GEAB (68) – Die gegenwärtige umfassende Krise

18. Oktober 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Die Wochen der historischen Zeitenwende beginnen / Geopolitik als Auslöser eines neuen weltweiten Schocks…

Wir hatten schon vor Monaten einen massiven Schock für die Weltwirtschaft und die globale politische Stabilität für den Herbst 2012 vorhergesehen. Wir halten diese “Warnstufe rot” aufrecht und werden Mitte November im Einzelnen darauf zurück kommen, wenn wir auch unseren Länderrisikenbericht 2013 zum Zustand der Welt zum Jahresende 2013 vorlegen.

In den letzten Wochen hat sich die globale geopolitische Lage, wie von uns vorhergesehen, rapide verschlechtert: Der syrische Bürgerkrieg hat sich zu einem regionalen Konflikt ausgewachsen, in dem die großen Mächten versuchen, eine Grenze, die sich selbst gesetzt haben, nicht überschreiten zu müssen (1). Im Norden der Sahelzone (Mali, Niger usw.) droht eine weitere militärische Konfrontation zwischen Islamisten und den westlichen Staaten (2); das Chinesische Meer ist inzwischen Schauplatz verschiedener “lauwarmer” Konflikte, wobei Japan und China die Hauptakteure in diesem sich entwickelnden Chaos geben (3); die großen globalen Wirtschaftsmächte stecken inzwischen alle in einer Rezession (4); die soziale Unzufriedenheit wächst, genauso wie die Steuerbelastung – und alle Liquiditätsquellen, die 2009 noch angezapft werden konnten, sind versiegt (selbst die QE haben ihre Wirksamkeit inzwischen weitestgehend eingebüßt (5)).In dieser 68. Ausgabe des GEAB untersuchen wir die Aussichten für die Immobilienmärkte der westlichen Staaten bis 2013 und veröffentlichen anlässlich des sich in den Niederlanden vollziehenden Immobiliencrahs eine Sonderantizipation über den dortigen Immobilienmarkt. Gleichzeitig widmen wir uns weiterhin der Frage, welche sozialen und politischen Konsequenzen die wachsenden sozialen Spannungen zeitigen werden und wie sie die Ereignisse im Jahr 2013 beeinflussen oder hervorrufen werden, wobei wir uns diesmal auf die USA konzentrieren (6). Und schließlich, nach einem Überblick über die großen Trends der kommenden Monate (wie immer mit Zeitangaben) geben wir erneut unsere Empfehlungen zu Immobilien, Gold und den Aktienmärkten.

Auswirkungen der QE der Fed auf die Liquidität in den USA in Prozent nach drei Monaten (blau), nach sechs Monaten (rot), nach einem Jahr (grün) und nach zwei Jahren (violett) – Quelle : Hussman Funds, 09/2012

Gleichzeitig kann man vor diesem Hintergrund der asiatischen oder arabisch- islamischen Konflikte sehen, wie die Verbündeten und Gegner der USA immer wieder den Grad der Schwächung der US- Macht austesten (7). Und mit jeder Woche, die verstreicht, wird eindeutiger, dass die “Hypermacht des ausgehenden 20. Jahrhunderts” ihre alte Macht eingebüßt hat: Der “Königsmacher im Mittleren Osten” der Jahre 1990 bis 2000 muss heute schon zufrieden sein, wenn seine Präsenz in der Region nicht auf Widerstand stößt und sich jeglicher sichtbarer militärischer Aktion enthalten (8); und im Konflikt zwischen China, seinem größten geopolitischen Konkurrenten und vor allen Dingen seinem wichtigsten Wirtschafts- und Handelspartner und Geldgeber (9), und Japan, seinem seit mehr als 60 Jahren wichtigsten Verbündeten in der Region (10), muss sich die einstige “pazifische Supermacht” mit der Rolle eines Beobachters zufrieden geben. Und gerade dort erweisen sich mit jedem Tag die immer schwereren Folgen der amerikanischen “Achillesferse” (11).Neben der Veröffentlichung eines Auszugs unserer Analysen zur Lage und den Aussichten auf dem amerikanischen Immobilienmarkt, die den Beginn einer dauerhaften Depression des Immobilienmarkts der westlichen Staaten markieren, haben wir uns entschieden, in dieser Pressemitteilung der 68. Ausgabe des GEAB einige Schaubilder zu präsentieren, die nachweisen, wie die US- Behörden mit Hilfe von statistischen Manipulationen versuchen, den Schein eines Aufschwungs zu erwecken.

Wir freuen uns darüber, dass die Polemik, die im US- Wahlkampf über die offiziellen Arbeitslosenzahlen der US für September 2012 mit angeblichem Rückgang von 0,4% ausgebrochen ist, eine weitreichende Diskussion in den großen Medien über die “merkwürdigen Berechnungsmethoden” des US- Arbeitsministeriums ermöglicht hat. Diese staatliche Stelle ist nicht die einzige, die Statistiken nach ihrem Gusto hinbiegt, aber wenn man bedenkt, welche Bedeutung den US- Statistiken international immer zugemessen wird, halten wir es doch für sehr hilfreich, wenn mehr Akteure Klarheit darüber gewinnen, wie und mit welchen Zielen sie erstellt werden; und nicht nur die bereits sehr gut informierten Leser des GEAB und anderer wahrhaft informativer Netzauftritte.

In China vollzieht sich der politische Wechsel sehr schwierig. Wie sollte es auch anders sein, steht doch das Land vor einer doppelten Herausforderung: Zum einen die weltweite Wirtschaftskrise, die nun auch dieses Land (und überhaupt die BRICS (12)) in Mitleidenschaft zieht (13); zum anderen die Notwendigkeit der Entwicklung einer neuen Strategie, mit der das Land Antworten auf zwei große Fragestellungen geben kann, nämlich wie intern die Risiken von sozialen Unruhen abgefedert werden können (wir werden darauf im Einzelnen in der 69. Ausgabe des GEAB vom November 2012 eingehen) und wie extern die Definition seiner geopolitische Rolle in der Region und weltweit) gelingen kann.

Inzwischen etabliert sich auch die Europäische Union, bzw. um präziser zu sein, Euroland als dritter großer (und vielleicht für die Zukunft bedeutendster, da strukturierender) Pfeiler der neuen Weltordnung. Wie wir vorhergesehen hatten, kommen die einzigen guten Nachrichten im Herbst 2012 aus Euroland. Natürlich werden sie auf kurze Sicht von den wirtschaftlichen und für die Staaten finanziellen Folgen der umfassenden weltweiten Krise (Arbeitslosigkeit, Rezession, Sparpolitik usw.) aus den Tagesnachrichten verdrängt. Aber auf mittel – oder langfristige Sicht hat Euroland endlich einen Weg eingeschlagen, der in die Zukunft führen kann, nachdem es über Monate zu politischer Ohnmacht verdammt war. Es verfügt nunmehr über machtvolle Instrumente und der europäische politische Wille, gemeinsam die Krise zu überwinden (14), hat sich endlich herausgebildet (15), (da jeder Mitgliedstaat inzwischen die Auswirkungen der Krise empfindlich spürt).

Der Ablauf der kommenden Ereignisse ist nach unserer Auffassung inzwischen relativ leicht ersichtlich:
– Bis Ende November 2012 werden sowohl die USA als auch China in eine Phase doppelter Herausforderungen geraten: Sie werden bisher einzigartigen sozialen und politischen Spannungen ausgesetzt sein und gleichzeitig sich darauf vorbereiten müssen, dass die Periode der “friedlichen Wirtschafts- und Handelspartnerschaft” der letzten Jahrzehnte zu Ende geht;
– bis Ende Dezember 2012 stolpert sich Euroland, wie es so seine Art zu funktionieren ist, aus der “Eurokrise” und steht vor der dreifachen Herausforderung, seine Wirtschaft trotz der weltweiten Krise wieder in Schwung zu bringen, seine Institutionen neu zu ordnen und dabei die unbedingt notwendige Demokratisierung voranzutreiben (16), und die langfristigen Beziehungen zu Großbritannien auf eine neue Grundlage zu stellen (also im Prinzip eine EU 26 plus 1 (17))

Einzelhandelsumsätze für Benzin in den USA (1984 bis 2012) (In tausend Gallonen pro Tag) – Quelle: US Dpt of Energy, 09/2012

Die USA – Der Aufschwung als Fata Morgana

Die Medien versuchen die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass der Immobilienmarkt in den USA sich erhole. Dabei stützen sie sich insbesondere auf den Case-Shiller- Index, den wir im Folgenden als Schaubild wiedergeben.

Case-Shiller- Index der landesweiten Immobilienpreise in den USA, 2005 bis 2012 – Quelle : S&P/Case-Shiller

In sechs Monaten, vom vierten Quartal 2011 bis zum zweiten Quartal 2012, verzeichnete der Index in der Tat einen Anstieg von 3,7%. Wir gehen jedoch davon aus, dass dieser Anstieg nicht von Dauer sein wird, sondern es sich dabei lediglich um eine künstlich herbeigeführte Pause auf dem unvermeidbaren Weg der amerikanischen Immobilienpreise zu tieferen Preisniveaus ist. Wir stehen mit dieser Auffassung nicht alleine, denn selbst die Fed hielt es trotz der aktuellen Preissteigerungen für sinnvoll, mit seinem QE3 in ersten Linie den Immobilienmarkt zu stützen. In Wirklichkeit ist dieser Preisanstieg künstlich herbeigeführt, und dies zumindest aus zwei Gründen:Erstens ist das Zinsniveau auf einem historischen Tiefststand (zur Zeit 3,39% für ein Darlehen mit Zinsbindung über 30 Jahre (18)), was zum einen einigen Familien ermöglicht, auch wenn sie weitestgehend insolvent sind, wieder auf den Immobilienmarkt zurückzukehren, zum anderen aber überwiegend Investoren ermöglicht, Immobilien, in die die Banken zwangsvollstreckt haben, zu Schnäppchenpreisen zu erwerben (19). Diese Käufe führen automatisch zu einem Anstieg des allgemeinen Preisniveaus… (Seite 2)

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Ein Kommentar auf "GEAB (68) – Die gegenwärtige umfassende Krise"

  1. 4fairconomy sagt:

    „Zweitens verknappen die Banken das Immobilienangebot, weil sie die zwangsvollstreckten Häuser nicht zum Marktwert abgeben wollen.“

    Und verhindern damit das Mio Amerikaner zu einer für sie bezahlbaren, d.h. dem Marktwert entsprechenden, Wohnung kommen können. D.h. sie erzwingen mit ihrer Marktmacht höhere Preise, wofür die Leute mehr arbeiten d.h. produzieren müssen. Und damit sie dies tun können, muss auch die Nachfrage dafür vorhanden sein. Von denen, welche eben gerade für ihre Wohnung mehr arbeiten und produzieren müssen? Diese können die Mehrproduktion nicht kaufen, da sie mit dem Geld die Wohnung bezahlen müssen. Wer also kauft die Produkte, welche zur Bezahlung der zu hohen Wohnungskosten abgesetzt werden müssen? Das müssten letztlich die Empfänger der Erträge aus dem Immobilienverkauf sein. Tun sie das nicht, was wahrscheinlich ist, geht die Sache volkswirtschaftlich nicht auf und zwingt letztlich viele Menschen unter ihren Verhältnissen zu leben!

    Der volkswirtschaftliche Schaden, verursacht durch Boden als privatwirtschaftliche Geldanlage geht munter weiter.

    Würde der Boden im Nutzungsrecht abgegeben, könnten solche Spielchen, welche zudem inflationär wirken, nicht stattfinden.

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