Geht es zu Ende?

15. August 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Ronald Gehrt 

Gestern, am Mittwoch, noch notierte der DAX noch in Reichweite der bisherigen Verlaufshochs bei 8.558 Punkten, heute erliegen die bullishen Bemühungen dem Druck, der aus den USA und Japan kommt … und langsam zunimmt. Kein Problem, mag man denken. Dann muss der DAX nach seinem vier Wochen währenden Seitwärtstrend halt erst noch einmal Anlauf nehmen, bevor es auf neue Allzeithochs geht. Das kann sein …

…aber nach und nach mehren sich Warnsignale, dass dieser bereits über vier Jahre währende Aufwärtstrend an den Aktienmärkten dem Ende zugeht. Und eines ist dahingehend besonders auffällig:

Nämlich die Tatsache, dass so gut wie niemand auch nur im Traum daran denkt, dass es in absehbarer Zeit zu einer mittel- bis langfristigen Trendwende nach unten kommen könnte. Eine Korrektur, klar, das kann ja immer mal vorkommen. Aber mehr? Nie im Leben! Es steckt eine ebenso schlichte wie üblicherweise ignorierte Logik dahinter, dass gerade in solchen Situationen das Ende bevorsteht. Denn wann, wenn nicht am absoluten Hoch eines Aufwärtstrends wäre die Stimmung besser? Die Marktteilnehmer denken selbstverständlich mit ihrem Depotbestand. Niemand, der bis über die Halskrause auf der Hausse-Seite investiert ist, erwartet eine unmittelbare Trendwende nach unten, sonst wäre er nicht voll investiert. Im Gegenteil erhofft und erwartet man weiter steigende Kurse und ist daher guter Dinge. Dass man dabei alle Warnsignale ignoriert und auch noch verbissen bullish bleibt und zukauft, wenn die Kurse bereits wichtige charttechnische Unterstützungen gebrochen haben, ist ein Phänomen, das nie ausbleibt. Denn auf diese Art und Weise umgeht man die Notwendigkeit, schmerzliche Verluste zu realisieren. Sich seine eigene rosa Welt zu erschaffen, statt die Konsequenzen aus Irrtümern zu ziehen, ist menschlich. An der Börse genauso wie im normalen Leben außerhalb der Börsen. Und das soll auch für die aktuelle Situation gelten? Aber ja!

Denn eines scheint man momentan zumindest seitens der normalen privaten Investoren nicht so recht wahrnehmen zu wollen: Die Aktienmärkte wären nicht auf diesem außerordentlich hohen Niveau, wenn es das billige Geld der Notenbank nicht gäbe, das über den Umweg der Anleihemärkte den Aktienmärkten seit Jahren zugute kommt und die Kurse weit höher trieb, als sie normalerweise in diesem Umfeld hätten kommen können. Und genau dort scheint es, als würde es nun dem Ende zugehen, denn zumindest die US-Notenbank scheint nun zu planen, diesen Geldhahn langsam zuzudrehen. Die Tatsache, dass immer mehr US-Notenbanker von möglichen Terminen für den Start des sogenannten „Tapering“ (die Reduzierung der Anleihekäufe) im September oder Oktober sprechen, vermittelt den Eindruck, als wolle man in alter Notenbank-Tradition durch verbale Hinweise eine allmähliche Gewöhnung an diese Maßnahmen erreichen, um hysterische Reaktionen an den Börsen zu verhindern.

Mir scheint, als hätten die großen Adressen diese Botschaft und die daraus folgenden Konsequenzen eines womöglich sehr bald sehr deutlich niedrigeren Niveaus an den Aktienmärkten aufgrund der zunehmenden Konkurrenz durch höhere Zinsen einerseits und aufgrund der Konsequenzen der bereits im Vorfeld schon recht deutlich anziehenden Kapitalmarktzinsen andererseits verstanden. Und so langsam schwinden meine vor wenigen Wochen noch geäußerten Zweifel hinsichtlich der Aussagen der Bank of America, die für die Zeitspanne von etwa Mitte Juni bis Mitte Juli beobachtet haben wollte, dass die institutionellen Investoren noch nie so viele Aktien in einem solchen Zeitraum verkauft haben und es die privaten Anleger waren, die dafür sorgten, dass die Indizes dennoch auf ihrem hohen Niveau bleiben konnten. Denn nach und nach mehren sich die Hinweise darauf, dass diese Analyse stimmen könnte.

Wenngleich der Umstand, dass die US-Aktienmärkte in letzter Zeit vor allem unmittelbar nach dem Handelsbeginn unter Druck geraten, eher für Verkäufe privater Investoren spricht, weil die Domäne der großen Adressen traditionell die letzten beiden Handelsstunden sind und dort der Verkaufsdruck bis vor kurzem eher moderat ausfiel, gegen starke Absetzbewegungen der großen Adressen spricht, so deuten andere Indizien doch genau darauf hin. Denkbar also, dass die „Großen“ momentan nicht vor allem über computergesteuerte Handelsprogramme, die Richtung Handelsende aktiver werden, aussteigen, sondern einfach nach alter Väter Sitte „mit der Hand“.

Besonders auffällig ist, dass an den US-Börsen nun schon den achten Tag in Folge unmittelbar nach Handelsbeginn Verkaufsdruck entsteht. Und das auch, wenn die Vorgaben aus Europa positiv sind. Bedenklich ist dabei, dass die anfänglich noch auf dem Fuß folgenden Rückkäufe Tag um Tag schwächer ausfallen und zuletzt komplett ausblieben. Bedenklich ist auch, dass dadurch am heutigen Donnerstag der Bruch charttechnisch außerordentlich wichtiger Unterstützungen bei Dow Jones und S&P 500 erfolgte, was nur einen einzigen Tag vor einem Verfalltermin an den Terminbörsen ziemlich ungewöhnlich ist. Man spürt förmlich, dass mehr und mehr große Akteure offenbar das klassische „Muffensausen“ kriegen und sich vom Acker machen wollen, bevor es die anderen tun. Nicht zu Unrecht, denn… (Seite 2)

 

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