Gegen Geldfäule hilft Silber (Hans-Jörg Müllenmeister)

15. März 2009 | Kategorie: Aufgelesen, Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

Haben Sie das bemerkt? Von Analystenseite ist kaum noch etwas über Silber zu hören. Dass ist für mich ein gutes Zeichen. Für Aufregung bei den Gold-Bugs sorgt hin- und wieder der atmungsaktive Goldpreis. Tatsächlich geht das Vertrauen in die Währung in dem Maße verloren, wie es Rettungspakete und Pleiten hagelt. Schon plündern die ersten Angsthasen rechtzeitig vor Ostern ihre Konten, weil sie fürchten, dass ihr Geld morgen nichts mehr wert ist. Sie tauschen es in andere Währungen – geschickt in eine edle Metallwährung – und mutieren zu Hamstern mit vollen Backen…

Nicht auszuschließen, dass sich in Bälde ein Schwarzmarkt entwickelt. Was dann folgt, ist die Zeit der Naiv- und Silberlinge. Der Naivling sieht sich plötzlich unausweichlichen mit der Inflation konfrontiert. Der Weitsichtige hat für diesen worst case in Barren und Münzen vorgesorgt. Einige Aspekte der möglichen Prophylaxe „Silber“ wollen wir ansprechen:

Silber atmet im Gezeitenwechsel der Wirtschaft. Die industrielle Silber-Nachfrage scheint durch den aktuellen Wirtschaftskollaps nachzulassen. Der Bedarf an Basismetallen geht zurück. Da aber Silber zu 70% als „Zubrot“ der Basismetalle Kupfer und Zink produziert wird, läßt automatisch auch das Silberangebot aus den Minen nach. Nun hat das weiße Metall eine wahre Zwillingsnatur: Im Grundcharakter ist es zwar Industriemetall und dann erst Schmuck- und Spekulationsmetall. Pünktlich zur deflationären und inflationären Zeit entwickelt das weiße Metall ausgeprägte monetäre Eigenschaften – wie sein gelber Bruder Gold. Dabei ist der Silbermarkt ein Bruchteil des Goldmarktvolumens und kann deswegen von starker Oligarchen-Hand leicht durch Hebelprodukte im Preis „moduliert“ werden, nicht aber das physische Silber in Barren und Silberlingen, also Münzen.

Persönlich traue ich keiner Nachricht, die den augenblicklichen Weltsilberbestand ausweist; die Weltbestände mögen bei einer Milliarde Unzen oder 31.000 Tonnen liegen. Das wäre ein Silberwürfel von 14 m Kantenlänge, wesentlich kleiner als der fiktive 19-m-Goldwürfel. Fest steht, dass die Weltlagerbestände seit 2002 gewaltig abnahmen. Jahre zuvor kam es von privater Seite schon einmal zur Inflationszeit zu einer panikartigen Enthortungswelle: Anfang 1980 karrte man das Familien-Tafelsilber zum Tandler, um es zu „vergolden“. Damals, zur „Silber-Hochzeit“, bekam man 89 DM pro Unze. Tatsache ist, dass Silber im Gegensatz zum akkumulierten Gold, ständig einen natürlichen Schwund durch industriellen Verbrauch erfährt.

Silber wird wieder stark als Investment wahrgenommen, trotz der „Widerwärtigkeit“ der 19%-tigen Mehrwertsteuer. Aus privatem Besitzt dringt kaum mehr Silber in den Markt, im Gegenteil, der kluge weitsichtige Anleger ist dabei, Silberbarren und Münzen zu horten. Das Weißmetall steht vor seinem größten Paradigmenwechsel aller Zeiten; das betrifft sowohl sein Preisniveau, als auch seine neue Anwendungsvielfalt. Die Silberhistorie wird um die Jahrzehntwende durch ein spannendes Kapitel bereichert.

Die Choreographie des Silberpreises ist nachhaltig vom wachsenden Bedarf für die Hochtechnologie und dem monetären Charakter bestimmt. Das kann in Bälde zu einer dramatischen Verknappungstendenz führen, zumal Amerika die Versorgungslage m. E. unterschätzt: Strategische US-Silberlagerbestände gibt es nicht mehr. Die Produzentenseite wird mit der steigenden Nachfrage auf Jahre nicht Schritt halten können. So steht dem Industriesilber eine glänzende Zukunft bevor. Neue Applikationsbereiche erschließen sich. Sie werden eine Unmenge an Silber absorbieren. Reden wir bewußt nicht über die spekulativen Marktkräfte, greifen wir nur einige Hightech-Anwendungen heraus:

Eine dieser Anwendung wird Abermillionen Unzen Silber beanspruchen: die Hoch-Temperatur-Supraleiter-Technik. Das US-Militär macht immense Anstrengungen bei HTS-Antriebsmotoren für geräuscharme U-Boote. Der geschätzte Verbrauch liegt bei 80 Millionen Unzen in den nächsten fünf Jahren. Als Vision könnte ich mir vorstellen, dass die USA ihr marodes, landesweite Energieversorgungsnetzt mit unterirdisch verlegten Supraleitern auf Silberbasis neu aufbauen. Da kämen zunächst Trassen in Betracht, die gegen Hurrikan und Terrorangriff zu schützen wären. Diese böten dem Strom keinen Leitungswiderstand, hätten also keinen Energieverlust wie herkömmliche Hochspannungsleitungen.

Elektronische Sensoren für Waffen, Waren, Geldscheine, Vier- und selbst Zweibeiner werden zunehmend mit Radiofrequenz-Indentifikatoren (RFID) mit Chips auf Silberbasis bestückt. Da demnächst weltweit milliardenfach verbreitet, erschließt sich für das Industriemetall Silber ein gigantischer Markt. Stellen Sie sich nur vor, dass wir bald mit einem Chip bereichert sind, der nur 10 Milligramm Silber enthält. Die gesamte chipbeglückte Menschheit wäre ein wandelnder Silberberg von 67 Tonnen.

In der Schlussphase des Hypes, die ich um 2011 sehe, wird dem Silber-Chart durch Überspekulation noch ein wahres „Silberhäubchen“ aufgesetzt. Jedem weitsichtigen Investor rate ich zu physischem Silber als Anlageobjekt in Form von Barren (19% Mst) oder Münze (7% Mst). Wenn erst einmal die prozyklisch orientierte Herde der Anleger bei immer höheren Preisen nach Silberlingen giert, ist es zu spät. Bedenken Sie: Der kapitalisierte Silbermarkt ist ein Gnom gegenüber dem Goldmarkt, der gegenüber seinem gelben Bruder noch viel nachzuholen hat. Und er wird es nachholen und im Finale davon sprinten.

Abschließend ein kleiner Reisebericht, der den „Silberstreif am Horizont“ schildert: 2009 gewinnt der Silberpfeil an Fahrt, stets mit verunsichernden Rücksetzern. Silberfüchse der Ersten Klasse, die von Anfang an im Silberpfeil mitreisten, können sich genüßlich zurücklehnen.
2009 rumpelt der Zug in die üppige Hochebene der Silberdisteln und Goldruten in 2.000 Höhe. Die Höhenmeter entsprechen exakt einem Hundertstel des Silberpreises, also 20 US-D. Hin und wieder serviert ein Zugbegleiter auf einem silbernen Tablett die ersten Globulis, aufgelöst in kolloidales Silber gegen die Unbilden der Höhenkrankheit. Die Anspannung der Reisenden wächst mit jedem Höhenmeter, den sich der Silberpfeil ins Gebirge höher schraubt. Ziel ist das schroffe Preis-Hochgebirge. Das erste größere Etappenziel liegt auf 5.000 m Höhe, das entspricht 50 US-D/Unze. Es ist die Endstation des Silberpfeils. Dieses Basislager von 1980 wird voraussichtlich Ende 2010 erreicht. Da heißt es erst einmal durchatmen. Hilfreich ist der besondere Bordservice für hyperventilierende Reisende der ersten Klasse: ab 4500 m regnet es Sauerstoffmasken von der Decke.
Der Trupp, der schließlich den Silberberggipfel zu Fuß erreicht, ist zum Fähnlein der sieben Aufrechten zusammen geschrumpft. Einige davon versinken in die trügerischen Gletscherspalten des Markes in hauchdünner Luft.

Viele Investoren, die in Aktien und Derivaten spekulierten, verloren zuletzt ihr Geld. Eine nette und dabei nachdenklich stimmende Story brachte mir ein Bekannter mit. Lesen Sie diese lehrreiche Geschichte; vielleicht werden Sie, lieber Leser angeregt, über den Sinn des Lebens als Investor nachzudenken:

Ein Investmentbanker stand in einem kleinen mexikanischen Fischerdorf am Pier und beobachtete, wie ein kleines Fischerboot mit einem Fischer an Bord anlegte; er hatte einige große Thunfische geladen. Der Banker gratulierte dem Mexikaner zu seinem prächtigen Fang und fragte, wie lange er dazu gebraucht habe. Der Mexikaner antwortete: “ Nicht lange ein paar Stunden nur.“

Warum er denn nicht länger auf See geblieben sei, um noch mehr zu fangen, fragte der Banker. Der Mexikaner sagte, die Fische reichten ihm, um seine Familie die nächsten Tage zu versorgen. Der Banker bohrte weiter: „Aber was tust Du denn mit dem Rest des Tages?“ Der Fischer: „Ich schlafe morgens aus, gehe ein bisschen fischen; spiele mit meinen Kindern, mache mit meiner Frau Maria nach dem Mittagessen eine Siesta, gehe im Dorf spazieren, trinke dort ein Gläschen Wein und spiele Gitarre mit meinen Freunden, so habe ich ein ausgefülltes Leben“.

Der Banker erklärte: „Ich bin ein Harvard-Absolvent und könnte Dir ein bisschen helfen. Du solltest mehr Zeit mit Fischen verbringen und von dem Erlös ein größeres Boot kaufen. Damit könntest Du mehrere Boote kaufen, bis Du eine ganze Flotte hast. Statt den Fang an einen Händler zu verkaufen, könntest Du direkt an eine Fischfabrik verkaufen und schließlich eine eigene Fischverarbeitungsfabrik eröffnen. Du könntest Produktion, Verarbeitung und Vertrieb selbst kontrollieren. Du könntest dann dieses kleine Fischerdorf verlassen und nach Mexiko City, Los Angeles oder vielleicht sogar nach New York City umziehen, von wo aus Du dann Dein florierendes Unternehmen leitest.“

Der Mexikaner fragte: „Und wie lange wird dies alles dauern?“ Der Banker antwortete: „So etwa 15 bis 20 Jahre.“ „Und was dann?“ fragte der Fischer. Der Banker lachte und sagte: „Dann kommt das Beste. Wenn die Zeit reif ist, könntest Du mit Deinem Unternehmen an die Börse gehen; Deine Unternehmensanteile verkaufen und sehr reich werden. Du könntest Millionen verdienen.“

Der Mexikaner meinte: „Millionen. Und dann?“ Darauf der Banker: „Dann könntest Du aufhören zu arbeiten. Du könntest in ein kleines Fischerdorf an der Küste ziehen, morgens lange ausschlafen, ein bisschen fischen gehen, mit ihren Kindern spielen, eine Siesta mit Deiner Frau halten, im Dorf spazieren, am Abend ein Gläschen Wein genießen und mit Deinen Freunden Gitarre spielen.“

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