GEAB N°59 ist angekommen! Umfassende weltweite Krise

20. November 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

GEAB N°59 ist angekommen! Umfassende weltweite Krise: 30.000 Milliarden USD Scheinvermögen lösen sich bis Anfang 2013 in Luft auf / In der Krise werden die Staatsanleihen der westlichen Staaten massiv an Wert verlieren

Wir gehen also davon aus, dass bis Anfang 2013 30.000 Milliarden USD Scheinvermögen abgeschrieben sein werden (2). Weiterhin gehen wir davon aus, dass sich im Lauf des Jahres 2012 der Prozess der Fragmentierung des globalen Finanzmarkts (3) beschleunigen wird; er wird in drei Zonen zerfallen, nämlich jeweils eine Dollar-, Euro- und Yuan- Zone. Die drei Zonen werden sich immer stärker voneinander abgrenzen und unabhängiger werden. Diese beiden Phänomene (Werberichtigung/Fragmentierung) stehen zueinander in einer sich verstärkenden Wechselwirkung. Gemeinsam werden sie die Ursachen dafür sein, dass die US-Währung 2012 30% ihres Wertes verlieren wird (4), wie wir in der April- Ausgaben (GEAB N°54 ) vor dem Hintergrund einer nachlassenden Nachfrage nach Dollar und einer Verschärfung der US- Staatschuldenkrise vorhersagten. Ende 2011 wird, wie vorhergesehen, der Zündsatz der europäischen Schulden die US-Schuldenbombe zur Explosion bringen.

In dieser 56. Ausgabe des GEAB analysieren wir im Detail diese neue Phase der Krise sowie die bevorstehende Verschärfung der US- Schuldenkrise. Auch werden wir die Serie unserer Vorhersagen zu den Zukunftsaussichten der USA für die Jahre von 2012 – 2016 beginnen, wie wir es in den vorhergehenden Ausgaben angekündigt haben (5). Wir starten mit einem wesentlichen Aspekt der europäisch- amerikanischen Beziehungen (und der Nachkriegsweltordnung überhaupt), nämlich den militärischen und strategischen Beziehungen zwischen dem Alten und dem Neuen Kontinent: Wir gehen davon aus, dass 2017 der letzte G.I. den Boden des europäischen Kontinents verlassen haben wird. Weiterhin stellen wir auch in dieser Ausgabe unsere Empfehlungen vor, und zwar zu Devisen, Gold, kapitalfinanzierte Rente, Finanzindustrie und Rohstoffe.

In dieser Pressemitteilung wollen wir die Faktoren vorstellen, die nach unserer Auffassung zu einer baldigen Verschärfung der US-Schuldenkrise führen werden, und die Wirkungen analysieren, die der EU-Gipfel vom Oktober und der G20- Gipfel in Cannes zeitigen werden.

Wie wir schon seit mehreren Monaten vorhersagten, ist der G20-Gipfel von Cannes zu einem echten Fiasko geworden; denn die Regierungen konnten sich auf noch nicht einmal ein „Maßnähmchen“ einigen, zeigten sich unfähig, die wesentlichen Zukunftsfragen wie eine Reform des internationalen Währungssystems, die Notwendigkeit globaler Konjunkturprogramme und eine Reform der internationalen Governance auch nur anzuschneiden (6). Dass Griechenland in den Beratungen dieses Gipfel einen solchen Platz einnehmen konnte, war nur möglich, da er sonst wenig Substanz bieten konnte. Das Theater um George Papandreou und seinen Plan einer Volksbefragung hat den Regierungen der G20 ermöglicht, den Eindruck zu erwecken, die Krise in Griechenland hätte ihrer Beratungen (7) gestört, wenn nicht gar unmöglich gemacht. In Wirklichkeit verschleierten sie hinter dieser Aufgeregtheit, dass sie sich auf nichts mehr einigen können, ja noch nicht einmal auf eine gemeinsame Tagesordnung, die die entscheidenden Themen enthält. Gleichzeitig zeigen die Beschlüsse des eine Woche vorher stattfindenden EU-Gipfels, dass Euroland sich (8) immer mehr zu einem eigenständigen Akteur in der EU und der Welt entwickelt. U.a. wurde beschlossen, jedes Jahr zwei Eurolandgipfel abzuhalten (9). An diesen Beschlüssen wird erkennbar, dass Euroland inzwischen den Ton in der EU angibt und Entscheidungen vorgibt (10). Der durch die Krise erzeugte Druck hat in nur wenigen Tagen erreicht, dass Euroland mit großen Schritten in Richtung verstärkter Integration unterwegs ist. Und das ist auch äußerst notwendig. Denn ohne eine solche verstärkte Integration kann der Übergang in die Welt von Morgen nicht gelingen. Das zweite Halbjahr 2011 ist nun beinahe vorbei und 15.000 Milliarden Scheinvermögen haben sich seit Juli in Luft aufgelöst, wie wir es in der 56. Ausgabe des GEAB (GEAB N°56 ) vorhergesagt hatten. Und nach unserer Auffassung wird sich dieser Prozess das folgende Jahr im gleichen Rhythmus fortsetzen. Wir gehen davon aus, dass mit dem griechischen Schuldenschnitt von 50% die umfassende weltweite Krise in eine neue Phase eintritt; nämlich in die Phase, in der alle Anleihen der westlichen Staaten wertberichtigt werden. Als Folge davon wird der bisher globale Finanzmarkt regional zerfallen. Wir sagen voraus, dass 2012 im Durchschnitt alle Staatsanleihen der westlichen Staaten um 30% wertberichtigt werden müssen (1). Entsprechend werden die Aktiva der Bilanzen der globalen Finanzinstitute geringer zu bewerten sein.

Der Haushalt und die Schulden  Italiens  (rot) im Verleich zu denen Frankreichs (grau) und Deutschlands (blau) (in Prozent vom BIP) -Quelle: Spiegel, 10/2011

Der Haushalt und die Schulden Italiens (rot) im Verleich zu denen Frankreichs (grau) und Deutschlands (blau) (in Prozent vom BIP) -Quelle: Spiegel, 10/2011

Nun muss in Griechenland eine Regierung der nationalen Einheit das Land in die Moderne führen (11); ein Land, das weder Grundbuch kennt noch weiß, was eine effiziente Verwaltung ist, ein Land, das endlich seinen Bürgerinnen und Bürger ermöglichen muss, Bürger Eurolands zu sein wie die anderen Europäer und nicht lediglich Untertanen in einem Feudalsystem, in dem große Familien und die Kirche Reichtum und Macht unter sich aufteilen. Dreißig Jahre nach seiner voraussetzungslosen Aufnahme in die EU wird Griechenland endlich die Reformen unternehmen müssen, zu denen die Länder Mittel – und Ost- Europas vor ihrem EU-Beitritt gezwungen wurden. Das wird fünf bis zehn Jahre dauern, das wird schmerzhaft werden, aber da müssen das Land und seine Menschen durch.

Auch Italien konnte endlich seinen Regierungschef los werden, der so symptomatisch für die Elite der Welt vor der Krise ist: Sein Hang zu « bling bling », seine Gier, seine skrupellose Einstellung zu Geld, seine Selbstzufriedenheit, die genauso umfassend wie unbegründet war, seine Kontrolle der Medien, seine regelmäßige Anti-Europapolemik und sein billiger Nationalismus (12), und natürlich auch seine Sexsucht. Die Jubelszenen in den Straßen Italiens zeigen, dass die umfassende weltweite Krise auch ihr Gutes haben kann. Wir wird schon im vorhergehenden GEAB schrieben, gehen wir davon aus, dass 2012 das Jahr sein wird, in dem Euroland nicht nur den Zerfall der alten Welt erleiden muss, sondern den Übergang zur Welt von Morgen einzuleiten vermag. (Seite 2)


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4 Kommentare auf "GEAB N°59 ist angekommen! Umfassende weltweite Krise"

  1. FDominicus sagt:

    Ich kann die Vorteile einer weiteren Integration nicht sehen. Ich vermisse auch eine Aussagen zu den Scheinerfolgen der Chinesen. Auch das wird sich irgendwann als Fata Morgana heraustellen. Leider vermisse ich auch den Vorschlag das Scheinsystem zu verlassen. Das wir 60 Jahre nichts geschaffen haben sollten ist Unfug und zwar grober. Man müsste schauen umwieviel mehr sich die Geldmenge als die „Realwert“ aufgebläht hat, das ist die Grenze wohin wir fallen werden. Wir werden aber keine Möglichkeit haben die Werte wirklich zu bestimmen, da alles in Scheingeldwerten gemessen wird.Und solang wir nicht wieder über Geld reden wird es immer dieses Auseinanderlaufen von Real und Nominal geben. Hierauf wird überhaupt nicht eingegangen. auch vermisse ich eine kritische Würdigung der diversen Eingriffe gegen den Markt.

    • konnt_ja_keiner_ahnen sagt:

      Meiner Ansicht nach kommen die angesprochenen Defizite daher, dass der/die/das GEAB und der dahinter stehende Think Tank auch nichts anderes sind, als Propaganda-Instrumente. Nur eben nicht für den Mainstream, sondern für die, die genauer hinschauen und sich ihre Gedanken machen, wie sie halbwegs ungeschoren durch die Krise und die Vernichtung der Geld(schein)vermögen kommen. In den Ausblicken und Bewertungen stehen bei aller Offenheit über den Zustand des Systems am Ende immer als Empfehlung die Ziele der Eliten. Genau genommen sagen die nix anderes als bspw. Schäuble – nur etwas offener und nicht politisch verklausuliert – also für mich und meine Meinungsbildung absolut irrelevant.

  2. Takuto sagt:

    Ein sehr guter und fundierter Artikel, der auch die politischen Hintergründe beleuchtet. Besonders interessant fand ich auch die Aufstellung des US-Defizits in Form einer Haushaltsrechnung. Das war mir auch schon lange aufgefallen, dass selbst wenn die geplanten Einsparungen gelingen würden, das nur ein Tropfen auf den heißen Stein wäre.

  3. Thomas sagt:

    @ konnt_ja_keiner_ahnen
    Korrekt, seh das wie du, die Ziele, sofern man hieraus schließen kann, sind elitärer Natur. Also unterhaltsam können die schreiben, aber die Absichten und Präferenzen mögen andere sein.

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