Geld arbeiten lassen?

20. Juli 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Geld anlegen, das bedeutet: andere für sich arbeiten lassen. Wer sind die anderen? Die spontane Antwort dürfte in der Regel lauten: Banker, Versicherer, Vermögensverwalter, Fondsmanager, AG-Chefs. Aber…

Banker geben ihren Kunden einen Teil vom Kuchen ab, den sie von ihren Schuldnern mittels Zinsen bekommen, Versicherer halten es ähnlich. Vermögensverwalter und Fondsmanager spannen Analysten ein, um gute Ergebnisse zu erwirtschaften. AG-Chefs beschäftigen Angestellte als Helfershelfer, sorgen für Umsätze und Gewinne, damit Aktionäre sich über Dividenden und Kursgewinne freuen können.

Damit scheint alles Wesentliche zum Thema gesagt zu sein, wie man andere für sich arbeiten lässt. Doch wenn wir bei den Kursgewinnen nachhaken, wird deutlich, dass es noch mehr gibt: zum Beispiel Anleger, die bereit sind, 50 Euro für eine Aktie zu zahlen, die wir zu 25 Euro gekauft haben. Auch sie haben wir ja für uns arbeiten lassen, ähnlich wie die Käufer von Gold und Silber bis zum Sommer 2011, nachdem wir die Edelmetalle in den Jahren zuvor erworben hatten, oder wie die heutigen Käufer von Immobilien, auf deren Anstieg wir mit unserem Kauf schon vor fünf Jahren spekuliert haben.

Andere für sich arbeiten lassen, das bedeutet folglich auch, ihr mangelndes Wissen und ihren fehlenden Mut zu antizyklischen Engagements auszunutzen. Da drängt sich der Vergleich mit AG-Chefs auf, denn sie halten es mit ihren Angestellten ähnlich: Sie rücken ihr Herrschaftswissen immer nur häppchenweise heraus und verteilen es unter den Angestellten so, dass keiner am Stuhl des Chefs zu sägen wagt. Gedeiht eine AG dann in ihrem Sinn, lassen sie sich hohe Boni auszahlen, von denen untere Angestellte und Kleinaktionäre allerdings selten etwas haben, wie der Fall Daimler in der Ära Reuter und Schrempp gezeigt hat.

cover_gAuch ein Beispiel aus dem Immobiliensektor bietet sich an: Wer vor einigen Jahren zum Ergebnis kam, dass die Kombination aus niedrigen Zinsen und aufgestautem Bedarf an Wohnimmobilien in deutschen Metropolen zu Preissteigerungen führen müsste, lag richtig. Ob das heute noch so pauschal zutrifft, ist allein schon wegen der Mietpreisbremse zu bezweifeln.

Und noch ein Beispiel: Donald Trump, amerikanischer Großspekulant mit Immobilien, ließ in Las Vegas einen golden strahlenden Turm errichten; das Investorenrisiko wälzte er größtenteils auf andere ab.

Geld für sich arbeiten lassen, indem man ohne allzu viel Wissen hohe Zinsen aufs Ersparte kassiert, das war vor vielen Jahren. Dagegen entscheidet heute vor allem die Kombination aus Wissen und Risikobereitschaft über den Anlageerfolg. Aber was für ein Wissen, und um welche Risiken geht es? Am besten nähert man sich der Antwort durch Ausschlusskriterien:

Beispielsweise haben die Preise der erwähnten Wohnimmobilien eine Höhe erreicht und die Zinsen eine Tiefe, die jeweils zur Vorsicht mahnen. Also weder Häuser noch Anleihen kaufen! Beide Märkte sind aus unterschiedlichen Gründen überhitzt.

Bei Aktien wird es komplizierter: Die Kurse der meisten Technologiewerte sind mit Sicherheit überzogen, doch dabei kann es ebenso noch eine Weile bleiben wie generell bei der Favorisierung von Aktien, die angeblich alternativlos sind (was natürlich Unsinn ist). Der beste Rat besteht wohl darin, einige Dutzend Kurse grundverschiedener Aktien aus mehreren Ländern und Branchen zu verfolgen, ohne sie indes zu kaufen. So bekommt man ein Gespür dafür, wie Börsianer ticken, ohne ein Risiko einzugehen, und das ist schon mal eine ganze Menge wert.

Was bleibt nach Anwendung der Ausschlusskriterien noch übrig? Auf jeden Fall Tagesgeld, auch wenn es real keine Rendite abwirft. Aber es entspricht einer Option auf Gelegenheitskäufe, sobald die Aktienkurse in größerem Ausmaß abgetaucht sind. Das erfordert Geduld, eine Anlegertugend, die Sie zurzeit nicht hoch genug einschätzen können.

Wie steht es um Gold und Silber? Überlegungen zu ihrer Rendite, abgesehen von Edelmetallaktien, sind hier fehl am Platz. Eher schon zählen Überlegungen wie die, dass China zur internationalen Goldmacht Nummer eins geworden ist und diese Stellung weiter ausbauen will. Oder dass die Minen beim Erschließen neuer Claims vorsichtig geworden sind und deshalb ihr Angebot drosseln. Aber auch, dass die nächste Inflation die realen Renditen von Geldwerten, wie Konten oder Anleihen, derart ins Minus rutschen lassen wird, dass Anleger Gold und in seinem Gefolge auch Silber allein schon aus Sicherheitsgründen erneut entdecken dürften. Lassen Sie also beide Edelmetalle für sich arbeiten!

© Manfred Gburek – Homepage


 

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Ein Kommentar auf "Geld arbeiten lassen?"

  1. Argonautiker sagt:

    Ja es ist schon erstaunlich, wie viel Leute, Institutionen, Ämter, etc., etc., sich zwischen die wirklichen Erschaffer von Werten geschaltet haben und jeweils ihre Prozente abschöpfen. Ein Wunder, daß die Erschaffer nicht längst an ihren Parasiten eingegangen sind.

    Aber das geschieht ja wohl gerade. Alle Berufe, welche wirklich etwas tun, sind out. Jeder der etwas auf sich hält, weiß, reich, wird man nicht durch Arbeit, reich, wird man nur, wenn man Andere für sich arbeiten läßt.

    Das Prinzip des Schmarotzers ist alt, die Viren tun es, die schönen Orchideen tun es, und vor den Menschen hat das Prinzip auch nicht halt gemacht. Geld ist DAS Zaubermittel,- der Stein der Weisen der Schmarotzer. Es versetzt dieses Prinzip in die Lage, sich die Königskrone aufzusetzen.

    Aber ein Schmarotzer ist und bleibt nun mal ein Schmarotzer, auch wenn er sich alle Insignien der Königswürde angeeignet hat und im Gewande eines Königs daherkommt, er ist nicht eigenständig.

    Das muß fürchterlich weh tun, in der Seele, falls vorhanden, denn als Schmarotzender Mensch weiß man am Ende des Tages, das man nicht wirklich etwas geschafft hat. Kein Haus mit seinen Händen gebaut, keinen Baum gefällt, kein Brot gebacken, keine Laute gespielt, oder wundersame Worte aus der Feder gekitzelt. Nichts dergleichen.

    Auch wenn man sich dann belügen kann, und sich mit all diese Dingen trösten kann, die eigentlich nur einem wirklichen König, einem Erschaffer von Reichen, zukommen, tief im Inneren weiß man, wer man ist, und man erfährt nie die süße Seeligmachung, die man erfährt, wenn man aus der bitteren Notwendigkeit, des Daseinserhaltes des Lebens auf der Erde, wirklich etwas aus sich selbst geschafft hat, was einen wieder einen Tag weiter bringt. Keine Frucht schmeckt süßer, als die, für die man sein eigenes Leben auf Spiel setzen mußte.

    Ein Paradoxon des Lebens. Auf der Erde schmecken scheinbar nicht die Tauben am Besten, die einem wie im Paradies, gebraten in den Mund fliegen. Das gibt es eben nur im Paradies, einem Ort der Sehnsucht, der Erinnerung, den man jedoch als Mensch aus Fleisch und Blut nie erreichen wird.

    Doch warum hat die Schöpfung überhaupt Schmarotzer in die Welt gelassen? In Maßen sind sie ungeheuer stärkend für den Organismus, und erfüllen einen Sinn. An Maßgeblicher Stelle jedoch, vollbringen sie ein zerstörerisches Werk.

    Die Geldschöpfung in die Hände von Schmarotzern zu legen, bedeutete dienenden Viren,- Putzerfischen, die Herrschaft über den Organismus zu geben. Haben sie sie erst einmal, geben sie sie so einfach nicht mehr her. Seit dieser Zeit müssen alle Könige, welche die Geldschöpfung wieder an sich binden wollen, ins Gras beißen.

    Einziger Lösungsweg ist die Katharsis.

    Gruß aus Bremen

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