Geht das? Aktien runter und Gold hoch

5. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Claus Vogt

Können Aktien denn fallen, solange die Zentralbanken die Gelddruckmaschinen heiß laufen lassen, werde ich immer wieder gefragt. Und wenn die Aktienkurse tatsächlich fallen sollten, werden sie dann nicht auch den Goldpreis mit nach unten ziehen, so wie es im Jahr 2008 der Fall gewesen ist?

Um die Antworten auf diese beiden wichtigen Fragen gleich vorwegzunehmen: erstens ja und zweitens nein.

Erstens: Die Geschichte hat gezeigt, dass alle Spekulationsblasen platzen und ihre verheerenden Folgen nicht zu verhindern sind, ganz gleich, was die Zentralbankbürokraten tun. Das war beispielsweise sowohl in den Jahren 2000 bis 2003 als auch 2007 bis 2009 der Fall. In beiden Episoden senkten die Notenbanken schon sehr früh und deutlich die Zinsen, um das Platzen der Blasen zu verhindern, scheiterten damit aber wie von mir vorhergesagt kläglich. Allerdings will sich heute niemand mehr daran erinnern.

Zweitens: Nach dem Platzen der Aktienblase des Jahres 2000 halbierte sich der US-amerikanische S&P 500 Index, während der Goldpreis gleichzeitig um mehr als 40% nach oben schoss. Auch diese Tatsache ist inzwischen ebenso in Vergessenheit geraten wie die in Theorie und Praxis bewiesene Wahrheit, dass mit der Gelddruckmaschine Wohlstand nicht geschaffen werden kann, sondern auf heimtückische und völlig verlogene Weise in großem Stile umverteilt und auch vernichtet wird.

Das Finanzgedächtnis der meisten Menschen ist sehr kurz. Selten reicht es mehr als zwei Jahre zurück. Und wenn doch, dann erinnern sich die Anleger gewöhnlich nur noch an die Eigenarten des unmittelbar vorangegangenen Zyklus, nicht jedoch an weiter zurückliegende Episoden. Außerdem bleiben allzu oft lediglich die besonders aufregenden Zeiten im Gedächtnis haften. Und selbst diese werden meist noch verfälscht erinnert, da sich Wahrheit und Dichtung – beziehungsweise Propaganda – im Lauf der Zeit immer mehr vermischen.

All das sind völlig normale Prozesse. Sie lassen sich auf die Arbeitsweise des menschlichen Gehirns zurückführen und auf die Tatsache, dass der Mensch ein Herdentier ist. Nicht nur seine Meinungsbildung, sondern auch seine Erinnerung wird mehr oder weniger stark durch soziale Einflüsse geformt. Deshalb ist es gerade an den Finanzmärkten wichtig, mit möglichst objektiven Modellen und Indikatoren zu arbeiten, die es uns ermöglichen, den Tücken des Menschseins ein Schnippchen zu schlagen.

Machtlose Zentralbankbürokraten: Ein Chart sagt mehr als tausend Worte

Die folgenden beiden Charts demonstrieren Ihnen das hier Gesagte. Der erste Chart zeigt den heftigen Kursrückgang des S&P 500 von 2000 bis 2003 und einige der Zinssenkungen der US-Zentralbankbürokraten während dieses Zeitraums.

Wie Sie sehen, fand die erste Zinssenkung des damaligen Zyklus‘ bereits im Januar 2001 statt. Konkret nahm die Fed die kurzfristigen Zinsen zunächst von 6,5% auf 5,3% zurück. Der Aktienindex notierte zu diesem Zeitpunkt nur rund 12% unter seinem damaligen Allzeithoch. Bis September 2001 wurden die Zinsen weiter bis auf 1,8% gesenkt. Dennoch konnten weder die Baisse noch die Rezession verhindert werden.

S&P 500 und Zinssenkungen der Fed, 2000 bis 2003

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Beim Platzen der nächsten Spekulationsblase in den Jahren 2007 bis 2009 war es ganz ähnlich. Die erste Zinssenkung von 5,3% auf 4,8% erfolgte damals im September 2007 – also noch bevor der S&P 500 sein damaliges Hoch erreicht hatte. Im Februar 2008 betrugen die von der Fed administrierten Zinsen nur noch 3%, im Mai noch 2%. Dennoch stürzte der Aktienindex in den darauf folgenden Monaten ebenso dramatisch ab wie die Immobilienpreise.

Was lernen wir daraus: Wenn Spekulationsblasen platzen, sind Zentralbankbürokraten machtlos. Mit der Gelddruckmaschine können sie zwar die notwendige Bedingung für die Entstehung von Spekulationsblasen schaffen, aber nicht deren unvermeidliches Platzen verhindern. Das wird auch dieses Mal nicht anders sein – auch wenn das Platzen dieser Blase nun schon deutlich länger auf sich warten lässt als ich für möglich gehalten habe.

Denken Sie an 2001 bis 2003: Aktien halbiert, Gold plus 40%

Mein zweiter Chart zeigt Ihnen die Entwicklung des S&P 500 und des Goldpreises in $ von 1995 bis 2003. Die roten Pfeile kennzeichnen die hoch interessante Phase, in der sich die Aktienkurse halbiert haben, während gleichzeitig der Goldpreis um 40% nach oben schoss.

S&P 500 (schwarz) und Goldpreis pro Unze in $ (blau), 1995 bis 2003

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Stark fallende Aktienkurse und deutlich steigende Goldpreise schließen sich nicht aus. Quelle: StockCharts.com

Die aktuelle Lage gleicht in vielerlei Hinsicht dieser bemerkenswerten Episode. Allerdings mit einem wichtigen Unterschied: Die Exzesse, Fehlentwicklungen und Risiken an den Finanzmärkten und in der Realwirtschaft sind heute erheblich größer als heute.

Ich wünsche Ihnen frohe Ostern und viel Erfolg beim Eiersuchen.
Herzliche Grüße
Ihr
Claus Vogt – Krisensicher Investieren




 

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3 Kommentare auf "Geht das? Aktien runter und Gold hoch"

  1. Michael sagt:

    Deswegen versuchen die Zentralisten ja auch ihre Vermögen auf unseren Schultern zu balancieren.

  2. hanny sagt:

    Lieber Herr Vogt, ich lese immer wieder gerne Ihre Beiträge, herzlichen Dank und bitte machen Sie weiter so !

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