GEAB N°57 Viertes Quartal 2011: Kernschmelze der globalen Finanzwerte

19. September 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

– Pressemitteilung des GEAB vom 16. September 2011 –

Wie von LEAP/E2020 seit November 2010 angekündigt und mehrfach, zuletzt im Juni 2011, bestätigt, flammte die Krise zu Beginn des zweiten Halbjahrs wieder auf. Mehr als 10.000 Milliarden US-Dollar der nach 2008 verbleibenden 15.000 Milliarden an fiktiven Vermögenswerten wurden bereits „vom Winde verweht“. Was noch blieb, wird aller Voraussicht nach im vierten Quartal 2011 folgen. Denn dann tritt das ein, was wir die „Kernschmelze der globalen Finanzwerte“ nennen. Diese Kernschmelze wird sich vor allen Dingen an der Wall Street und in der Londoner City ereignen. Wie wir schon seit Monaten vorhersehen, wird, wenn die Euroländer in der Staatsschuldenkrise die privaten Investoren in die Verantwortung nehmen und einen Abschlag von bis zu 50% an den von ihnen gehaltenen Staatsanleihen durchsetzen, die kritische Masse erreicht sein. Dann wird der Prozess außer Kontrolle geraten. Aber auch wenn die Zündung in Europa erfolgt, die große Masse des Brennstoffs, der die Reaktion speisen und die Finanzwelt in Flammen aufgehen lassen wird, befindet sich in den USA (1). Die Ereignisse des Juli 2001 waren lediglich der Beginn. Das Schlimmste steht noch aus – und es steht kurz bevor.

In diesem Teil der 57. Ausgabe des GEABs, der als Presseveröffentlichung allgemein zugänglich sein wird, wollen wir darstellen, wie die Meinungsmache (2) gegen den Euro unter Ausnutzung der Griechenlandkrise organisiert wurde, und dabei auch beschreiben, welche Verbindung zwischen dieser Manipulation der öffentlichen Meinung und der bevorstehenden Kernschmelze der globalen Finanzwerte besteht. Weiterhin präsentieren wir unsere Vorhersagen zur weiteren Entwicklung des Goldpreises für die Jahre 2012 bis 2014 sowie unsere Analysen über die Renaissance des Protektionismus im Welthandel, die Ende 2012 einsetzen wird. Neben den üblichen monatlichen Empfehlungen, die dieses Mal Devisen, die Schweiz und den Schweizer Franken sowie den Immobilienmarkt betreffen, stellen wir unsere Empfehlungen an die Regierungen der G20 vor, die sich in weniger als zwei Monaten zu einem Gipfel in der Stadt treffen, die auch Sitz von LEAP/E2020 ist, nämlich Cannes.


Entwicklung des Indizes der Wirtschaftsproduktion in den USA (1974 bis 2011) (graue Streifen: Rezessionen; blaue gepunktete Linie: Rezessionswarnniveau; blau: Index der Wirtschaftsproduktion; rot: Vorhersagen für das dritte und vierte Quartal 2011) - Quelle: Streetalk/Mauldin, 08/2011  

Entwicklung des Indizes der Wirtschaftsproduktion in den USA (1974 bis 2011) (graue Streifen: Rezessionen; blaue gepunktete Linie: Rezessionswarnniveau; blau: Index der Wirtschaftsproduktion; rot: Vorhersagen für das dritte und vierte Quartal 2011) – Quelle: Streetalk/Mauldin, 08/2011
Griechenland und der Euro: Bestandsaufnahme einer massiven Meinungsmache  

Kommen wir also zu Griechenland zurück und der panikschürenden Medienkampagne, die alle paar Monate erneut aufflammt (3). Wir haben ja schon dargelegt, dass Griechenland und seine Schulden immer rein zufällig in das Fadenkreuz der großen Medien geraten, wenn die Probleme Washingtons und Londons überwältigend zu werden drohen (4). Der Sommer war eine Abfolge von Katastrophen für die USA (Rezession (5), Herabstufung der Bonitätsnote (6), Lähmung und Ohnmacht des politischen Systems (7), Unfähigkeit zur Verabschiedung eines realistischen Sparprogramms (8)). Großbritannien rutscht in eine Depression (9), in den Straßen seiner Städte brechen Aufstände aus, die an Gewalttätigkeit kaum zu übertreffen sind, sein Sparprogramm stürzt das Land in eine soziale Krise bisher nicht bekannten Ausmaßes (10) und kann ein weiteres Anwachsen der öffentlichen Defizite dennoch nicht verhindern (11), die Regierungskoalition weiß eigentlich gar nicht mehr, wieso sie noch zusammenbleiben soll und wie sie noch gemeinsam regieren kann, und als Sahnehäubchen auf dieser schreckliche Entwicklung wird die Kollusion zwischen dem Medienimperium Murdoch und führenden Politikern bekannt. In so einer verzweifelten Situation für USA und Großbritannien konnte ein Aufflammen der Berichterstattung über die schreckliche Lage in Griechenland und das bevorstehende Ende des Euros nicht ausbleiben.

Sollten wir ein Resume der Kampgange im Stil Hollywoods oder FoxNews (12) erstellen, würde sich das so lesen: « Während die Titanic auf den Eisberg zurast, lässt die Mannschaft die Passagiere Jagd auf gefährliche griechische Terroristen machen, die Bomben an Bord versteckt hätten.“ Aus der Propaganda ist diese Taktik wohlbekannt: Man lenkt von dem eigentlichen Problem ab, um zuerst eine ausgewählte Handvoll von Passagieren zu retten, nämlich die reichen und gut informierten (die sehr wohl wissen, dass keine Terroristen an Bord sind), weil Rettungsboote nur für wenige vorhanden sind. Natürlich muss von dem wahren Problem abgelenkt werden, sonst gäbe es ja eine Revolte an Bord (13).

Seit nunmehr zwei Jahren kochen interessierte Kreise immer wieder das Süppchen von der griechischen Krise und dem dadurch verursachten Ende des Euros hoch, ohne dass viel passieren oder die geringsten ihrer Vorhersagen eintreten würden (14).

Und dennoch wollen die Tatsachen einfach nicht der Fiktion weichen. Trotz der gigantischen Medienkampagne, die vielen anderen Volkswirtschaften und Währungen längst den Gar ausgemacht hätte, bleibt der Euro weitgehend stabil (15), Euroland bewegt sich in Riesenschritten auf eine verstärke politische Integration zu (16) und wird vielleicht bald die entscheidenden Etappen zurücklegen (17), die Schwellenländer stoßen ihre US-Staatsanleihen ab und kaufen stattdessen Staatsanleihen von Mitgliedern der Eurozone. Indessen rückt der Austritt Griechenlands lediglich in den Artikeln angelsächsischer Medien in den Bereich des Möglichen. Aber deren Autoren haben keine Ahnung, wie die EU funktioniert und noch weniger, welche machtvollen Trends in ihr wirksam sind (18). (Seite 2)

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8 Kommentare auf "GEAB N°57 Viertes Quartal 2011: Kernschmelze der globalen Finanzwerte"

  1. samy sagt:

    Hi,
    es ist immer so eine Sache mit gegen den Strom schwimmen und klaren zeitnahen Ansagen des GEAB. Aber solange die ihre Meinung logisch vertreten können und kein anderer seine Kristallkugel auspackt…

    GEAB ist auf dem richtigen Weg, wenn es erinnert das diese Krise doch eigentlich seinen Ursprung in dem Gezanke über die Anhebung des US-Schuldendeckels Anfang August hatte. Und wer heute die Nachrichten verfolgt hat, der bemerkt, dass Obama’s Sparprogramm schon ins Visier genommen wird. Also why not? Das Superkomitee könnte Ende November scheitern mit allen psychologischen Spielchen und Folgen für die Märkte. Dann müssten die Ausgaben a la Haircut gekürzt werden. Welche Folgen hat das dann für die Einnahmen und Ausgaben?

    Wird also spannend Ende November.

    VG

  2. samy sagt:

    Und noch einmal hi,

    Fernsehtipp für heute Abend. Friedmann und Mross? Währungscrash? Wird witzig. Hey, Michael d.D., sogar der Tenhageeeeeen ist mit dabei… also an die Flimmerkiste 🙂
    http://www.sat1.de/ratgeber_magazine/eins-gegen-eins/thema/
    Um 23:30 Uhr.

    VG

  3. Marcus sagt:

    Mein Bauchgefühl sagt, ja so könnte es kommen. Mein Verstand glaubt nicht dran. Die USA ist und bleibt die reale und finanzielle Weltmacht und da geht – leider – kein Weg dran vorbei. Kann es sein, dass die GEAB Leute durch eine dicke französische Brille gucken? Ich für meinen Teil bin nicht sicher, ob ich als Deutscher lieber hinter Sarkozy/Berlusconi oder mich nicht doch lieber an NY/London orientieren will. Bin immer gern auf der Seite des Stärkeren / Gewinners und das wird nie wieder FRA/ITA sein – außer beim Fussball vielleicht. Bin gerade in Asien unterwegs, hier findet man zwar Deutschland toll, aber alles orientiert sich an USA. Fazit: ich glaube eher an den Niedergang der EUR-Zone als an den Niedergang der USA. Auch wenn ich einsehe, dass viele Argumente für die GEAB Thesen sprechen. Das Gute ist, wir werden es bald wissen.

  4. bts_freak sagt:

    Sorry, aber für mich klingt dieser sehr verklärt und weltfremd. Erstens hab ich noch nie gesehen, dass das europäische Parlament ein Forum des Austausches ist (bitte mal ein paar Sitzungen anschauen, das ist eher eine große Gruppe von selbsverliebten Abnickern, die zu 80% keine Ahnung haben, über was sie da abstimmen, da die Politiker dort meist Abstellgleispuppen der Regierungen sind), zweitens wird irgendwie dargestellt als wenn die Regierungen von Europa nicht am Rockzipfel der Banken hängen wie USA & England (wie bitte?)… Also irgendwie scheinen die Jungs noch einem gehörigen Stück Europa-Romanze mit verschleierten Blick nachzuhängen – als wenn hier vieles viel besser wäre. EZB und Lehren aus der Vergangenheit…? Hust…
    Persönnlich kann ich nur wenigen Thesen zustimmen, außer dass es den großen Knall gibt.

  5. MARKT sagt:

    Wer so etwas veröffentlicht verschließt die Augen vor den tatsächlichen Machtverhältnissen auf dieser Welt. Wer glaubt MErkel und Sarkozy vertreten die Interessen der Euroländer muss schon sehr blauäugig durch diese Welt gehen. Ebenso die Einsicht sei gekommen Banken würden zeitnah dazu gedrängt Abschläge von 50% auf Staatspapiere vorzunehmen. Derzeit gibt es überhaupt keine Tendenz in diese wohl wünschenswerte Richtung. Genau das Gegenteil, die “ Eurokrise“ wird dazu genutzt immer mehr Kapital von fleißig in Richtung Bank umzubuchen.

  6. Takuto sagt:

    Immer wieder interessant, Meinungen von anderen zu lesen, denn jeder setzt die Schwerpunkte anders. Dass England so schlecht dasteht, ist z.B. ein wenig aus dem Fokus gerückt. Andererseits teile ich den Euro-Optimismus überhaupt nicht. Wie soll den die EZB wieder in die Hände vernünftiger Menschen gebracht werden? Das ist doch aussichtslos.

  7. tizian sagt:

    STUPENDO!
    „Qui va piano,
    va sano,
    ed qui va sano,
    va lontano…invece:“
    ich erlaube: „wer langsam läuft, läuft gesund, und wer gesund läuft, der läuft lange…
    hingegen:“
    Schönes Sprichwort, aber eben auch eine schöne italienische Lebensart…passend zur Lira aber leider nicht compatibel mit der Deutschmark, da Schlendrian mitschwingt(im Sprichwort)
    Klar, viele Herzinfarkte und Bluthochdrücke blieben „dem Deutschen“ erspart wenn er so wie die „Südländer“…, ABER
    „der Deutsche“ tickt nun mal nicht so.

    Womit eig. schon das Grundübel (EURO-Konstruktionsfehler) angesprochen wäre.(unterschiedliche Temperamente, Ethnien, Wirtschaftsräume, Völker passen nicht unter einen Hut.
    Was schief gehen kann, wird auch schief gehen. geab, dormez-vous?.

    Stimme dem geab zu: swine flue war eine amerikanische „Erfindung“.
    Stimme noch zu: sub prime crisis, das waren einmal schicke amerikanisches „triple A Finanzprodukte“ inclusive ProduktExport nach Europa.

    mi raccomando,

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