Geld drucken, was das Zeug hält

2. März 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Manfred Gburek) Am vergangenen Mittwoch geschah etwas Seltsames, am Donnerstag schon wieder: Erst schien der Goldpreis für kurze Zeit im Boden zu versinken und der Silberpreis erst recht, tags darauf der Ölpreis in die Höhe zu schießen. Der Spuk war in beiden Fallen zwar schnell wieder vorbei, hinterließ aber tiefe Spuren bei all jenen, die sich verzockt hatten…

Typischerweise war er an beiden Tagen von den Terminmärkten ausgegangen, deren Hebelwirkung im Fall des Falles für all jene verheerend sein kann, die versuchen, mithilfe von Derivaten den schnellen Jungs an Comex & Co. Paroli zu bieten, und dann auf dem falschen Fuß erwischt werden.

Die Erkenntnis daraus: Überlassen Sie das Spiel mit allen Derivaten, von Zertifikaten über Futures und Optionen bis zu Konstrukten mit so harmlos klingenden Namen wie CFD (Contract for difference) denen, die offenbar zu viel Geld übrig haben oder ganz einfach nur spielsüchtig sind. Das bedeutet in Bezug auf Gold und Silber: Barren, Münzen und Edelmetallaktien (die der großen Konzerne und der Juniors mit nachgewiesenen Reserven) ungeachtet der zwischenzeitlichen Schwankungen bis auf Weiteres halten und bei kurzfristiger Schwäche wie jetzt dazukaufen.

Was ist beim Öl los? Nach wie vor gibt es genug Öl auf der Welt, aber die Frage ist, zu welchem Preis – und der hängt allzu oft von geringen Grenzmengen und politischen Einflüssen ab. Überlassen Sie also das Spiel mit Derivaten auch hier den anderen.

Hohe Tagesverluste wie am Mittwoch bei den Edelmetallen sind im Rahmen eines langfristigen Aufwärtstrends jederzeit möglich. Die Älteren unter Ihnen erinnern sich bestimmt noch an den Aktiencrash vom 19. Oktober 1987. Er fand gut fünf Jahre nach Beginn des damaligen Aufwärtszyklus der Aktien statt und mündete recht schnell in eine Kurserholung, der in den 90er Jahren ein lange nicht mehr dagewesener, 1997 und 1998 nur kurz unterbrochener Aufschwung bis Anfang 2000 folgte. Die Preiskorrektur der Edelmetalle am Mittwoch war indes harmlos im Vergleich zum Absturz der Aktienkurse vom Oktober 1987, der seinerzeit – gemessen am US-Börsenbarometer Dow Jones – 22,6 Prozent betragen hatte. Eine Gemeinsamkeit gab es dennoch: Beide Male waren Terminmärkte die Auslöser.

Trends und Zyklen wie bei Aktien und Edelmetallen weisen bei historischer Betrachtung zwar immer wieder Ähnlichkeiten auf, man sollte aber nicht den Fehler begehen, ihren Rhythmus eins zu eins zu übertragen. Dazu nochmals ein Rückblick auf den Aktientrend von 1982 bis 2000 und danach der Versuch einer Interpretation des Edelmetalltrends seit 2001: zunächst gut fünf Jahre Anstieg der Aktienkurse, dann Crash, Erholung, mehrere Rückschläge und Erholungen, seit 1995 unter Führung der Technologieaktien steiler Kursanstieg, unterbrochen nur von der Asienkrise 1997 und dem Desaster des Hedgefonds LTCM 1998, schließlich en masse Kursübertreibungen, bis die Aktienblase im März 2000 platzte. Alles in allem waren das fast 18 Jahre.

Eine so bewegte Geschichte können die Preise von Gold und Silber seit 2001 noch nicht bieten. Ihr Anstieg war anfangs recht verhalten und von vielen kleineren Korrekturen begleitet. Regelrechte Übertreibungen nach oben fanden zum ersten Mal vor dem Rückschlag vom Herbst 2008 statt, und der hatte nur wenig mit den Edelmetallen zu tun, sondern wurde durch eine allgemeine weltweite Liquiditätskrise ausgelöst. Zur zweiten größeren Übertreibung kam es dann im vergangenen Sommer; sie wurde schnell korrigiert und machte einer Erholung Platz, die – dem Preisrückgang vom Mittwoch zum Trotz – weiter anhalten wird… (Seite 2)

 

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2 Kommentare auf "Geld drucken, was das Zeug hält"

  1. Stefan sagt:

    „Die Erkenntnis daraus: Überlassen Sie das Spiel mit allen Derivaten, von Zertifikaten über Futures und Optionen bis zu Konstrukten mit so harmlos klingenden Namen wie CFD (Contract for difference) denen, die offenbar zu viel Geld übrig haben oder ganz einfach nur spielsüchtig sind.“

    Hm, das ist ja schon ziemlich beleidigend. Muss das sein? Nur, weil er – vielleicht – selbst nichts davon versteht? Oder dem eigenen Anlageansatz widerspricht. Neben diesen beiden oben genannten Kategorien gibt es ja auch noch diverse Marktteilnehmer, die wissen, was sie dort tun, die mit vernünftigem Money- und Riskmanagement unterwegs sind und kontinuierlich Geld verdienen. Die könnte man ja auch mal erwähnen, anstatt nur blöde Stereotypen zu wiederholen.

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