Geheuchelter Stress

24. Dezember 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Endlich geschafft, fix und fertig! Die Weihnachtsgänse sind getötet, Gans und gar – ebenso 29,5 Millionen Weihnachtsbäume. 17 Millionen Weihnachtssterne wandern bald in die Biotonnen. Ho! Ho! Ho!

Es kann losgehen. Jeden Moment fallen die Liebsten und Bekannten ein. Oh Gott, diesmal sind es vier Weihnachtstage! Mit Besuch verhält es sich manchmal wie mit Fisch: Der fängt nach drei Tagen an zu riechen. Und denken sie bitte auch mal an die armen Börsianer! Was machen diese nur vier Tage lang ohne Börse, außer Unsinn? Mit einem Plus von 13 Prozent beim DAX in diesem Jahr dürften sie doch zufrieden sein. Vorerst. Nächstes Jahr gibt’s noch mehr Gewinne durch das Finanz-Doping der Zentralbanken, so die Fachleute und ihre Glaskugeln. Ich wäre da nicht so sicher. Sicher ist nur: Ab jetzt werden die Tage wieder länger hell.

Weil es uns offiziell so gut geht, sollten wir auch an die 1,5 Millionen Leute denken, die von den 900 Tafeln versorgt werden, darunter 350.000 Senioren – oder auch an die 440.000 Pflegebedürftigen, die auf Sozialhilfe angewiesen sind in einem Land, in dem wir gut und gerne leben – wo Altersarmut wie der DAX gedeiht und Experten von glänzenden Aussichten für den Konsum frohlocken.

Ab Januar sinken die Rentenbeiträge um 0,1 Prozent. Bloß nicht alles auf einmal ausgeben!

In den USA gab es für die Reichen vor dem Fest noch eine Steuerreform, bezahlt mit explodierenden Staatsschulden. Für europäische Banken ist immer Weihnachten. Die EZB hat ihnen ihre Anleihen für 2,3 Billionen Euro überwiesen, so dass sie unter einer „Überschussliquidität“ von 1,9 Billionen Euro ächzen, mit denen sie Finanzblasen füttern wie Koikarpfen.

Apropos, 7.000 gefutterte Kalorien entsprechen einem Kilo Körperfett. Das ist schnell wieder weg, wenn die Rennerei im Hamsterrad bald schon weitergeht. Frohes Fest!
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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