehr gebremst werden. Also kann Bernanke auch gut aufs Gaspedal drücken, damit der unausweichliche Crash etwas früher stattfindet und wir den Reset mit neuem und hoffentlich besserem Geldsystem bekommen.

        • Fnord23 sagt:

          Hallo mfabian,

          zum Thema Crash:

          Ich hab mich am Samstag mit einem Bauern unterhalten. Der hat sich total darüber aufgeregt, dass man zur letzten Verbandssitzung den Bauern empfohlen hat, Futtermittel und Diesel für ein halbes Jahr zu bevorraten. Weiterhin wurde wohl gesagt, dass der Staat im Notfall das Vieh in Beschlag nehmen kann.

          Er fand das aus dem Grund ganz erschröcklich, weil bis Dato nur 200 l Diesel Einlagerung erlaubt bzw. empfohlen waren. Er versteht natürlich nicht, was das Ganze bedeuten könnte.

          Ich bin gerade dabei mich noch bei anderen Bauern dies bezüglich zu erkundigen.

          VG ins Land

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