Gefährliche Hanglage

1. März 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Die Hauspreise in den Niederlanden legten im Januar einen Rekordsturz aufs Parkett. Um fast 10% gingen die Verkaufspreise im Jahresvergleich zurück. Nach der Verstaatlichung der SNS Bank sorgen sich nun nicht mehr nur die Hauseigentümer und Eigenkapitalgeber sondern auch die Halter niederländischer Pfandbriefe und Bankanleihen…

In den Niederlanden ist die Wirtschafts-Party seit geraumer Zeit vorbei. Das gilt nicht nur für den Immobilienmarkt, denn die hohe Verschuldung der Konsumenten und die anhaltende Rezession sind ein auf alle Sektoren wirkendes Gebräu. Die schwunglose Erholung der Jahre 2010 und 2011 ist lange her und viele Niederländer haben von ihr ohnehin nicht viel mitbekommen. Das zumindest legen die Arbeitslosenzahlen und das Konsumentenvertrauen nahe.

In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Arbeitslosenquote fast verdoppelt. Das Ende des jahrelangen Aufwärtstrends der Hauspreise kommt da ungelegen und erwischt wie üblich, die meisten mal wieder auf dem falschen Fuß. Da der Mensch in seiner linearen Denkweise mit Veränderungen nicht gut zurechtkommt, wird die „absehbare Überraschung“ auch in deutschen Metropolen Einzug halten. Vielerorts ist es mittlerweile nicht einmal unüblich, sich auch mal schlappe 40 Jahresmieten vor Kosten als Kaufpreis schönzureden. Viel Vergnügen …

Seit dem Preishoch der Immobilien in den Niederlanden hat der entsprechende Index mehr als 19% verloren. Auch die Zahl der Transaktionen ging deutlich zurück.

Wie in anderen Ländern (z.B., Australien oder Kanada) befinden sich viele Besitzer, die verkaufen möchten oder müssen, in einer Art Leugnungsphase und warten hoffnungsfroh auf eine Erholung. Die angestrebten Verkaufspreise werden verzweifelt hoch gehalten, was jedoch nichts bringt. Die Fische schnappen nicht mehr nach zu hoch hängenden Würmern.

Im Abschwung verdient bekanntlich nicht mehr der Verkäufer sondern der Käufer sein Geld mit Warten. Angesichts der Beschäftigungssituation und dem trüben Ausblick, kann es nicht schaden, über die Auswirkungen schrumpfender Käuferschichten nachzudenken. Wer den Preisverfall übrigens als „sozial ungerecht“ brandmarkt, weil die Besitzer ins Schwitzen kommen, der sollte beide Seiten der Gleichung betrachten. Für jeden der bisher kein Haus hat, weil er sich keines leisten konnte oder aus guten Gründen nicht wollte, sind die sinkenden Preise wunderbar.

Die sinnvolle Abschaffung der Absetzbarkeit von Hypothekenzinsen für Neuverträge leistet ebenfalls einen Beitrag dazu, einen Kauf weniger attraktiv zu gestalten. Aber wer kein Einkommen hat, kann ohnehin nichts absetzen.

Generell spitzt sich die Lage an der Nordseeküste zu. So sind auch von den Verkaufszahlen höherpreisiger Wirtschaftsgüter keine Jubelarien zu vernehmen. Sollte sich etwa die von den äußerst schwachen Januarzahlen zu den KfZ-Neuzulassungen in den Niederlanden nicht deutlich bessern, so steht dem Land der schwächste Absatz seit den 90er Jahren ins Haus. Problematisch ist dies natürlich vor allem für die Länder mit den meisten Produktionsstätten im europäischen Raum. Über die Bereitschaft oder Fähigkeit zum Kauf hochpreisiger Güter hingegen sprechen derartige Zahlen Bände. Da die Krise in Europa noch lange nicht vorbei ist, und sie in Holland erst so richtig an Fahrt gewinnt, sollte man in den Niederlanden noch einmal über den erhofften Verkaufspreis für das Häuschen nachdenken.


 

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4 Kommentare auf "Gefährliche Hanglage"

  1. gilga sagt:

    Erneut vielen Dank ans Bankhaus Rott für diese „Wasserstandsmeldung“ in Sachen Immobilienmarkt in den Niederlanden!

    Mich würde mal ein ähnlich gelagerter Artikel des Bankhauses zum Thema Deutschland interessieren. Einschätzungen dazu kommen momentan ja leider immer nur aus der Immobilienwirtschaft oder dieser nahe stehenden Institutionen (Banken, Baufinanzierer etc.). Der unten stehende Abschnitt zeigt ja, dass das Bankhaus auch auf diesem Gebiet die Augen offen hält:

    „Da der Mensch in seiner linearen Denkweise mit Veränderungen nicht gut zurechtkommt, wird die “absehbare Überraschung” auch in deutschen Metropolen Einzug halten. Vielerorts ist es mittlerweile nicht einmal unüblich, sich auch mal schlappe 40 Jahresmieten vor Kosten als Kaufpreis schönzureden. Viel Vergnügen …“

    Aus meiner persönlichen Sicht wird es, wenig überraschend, kurz- und mittelfristig darauf ankommen, wie sich die realwirtschaftliche Situation weiter entwickelt. Auch wenn in Deutschland vorgeblich (harte Zahlen kenne ich hier nicht) mit höherem Eigenkapital finanziert wird… Wenn die Gehälter in den von einem Abschwung besonders betroffenen, momentanen „Boomregionen“ auch nur minimal sinken (oder wahlweise auch die Kosten bei gleichbleibendem Einkommen steigen), dürften die Schulden und gleichzeitig die laufenden Kosten für den Unterhalt einer Immobilie schon, ebenfalls wenig überraschend, sehr belastend ins Gewicht fallen. Ob da bei aller Investition in „Werthaltiges“ noch Luft bleibt? Potential für eine solche Entwicklung ist ja durchaus vorhanden… aber schauen wir mal.

  2. wolfswurt sagt:

    Die Masse der Anleger wird hin und her getrieben, ob in Aktien, Anleihen, Gold oder eben in Immobilien.

    Den Letzten beißen bekanntlich die Hunde.

    War immer so und wird immer so bleiben…

  3. jdeuling sagt:

    Infografiken Immobilienmarkt Niederlande Februar 2013

    Ich habe einige Infografiken hergestellt über die Entwicklung der niederländischen Immobilienpreise und die Anzahl der Häuser zum Verkauf in den Niederlanden. Zwei Karten mit regionalen Daten sind enthalten.

    http://www.affidata.de/sh/immobilien-kaufen/immobilienmarkt-immobilienpreise-niederlande

  4. Peter Hieber sagt:

    Die Aussagen vom Bankhaus Rott decken sich ziemlich genau mit den Vorhersagen im GEAB No. 68 vom Oktober 2012. Dort wurde ein Einbruch der Immobilienpreise bis Sommer 2013 vorhergesagt, der jetzt wohl schneller eingetroffen ist.

    Wenn die restliche Vorhersagen des GEAB für 2013 auch noch eintreffen, dann gute Nacht!

    Die bisherige Trefferquote bei den Vorhersagen liegt bei über 75 Prozent!

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